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Möglichkeit des Freiwilligen Sozialen Jahres bei jungen Menschen sehr beliebt
Vor genau 50 Jahren wurde in Neuendettelsau das Diakonische Jahr, das sich später als Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in ganz Deutschland verbreitete, ins Leben gerufen. Der damalige Rektor des Diakonischen Werkes, Hermann Dietzfelbinger, rief damals die evangelische, weibliche Jugend zu diesem freiwilligen Dienst auf.
Seither hat sich einiges verändert, nicht aber die große Popularität des Angebotes. In Nürnberg sitzt seit fast 40 Jahren die Auskunfts- und Informationsstelle für "Freiwillige Soziale Dienste Nordbayern" und deren Leiterin Margit Werr-Lehner berichtet von einem immer größer werdenden Interesse der Jugendlichen an einem sozialen Jahr.
Auch für Zivis offen
Das FSJ ist offen für junge Leute zwischen 17 und 26 Jahren (in Ausnahmefällen ab 16 Jahren), neuerdings können auch Zivildienstleistende diesen freiwilligen Dienst leisten. Eingesetzt werden sie in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, in Diakoniestationen, in Einrichtungen der Behindertenhilfe, in Kinderheimen- und gärten, sowie in der Jugend- und Gemeindearbeit.
"Bei uns haben jetzt im September 135 junge Leute mit einem Sozialen Jahr begonnen", berichtet Margit Werr-Lehner. "Es sind in der Regel viele Frauen, doch diesmal sind sogar 36 Männer dabei", sagt die Leiterin. 19 der jungen Männer sind Zivildienstleistende. Das Interesse von Männern am FSJ wurde in letzter Zeit größer. "Viele fallen bei der Musterung raus und müssen weder zum Bund noch Zivildienst machen", erklärt Werr-Lehner. Außerdem werden Zivildienststellen gestrichen. "Und erstaunlich viele junge Männer wünschen sich
eine Zäsur nach der Schulzeit - da ist das FSJ eine geeignete Möglichkeit."
In Nordbayern verteilen sich die "FSJler" - wie sie oft genannt werden - vor allem auf die Behindertenhilfe (78) und die Arbeit in Alten- und Pflegeheimen (30). Der Rest verteilt sich auf Kinder- und Jugendarbeit. "Die Zahlen sind sehr stabil, im Gegensatz zu früher haben wir kaum jemanden dabei, der das Jahr vorzeitig abbricht", berichtet Margit Werr-Lehner. Die Gründe für die ungebrochene Beliebtheit des Angebotes sieht sie zum einen in der hohen Jugendarbeitslosigkeit. Vor allem aber darin, dass Jugendliche nach dem Schulabschluss Zeit brauchen, um sich zu orientieren.
Begleitung
Hört man FSJ-ler Resumee ziehen nach ihrem Jahr, so wird der Aspekt der Orientierung besonders deutlich: "Ich hatte die Chance, mich zu orientieren und heraus zu finden, was ich kann und mir Spaß macht", sagt eine junge Frau. Und sie ergänzt: "Das Tolle ist, dass wir von erfahrenen Fachkräften begleitet wurden und uns in der Gruppe mit Gleichgesinnten austauschen konnten." Ein anderer sagt: "FSJ - das heißt für mich Leben (kennen-)lernen. Das eigene und das von anderen!" Eine weitere Teilnehmerin erzählt: "Ich musste nach der Schule einfach aussteigen und habe es genossen, ein anderes Leben zu gestalten." Finanzierung schwieriger
Sorgen macht die Finanzierung. "Das Freiwillige Soziale Jahr unterliegt einer Mischfinanzierung." Ein Drittel kam bisher vom Bund, vor allem für die Mitarbeitergehälter, ein Drittel vom Land Bayern und ein Drittel müssen die Einrichtungen tragen. Nun wurde aber von Seiten des Staates und vom Land der Pro-Kopf-Zuschuss gekürzt. Das entstandene Defizit müssen nun die Einrichtungen tragen, was aber nicht beliebig dehnbar ist. Inzwischen ist die Schmerzgrenze erreicht. Die Finanzierung wird dadurch immer mehr zu einem Balanceakt. "Wir hoffen, dass wir das auch in Zukunft schaffen, denn der Ordner mit den Bewerbungen für das nächste Jahr ist bereits wieder gut gefüllt", sagt die Leiterin. Manuela Noack
Stichwort: FSJ
Gottes Wort gibt OrientierungIch verwehre meinem Fuß alle bösen Wege, damit ich dein Wort halte. Ich weiche nicht von deinen Ordnungen; denn du lehrst mich. Dein Wort ist meinem Munde süßer als Honig. Dein Wort macht mich klug; darum hasse ich alle falschen Wege. Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.
