Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 48)

"Ohne Säen gedeiht nur Unkraut"

Landessynode in Amberg begann mit missionarischen Tönen

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Das Thema der missionarischen Dimension kirchlichen Handelns wurde von den Synodalen - hier bei der Morgenandacht - in der Aussprache zum Bischofsbericht engagiert beleuchtet und diskutiert.
   

Zwei Schwerpunktthemen hatten sich für die Herbstsynode der bayerischen Landeskirche in Amberg schon im Vorfeld abgezeichnet: Zum einen der zu beschließende Sparhaushalt, zum andern die Frage nach einer missionarischen Dimension kirchlichen Handelns. Wie beides zusammenhängt, konnte man ebenfalls schon zuvor hören - nämlich auf der Herbstsynode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Magdeburg: Dort hatte deren Vizepräsident Klaus Winterhoff verlauten lassen, Sparen allein genüge nicht. Vielmehr sollten künftig alle Bereiche finanzielle Priorität haben, die "die EKD als Dienstleister und Beförderer der missionarisch einladenden Gliedkirchen ausweisen".

Von daher machte es nicht nur grundsätzlich, sondern auch strategisch Sinn, dass Landesbischof Johannes Friedrich am Montagvormittag seinen Bericht mit dem Motiv einer missionarisch einladenden Landeskirche verband. Der 56-jährige Theologe bezog sich dabei ausdrücklich auf die Vorgaben, die in dieser Richtung bereits 1999 die Herbstsynode der EKD in Leipzig gemacht hatte. Alles Ringen um Finanzen und Strukturen, so betonte er, habe schließlich genau das Ziel, möglichst optimale Bedingungen für die Kommunikation des Evangeliums, also für Mission zu schaffen. Heutzutage sei es wichtig, dem Begriff "Mission" wieder zu seiner ursprünglichen positiven Bedeutung zu verhelfen: "Wir sind als Christinnen und Christen geschickt in die Welt, um Menschen geschickt für den christlichen Glauben zu gewinnen. Nicht, um uns selbst zu bereichern, sondern um den Menschen die Botschaft von der Liebe Gottes nahe zu bringen."

Einladende Kirche

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Landesbischof Johannes Friedrich stellt der Synode in Amberg seinen Bericht vor. Fotos: th
   

Notwendig sei bei der Weitergabe des Glaubens nicht zuletzt die persönliche Glaubwürdigkeit des "Botschafters an Christi statt": Er müsse etwas von der guten Nachricht ausstrahlen, die er bezeugen und vermitteln wolle. Für die Arbeit an der eigenen Person biete die Kirchenleitung Unterstützung an - etwa durch Fortbildungsmaßnahmen oder durch die inzwischen etablierten 10-Jahres-Gespräche mit Pfarrstelleninhabern. Kirche soll und kann laut Friedrich einladend sein und noch viel mehr Menschen "eine geistliche Heimat bieten". Dies umso mehr, als heutzutage die Suche nach geistlichem Lebensreichtum stärker zu beobachten sei als zu Zeiten, in denen die Kirche formal immer dafür zuständig war.

Auch auf die spezielleren Arbeitsfelder des Missionarischen ging der Landesbischof ein, etwa auf das Missionswerk in Neuendettelsau und auf den schulischen Religionsunterricht. Nicht minder betonte er die "missionarischen Gelegenheiten" bei den Kasualien, also bei Taufen, Trauungen und Bestattungen. Weil hier Nichtchristen oft den einzigen Eindruck von kirchlicher Arbeit bekämen, sei den Kasualien größte Sorgfalt zu widmen. Nicht von ungefähr würden Grenzsituationen des Lebens gern als Nagelprobe für die Tragfähigkeit der Kirche gewertet. Friedrich warnte: "Wenn wir an den Wendepunkten des Lebens nicht überzeugend wirken, werden uns an dieser Stelle andere Anbieter das Wasser abgraben." Eigens betonte der Bischof die Notwendigkeit, im Gegenüber zu anderen Konfessionen und Religionen das Profil der lutherischen Kirche deutlich zu machen. Verbindendes sei ebenso zu benennen wie Trennendes. Zum so genannten Kopftuchstreit erklärte er, hier gehe es nicht zwingend um ein religiöses Symbol, sondern um ein Symbol der Unterdrückung der Frau. Von daher sei er mit vielen Musliminnen und Muslimen dankbar für das in Bayern dazu verabschiedete Gesetz.

Von einer Seele zur andern...

Schon im Eröffnungsgottesdienst am Sonntagabend hatte der tschechische Pfarrer Milos Rejchrt in der Paulanerkirche missionarische Töne angeschlagen: Es gelte zu erkennen, dass ohne Säen nur Unkraut gedeiht. Diese Erfahrung habe man in seinem Land machen müssen: Dort hatte man zunächst einige Jahre nach der Wende in der Illusion gelebt, mit der zeitlichen Entfernung vom Kommunismus würde das geistliche und ethische Niveau wieder wachsen. Den Sy-nodalen rief der Prediger zu: "Auch in unseren Kirchen, in Bayern wie in Böhmen, ist jetzt die Zeit zu säen, mit Geduld, von einer Seele zur andern..." Dabei spielte er auf die Bedeutung des christlichen Glaubens für demokratische Gesellschaften an und mahnte: "Sorgt euch um die Demokratie, damit das demokratische Regime nicht an seinen inneren Schwächen sterbe, wie das beim Zusammenbruch des Kommunismus der Fall war." Die Saat des Glaubens solle im Bewusstsein erfolgen: "Wir leben nicht nur für uns."

