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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 16)

Als Ehrenamtliche im Konfirmandenunterricht

Christliche Unterweisung als wichtiger Baustein der Gemeindearbeit

Thema 16"Ich wäre traurig, wenn ich das nicht mehr machen könnte" sagt Heidi Glässel aus Selb über ihre Mitarbeit im Konfirmandenunterricht der oberfränkischen Kirchengemeinde. Seit vier Jahren ist die 55-Jährige Beauftragte des Kirchenvorstands für Konfirmandenarbeit. Zusammen mit Diakon Ralf Vogel und Dekan Helmut Steib plant sie die Konfirmandenzeit für bis zu 80 Jugendliche ihres Sprengels.
Heidi Glässel ist froh darüber, dass der Konfirmandenunterricht nicht mehr allein Aufgabe der Hauptamtlichen ist wie in vielen anderen bayerischen Gemeinden, sondern dass die Buben und Mädchen auch andere Gemeindeglieder kennenlernen können und deshalb nicht unter sich bleiben.

Vielfalt mit Ehrenamtlichen

In immer mehr Gemeinden beteiligen sich in den letzten Jahren Ehrenamtliche am Konfirmandenunterricht und Konfirmanden oder ältere Jugendliche gestalten Gottesdienste mit, erklärt Axel Piper vom Religionspäda-gogischen Zentrum Heilsbronn (RPZ). Dadurch werde die Konfirmandenzeit methodisch vielfältiger. Kleingruppen beispielsweise ermöglichten größere Offenheit und mancher Lernstoff sei leichter zu vermitteln, wenn Ehrenamtliche erzählen, wie ihnen ein bestimmter Bibelvers schon einmal im Leben geholfen hat. Heidi Glässel bestätigt das: "Die Kinder wollen ganz alltägliche Dinge wissen, zum Beispiel, ob und wie ich bete", erfährt die zweifache Mutter immer wieder. Pfarrer würden wohl selten so direkt gefragt, weil sie sozusagen "berufsmäßig fromm sein" müssen, mutmaßt sie.
Mehr Glauben gemeinsam zu erleben als bloßen Unterricht in der Konfirmandenzeit zu haben ist auch Jochen Eltmann aus Nürnberg wichtig. Seit vor drei Jahren der Konfirmandenunterricht in der Ostergemeinde "komplett auf den Kopf gestellt wurde", arbeitet der Kaufmann ehrenamtlich im Vorbereitungsteam mit. Die Jugendlichen sollen erfahren, "dass Gemeinde nicht das Kirchengebäude ist, sondern viele Facetten hat", ist seine Leitidee. In seiner Gemeinde wechseln sich deshalb Unterrichtseinheiten am Samstag Vormittag, Projekte wie Gemeindepraktika und gemeinschaftliche Wochenendfreizeiten ab.
Vielfältig geht es auch im Dekanssprengel in Selb zu: Zum Thema Gebet interviewten einige Konfirmanden Passanten in der Stadt, andere drehten einen Videofilm, manche bastelten einen Gebetswürfel. So konnten die Jugendlichen ihre unterschiedlichen Gaben in den Konfirmandenunterricht einbringen.
Das macht ihnen Spaß und sorgt für Gesprächsstoff in den Familien, weiß Heidi Glässel, der neben einem lebendigen Un-terricht für die Jugendlichen vor allem der Kontakt zu den Konfirmanden-Eltern am Herzen liegt. Sie lädt deshalb alle regelmäßig zu einem Stammtisch und Elternabenden ein.
"Oft kommen mehr Eltern, als wir Konfirmanden haben", freut sich die ehemalige Sekretärin. Der Grund: Neben Müttern beteiligen sich auch viele Väter. Sie nutzen diese Gelegenheit zum Gespräch über religiöse Themen oder Erziehungsfragen. Manche Eltern blieben dem Stammtisch darum auch nach der Konfirmation ihres Kindes treu.
Spaß an der Konfirmandenarbeit hat auch Jochen Eltmann. Dabei hatte der Vater zweier jugendlicher Kinder - anders als Heidi Glässel - vor seiner ehrenamtlichen Mitarbeit nur losen Kontakt zur Kirche und kennt auch Zeiten "bewusster Distanz". Jetzt aber interessiert sich der 47-Jährige "brennend" für Glaubensfragen und versucht den Jugendlichen zu vermitteln, dass es Höhen und Tiefen im Glaubensleben gibt.
Außerdem schätzt Jochen Eltmann ebenfalls den Kontakt zu Konfirmandeneltern, die in seiner Gemeinde bei Konfirmandenfreizeiten oder -tagen für die Verpflegung sorgen oder Kleingruppen leiten - wie Heidi Glässel und er selbst. Denn beide Ehrenamtliche bereiten zwar den Unterricht regelmäßig zusammen mit den Hauptamtlichen vor, immer anwesend sind sie aber nicht.

Vorteile trotz Mehrbelastung

Mit einer Doppelstunde pro Woche von einem Hauptamtlichen lasse sich solche Vielfalt nicht verwirklichen, gibt Axel Piper vom RPZ zu bedenken. "Das ist ein erheblicher Mehraufwand für die Gemeinde." Trotzdem überwiegen für Piper die Vorteile des Unterrichts-Modells:

Wenn der Konfirmandenunterricht in die Mitte des Gemeindelebens rückt, könnten die Jugendlichen eine persönlichere Beziehung zum Glauben und zur Gemeinde entwickeln. Nicht wenige blieben der Kirche auch nach der Konfirmation im Jugendkreis treu oder arbeiten sogar aktiv mit. Auch manche Konfirmandenmutter oder -vater entwickle über das Kind neue Beziehungen zur Kirche. Sonst sei es nur schwer möglich, die mittlere Generation anzusprechen.
Konfirmandenarbeit wird auf diese Weise fruchtbar für die ganze Gemeinde, davon sind Axel Piper, Heidi Glässel und Jochen Eltmann gleichermaßen überzeugt. Allerdings müssten für solch aufwendige Unterrichtsgestaltung andere Aufgaben in der Gemeinde zurückgefahren werden, meint Fachmann Piper. Sonst werde die Belastung für die Hauptamtlichen zu groß.

