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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet. (Heft 14)

Ehe und Familie als Leitbild

Landessynode: Staat soll verantwortliches Zusammenleben schützen

Thema 14Eine Diskussion wollte nicht aufkommen. Nach drei Referaten zum Schwerpunktthema Familie wirkten die Mitglieder der Landessynode müde. Gerade fünf Frauen und Männer des 105-köpfigen Kirchenparlamentes meldeten sich zu Wort. Offenbar wirkte die Fülle von Informationen über Familie aus theologischer und soziologischer Sicht erschlagend.
Anders am nächsten Tag. In Ausschüssen rangen die Synodalen um einen gemeinsamen Weg für eine Erklärung zum Schwerpunktthema. Am Ende stand eine zehnseitige Stellungnahme, die das Kirchen-parlament im oberfränkischen Bad Alexandersbad ohne Gegenstimme verabschiedete. Darin wird die Orientierung am "christlichen Leitbild Ehe und Familie" unterstrichen. Dieses verwirkliche sich am deutlichsten in "dem von Liebe und partnerschaftlicher Wertschätzung getragenen, geordneten Zusammenleben von Mann und Frau, das Kindern Liebe und Geborgenheit bietet".

Viele Familienformen

Die Erklärung betont, dass es verschiedene Formen von Familie gibt, wie allein Erziehende oder verbindliche Partnerschaften. "Wo immer ein solches verantwortliches Zusammenleben praktiziert wird, besteht Schutz und Anerkennung durch die Gesellschaft", heißt es in der Stellungnahme mit dem Titel "Familie - auch in Zukunft".
Mit einem ausführlichen Forderungskatalog setzt sich die Synode, die rund 2,8 Millionen Protestanten in Bayern vertritt, für ein familienfreundliches Klima in Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und Kirche ein (siehe "Aus unserer Landeskirche", Seite 20). An die eigene Adresse gerichtet betonen die Synodalen, dass Kirche, Gemeinde und Diakonie die Familie noch mehr in den Mittelpunkt ihres seelsorgerlichen Dienstes und ihrer Bildungs- und Beratungstätigkeit rücken müssten.
Kirche und Diakonie seien als Arbeitgeber nur dann glaubwürdig, wenn sie ihre Forderungen auch an sich selbst richteten: "Jede ihrer Äußerungen wird daran gemessen, wie sie selbst im Vollzug Familien-, Erwerbs- und ehrenamtliche Tätigkeit gewichten." So müssten flexible Arbeitszeiten, Stellenteilung und Aufstiegschancen für Teilzeitbeschäftigte noch weiter ausgebaut werden, um familienfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen.
In einem Grußwort betonte die bayerische Sozialministerin Barbara Stamm, die Familie sei nach wie vor die populärste Form des Zusammenlebens. Oft allerdings werde ein verzerrtes und desolates Bild von ihr gezeichnet. Es sei wichtig, dieses wieder entsprechend zurechtzurücken. Bei der Familie handelt es sich nach den Worten der stellvertretenden bayerischen Ministerpräsidentin um kein Auslaufmodell. Im Gegenteil: "Die Familie ist das Lebensmodell der Zukunft."

Keimzelle für den Glauben

Als "Keimzelle für den christlichen Glauben" bezeichnete Landesbischof Johannes Friedrich die Familie. Wenn hier "nicht mehr biblische Geschichten erzählt, gebetet und über Gott und die Welt geredet wird, dann entsteht ein Defizit, das nur schwer irgendwo anders aufgefüllt werden kann". Friedrich riet zu einer nüchternen Sicht von Ehe. Es komme darauf an, die Grenzen des Machbaren zu sehen - auch im Blick darauf, wie sich Beruf und Familie miteinander vereinbaren lassen. Friedrich warnte, den Druck auf problembelastete Folge-Familien noch zu erhöhen: "Der moralische Zeigefinger, der nur meint, dass ausschließlich die traditionelle Ehe dem Wohl des Kindes dient, hilft weder geschiedenen Frauen und Männern noch ihren Kindern weiter." Laut Bischof sollen sich Gemeinden stärker den Alleinstehenden zuwenden. Sie bräuchten Heimat und Nähe zu anderen Menschen. Elternschaft ist - so der Erlanger Theologe Bernd Wannenwetsch - nach reformatorischer Theologie ein Beruf. Deshalb müsse die Formel von der "Vereinbarkeit von Beruf und Familie" kritisch hinterfragt werden. Die Kirche sollte sich überlegen, den Erziehungsauftrag stärker als Beruf in den Vordergrund zu stellen. Wannenwetsch warnte davor, die Familie zur bloßen Versorgungsgemeinschaft zu reduzieren. Vielmehr komme es darauf an, dass Eltern "et-was haben, das sich weiterzugeben lohnt".
Der Braunschweiger Soziologin Sabine Brombach zufolge wächst im Zeitalter der Schnelllebigkeit die Sehnsucht nach Geborgenheit und einer heilen Familie. Diese aber könne nicht das alleinige Auffangbecken für Enttäuschungen einer gefühlskalten Arbeitswelt sein. Beziehungen mit solchen Ansprüchen zu überfrachten, trage auch zu ihrem Zerbrechen bei.

Günter Saalfrank


Wenn nur Christus verkündigt wird!

