Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 47)

Kein Beweis für Seelenwanderung

Was besagen scheinbare Erinnerungen an "frühere Leben"?

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Von "Rückführungen" unter Hypnose versprechen sich manche Menschen mehr Aufschluss über die Tiefen ihrer Seele. Foto: Wodicka
   

"Ich muss schon früher einmal gelebt haben!" Oftmals verblüfft stehen Menschen vor diesem Resultat, wenn sie sich unter Hypnose-Befehlen auf die Reise in Zeiten vor ihrem Leben begeben haben - und wenn dann noch nachprüfbare Details diesen Eindruck bestätigen. Seit rund einem halben Jahrhundert häufen sich solche Experimente um scheinbare "Erinnerungen an frühere Verkörperungen". Das ist spannend genug, um immer wieder einmal Thema in den öffentlichen Medien zu werden. So brachte der Fernsehsender VOX im letzten Sommer einen Zweiteiler unter dem Titel: "Wer war ich? Reise in ein früheres Leben". Der dänische Film dokumentierte die Aussagen mehrerer Menschen während hypnotischer "Rückführungen". Und er verband sie mit Spurensuchen in den jeweiligen Ländern. Während manches sich als nicht mehr nachprüfbar herausstellte oder unstimmig schien, stachen eine Reihe von durchaus passenden Details ins Auge. So wurden Personen- und Ortsnamen wie in dumpfer Erinnerung "halbrichtig" wiedergegeben, alte Gemälde, Gebäude oder Maschinen aus der betreffenden Zeit annähernd beschrieben und in glaubhafter Betroffenheit wiedererkannt.

Vieles lässt sich erklären...

Solche und ähnliche Berichte sind in den letzten Jahrzehnten mehrfach wissenschaftlich untersucht worden. In der Folge hat sich freilich großenteils Nüchternheit breit gemacht: Vieles Merkwürdige konnte hinreichend erklärt werden. Das gilt schon für den ersten weithin bekannt gewordenen Fall dieser Art: 1953 hatte Bridey Murphy während mehrerer Hypnosesitzungen angegeben, 1798 in Irland geboren zu sein. Auch nannte sie verschiedene damalige Personen- und Ortsnamen, die durch historische Nachprüfungen teilweise bestätigt wurden. Nachforschungen eines Pfarrers aber ergaben, dass Murphys Informationen und fremdsprachliche Fähigkeiten auf einprägsamen Kindheitserlebnissen um eine Frau mit irischer Vergangenheit und um einen Kindheitsfreund beruhten.

Zum deutschen Pionier hypnotischer Rückführungen wurde der Münchener Esoteriker Thorwald Dethlefsen. Sein Buch "Das Erlebnis der Wiedergeburt" (1978) war ein Bestseller - schien doch ein experimenteller "Nachweis der Wiederverkörperungslehre" gelungen, wie es im Nachwort heißt. Überprüfungen an den angegebenen Orten erbrachten dann aber wenig Konkretes. Und psychologisch ist zu bedenken: Der hypnotische Zustand stellt einen Rückfall in kindlich-unkritisches Denken und Fühlen dar, wobei dem Hypnotiseur die Elternrolle zukommt. Raymond A. Moody, der berühmte amerikanische Erforscher von Nahtodes-Erfahrungen, erklärt: "Die Psyche ist sozusagen eine außerordentlich höfliche Instanz: Wo immer es sich machen lässt, erweist sie sich gern als gefällig, und aus diesem Grund ist sie hochgradig suggestibel. Im Wahrnehmungs- und Erlebnisbereich auftretende Lücken und Löcher stopft sie gegebenenfalls in Windeseile zu." Was aber passiert, wenn hypnotisch befohlen wird, in der Zeit zurückzugehen bis zum Auftauchen von Bildern jenseits des eigenen Lebens? Die Psychiatrie kennt für das zwar ehrliche, aber doch phantasierende Ausfüllen von Erinnerungslücken den Begriff der "Konfabulation": Die erklärt sich durch den inneren Druck zur folgerichtigen Fortführung einer eingeschlagenen Gedankenrichtung, wobei das dafür nötige Wissen und die Tatsachenkenntnis fehlen. Unter solchem Druck wird eine zwar nicht sinnlose, aber faktisch unbegründete Geschichte erfunden. Ist solche "Konfabulation" schon im Wachbewusstsein möglich, etwa bei Erinnerungslücken nach einem Verkehrsunfall, dann erst recht infolge hypnotischer Suggestion!

