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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 21)

Gute Noten für das neue Gesangbuch

Trotz Kritikpunkte zogen Kirchenmusiker eine positive Bilanz nach fünf Jahren

Thema 21 Es ist mehr als eine bloße Liedersammlung. Das neue Evangelische Gesangbuch wird als Fundgrube für lebendige Gottesdienste, als Nachschlagewerk und als Gebetsbuch geschätzt. Gut fünf Jahre nach der Einführung zogen Kirchenmusiker gegenüber dem Sonntagsblatt insgesamt eine positive Bilanz des 1624-Seiten starken Werkes.

Für Luise Limpert ist das neue Gesangbuch eine "Fundgrube zur vielfältigen Gestaltung der Gottesdienste". Die Marktredwitzer Kantorin nutzt gerne vierstimmige Choralsätze, Taize-Gesänge oder verschiedene Gebetsrufe wie zum Beispiel "Kyrie - Herr, erbarme dich!". Dass alte Melodien mit neuen Texten unterlegt wurden, hält sie für eine "sehr gelungene Kombination aus Vertrautem und Neuem". Lieder wie "Vertrau den neuen Wegen" kämen deshalb sehr gut an.

Leitfarben kamen gut an

Die Kirchenmusikerin kann über das Gesangbuch "viel Positives berichten": Angefangen vom "übersichlichen Aufbau" mit Liedteil, liturgischen Teil und Textteil bis hin zu den Leitfarben gelb, türkisgrün und violett, die inzwischen selbstverständlich geworden seien. Bei einem Kirchenchorjubiläum erlebte die Kantorin kürzlich, wie stark sich Evangelische inzwischen damit identifizieren: Die Sängerinnen trugen Tücher mit den Gesangbuchfarben. "Beliebt und anregend" sind Limpert zufolge die lyrischen Texte, die sich zwischen den Liedern finden. Dagegen würden die Bilder nur selten zu Meditationen benutzt. Gerne schlägt die Kirchenmusikerin im Gebetsteil nach oder blättert bei den Segenswünschen, die sie gut bei Andachten verwenden kann.

Fundgrube und Kompendium

Als "Fundgrube und Kompendium" bezeichnet Kirchenmusikdirektor Gustav Gunzenheimer (Schweinfurt) das Ende 1994 eingeführte Werk. Für ihn sind eine Reihe interessanter Lieder in das Gesangbuch eingeflossen. So stellten Gesänge wie "Bewahre uns Gott" Glücksgriffe dar. Diese Lieder hätten sich inzwischen zu "richtigen Schlagern entwickelt". Positiv wertet der Kirchenmusiker auch die englischen und holländischen Lieder. Sie zeigten, dass "der christliche Glaube länderübergreifend ist ". Die vierstimmigen Lieder des neuen Gesangbuches eignen sich nach Ansicht Gunzenheimers besonders gut für Gottesdienste, die kirchenmusikalisch besonders gestaltet werden. Auch die zahlreichen Kanons seien sehr belebend und eröffneten viele neue Möglichkeiten in der Kirche.

Ungünstiger Start

Unglücklich empfindet der Komponist und Leiter von Chorleiterwochen, dass einzelne Töne bei den Psalmen geändert wurden, die Pfarrer und Gemeinde im Wechsel singen: "Diese Veränderungen haben den Start des Gesangbuches in ein nicht so günstiges Licht gerückt." Gunzenheimer bedauert, dass ein Komponistenverzeichnis fehlt und sich manche Melodien als sperrig erweisen. "Mit Instrumenten sind sie schwer zu begleiten."
Der Schweinfurter Fachmann hält den bayerischen Anhang des Gesangbuches für den besten in Deutschland. Hier würden sich "gehaltvollere Lieder als in Regionalteilen anderer Landeskirchen finden". Dass sich im neuen Gesangbuch mehr ökumenische Lieder als früher finden begrüßt der Weilheimer Dekanatskantor Walter Erdt besonders. "Wir sind dankbar für diese Ausweitung und die neuen Möglichkeiten", erklärt der oberbayerische Kantor. Zu Amtshandlungen wie etwa Beerdigungen kämen in der Diaspora sehr viele katholische Christen. Es sei wichtig, eine große Auswahl von Lieder zu haben, die sowohl im evangelischen Gesangbuch als auch im katholischen Gotteslob stehen.
Apropos Gotteslob: Katholische Kantoren schauen - so Erdt - zum Teil neidisch auf die Aufmachung des 1624-seitigen protestantischen Werkes. Ihr Urteil: Es lädt ein, darin zu blättern. Nach Ansicht des Weilheimer Kantors haben aber die katholischen Kirchenmusiker durch das Konzept für das Gotteslob eine wichtige Vorarbeit für das neue Gesangbuch geleistet: Das katholische Werk sollte mehr sein als eine reine Liedersammlung.