"Ich lasse euch aber wissen, liebe Brüder: Wie es um mich steht, das ist nur mehr zur Förderung des Evangeliums geraten. Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht: diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege; jene aber verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir Trüb-sal bereiten in meiner Gefangenschaft. Was tut's aber? Wenn nur Christus verkündigt wird auf je-de Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber."

Philipper 1, 12 und 15 bis 18

Andacht 14"Paulus, wie geht es Dir?" - Seine Antwort hat die Christengemeinde in Philippi nicht erwartet: "Dem Evangelium geht's gut!" Paulus sitzt im Gefängnis und die Christen sorgen sich um ihn. Sie wollen wissen, wie es ihm geht. Aber anstatt zu jammern oder von seinem eigenen Ergehen zu berichten, lenkt Paulus von sich ab. "Ich bin nicht wichtig. Wichtig ist allein, dass das Evangelium weitergesagt wird - und zwar auf vielfältige Weise." Gerade durch seinen Gefängnisaufenthalt sind für die Verbreitung des Evangeliums neue Wege aufgetan worden. Der gefangene Apostel sagt seinen Gefängniswärtern und den Menschen in seiner Umgebung, worum es ihm geht: Um den Herrn Jesus Christus. Paulus erfährt davon, dass auch andere predigen. Und er erfährt von Vorbehalten gegen diese Prediger. Die Motive mancher Prediger sind nicht immer ganz uneigennützig. Er stellt fest: "Zwar verkündigen sie nur deswegen die Botschaft von Christus, weil sie neidisch sind und mir eine erfolgreiche Missionsarbeit nicht gönnen".

Verkündigung aus Neid und Streitsucht? Paulus ist darüber zu Recht traurig. Er weiß aber auch, dass andere in guter Absicht das Evangelium weitersagen. Sie wollen dadurch seine Arbeit unterstützen, denn er ist ja im Gefängnis, um für die Heilsbotschaft Rede und Antwort zu stehen.Of fenbar hat es schon damalsallemöglichenpersönlichen Spannungen zwischen Predigern gegeben.

Erstaunlich und großartig ist die Aussage des Paulus: "Doch was tut's? Es kommt allein darauf an, dass Christus verkündigt wird, wie auch immer, ob mit Hintergedanken oder in Wahrhaftigkeit. Und dass das geschieht, darüber freue ich mich." (Übertragung nach Ulrich Wilckens). Die Ausbreitung des Evangeliums geht weiter - manchmal auf Wegen, die uns als Umwege erscheinen. Sie ist nicht an bestimmte Menschen gebunden. Jede Predigt wird etwas ausrichten, was auch immer die einzelne Person veranlasst, von Christus zu reden.
Das möchte ich von Paulus lernen: Unvoreingenommen zu sagen: "Was tut's aber?" Zum Beispiel, wenn ich Menschen mit anderen Frömmigkeits- und Glaubensstilen kennenlerne oder wenn ihr Singen, Beten und Reden von Gott ungewohnt und neu ist.
In unseren Gemeinden gibt es doch auch ganz unterschiedliche Gruppierungen und Kreise, so unterschiedlich, wie wirMenschen eben sind. Jeder hat andere Gaben, Fähigkeiten, Eigenarten. Aber jeder einzelne ist wichtig und kann auf seine Art seinen Glauben bekennen und weitersagen, ob das beim Einkaufen, beim Gespräch am Arbeitsplatz oder in der Schule ist. So kann Reden mit dem Nachbarn über den Gartenzaun Zäune abbauen. Unser Umgang miteinander, unsere Art, wie wir auf andere zugehen und sie annehmen, kann auch zu einer Predigt werden.

Natürlich haben wir die Verantwortung, die Botschaft von Jesus Christus so gut und klar weiterzusagen, wie wir es können. Es kommt nicht auf die ausgefeilte, gut formulierte Predigt an - so wichtig sie sein mag - sondern darauf, dass die Botschaft von Jesus Christus, dem gekreuzigten und auferstandenen Heiland, weitergegeben wird. Etwa dadurch, dass einer ganz schlicht erzählt, was er mit Jesus erlebt, wie er Kraft, neuen Mut oder Trost in schwieriger Situation bekommen hat.

Was ist, wenn uns andere christliche Gemeinschaften oder Gruppierungen "Konkurrenz" machen? Können wir uns darüber noch freuen? Paulus jedenfalls würde sagen: "Was tut's aber? - Wenn nur Christus verkündigt wird!" Und darauf kommt es an!
Lätare heißt dieser Sonntag - freut euch! Freuen wir uns doch, dass die Frohe Botschaft in so großer Vielfalt erfahren werden kann. Freuen wir uns doch darüber, wenn über Jesus und von Jesus geredet wird - im persönlichen Gespräch in der Familie, unter Kollegen und Nachbarn, aber auch in großen Veranstaltungen, wie in der letzten Woche bei ProChrist. Freuen wir uns doch über die unterschiedlichen Ausdrucksformen unseres Glaubens.

Helga Beyler, Landessynodalin
Leinburg-Diepersdorf

Wir beten:
Herr, unser Gott, wir danken dir für die vielen Möglichkeiten, dein Evangelium weiterzugeben. Segne jede Verkündigung und jedes Bekennen und lass Menschen dadurch zur Freude kommen. Amen.

Lied 272: Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen.

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