Wer womöglich schon von vornherein mit "Seelenwanderung" rechnet, ist natürlich für entsprechende "Erfahrungen" besonders empfänglich. Von solcher Deutungsbereitschaft her erklären sich Phänomene in alter und neuerer Zeit, die ein scheinbar spontanes Erleben früherer Existenzen im Zuge außergewöhnlicher Bewusstseinszustände beinhalten. Moody selbst zieht nach rund 200 von ihm durchgeführten Experimenten ein kritisches Resümee: Bei den "Rückführungserlebnissen handelte es sich durchweg um faszinierende Dramen, nach deren Herkunft man in vielen Fällen nicht lange zu suchen brauchte. Ein Teil ließ sich unschwer als Widerschein von Beziehungsproblemen oder latent neurotischen Bedingungen in den derzeitigen Lebensum-ständen der Versuchsperson identifizieren. Andere Erlebnisse wiederum brachten unverkennbar das Selbstkonzept - den persönlichen Mythos - der Versuchsperson zum Vorschein."

...doch es bleiben Rätsel

Von einer Beweiskraft zu Gunsten des Seelenwanderungsgedankens durch die dargelegten (und auch mancherlei anderen) Phänomene kann jedenfalls keine Rede sein. Das hat schon vor 20 Jahren der Parapsychologie-Professor Hans Bender betont. Zumal sich kurze Déjà vu-Eindrücke, also scheinbares Wiedererkennen von Orten oder Personen als Kurzschlüsse im Gehirn deuten lassen, warnt auch Professor Moody: Gerade weil das Konzept der Seelenwanderung in unserer verweltlichten Kultur eine tiefe Sehnsucht anspreche, sei "äußerste Skepsis am Platze gegenüber allen von wem auch immer berichteten Beobachtungen und Fakten, die die Wahrheit jener Lehre zu beweisen scheinen." Umgekehrt ist eine gesunde Skepsis denjenigen gegenüber geboten, die die rätselhaften Phänomene so behandeln, als sei alles prinzipiell "rein wissenschaftlich" erklärbar. Bleibt doch bei den scheinbaren "Erinnerungen" zu einem nicht zu verschweigenden Teil sonderbares Können, aber auch Wissen um Personen und Orte, das sich nicht einfach durch Kenntnis von Romanen, Filmen oder Theaterstücken erklären lässt.

Seele ja - Wanderung nein

An diesem Punkt mag die Parapsychologie ins Spiel kommen - jene Wissenschaft, die sich um das kümmert, was "normale" Wissenschaft nicht einordnen kann. Tatsächlich bietet sie Modelle an, mit deren Hilfe solche merkwürdige Phänomene sich auch anders deuten lassen als durch "Seelenwanderung". Zu denken wäre hier vor allem an "außersinnliche Wahrnehmung", die erfahrungsgemäß im Zustand der Hypnose verstärkt wird. Werden vielleicht Informationen anderer lebender Personen "angezapft" - oder gar solche einer umfassenden "Weltseele"?

Das sind freilich wiederum Modelle, die in letzter Konsequenz spekulativ bleiben, also auch keine beweiskräftigen Auskünfte bieten. Dass es mehr gibt zwischen Himmel und Erde, als uns die "Schulweisheit" träumen lässt, dafür spricht vieles. Umso mehr aber kommt es darauf an, was dann wirklich "glaub-würdig" ist. Das Modell der Seelenwanderung hat mit der christlichen Glaubenstradition allenfalls den Grundgedanken gemeinsam, dass der Tod nicht das Ende bedeutet. Im übrigen führt es in seinen Konsequenzen weg von dem, was biblisch über den Menschen und sein Heil zu lernen ist. Kurz: Dem Gedanken an Seelenwanderung zu folgen, besteht keinerlei Notwendigkeit.

Werner Thiede

 

 


 

Alles wird gut werden

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde … Vom Thron her ertönte eine laute Stimme: "Hier wohnt Gott gemeinsam mit den Menschen. Wenn Gott bei ihnen wohnt, sind sie endgültig sein Volk, und er ist als ihr Gott für immer bei ihnen. Alle Tränen wird er von ihren Augen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben, und keine dumpfe Trauer, keine Verzweiflungsschreie und keinen peinigenden Schmerz. Denn alles, was früher war, ist vorbei.

