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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 17)

Was für mich Auferstehung bedeutet?

Eine Sonntagsblatt-Umfrage unter Prominenten aus Politik, Kirche und Medien

Ruf in die Nachfolge

Angela Merkel "Jesus lebt, mit ihm auch ich!" beginnt ein Osterlied in unseren Kirchengesangbüchern. Das neue Leben mit dem auferstandenen Jesus Christus steht für mich im Zentrum des Auferstehungsgeschehens. Auferstehung gewinnt für mich nicht erst als Überwindung einer Grenze am Ende meines Lebens Bedeutung. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder erregte Diskussionen vor allem zwischen Theologen, ob das Grab tatsächlich leer gewesen sei. Ich glaube, dass wir mit dieser Fragestellung dem, was Ostern geschehen ist, niemals gerecht werden können. Wichtig ist doch die Erfahrung, dass Jesus in uns Menschen weiter lebt, und dass er mit seiner lebendigen Botschaft die Welt bis heute herausfordert. Auferstehung bedeutet für mich daher auch den Ruf in die Nachfolge, in der tröstlichen Gewissheit des Zuspruchs des auferstandenen Christus "Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende".

Dr. Angela Merkel,
CDU-Vorsitzende (Berlin)

Einmaliges Ereignis

Manfred Kock Am Ende unseres Lebens steht nicht der Tod, sondern neues Leben. So wie Gott Jesus von den Toten auferweckte, werden wir auferstehen. Was uns erwartet, ist mehr als ein Weiterleben nach dem Tod. Es ist ganz neues Leben. Die Auferstehung Jesu ist mit geschichtlichen Begriffen nicht zu beweisen, weil sie ein einmaliges Ereignis ist. Sie ist nur im Glauben zu fassen. Auferstehung bedeutet nicht, dass das jetzige Leben gleichgültig ist. Im Gegenteil. Die Botschaft des Todes lautet: "Hole soviel aus dem Leben für dich heraus, wie es nur eben geht, denn morgen kann es vorüber sein." Die Botschaft der Auferstehung lautet: "Teile dein Leben mit anderen ohne die Furcht, zu kurz zu kommen. Gott schenkt mehr Leben, als du ahnst, und wird in den aussichtslosesten Situationen - selbst im Tod - neue Hoffnung und neues Leben schaffen."

Präses Manfred Kock (Düsseldorf),
Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Sieg des Lebens über den Tod

Herta Däubler-Gmelin "Der Tod ist verschlungen in den Sieg" - so kraftvoll und bildhaft übersetzte Martin Luther das Wort des Apostels Paulus, das die Auferstehung feiert. Johannes Brahms hat diesen Sieg des Lebens über den Tod, der Hoffnung über die Verzweiflung, des Jubels über die Trauer in seinem Requiem in unvergessliche Musik gefasst. Das ist für mich Auferstehung. Die Zuversicht, dass der Tod eben nicht das letzte Wort hat, leugnet nicht die Endlichkeit und Hinfälligkeit des menschlichen Lebens, auch nicht die Mühsal von Krankheit und Leid und die bittere Härte des Sterbens. Der Glaube an den auf-erstandenen Christus gibt vielmehr die Kraft und den langen Atem, gegen all das zu kämpfen, was den Todesmächten dieser Welt Raum geben will: gegen Hass und Gewalt, gegen Ungerechtigkeit und Willkür. Gerade die Verheissung, dass Leben bei Gott nicht mit dem Tode endet, verpflichtet dazu, auf der Erde für das Leben einzutreten.

Bundesjustizministerin
Professor Dr. Herta Däubler-Gmelin (Berlin)

Hoffnung pur

Peter Hahne Das Münchner Nachrichtenmagazin FOCUS wirbt mit dem Slogan "Fakten, Fakten, Fakten...". Genau das ist auch die Nachricht von der Auferstehung Jesu Christi. Kaum ein Ereignis der Antike lässt sich so gut recherchieren und ist so stichhaltig belegt wie das der Auferstehung. Das Osterevangelium ist Tatsachenevangelium, keine Märchenstunde zum Frühlingsanfang! Wir haben es mit dem bewegendsten Faktum der Weltgeschichte zu tun, das uns als "Aktum" bewegen muss: aus Geschehenem muss Aktion werden, aus Wort Tat, aus Lehre Leben. Auferstehung bedeutet für mich Hoffnung pur. Die Tatsche, dass auch mein Leben nicht an der Todesgrenze endet, setzt ungeahnte Kräfte frei. Diese Hoffnung ist Motor und Impuls, auch dann an der Arbeit zu bleiben, wenn Niederlagen einen niederlegen wollen. Weil das Grab Jesu wirklich leer ist, gibt es keine begrabenen Hoffnungen.