Ein alter Jude steht in einer winterlichen Landschaft. Im Hintergrund die Umrisse eines Dorfes. In seinen Armen trägt er eine Schriftrolle mit den Worten des jüdischen Gesetzes. Die Augen des Mannes sind weit geöffnet, fragend. Die Figur strahlt Kraft aus und Weisheit. Das Geheimnis dafür scheint in der Schriftrolle zu liegen und in der Geste wie er sie hält. Schwer liegt sie in seinen Armen, und er trägt sie liebevoll wie ein Kind. Schützend und bedachtsam hält er sie. Oder hält sie ihn? Die Thorarolle ist dunkelrot gemalt: die Farbe der Liebe. Dieser Gesetzesrolle gehört das Herz des Mannes und sein Mund. Der Maler Marc Chagall hat diesem auf dem Bild "Jude mit Thora" die gleiche Farbe gegeben wie der Schriftrolle. Dieses Bild habe ich vor Augen, wenn ich die Worte aus dem 119. Psalm lese. In einer Übersetzung lautet der Vers 102 so: "Von deinen Rechtssprüchen weiche ich nicht, denn du unterweist mich." In diesen Psalmversen begegnet mir ein glücklicher Mensch. Der Psalmbeter hat auf seinem Weg ein Ziel vor sich. Darauf geht er zu und lässt sich auch durch Anfeindungen, Belehrungen und widrige Erlebnisse nicht aufhalten. So singt er sein Loblied auf Gottes Wort, für das er ganz verschiedene Ausdrücke findet. Licht auf dem Weg, ja der rechte Weg sind Gottes Weisungen, wir können auch sagen seine Ordnungen und Regeln für den Psalmbeter. Ja, sie sind sogar höchster Genuss für ihn, süßer als Honig. Der Psalmist ist voller Vertrauen: Gottes Wille meint es gut mit ihm.
Doch das ist nur das eine. Wenn ich den ganzen Psalm lese, dann teilt der Beter die Menschen ein in die wenigen gesetzestreuen Freunde und die große gottlose Menge. Da kann die geliebte Schriftrolle im Arm leicht auch zur Keule werden, die die erschlägt, die nicht seinen Weg einschlagen. Zuweilen kann es passieren, dass die Liebe zu Gottes Gesetz die Liebe zu den Menschen übersteigt. Das Wort Gottes, das Mensch wurde, Jesus, hat immer wieder vor Augen geführt: Ordnungen und Regeln sind wichtig, aber sie können erstarren und Menschen knechten anstatt ihnen zu helfen."Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbat willen" (Markus 2, 27). Menschliche Nähe kann durch Regeln und Ordnungen verhindert werden. Freilich, eine gute Gesetzgebung kann einen verlässlichen Grund für das Zusammenleben bringen. Es ist gut, dass wir in unserem Land keine korrupte Gesetzgebung haben. Aber Leben, Liebe, Versöhnung und Glück kann auch die beste Gesetzgebung nicht wecken. Ordnungen und Regeln möchte ich deshalb nicht als einen göttlichen Weg zu Heil und Leben, sondern als Lebenshilfe sehen.
So will ich die Weisungen Gottes verstehen - ich versuche es mit einem modernen Vergleich: Gottes Ordnungen und Regeln sind für mich wie Landebahnlichter auf einem Flughafen. Wenn ein Flugzeug landet, weisen ihm zunächst die Anfluglichter den Weg zur Landebahn. Nach dem Aufsetzen des Flugzeuges geben dann die Landebahnlichter die Wegweisung. Sie zeigen dem Piloten: Du bist auf dem richtigen Weg. Wenn die Landebahnlichter ausfallen, dann - so sagte mir ein Pilot - gibt es enorme Probleme. So ist es für mich mit Gottes Wort, seinen Ordnungen und Weisungen. Sie geben mir Orientierung und Sicherheit, zeigen uns Werte für das Leben. Darum will ich sie bewahren wie der Jude auf Chagalls Bild und so kann ich in das Lob des Psalmbeters einstimmen: "Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg".
Karlhermann Schötz,
Dekan in Sulzbach-Rosenberg
Gebet: Menschenfreundlicher Gott, in der Stille warte ich auf dein Wort. Öffne mir Herz und Sinne, dass ich wahrnehme, was du mir sagst, dass ich höre und folge, wenn deine Stimme ruft. Amen. Lied 295: Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit. |
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