Offenbarung 21,1-7

Evangelisches Sonntagsblatt
Christen sollen reden von ihrer Hoffnung und ihrer Gewissheit: Immer dann, wenn Menschen trauern, wenn sie leiden, wenn sie weinen, weil der Tod zugeschlagen hat. Foto: Kusch

"Es wird alles wieder gut!" - wer kennt ihn nicht, diesen so leicht dahin gesagten Satz an den Krankenbetten und bei den Beerdigungen? Oft ist es eine so genannte "barmherzige Lüge", weil man genau weiß: Das wird eben nicht wieder - der Kranke wird nicht wieder gesund, die Witwe wird an dem Verlust zerbrechen. Und warum sagen wir das dann? Oft, weil wir nicht schweigen können, angesichts des Leides von Menschen. Es drängt uns dazu, etwas dazu zu sagen, was den Menschen Hoffnung geben kann. Anderen Hoffnung geben in aussichtslosen Lagen - was würde uns Christen besser anstehen? Nur ist der leichte Satz: "Es wird alles wieder gut!" nicht zum Trost geeignet. Denn manches im Leben wird eben nicht mehr gut. Der Satz trifft dann zu, wenn er sich auf unsere Hoffnung über den Tod hinaus bezieht. Denn dann wird erst wieder alles gut - davon sollen wir Christen sprechen in dieser Welt, die leichtfertig anderen Menschen das Leben nimmt durch den Federstrich mancher Regierungen, in einer Welt, in der sich's leichter auf der Straße stirbt als im Pflegeheim. Wir sollen reden von unserer Hoffnung, von unserer Gewissheit: Immer dann, wenn Menschen trauern, wenn sie leiden, wenn sie weinen, weil der Tod zugeschlagen hat. Davon sollen wir reden - vielleicht nicht am offenen Grab, aber an den Tagen und Wochen danach, wenn die Wirklichkeit in unser Herz drängt.

Zunächst aber ist es oft besser, dass wir mit den Menschen schweigen, das Leid mit aushalten und nicht nach leichten Erklärungen und leichten Sätzen greifen. Das ist viel schwieriger als reden - aber es hilft manchmal mehr: Wenn ein plötzlicher Herztod die Familie überrascht, wenn ein Familienvater tödlich verunglückt, wenn ein Kind an plötzlichem Kindstod verstarb. Ich versuche zu lernen, dass Schweigen manchmal nicht nur im Sprichwort besser ist als Reden. Dann kann ich später zur Hoffnung kommen, die ich als Christ vermittle: Dass nicht alles zu Ende ist mit den Gräbern auf den Friedhöfen.

Johannes sieht einen neuen Himmel und eine neue Erde - wohlgemerkt: Nicht nur ein neuer Himmel, sondern auch unsere alte Erde erwarten uns neu am Tag des Herrn. Und Gott wird zum zweiten Mal Mensch: Er wird unter uns wohnen, er wird sich um uns kümmern, er wird zum zweiten Mal unser Leben teilen. Die Trennung von Gott und Mensch ist der Grund für unser Leid hier und die Erfahrung des Todes: Sie wird aufgehoben - darauf gründet unsere Hoffnung.

Am Ewigkeitssonntag versammeln sich viele Gemeinden auf den Friedhöfen, um die Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahres noch einmal in die Erinnerung zurückzuholen. Sie lesen oft diesen Text aus der Offenbarung, der uns in die Zukunft weist und aus dem herausholt, was uns vom Leben abhält. Wenn wir das leben, wovon dieser Text spricht, dann können wir selber getröstet sein und andere trösten. Dann ist die Erfahrung des To-des schmerzlich, verurteilt uns manchmal zum Schweigen - aber wir können den neuen Himmel, die neue Erde und unser eigenes neues Leben in den Blick nehmen. Es wird nämlich alles wieder gut!

Hermann Ruttmann, Pfarrer in Krautostheim

Gebet: Vater im Himmel, Dank sei Dir, dass wir echte Hoffnung haben dürfen. Dank sei Dir, dass wir leben dürfen in der Aussicht des neuen Himmels und der neuen Erde. Schenke uns Kraft, diese Hoffnung weiterzugeben, wo immer wir Leid und Tod begegnen. Amen.

Lied 636: Ihr seid das Volk, das der Herr sich ausersehn.

Diese Woche - Archiv - Editorial - Geschichte - Redaktion - Abo-Service - Anzeigen - Evang. Reisedienst - Impressum
© 2000-2004 ROTABENE! Medienhaus