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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 20)

Wenn die Wiege leer bleibt

15 Prozent aller Paare sind ungewollt kinderlos

Thema 20 "Für dich trifft dieser Tag leider nicht zu - solche Gedanken gingen mir in den letzten Jahren am Muttertag durch den Kopf", erzählt Birgit Römer (Name von der Redaktion geändert). Die 34-Jährige ist seit 12 Jahren verheiratet. "Anfangs wollten wir noch keinen Nachwuchs, aber nach einigen Jahren wuchs der Kinderwunsch und wir versuchten es." Viel Zeit ging ins Land, aber Birgit wurde nicht schwanger. Schließlich besprach sie sich mit ihrer Frauenärztin und ließ sich untersuchen. Ergebnis: Alles in Ordnung. Ihr Mann Jens (Name von der Redaktion geändert) unterzog sich ebenfalls einigen Tests, auch bei ihm wurde nichts gefunden. Eigentlich hätte Birgit schwanger werden müssen.
Das Ehepaar gehört zu den rund 15 Prozent der Paare, die ungewollt kinderlos bleiben. "Eine genaue Zahl gibt es nicht", meint Gynäkologe Thomas Steck, Leiter der Arbeitsgruppe Künstliche Befruchtung an der Frauenklinik der Universität Würzburg. "Das ist ein sehr intimes Thema, viele Paare sprechen nur ungern oder gar nicht darüber."

Hoffen und Bangen

Da laut Ärzte alles in Ordnung war, versuchten Birgit und Jens weiter, ein Kind zu bekommen. "Anfangs hatten wir immer noch Ausreden wie: Falscher Zeitpunkt oder Stress." Aber irgendwann kam es beiden doch seltsam vor. "Wir befanden uns immer zwischen Hoffen und Bangen und schließlich wurde uns klar, dass da irgendwas nicht stimmt".
Auch der Frauenärztin war es ein Rätsel, warum es nicht klappte und sie riet dem Paar, einen Spezialisten aufzusuchen. Das war vor rund drei Jahren. Relativ schnell stellte sich dann heraus, dass das Paar aus biochemischen Gründen zusammen kein Kind bekommen kann. "Einerseits waren wir traurig, andererseits hatte die Zeit der Ungewissheit endlich ein Ende und wir konnten uns mit der neuen Situation auseinandersetzen", blickt Birgit auf diese Zeit zurück.
Der damalige Facharzt schlug eine sofortige künstliche Befruchtung vor. "Allerdings schilderte er uns das so abstoßend, dass wir uns gleich dagegen entschieden." Überhaupt sei ihnen der Arzt sehr unsympathisch gewesen. "Uns war klar, dass wir da nicht mehr hin wollen."

Was kommt jetzt?

Nun musste sich das Paar überlegen, wie es weitergehen soll. "Gut war erst mal, dass die Schuldfrage weg fiel. Keiner von uns hatte 'Schuld', dass es mit einer Schwangerschaft nicht klappt", erzählt Birgit von der ersten Zeit, nachdem sie die bittere Wahrheit erfuhren. Sie kann der Situation sogar Positives abgewinnen: "Insgesamt hat uns diese ganze Sache als Paar mehr zusammengeschweißt." Dann wurde aber die Frage nach der zukünftigen Lebensgestaltung immer drängender. "Wir dachten daran, ein Leben ohne Kinder zu führen und dieses Kapitel abzuschließen." Doch so ganz ließ sie der Kinderwunsch nicht los. Sie erlebten immer wieder schwierige Zeiten. "Als meine beste Freundin das dritte Kind bekam, ging es mir total schlecht. Ich habe es ihr zwar gegönnt, sie aber auch sehr beneidet." Auch im Urlaub, den sie immer wieder mit einer befreundeten Familie verbrachten, kam der Wunsch nach Kindern auf. "Jens kann es so gut mit Kindern. Er spielte viel mit den Kindern unserer Freunde und ich wusste, wie sehr er sich nach eigenen sehnt."

Birgit Römer und ihr Mann trauerten um den unerfüllten Kinderwunsch. "Aber uns war klar, wir dürfen nicht in dieser Trauer stecken bleiben." Und so versuchten sie nach vorn zu blicken. Eine künstliche Befruchtung zog das Paar gar nicht mehr in Erwägung. "Hätten wir einen Arzt gehabt, der da sensibler gewesen wäre, hätten wir uns vielleicht doch dafür entschieden."

Dass der Arzt bei dieser Entscheidung eine wichtige Rolle spielt bestätigt Facharzt Thomas Steck. Der Mediziner müsse überlegen, was für das jeweilige Paar das Beste ist. Einen Therapeuten kann der Gynäkologe jedoch nicht ersetzten. "Es gibt zahlreiche Möglichkeiten der Kinderwunschbehandlung", erklärt Steck. Das Spektrum reicht von der Hormongabe über operative Eingriffe bishin zur künstlichen Befruchtung.

