Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 18)

Grundidee: "Verteilen statt Vernichten"

Weit über 100 Tonnen Lebensmittel landen statt im Müll bei Bedürftigen

Thema 18 Es ist ein enormer Widerspruch: Die einen werfen das Essen weg, anderen knurrt der Magen. Glaubt man einer aktuellen Studie der Caritas, lebt in Deutschland ein Drittel der Bevölkerung in Armut. Nur schämen sich die meisten Menschen ihrer Bedürftigkeit und versuchen sie vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Gerade ältere Menschen mit kleiner Rente zeigen oft Mangelerscheinungen, da sie sich oft nur die billigsten Lebensmittel leisten können und sich so einseitig ernähren. Das erzählen Mitarbeitende einer Diakoniestation. Gleichzeitig werden in Deutschland täglich zwischen 15 und 20 Prozent der für den Verkauf bestimmten Lebensmittel weggeworfen, weil das Verfallsdatum abläuft oder das Gebäck alt wird. Damit könnte die Not vieler Bedürftiger erheblich gelindert werden. Und in den Städten, in denen eine Tafel existiert, geschieht genau das. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Tafeln haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese Nahrungsmittel in den Supermärkten und Bäckereien abzuholen und an Bedürftige weiter zu verteilen. Auf diese Weise finden weit über hundert Tonnen Lebensmittel, die sonst in den Müll wandern würden, noch eine sinnvolle Verwendung.

Wie viele Ideen, kommt auch die der Tafel aus den USA. Dort wurden bereits vor 37 Jahren die ersten Tafeln gegründet. Das Prinzip "verteilen statt vernichten" machte auch in Deutschland Schule. 1993 wurde in Berlin die erste Tafel in Deutschland gegründet. Fünf Jahre später gab es bereits 100 Tafeln. "Heuer im Juni können wir bereits die 300. Tafel vorstellen", berichtet Jürgen Gessner, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Tafeln. Über 15.000 Menschen engagieren sich bundesweit meist ehrenamtlich bei einer Tafel. Aber auch etliche Zivildienstleistende und ABM-Kräfte tragen zum Erfolg dieser Arbeit bei, die übrigens allein durch Sponsoren und Spenden finanziert wird. Zwar sind die meisten Tafeln konfessionsunabhängig, doch oft sind sie einer sozialen, kirchlichen Einrichtung angeschlossen.

Thema 18 Die Schwabacher Tafel, zum Beispiel, wird von der Familien- und Altenhilfe der Caritas getragen. Und wie jede Tafel, hat auch die Schwabacher, die bundesweit als eine der ersten Kleinstadt-Initiativen gilt, ihre eigene Geschichte: 1995 wurde sie durch die Initiative Klaus Pfannenmüllers gegründet. Der damalige Student hatte die Arbeit in Berlin kennengelernt und wollte so etwas in seiner Heimat aufziehen, um einen Beitrag gegen die Armut in der Gesellschaft zu leisten.

"Er hat bei uns vorgesprochen und wir fanden die Idee gleich gut", erzählt Rosy Stengel, Geschäftsführerin der Familien- und Altenhilfe in Schwabach. "Wir sehen ja täglich die Not der Menschen." Angefangen hat es damit, dass die Krankenschwestern und Altenpflegerinnen Lebensmittel zu ihren Patienten mitnahmen. Das ist nach wie vor so geblieben, denn viele ältere Menschen "würden lieber hungern, als sich die Lebensmittel selbst irgendwo abzuholen", berichtet Stengel. Aber das ist längst nicht mehr die einzige Möglichkeit, wie die Lebensmittel unter die Bedürftigen gebracht werden.

Zum einen werden über 15 soziale Einrichtungen, wie das Asylbewerberheim, die Kriegskindernothilfe und die Heilsarmee direkt beliefert. Zum anderen wurde Ende Februar die Wärmestube "Sonneneck" eröffnet. Dort können sich Bedürftige jeden Samstag Vormittag Lebensmittel abholen, vor allem Gebäck, abgepackte Wurst, Milchprodukte, Obst und Gemüse. Manchmal gibt es nur Wurst und Brot - je nachdem was die Tafel von den über 15 Geschäften bekommt. Auch auf Kaffee und Kuchen können sich die Besucher des Sonnenecks einladen lassen. "Bisher waren immer rund 30 Leute da", freut sich Rosy Stengel über den Erfolg. Besonders wichtig ist ihr, dass das Gebiet nicht zu groß wird. Bevor die Mitarbeiter in anderen Orten Lebensmittel einsammeln und verteilen, will sie lieber eine neue Tafel gründen. Das entspricht ganz dem Verständnis der Bewegung. Weitere Tafeln gibt es unter anderem in München, Augsburg, Ingoldstadt, Erlangen, Neustadt/ Aisch und Nürnberg. Seit einigen Monaten ist auch die im November 1999 gegründete Altdorfer Tafel aktiv. Sie ist zuständig für das Nürnberger Land. Die "Läden ohne Kasse" in Lauf, Hersbruck, Altdorf und Feucht funktionieren ähnlich wie das "Sonneneck" in Schwabach. Jeden Samstag Nachmittag können Bedürftige mitnehmen, was sie brauchen.

