Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 40)

Die Ernte des Lebens einfahren

Drei Menschen erzählen von den Früchten ihres Glaubens

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Elfriede Moritz
   

Wenn man am Sonntag morgen die Kirche betritt und sich auf dem Altar sowie auf den Stufen davor Brot, Früchte, Getreidegarben, Trauben und andere Lebensmittel türmen, dann spätestens weiß man: Es ist wieder Erntedankfest. Im Gottesdienst erinnert die Gemeinde an all die Schöpfungsgaben, mit denen Gott die Menschen beschenkt. Und es wird gedankt für die Früchte des Feldes oder des heimischen Gartens. Doch Erntedank meint noch mehr: Viele denken an diesem Tag über ihre "persönliche Ernte" nach, die sie im Laufe ihres Lebens "eingefahren" haben.

"Die christliche Wurzel fehlt"

Erntedank - Elfriede Moritz erinnert sich bei diesem Fest an das biblische Gleichnis vom Sämann, der den Samen auf vielerlei Boden streut. "Genauso erlebe ich das heutzutage bei meinen Mitmenschen", erklärt die 83-Jährige. Manche fänden zum Glauben, andere nicht. Gerade jüngere Leute könnten sich für die biblische Botschaft nur noch schwer öffnen. "Dies liegt sicher an der fehlenden christlichen Basis in den Familien", sagt Elfriede Moritz. Hinzu kämen äußere Einflüsse, zum Beispiel der Wohlstand, "der die Saat im Keim erstickt".

Elfriede Moritz ist in Schönfeld, im Erzgebirge, geboren. Sie arbeitete später in Dresden als Frauendienstleiterin: "Da habe ich Bibelarbeiten übernommen und Seminare mitbegleitet", erzählt sie. Die 25 jungen Frauen, die daran teilnahmen, besaßen bereits ein christliches Fundament, auf dem aufgebaut werden konnte. Der "Samen des Evangeliums", den sie in ihrer Arbeit ausstreute, konnte hier also gut gedeihen und wieder Früchte bringen.

Die 83-Jährige betont, im Blick auf ihre eigene Lebensgeschichte: "Ich komme aus einem christlichen Elternhaus. Da habe ich viel mitgenommen für mein Leben." Diesen Glauben konnte sie später auch ihrem Ehemann vermitteln, den sie während des Krieges kennenlernte. "Anfangs ging er mir zuliebe mit in den Gottesdienst", gibt sie zu. "Aber durch unsere Beziehung und 49 Jahre Ehe ist er schließlich selbst zum Christen geworden." Bei den beiden Kindern sei das ähnlich. Beide singen im Kirchenchor mit. Was sie ihnen zum Erntedankfest wünschen würde? "Dass sie auch weiterhin zum Lobe Gottes singen, denn darum geht es doch bei diesem Fest: "Es erinnert uns an all die Dinge, für die wir Gott ehren dürfen."

Tagtäglich dürfen wir ernten

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Simon Schuller
   
Simon Schuller wuchs auf einem Bauernhof auf. Sein Vater war Landwirt. So hat er von Kindheit an bei der Ernte mithelfen müssen. "Ich war so oft wie möglich auf dem Feld", berichtet der 79-Jährige. Für das Erntedankfest wurden in Mortesdorf (Siebenbürgen) Kartoffeln, Getreide, Kürbisse, Weizen und Mais gesammelt und in die Kirche gebracht. In den Tagen darauf verteilte man die Nahrungsmittel an arme Menschen in der Gemeinde. Wie seine persönliche "Ernte" aussieht? "Wissen Sie, meine Frau und ich haben drei Kinder und sechs Enkel. Die sind alle der Kirche treu geblieben", sagt er nicht ohne Stolz. Damals hätten sie am Abend, nach getaner Arbeit, den Kindern aus der Bibel vorgelesen oder mit ihnen über Glaubensthemen diskutiert. "So etwas schweißt fest zusammen und schenkt Halt für das ganze Leben", sagt Simon Schuller.