Sabine Ost


Stimmen machen Stimmung

Gott, der Herr hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. Gott, der Herr hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel. Aber Gott der Herr hilft mir, darum werde ich nicht zuschand.

Jesaja 50, 4-7

Andacht 16Gott, der Herr hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. Gott, der Herr hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel. Aber Gott der Herr hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Jesaja 50, 4-7

"Den kenn' ich vom Hörensagen" - Das sagen wir von jemandem, den wir noch nicht gesehen haben, aber von dem wir doch so manches wissen. Eine Ohrbekanntschaft. Der jüdisch-christliche Gott war und ist auch eine Ohrbekanntschaft. Wir kennen ihn vom Hörensagen. Wir wissen, was unsere Glaubensväter und -mütter über ihn erzählt und aufgeschrieben haben. Wir können zu ihm reden, und über ihn reden, aber kein Auge hat ihn je geschaut. Das ist für viele zuviel des Guten. "Ja, könnten wir ihn sehen, dann könnten wir glauben", sagen sie. Unserem Auge wird in unserem Zeitalter ja auch immer mehr geboten. Das Miteinander Reden geschieht zunehmend über das Sinnesorgan Auge, dank E-mail, Fax und Internet. Nur - Gott lässt sich immer noch nicht schauen. Wie damals im Dornbusch ist er "nur" hörbar: "Ich bin bei euch." Und das anschaubare Goldene Kalb in der Wüste war ein Reinfall. Das Volk Israel bleibt auf das Hören angewiesen. Im Neuen Testament setzt sich diese Ohrbekanntschaft fort: "Wer Ohren hat, der höre." Die Gläubigen sind herausgefordert genau hinzuhören. Gott möchte uns aufmerksam machen für Unrecht, das verharmlost wird und für den stummen Hilferuf. Mit dem Gehör können wir intensiv, aber auch ungeschützter wahrnehmen. Denn es gibt Augenlider, aber keine Ohrenlider. Und wenn wir nicht gerade Ohropax griffbereit haben, sind wir den Worten sehr ausgesetzt. Wir wissen, wie sie uns treffen können, im Guten wie im Schlechten. Darum gibt es auch die Redeweise für Menschen, die schlecht hören: "Gut, dass er nicht mehr alles mitbekommt."

Ja, es kommt entscheidend darauf an, was wir in uns laut werden lassen: Die Stimmen der Resignation: "Lass es sein, Gott hilft ja doch nicht" oder die Stimmen der Arroganz: "Gott ist nur was für Schwächlinge, fürs Sterben." Die Stimmen in uns machen unsere Stimmung aus. Manchmal trifft uns eine dahingeworfene Bemerkung eines Mitmenschen und verdirbt die Laune für den Rest des Tages, wenn wir keine Gegenstimme in uns mobilisieren können. Auch eine Stimme aus der Kindheit - "du kannst das nicht, dazu taugst du nicht" - kann Lebensentscheidungen beeinflussen.
Darum: Öffnen wir unser Ohr für Gott. Denn wer auf ihn hört, hat etwas zu sagen. Wer Gottes Stimme kennt, fasst Mut. Wer ihn hört, wird nicht so leicht menschenhörig. Das verheißt der Prophet Jesaja, und Jesus bekräftigt dieses mit seinem ganzen Leben. Vor Augen hatte er das Volk, das ihn bejubelte und Palmzweige streute.

Vor Augen Jerusalem mit seiner Gerichtsbarkeit.
Aber Gott hörte er "nur". Und Gottes Stimme war anders als die Worte seiner Freunde: "Hosianna dem König Davids." Auch anders als die Stimme seiner Feinde: "Steig doch herab vom Kreuz, wenn du kannst."
Gott rief: "Du bist mein geliebter Sohn, du vermagst alles durch mich. Geh den angefangenen Weg der bedingungslosen Liebe weiter." Mit dieser Stimme im Ohr konnte er selbst am Kreuz noch den Schächer trösten und seinen Feinden vergeben, konnte er selbst in größter Gottverlassenheit noch Gott herbeirufen: Mein Gott, warum?
Jesus hat uns gezeigt, was man alles vermag mit Gottes Stimme im Ohr: Die Müden ermutigen und mutig einstehen für die Botschaft der Liebe.
Hörende sind aufmerksam für das Leid um sie herum und für Gottes Stärkung. Wie Katharina Staritz. Als Christin ergriff sie 1942 mutig Partei für ihre jüdischen Mitbürger. Sie kam ins KZ Ravensbrück. Dort hielt sie heimlich Gottesdienste für ihre Mitgefangenen beim täglichen Rundgang. Gesangbuch und Bibel hatte sie inwendig in sich. Vor Augen die Schmach, doch Gottes Stimme im Ohr: "Ich und keine Macht sonst halte dein Leben in der Hand." Mögen auch wir, mit Gottes Stimme im Ohr, wissen, dass wir nicht zuschanden werden, denn er hat das letzte Wort.

Pfarrerin Dr. Thea Vogt
Neusitz

Wir beten:
Ich will dich hören, lebendiger Gott, dich heraushören aus allem Lärm. Gib mir ein Wort, das mich ermutigt, das mich trägt, wenn so manches zerbricht. Amen.

Lied 452: Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr.

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