Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 50)

Auf die richtige Einstimmung kommt es an

Wie junge Mütter den Advent feiern - Was ist christliche Erziehung?

Alle Jahre wieder - kommt der Familienstreit. An den Feiertagen rund um Heiligabend leuchten nicht nur die Kerzen. Oft entbrennt heftiger Streit. Vielleicht, weil die Erwartungen so hoch gesteckt sind: Ein Fest der Familie soll es sein, bei dem sich alle verstehen. Zumindest einmal im Jahr muss Friede herrschen. Kein Wunder, dass viele Familien dabei eine eher unerwartete Bescherung erleben: Das Fest endet im Gefühls-Chaos und im Streit.
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Martina Dieret und ihr eineinhalb Jahre alter Sohn Niklas nähern sich der Weihnachtsgeschichte mit Hilfe schöner Krippenfiguren.
   

Sich auf das Fest vorbereiten

So weit, so schlecht. Was hier beschrieben wird, ist gerade in der Adventszeit Thema vieler Medienvertreter. Dabei gibt es an Heiligabend nicht nur das Scheitern, sondern auch das Gelingen. Das Rothenburger Sonntagsblatt hat drei junge Mütter befragt: Wie bereiten Sie sich mit Ihrer Familie auf das Fest vor? Was bedeutet Ihnen christliche Erziehung? Und: Wie kann man vermeiden, dass unter dem Tannenbaum die zarten Zweige der Verwandtschaft brechen? Auf die richtige Einstimmung kommt es entscheidend an. Martina Dieret nutzt die Adventszeit, um mit ihrem Sohn Niklas zu singen und ihm die biblischen Geschichten nahe zu bringen. Mit Hilfe von Krippenfiguren erzählt sie dem kaum Eineinhalb-Jährigen von der Geburt Jesu im Stall. "Im vergangenen Jahr konnte er mit Maria und Josef, Ochs und Esel ja noch nichts anfangen", sagt die 26-jährige Mutter. Heuer spiele er schon richtig mit den Figuren. Ihr Ehemann baue zudem an einem Stall aus Holz, vor dem dann auch Hirten und Schafe einen Platz finden sollen.

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Ruth Fehmann ist durch den CJB in Fürth zum Glauben gekommen und will ihren Kindern Timo und Lion-Cedric davon etwas mit auf den Weg geben.
   

Botschaft der Liebe vermitteln

Warum für die Erzieherin aus Fürth die Vermittlung biblischer Inhalte und christlicher Werte eine so große Rolle spielt? "Weil ich den Glauben in meinem eigenen Leben als tragendes Element erlebt habe", unterstreicht Martina Dieret. Natürlich könne sie bei ihrem Sohn nur Wege anbahnen, "den Glauben muss er dann schon selbst entdecken". Heutzutage sei es jedoch unabdingbar, Kindern die Botschaft der Liebe zu vermitteln. Zum Beispiel Jesu Aufruf zur Nächstenliebe: "Ich lege es meinem Sohn ans Herz, dass man bei Konflikten mit einem Lächeln mehr erreicht als mit Fäusten", sagt die junge Mutter.
Weihnachten ist für Martina Dieret der Höhepunkt des Jahres. Die Familie stünde dabei im Zentrum, Streit gebe es da nicht. "Wir kochen gemeinsam, nichts Großes. Es ist ganz ruhig. Wir zünden Kerzen an und lesen die Weihnachtsgeschichte vor", erklärt sie. "Nur wenn man innerlich zur Ruhe kommt, kann man davon auch etwas nach außen ausstrahlen", betont die 26-Jährige. Eventuell ist das ja ein Rezept für andere Familien, damit an Weihnachten nicht die Fetzen fliegen. "Gerade in der Adventszeit können Eltern ein Vorbild sein", meint Ruth Fehmann. Das Fest der Liebe muss im Alltag Früchte tragen. "Wir nehmen uns jedenfalls vor, in diesen Wochen nachsichtiger zu sein als sonst und mehr Rücksicht aufeinander zu nehmen", sagt die 33-Jährige bestimmt.

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Andrea Huber ist davon überzeugt, dass die Eltern als Vorbild Kindern Werte vermitteln. Fotos: Kusch
   

Ob sie ihren beiden Kindern, 16 Monate und 4 Jahre alt, auch christliche Inhalte vermittelt? "Aber sicher! Ich erzähle Lion-Cedric und Timo anhand einer Kinderbibel, unter welchen Umständen Jesus zur Welt gekommen ist und dass er für uns geboren wurde", betont Ruth Fehmann. Die religiöse Erziehung sei aber mit dem Heiligabend nicht beendet. "Meine Kinder sollen auch etwas über andere Religionen erfahren und von der Bedeutung der unterschiedlichen Feiertage", sagt die 33-Jährige. Als wichtige Werte nennt sie "Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Nachsicht und gegenseitiges Verständnis". Am überzeugendsten sei es für die Kinder jedenfalls, wenn Eltern ihnen offen sagen, warum sie persönlich an Gott glauben und was das für sie bedeutet, fügt sie hinzu. Genau daran hapert es, kann Andrea Huber nur bestätigen: "Die meisten Eltern haben doch gar keine Zeit mehr, die Fragen ihrer Kinder ernsthaft zu beantworten!" Christliche Werte lernen Kinder jedenfalls am ehesten durch ihre Vorbilder. "Wenn die Eltern ein Leben mit christlichen Werten führen, dann werden die Kinder diese ganz selbstverständlich erlernen - ohne darüber nachzudenken, ob dies jetzt etwas Besonderes ist", versichert die 34-jährige Mutter zweier Töchter. Ronja (8) und Maya (5) seien jedenfalls absolut interessiert, wenn es um Erzählungen aus der Bibel geht. "Und ich denke, dass dieses Interesse in jedem Kind steckt", sagt die Schulsekretärin.