"Gesät" hat er aber auch als Kirchenvorsteher in Rumänien. Seit 1963 war er in der Gemeinde sehr engagiert. Es war für ihn immer ein wichtiges Anliegen, mit seinen Fähigkeiten und Talenten am "Bau des Reiches Gottes" mitzuwirken. "Denn nur wer sät, kann auch ernten", unterstreicht der 79-Jährige. Manch Wachstum habe man allerdings nicht unter Kontrolle. Er denkt dabei an seine Kinder. "Es ist ein großes Geschenk für mich, dass sie alle Arbeit gefunden haben. Dafür will ich heuer am Erntedankfest Gott ganz besonders danken", fügt Simon Schuller hinzu.

Einen weiteren Aspekt dieses Feiertages bringt Luise Stumptner ins Gespräch mit ein. "Bei Erntedank denke ich einerseits an die gute Ernte und daran, dass die Menschen genügend zu essen haben. Das macht mich froh", erklärt die 69-Jährige. Man dürfe jedoch nicht diejenigen vergessen, die nicht genügend zum Essen haben. Neben dem Dank stünde also die Mahnung, Anderen, die wenig haben, auch etwas abzugeben.

Geschenke des Lebens

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Luise Stumptner
   
Beide Aspekte begegnen übrigens auch in den liturgischen Texten, die für das Erntedankfest vorgesehen sind. Das Lukas-Evangelium (Kapitel 12, Verse 15 bis 21: Gleichnis vom reichen Kornbauern) und das Matthäus-Evangelium (Kapitel 6, Verse 19 bis 23) warnen eindringlich davor, Schätze zu sammeln, die - angehäuft in den Scheunen - niemandem etwas nützen. Jesaja 58 mahnt im zentralen Vers 7 die Geschwisterlichkeit aller Geschöpfe an: "Brich mit dem Hungrigen dein Brot!" Natürlich sollte man "nicht nur am Erntedankfest an Menschen in der Dritten Welt denken, die nicht genügend zum Leben haben", betont Luise Stumptner.

Wenn sie auf ihr Leben blickt, ist sie besonders dankbar für die Gesundheit, die ihr geschenkt wurde. "So konnte ich in meinem Leben tatsächlich reichlich ernten". Sie denkt an die zahlreichen Reisen, die sie in den vergangenen zehn Jahren gemeinsam mit ihrem Ehemann unternommen hat. Es sei schon in jüngeren Jahren immer ihr großer Wunsch gewesen, die Welt besser kennen zu lernen. Aber auch über ihre Kinder ist die gebürtige Erlangerin glücklich. "Gerade in der Erziehung merkt man, dass man zwar viel säen kann, aber nicht alles vom persönlichen Einfluss abhängt", sagt sie. Vieles habe man einfach nicht in der Hand. "Für den Segen, also das richtige Wachsen und Gedeihen der eigenen Kinder, sorgt letztendlich Gott allein", ist sie überzeugt.

Am Erntedankfest steht für Luise Stumptner "der Dank für alles, was uns das Leben schenkt", im Mittelpunkt. Das müssten keine großartigen oder herausragenden Ereignisse sein. "Es gibt so viele kleine Begebenheiten, die wir oft übersehen, und die sich im Rückblick als gut darstellen", betont die 69-Jährige. Sicher, es gibt immer auch Tiefpunkte. Aber "letztlich gehören traurige Zeiten zum Leben dazu", unterstreicht Luise Stumptner. Man wachse durch sie und kann mit der Zeit immer besser damit umgehen. Auch bei der richtigen Ernte gebe es schließlich Zeiten der Dürre und der Trockenheit. Günter Kusch

 

 


 

Alles, was mich glücklich macht

Wer kärglich sät, wird kärglich ernten; und wer sät im Segen, wird ernten im Segen. Ein jeglicher nach seiner Willkür, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Gott ... hat ausgestreut und gegeben den Armen; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit. Der aber Samen reicht dem Sämann, der wird auch das Brot reichen zur Speise und wird vermehren euren Samen und wachsen lassen das Gewächs eurer Gerechtigkeit, dass ihr reich seid in allen Dingen mit aller Einfalt,welche wirkt durch uns Danksagung an Gott.