In eben diesem Bewusstsein machte sich die Landessynode an die Beratungen zum Sparhaushalt. Bis 2006 muss die Landeskirche ihren Haushalt um rund 90 Millionen Euro entlasten. Dass sie dabei missionarisch einladend bleiben oder erst recht werden soll, das gilt es bis zum Ende dieser Herbsttagung im Blick zu behalten.

Werner Thiede

 

 


 

Hoffnung auf mehr Gerechtigkeit

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird. Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: "Der HERR unsere Gerechtigkeit."

Jeremia 23, 5-6

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In der Adventszeit darf sich die Christenheit immer wieder neu besinnen auf das Zunehmen des Lichts von oben: Unscheinbar kam es in unsere dunkle Wirklichkeit, und doch ist es das Licht der Welt, das einst alles gänzlich erhellen wird und Christen schon jetzt "Licht der Welt" sein lässt. Foto: Wodicka

Die Adventszeit beginnt. Nun bereiten sich Menschen vier Wochen lang auf Weihnachten vor. Straßen und Häuser sind geschmückt, Schaufenster beleuchtet, Geschenke werden gekauft und Plätzchen gebacken, Kerzen angezündet. Der eine sucht seine Ruhe bei einem guten Buch, der andere freut sich auf die Geselligkeit einer Weihnachtsfeier. Die eine spaziert über den Weihnachtsmarkt, die andere bastelt für ihre Kinder und Enkel Geschenke. Ganz unterschiedlich erleben Menschen die Adventszeit. Und doch: über allem und in jedem schwingt ein Gefühl der Erwartung und eine tiefe Sehnsucht. In keiner anderen Zeit sprechen Menschen so häufig von "Frieden", "Harmonie", "Versöhnung" und "Liebe". In keiner anderen Zeit bemühen wir uns so sehr, die Welt um uns herum ein wenig zu verändern, etwas von unserem Wohlstand abzugeben, Freude zu machen und aufmerksam zu sein gegenüber unseren Mitmenschen. In keiner anderen Zeit gewinnen Wünsche, Träume und Hoffnungen eine so wichtige Bedeutung wie in der Adventszeit.

Von einer solchen Sehnsucht schreibt auch der Prophet Jeremia. Er fasst sie in das Wort "Gerechtigkeit". Und er sieht sie - wortwörtlich - verkörpert in einem zukünftigen König. Dieser König wird das verwirklichen, was wir Heutige "soziale Gerechtigkeit" nennen. Dieser König wird Gerechtigkeit schaffen, er wird den Menschen geben, was sie brauchen: Freiheit, Selbstachtung und Würde. Sie werden Arbeit haben und ein gutes Auskommen, sie werden medizinisch versorgt sein, sie werden Zeit haben für Familie und Freunde. Dieser König wird den Menschen eine Heimat geben, ein Zuhause, einen Ort, an dem sie sich sicher und geborgen fühlen können. Er wird das Leben ermöglichen, wie es recht ist, ein gerechtes Leben. Die Hörer des Propheten blicken mit ihm in eine hoffnungsvolle Zukunft. Was Gott in der Vergangenheit getan hat, die Befreiung aus der Knechtschaft, das kann und will Gott auch in Zukunft tun. Die adventliche Botschaft des Propheten lenkt auch heute den Blick in die Zukunft. Im Kind Jesus sehen Christen die Erfüllung alttestamentlicher Verheißung. Und wir glauben, dass dieser Eine der König ist, dessen Name lautet: "Der HERR unsere Gerechtigkeit." Die Gerechtigkeit kam in die Welt, sie ist da und wird noch deutlicher kommen.

Was vor zweitausend Jahren in Bethlehem geschah, das hat Zukunft. Wir erwarten die Gerechtigkeit in Gottes zukünftiger Welt. Wir feiern, dass Gott uns durch den Glauben gerecht macht und von innen heraus erneuert. Wir erhoffen eine fassbare Gerechtigkeit, die das ganze Leben verändert. Wir arbeiten mit an einer Welt, die sich zum Guten hin wandelt, eine menschliche und gerechte Welt. Als Christen dürfen wir etwas erwarten, nicht nur eine schöne und besinnliche Weihnachtszeit, sondern wir erwarten, dass Gott selbst in die Welt kommt und uns verändert. Er hat es schon getan, denn er wurde Mensch, und er tut es noch immer, denn er macht uns menschlich. Das will das Wunder der Advents- und Weihnachtszeit heute werden: Dass die Ankunft Gottes auf Erden uns menschlicher, empfindsamer und gerechter macht.

Wilfried Beyhl, Regionalbischof des Kirchenkreises Bayreuth

Gebet: Herr Jesus Christus, voll Hoffnung erwarten wir deine Ankunft; wir sehnen uns nach deiner Gerechtigkeit. Lass uns den Blick in die Zukunft richten, dass wir nicht in uns selbst gekehrt bleiben, sondern dass du mit uns dein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit bauen kannst. Amen.

Lied 1: Macht hoch die Tür.

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