"Die meisten Paare lassen sich behandeln, nur wenige lehnen es - meist aus religiösen Gründen - ab." Vor allem bei katholischen Christen käme das vor. Gelegentlich sei es auch eine finanzielle Frage, ob ein Paar etwas unternimmt. Manche Leistungen übernimmt die Krankenkasse nicht. Für einige Männer und Frauen ist eine Adoption die Lösung. Wer allerdings in Deutschland einen Säugling adoptieren will, braucht Geduld. Bis zu zehn Jahren kann sich das hinziehen - wenn es überhaupt klappt. Denn "die Zahl der adoptionswilligen Eltern ist zehnmal so hoch wie die der Neugeborenen, die zur Adoption freigegeben werden", weiß Steck. Ältere oder behinderte Kinder zu adoptieren sei etwas leichter, aber das wollen viele Paare nicht.

Auslandsadoption

Jens und Birgit zogen eine Auslandsadoption in Erwägung. Auf diesen Gedanken kamen sie durch ein Ehepaar im Ort, das zwei ausländische Kinder adoptiert hatte. Mit ihnen nahmen sie Kontakt auf. "Sie haben uns viel Mut gemacht", betont Birgit. "Wir haben es uns mit der Entscheidung nicht leicht gemacht, haben gebetet und viele Gespräche mit unseren Eltern, Verwandten und Freunden geführt." Schließlich fiel die Entscheidung: Sie wollten es versuchen. Das Paar musste zahlreiche Tests machen und viele Gespräche führen. "Ich hatte auch Angst, ich könnte das Kind nicht lieben."
Aber diese Befürchtung war unnötig. Seit etwa einem Jahr sind Birgit und Jens Eltern eines fast zweijährigen Jungen aus Südamerika, den sie vom ersten Augenblick in ihr Herz geschlossen haben. An seiner Taufe feierten sie ein großes Fest. "Und dieses Jahr gilt der Muttertag auch mir", lächelt Birgit.

Karin Ilgenfritz


Mit äußerer Gelassenheit und innerer Ruhe leben

"Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. Denn unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig."

2. Korinther 4, 16-18

Andacht 20Jung müsste man sein, so vital und voller Ideen wie mit zwanzig. Doch schon mit dreißig steckt man die ersten Niederlagen ein, mit vierzig hat man viel erreicht, ist aber immer noch nicht am Gipfel. Mit fünfzig die große Krise, und dann? "Früher waren wir jung und schön, heute sind wir nur noch schön" sagen wir manchmal zynisch, empfinden das eigene Leben oft als Abstieg. Es ist schon seltsam: Für meine Konfirmanden bin ich bereits alt, ehe ich für ältere Gemeindeglieder überhaupt als erwachsen gelte.

"Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert" schreibt Paulus an seine Gemeinde in Korinth. "Kümmert euch nicht darum, wenn ihr an euch den Lauf der Zeit wahrnehmt, das gehört zum Leben! Aber lasst euch nicht einreden, euer Leben hinge von dem Äußerlichen ab." Fast erinnert einen der Apostel an die strahlenden Menschen aus dem Werbefernsehen, die uns verkünden, dass gesunde Schönheit von innen komme. Ganz falsch ist die Assoziation nicht, denn es geht Paulus wirklich um eine innere Kraft, doch nicht aus Pillen, sondern aus Glauben. "Tag für Tag wird der innere Mensch erneuert!" verkündet er. Er, der von biologischem Wachstum und Prozessen wie Zellteilung und Stoffwechsel noch nichts wissen kann, ermutigt zum Vertrauen auf die eigene Kraft, die innere Jugend im Glauben.

Von diesem Standpunkt lässt sich das Leben in seiner ganzen Härte eher ertragen: Trübsal, Krankheit, Verfolgung und Not sind - so wie der äußere Verfall - letztlich doch nur zeitgebunden und daher leicht zu ertragen - gemessen an der Herrlichkeit, die da kommt. Paulus wird zum Kulturkritiker: Wir sehen nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig. Logisch ist diese andere Sichtweise des Glaubens: Was sollte ich auch das betrachten, was eh' irgendwann einmal zu Ende geht?

Erstaunlich ist die Leichtigkeit, mit der Paulus das in der Welt Sichtbare an sich vorbeiziehen lässt. Kein Neid auf die "Noch-nicht-Verfallenen" ist zu spüren, auf Menschen, die vor Jugend und Schönheit strotzen. "Es sei euch vergönnt" ist fast aus Paulus herauszuhören, "doch wir treffen uns wieder, wenn all das Vergängliche nicht mehr zählt." Diese äußere Gelassenheit und innere Ruhe könnten wir uns zum Vorbild nehmen. Sie könnte uns befreien von der Sucht, nach außen wirken zu müssen. Sie könnte uns erleichtern von den Mühen, mit allem und allen Schritt halten zu müssen. Sie könnte uns zur inneren Freiheit eines Christenmenschen führen. Dann könnten wir ohne Zwang sogar das Äußerliche und manchmal Angenehme im Leben genießen. Leben von innen nach außen statt anders herum. Wie gesagt, wir könnten!

Warum eigentlich nicht? Ist unser Äußeres so schön, dass der Verfall ein Verlust wäre? Bei mir jedenfalls nicht. Gemessen am Gewinn kann wohl nichts mithalten. Denn der ist: Wir werden nicht müde und innerlich erneuert. Was für ein Leben haben wir doch, Tag für Tag!

Pfarrer Christoph Breit
Germering

Wir beten:
Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Amen.

Lied 432: Gott gab uns Atem, damit wir leben.

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