2. Korinther 9 (in Auszügen)

Evangelisches Sonntagsblatt
Am Erntedankfest staunt der Mensch über die Früchte der Erde und über die Güte Gottes. Foto: Kusch

"Alles, was mich glücklich macht", so lautet ein Gedicht, das in den Landfrauenseminaren bei uns in der Heimvolkshochschule gern vorgetragen wird. In selbstironischer Weise geht es darum, dass im fortgeschrittenen Alter ganz andere Dinge "glücklich machen" und deshalb bei einer Reise in den Koffer gepackt werden, als in jungen Jahren. Waren das früher zum Beispiel Schminke und tiefausgeschnittene Kleider, so doch jetzt eher Angoraunterwäsche und allerlei Gesundheitsmittelchen: Was wir uns unter einem guten Leben vorstellen, ändert sich mit der Zeit. Junge Menschen wollen erst einmal alles ausprobieren, wünschen sich einen Partner, suchen nach einem Beruf und Perspektiven für die Zukunft. Sind sie ein bisschen älter, geben sie Geld und Bequemlichkeit gerne für Familie und Kinder hin und die jugendliche Ungebundenheit für eine lohnende Aufgabe.

Und im Alter lernt man die Gesundheit schätzen. Dann ist man froh, wenn man größere und kleinere Katastrophen im Leben halbwegs heil überstanden hat - und kann neu erworbene Freiheiten genießen. Paulus sagt: "Gott kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt" - und damit meint er noch viel mehr als die Begehrlichkeiten der einzelnen Lebensphasen. "Ich bin gekommen, damit ihr das Leben und volle Genüge habt", hat auch Jesus gesagt und das ist ein wichtiger Aspekt von "Shalom" - Frieden: In der Überzeugung leben, dass genug für alle da ist - und genug für mich. Genug von allem, was ich brauche und möchte: Dass ich mich in meiner Umgebung, meiner Kultur und meinem Glauben geborgen fühle. Dass ich geliebt und gebraucht werde. Freiheit. Zufriedenheit. Und dass mein Leben den Blick auf den Himmel einschließt und nicht im Alltäglichen stecken bleibt.

Am Erntedankfest feiern wir dieses "Genug". Es ist gut, einen Tag im Jahr zu haben, an dem wir ganz ausdrücklich daran denken, was wir geschenkt bekommen haben. Wir sehen die reifen Früchte in den schön geschmückten Kirchen, das bunte Laub, spüren noch immer die Wärme der Sonne und Gottes Kraft in uns - und brauchen nur zu staunen und zu sagen: Herr, deine Güte reicht so weit der Himmel ist. Du hast wieder alles wunderbar gefügt. Was auch passiert ist im letzten Jahr, in meinem Leben und auf der Welt - Saat und Ernte haben nicht aufgehört und wir leben, weil du uns "allezeit volle Genüge" schenkst.

Paulus meinte, wer so viel hat, der könne wohl auch anderen davon abgeben. Die Worte des Korintherbriefs sind eine Aufforderung zum Teilen. Fassen wir sie auch so auf: Geben wir heute so großzügig weiter, wie wir erhalten haben: Ruhig mal etwas mehr Geld. Aber vor allem: Ein großzügiges Lächeln an Bekannte oder Unbekannte. Ein Dankeschön für vermeintliche Selbst-verständlichkeiten. Eine Hoffnungsgeschichte aus unserem Leben. Ein Bekenntnis unseres Glaubens. Ein Zeichen unserer Liebe. "So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zu geben in aller Einfalt, denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb."

Susanne Böhringer, Heimvolkshochschule Alexandersbad

Wir beten: Gütiger Gott, wieder hast du das Korn und die Äpfel reif werden lassen. Wieder hast du mir ein Jahr voller Leben geschenkt. Die Sonne und die Farben wärmen mich. Die Lieder beflügeln mich: Danke, dass du da bist. Amen

Lied 324: Ich singe dir mit Herz.

Diese Woche - Archiv - Editorial - Geschichte - Redaktion - Abo-Service - Anzeigen - Evang. Reisedienst - Impressum
© 2000-2004 ROTABENE! Medienhaus