Intakte Familie?

Weihnachten, das große Fest der Familie - gilt das auch für Kinder von allein Erziehenden oder Geschiedenen? "Die Familie meines Mannes ist auch sehr zerrüttet", erzählt Martina Dieret. Durch die Ehe habe er quasi eine Ersatzfamilie erhalten. Und bei ihrer früheren Tätigkeit in einem Heim habe sie gespürt, dass Kinder, die unter schweren Bedingungen aufwuchsen, Weihnachten durchaus als besinnliches Fest in der Gruppe feiern können: "Da gab es viele strahlende Gesichter." Die 26-Jährige wünscht den jungen Leuten, dass sie später einmal, als Erwachsene, dieses Fest im Kreise einer intakten Familie feiern können.

Günter Kusch

 

 


 

Bereitet den Weg des Herrn!

Als Hannas und Kaiphas Hohepriester waren, da geschah das Wort Gottes zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, in der Wüste. Und er kam in die ganze Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebeung der Sünden, wie geschrieben steht im Buch der Reden des Propheten Jesaja: "Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige eben! Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was uneben ist, soll ebener Weg werden. Und alle Menschen werden den Heiland Gottes sehen."

Lukas 3, 2 - 6

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Die Steinfigur am Sakramentshäuschen in St. Jakob in Rothenburg zeigt Johannes den Täufer. Der Täufer deutet mit dem Finger auf ein Medaillon mit einem Lamm. Es verweist auf Jesus Christus, der das Lamm Gottes ist. Foto: Manuela Noack

Rothenburg im Advent: Alles ist seit Wochen geplant und vorbereitet. Abertausende von Glühbirnchen verwandeln die Stadt in ein Lichtermeer. Der Reiterlesmarkt ist eröffnet. Das Geschäft mit der Geburt Jesu läuft. Bisher lief alles glatt. Nur noch zwölf Tage trennen uns von Weihnachten. Nicht nur in Rothenburg nimmt der Stress der vorweihnachtlichen Besorgungen und Einkäufe zu. Jetzt darf bloß nichts mehr dazwischen kommen...
Und dann das: Die Verse des Predigttextes des Lukas kommen uns dazwischen. Es ist ein Text, der uns daran erinnern soll, dass Advent eine Zeit der Buße, der Umkehr ist. Wie ein Prophet will uns Johannes der Täufer mit seinen Worten aufrütteln: "Gott kommt euch dazwischen! Denkt um! Besinnt euch auf Gott!"
"Seht, die gute Zeit ist nah, Gott kommt auf die Erde", so heißt es in einem Adventslied. Wir sollten uns jetzt bereit machen, jetzt in dieser oft so hektischen Vorweihnachtszeit. Wir sollten uns Zeit und Ruhe gönnen in diesen Wochen, damit wir spüren können: Nur dann, wenn ich meinen Weg überdenke, alte und ausgetretenePfade verlasse, kann Jesus in mir neu geboren werden und in mir Wohnung nehmen. Johannes der Täufer lädt uns mit seinem Text ein, über eine mögliche Umkehr in unserem Leben nachzudenken. Nehmen wir diese Hilfe doch an und stellen uns einmal vor, wie so ein "Kommen" aussehen würde, und fragen wir uns:
Wenn Gott kommt, wird er den Weg zu mir finden?
Wenn Gott kommt, welchen Weg wird er nehmen?
Wenn Gott kommt, wie kann ich ihm entgegengehen?
Vielleicht gelingt es uns mit solch einem Innehalten, das abzulegen, was uns umtreibt und in Beschlag nimmt. Vielleicht schaffen wir es so, der Stille in uns Raum zu geben, damit wir offen werden für ihn und sein Wort, damit wir hören, was Johannes der Täufer uns zuruft: "Bereitet den Weg des Herrn!"
Ich wünsche uns allen, dass wir es schaffen, eine besinnliche Adventszeit zu erleben, nicht nur mit Gedanken und Worten, sondern auch mit Taten. Damit unsere Hände und Füße dazu beitragen, dass alle Menschen etwas davon spüren können: "Seht die gute Zeit ist nah, Gott kommt auf die Erde!"

Prädikantin Manuela Noack, Rothenburg ob der Tauber

Gebet: Gott, wo Du bist, da wird die Welt neu. Wir bitten Dich, schenke Du uns Deinen Geist, damit wir begreifen, dass Dein Kommen uns und die Welt verändern kann. Mach unsere Herzen offen für Dein Wort, damit wir Dich erwarten können. Amen.

Lied 18: Seht, die gute Zeit ist nah.

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