Schwachstellen des Werkes

Für Kinder und Senioren ist das Gesangbuch nach Ansicht des Weilheimer Kirchenmusiker wegen des Umfangs zu unhandlich. Nachteilig sei auch die relativ kleine Schrift, die das Lesen erschwere. Bei besonderen Gottesdiensten arbeitet Erdt deshalb mit Kopien aus dem Gesangbuch, wobei er die Liedtexte vergrößert.
Das neue Werk verwendet Kantor Michael Lippert (Naila) gerne im liturgischen Frauenchor und im Kinderchor. "Wichtig ist, dass die Mädchen und Jungen damit vertraut werden." Wegen des schwarzen Einbandes hätten Kinder das alte Gesangbuch kaum in die Hand genommen. Beim neuen dagegen seien sowohl das Äußere als auch der Inhalt ansprechender. Lieder wie "Himmel und Erde sollen singen" kämen bei Kindern sehr gut an.
In Naila werden - neben vertrauten Gesängen - die neuen Lieder des Gesangbuches im Gottesdienst gezielt eingesetzt. "Fünf Jahre nach der Einführung zeigt sich allerdings, dass gar nicht so viele neue dabei sind", bemerkt der Dekanatskantor kritisch. Im Nachhinein stelle sich heraus: Es wäre besser gewesen, noch mehr neue Gesänge aufzunehmen. Bei bestimmten Liedern, die gerne gesungen werden, tritt Lippert schon etwas auf die Bremse: "Ich muss sehen, dass sie nicht zu oft kommen."

Kein Patentrezept

Das vor fünf Jahren eingeführte Werk wirkt nach Erfahrungen des Kirchenmusikers belebend. Trotzdem stelle es aber kein Patentrezept dar für ansprechendere Gottesdienste: "Singen und Musik allein genügen nicht." Entscheidend sei vielmehr die gesamte Gestaltung. So komme es darauf an, "mehr liturgische Gesänge, die alle Sinne ansprechen, mehr meditative Elemente und Stille einfließen zu lassen".

Günter Saalfrank


Gottes Zukunft erhellt unsere Gegenwart

"Um die Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott."

Apostelgeschichte 16, 25

Andacht 21In einer solchen Situation ist einem eigentlich nicht nach Singen und Loben zumute: Paulus und Silas sitzen im Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses in Philippi. Hände und Füße sind gefesselt. Der Rücken schmerzt von der Auspeitschung. Es ist Mitternacht und stockfinster in der Zelle. Man möchte annehmen, sie klagten oder schwiegen stumm vor sich hin. Aber es geht auch anders. Sie singen und loben Gott. An den äußeren Umständen hat sich nichts geändert. Aber ihr innerer Zustand ist anders geworden. Sie lenken sich ab auf Gott. Ihre Hände sind gebunden. Aber sie geben sich vertrauensvoll in andere, stärkere Hände. Hoffnungsvoll singen sie das neue österliche Lied: "Er führt durch Dunkel uns zum Licht, lässt Schloss und Riegel springen. Des lasst uns fröhlich singen!"

Alles hat seine Zeit und nicht alles ist zu gleicher Zeit möglich. Klagen und Weinen, Schreien und Schweigen haben ihre Zeit. Oft bleibt nichts anderes übrig. Vieles in unserer Welt und immer wieder auch in unserem Leben ist zum Heulen, beklagenswert statt lobenswert. Aber auch Loben, Danken und Singen haben ihre Zeit und können dunkle Zeiten dennoch erhellen.

So gingen viele Märtyrer singend in den Tod. So kann an offenen Gräbern Halleluja gesungen werden, so wie wir es bei der Beerdigung von Altlandesbischof Hanselmann getan haben. So erging es mir, als ich 1945 mit meinen Eltern und Geschwistern während des Bombenhagels zitternd und verstört im Keller saß. Da betete mein Vater das Lied: "Weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl, das macht die Seele still und friedevoll. Ich preise dich für deiner Liebe Macht. Ich rühm die Gnade, die mir Heil gebracht." So lobend sind wir still geworden, obwohl es um uns weiter krachte und blitzte. Wir waren abgelenkt und hingelenkt auf Gott.

Gott lobend, lenken wir uns ab von dem, was ist, auf das, was sein wird. Gottes Zukunft erhellt unsere Gegenwart und macht sie dennoch lobenswert. Denn Lobende sehen weiter. Sie sehen sich dennoch hinaus. Lobende sehen die Dinge von ihrem Ende her, von ihrem wirklichen ewigen Ende her. Sie blicken nicht nur dankbar und des Lobes voll auf das, was war und ist. Sie schauen auf das, was sein wird und was Gott noch Großes vorhat mit seiner Welt. Lobende vergessen nicht, was Gott ihnen Gutes getan hat und täglich tut. Sie erinnern sich an das, was er ihnen in Zukunft noch tun wird.

Das Sprichwort sagt: "Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben." Wir können in unseren Tagen loben, weil wir den letzten Weltenabend schon kennen, über dem seit Ostern der Morgenglanz der Ewigkeit leuchtet. Lobende gleichen den Vögeln, die singen, solange und obwohl es noch dunkel ist.
Das ist nicht Vertröstung auf ein besseres Jenseits. Das ist Ermutigung, sich für ein besseres Diesseits zu engagieren, damit etwas mehr Himmel auf Erden wird, damit es mehr Grund gibt, Gott zu loben Tag und Nacht.

Oberkirchenrat i.R. Theodor Glaser
München

Wir beten:
Wir danken dir, Herr Jesu Christ,
dass du vom Tod erstanden bist
und hast dem Tod zerstört sein Macht
und uns das Leben wiederbracht. Halleluja!

Lied 259: Kommt her des Königs Aufgebot

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