Peter Hahne (Berlin),
ZDF-Moderator und Ratsmitglied der EKD


Gott hat den Todesmächten ein Schnippchen geschlagen

"Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn, mein Haupt ist erhöht. Mein Mund hat sich weit aufgetan wider meine Feinde, denn ich freue mich deines Heils. Der Herr tötet und macht lebendig, er führt hinab zu den Toten und wieder herauf. Der Herr macht arm und macht reich, er erniedrigt und erhöht, er erhöht den Armen aus der Asche."

Lobgesang der Hanna
1. Samuel 2, 1.6-8

Andacht 17Ostern - ein herrlicher Sonnenaufgang oder garstiges Aprilwetter? Mal Regen, mal Schnee, mal Sonnenschein. Ein richtiges Aprilwetter. Aber das ist nicht Ostern. So ist Gott nicht - willkürlich und wechselhaft, auch wenn es in dem Lied so klingt: "Der Herr tötet und macht lebendig, er erniedrigt und erhöht."

Auf's erste bin ich erschrocken über diese Worte. Ich sah Menschen vor mir, die über die Launen des Schicksals klagten. Sie hatten eine angesehene Stellung und wurden gedemütigt. Sie gerieten in Schulden und verloren alles, was sie sich aufgebaut hatten. Plötzliche Krankheit führte sie in den Schatten des Todes. Und das alles kommt von Gott, der die einen erhöht, aber die andern erniedrigt? Gott - ein launischer, willkürlicher Herr?

Nein, das ist nicht der Gott des Ostermorgens. Unser Gott ist nicht wechselhaft launisch, sondern seine Macht hat ein klares Ziel: Leben und Heil. Christus ist auferweckt von den Toten. Gott führt durch den Tod zum Leben, durch das dunkle Tal zum Licht. Aus der Erniedrigung erhöht er und macht den Mund weit zur Osterfreude. Das ist die Melodie dieses Lobgesangs aus der Gemeinde des alten Gottesbundes mit seinem Volk. Die neutestamentliche Gemeinde lobt Gott, "der dem Tod die Macht genommen und das Leben ans Licht gebracht hat durch das Evangelium" (2. Timotheus 1,10).

Aus der Hochschulvorlesung des Theologen Karl Barth wird Folgendes erzählt: Der Professor kam zu einem neuen Kapitel der Theologie und sagte: "Kommen wir zu Hölle, Tod und Teufel. Sollen sie Inhalt der Verkündigung sein? Nein. Aber es gibt sie. Nur, wir haben sie hinter uns. Wir können ihnen das Hinter-teil zeigen." So respektlos konnte Karl Barth von Hölle, Tod und Teufel reden, weil an Ostern das Leben siegte. "Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja."

In der christlichen Tradition wurde diese Respektlosigkeit durch das Osterlachen zum Ausdruck gebracht: Jesus lebt. Den Todesmächten hat Gott ein Schnippchen geschlagen. "Die Welt ist mir ein Lachen mit ih-rem großen Zorn" singt die glaubende Gemeinde. Oder wie Karl Barth sagte: "Wer die Osterbotschaft gehört hat, der kann nicht mehr die humorlose Existenz eines Menschen führen, der keine Hoffnung hat."

Auch Hanna hatte wieder etwas zu lachen. Jahrelang war sie gedemütigt worden, weil sie keine Kinder bekam. Bis Gott ihr Gebet erhörte und ihr Samuel schenkte. So legte man ihr den Lobgesang in den Mund: "Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn." Weil "Oster-Lebensfreude und Oster-Lachen" im Leben dieser Mutter eine so leibhaftige Gestalt angenommen hatte, machte man ihren Lobgesang zum Ostertext der christlichen Gemeinde heute. Die Geburt des Samuel und jedes neugeborene Kind sind ein Hinweis darauf, dass Gottes Liebe zu den Menschen nicht erkaltet ist. Sie schenkt eine Wiedergeburt zum Leben und Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.

Regionalbischof Wilfried Beyhl
Bayreuth

Wir beten:
Lieber Vater im Himmel, du hast deinen Sohn vom Tode erweckt. Dafür danken wir dir mit fröhlichem Herzen. Bitte wandle unser Leben durch die Kraft seiner Auferstehung. Befreie uns aus dem Gefängnis der Todesmacht. Richte uns auf, damit wir dich loben und preisen mit unsern Liedern und unserm ganzen Leben. Amen.

Lied 112: Auf, auf, mein Herz.

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