Gleichzeitig wird in den Läden aber auch Kaffee und Kuchen angeboten. "Wir wollen mit den Leuten ins Gespräch kommen", betont der Theologe Hans Otto Vogler, der als ABM-Kraft die Arbeit koordiniert. "Wir wollen den Menschen im Blick haben und ihn gegebenenfalls weitervermitteln zu anderen sozialen Einrichtungen wie Kleiderkammer oder Beratungsdiensten." Viel Unterstützung für die Arbeit der Tafel habe er bereits bei den Kirchengemeinden und den Kommunen erfahren. "Aber Mitarbeiter und Sponsoren können wir nach wie vor gebrauchen."

Karin Ilgenfritz


Zur Freude befreit - ist die Erlösung im Alltag wirklich sichtbar?

Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus.

Kolosser 2,15

Andacht 18Österliche Freudenzeit nennen wir die Wochen nach dem Osterfest. Wenn wir den Aufbruch zum Leben, den Sieg Jesu Christi über die Mächte und Gewalten nur als Anlass für einen besonderen Feiertag im Kalender ansähen, bliebe alles beim Alten. Der Gottesdienstbesuch und der dogmatisch richtige Glaube allein machen es nicht.

Die Freude ist es, die unser Leben verändert. Wenn ich mich darüber freuen kann, dass Gott allem, was mein Leben bedrohen und unterdrücken kann, die Macht genommen hat, auch dem, was mir den letzten Atem rauben will, dann werde ich gelassener und zuversichtlicher leben. So ginge von uns eine unwiderstehliche Lebensfreude aus, die mehr ist, als das Bedürfnis nach etwas Spaß und Lust im Leben.

Der Philosoph Friedrich Nietzsche war es, der einmal die Frage stellte: Müssten die Christen nicht erlöster aussehen? Diese Frage ist für mich wie ein Stachel im Fleisch. Ich überlege, ob das Zusammenleben unter uns Menschen, ob unsere Welt nicht anders aussehen würde, wenn mehr "Erlösung" spürbar wäre.

Sind wir nicht noch viel zu sehr gefangen von den unterschiedlichsten Mächten und Gewalten, die wir selbst geschaffen haben und auf ihren Thronen halten? Ich denke an die großen und kleinen Despoten in dieser Welt, die foltern, vergewaltigen und morden (lassen), ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden. An die ungeschriebenen Gesetze des Marktes, hinter denen Menschen und deren ganz gezielte Interessen stehen. Sie bringen andere um ihre Existenz und stürzen Millionen in die Arbeitslosigkeit. Und ich denke an die dunklen Kräfte, die über uns Macht gewinnen, wenn Konkurrenz zum erbarmungslosen Kampf wird oder Schuldiggewordene durch rücksichtslose Aufklärung bloßgestellt werden. Gnadenlose Machtkämpfe ohne Ende; unerlöst von unserer Lebensangst.

Gott möchte, dass wir aus der Freude und nicht aus der Angst heraus leben. Österliche Freude: Sie gründet sich in dem Sieg Gottes über die Gewalten. Sie macht uns mutig und einsatzfreudig, dem Leben zu dienen. Dazu gibt es viele große und kleine Beispiele bekannter und unbekannter Christen.

Ein für mich besonders wichtiges Zeugnis ist die sogenannte "Barmer Erklärung", die den österlichen Geist atmet und sich im Dritten Reich mutig gegen den Allmachtsanspruch der nationalsozialistischen Ideologie wandte: "Durch Jesus Christus widerfährt uns frohe Befreiung aus den gottlosen Bindungen dieser Welt zu freiem, dankbaren Dienst an seinen Geschöpfen. Wir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären". (EG 907.2)

Pfarrer Friedemann Preu
Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

Wir beten:
Gott, belebe uns, wenn wir zu erstarren drohen. Schenke uns ein frohes Herz, das uns mutig und zuversichtlich macht, dir zu vertrauen. Du hast Jesus vom Tod auferstehen lassen, damit auch wir aufstehen zum Leben. Lass uns darauf vertrauen, dass keine Mächte und Gewalten uns mehr trennen können von deiner Liebe. Amen.

Lied 123: Jesus Christus herrscht als König

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