Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 35)

Ein Kriegsheld, der den Frieden nicht gewann

Vor 400 Jahren wurde Bernhard von Weimar geboren

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Truppen befinden sich auf dem Anmarsch im "Krieg gegen Land und Leute". Foto: privat
   

Es war fast wie im Märchen: Einem Fürstenpaar wurden zwölf Prinzen geschenkt, und dem jüngsten war eine Heldenlaufbahn in die Wiege gelegt. Seine Geburt geschah vor genau 400 Jahren in der Hauptstadt des kleinen thüringischen Landes Sachsen-Weimar. Bei der Taufe in der Schlosskirche erhielt er den Namen Bernhard. Er war noch kein Jahr alt, als sein Vater, Herzog Johann starb. Die Mutter Sophie Dorothea nahm, wie bei seinen Brüdern, die Erziehung fest in die Hand. Die Anleitung zur lutherischen Frömmigkeit gehörte dazu.
Im Herzogshaus war es leider üblich, das Erbe unter die Söhne zu verteilen. In Weimar fragte man sich, wie das bei so vielen Prinzen weitergehen sollte. Als 1618 auch das Schloss abbrannte, wurde es eng. Bernhard besuchte eine Zeit lang die Universität in Jena und lebte dann beim Vetter auf der Veste Coburg.

Für die gute Sache kämpfen

1618 brach ein weiterer Brand aus: jener Krieg, der im Verlauf von 30 Jahren ganz Deutschland ins Unglück stürzen sollte. Anfangs ging es dabei um die Vorherrschaft des evangelischen oder katholischen Glaubens. Die Weimarer Brüder ergriffen Partei. Sie hofften, beim Kampf für die gute Sache Ruhm und vielleicht sogar ein Stück Land zu gewinnen. Der junge Bernhard machte in den ersten Kriegsjahren manche Schlacht unter protestantischen Feldherren mit, doch es endete immer mit einer Niederlage.
1627 wurde er Oberst im Heer des Dänenkönigs Christian, aber wieder war ihm kein Sieg beschert. Er suchte sogar die Verzeihung des katholischen Kaisers Ferdinand II. Dieser erließ 1629 auf dem Reichstag von Regensburg das berüchtigte Restitutionsedikt. Die unterlegene evangelische Partei musste demnach alle Gebietsgewinne der vergangenen Jahrzehnte preisgeben. Das bedeutete für weite Landstriche die Gegenreformation.
Doch der Kaiser hatte den Bogen überzogen. Der schwedische König Gustav Adolf beschloss, seinen bedrängten Glaubensgenossen zur Hilfe zu kommen. Im Juli 1630 lan-dete er mit einem kleinen, gut ausgerüsteten Heer in Pommern und suchte Bundesgenossen unter den protestantischen deutschen Fürsten. Die großen unter ihnen, so die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg, hielten sich zunächst zurück. Einige der weniger Mächtigen boten dem König ihre Unterstützung an. Drei Weimarer Herzöge waren dabei und übernahmen Regimenter im schwedischen Heer. Bernhard erwies sich als der militärisch am meisten Begabte bei den Kämpfen in der folgenden Zeit. Gustav Adolf konnte zwar das von dem katholischen Feldherrn Tilly belagerte Magdeburg nicht retten; bei der Eroberung im Mai 1631 kam es zu einem schrecklichen Blutbad. Aber dann begann der unaufhaltsame Siegeszug des Schwedenkönigs nach Süden und Bernhard von Weimar zeichnete sich an seiner Seite als General aus. Im September wurde Tilly bei Breitenfeld geschlagen, im Oktober nahmen die Schweden Würzburg ein und besetzten das unterfränkische Gebiet.
In der ersten Hälfte des Jahres 1632 eroberte Gustav Adolf Bayern und bedrohte Österreich. Da berief Kaiser Ferdinand II. seinen vor drei Jahren entlassenen Feldherrn Wallenstein zurück. Ihm gelang es ein großes Heer aufzustellen. Der Schwedenkönig zog sich nach Norden zurück. Einen ganzen heißen Sommer lang lagen sich bei Nürnberg die feindlichen Armeen gegenüber. Es gelang Gustav Adolf nicht, Wallensteins stark befestigtes Lager einzunehmen. Umsonst hatte Berhard von Weimar an der Spitze der Reiterei Wunder der Tapferkeit vollbracht. Als die Landschaft die Truppen nicht mehr ernähren konnte, zogen die Kaiserlichen nach Norden ab. Gustav Adolf musste ihnen nach einigem Zögern folgen.

Schlacht bei Lützen

Bei Lützen in der Nähe von Leipzig kam es am 6. November zur entscheidenden Schlacht. Am Morgen betete die ganze Armee und sang das Lied "Ein feste Burg ist unser Gott". Der Herbstnebel machte den Kampf bald unübersichtlich. König Gustav Adolf geriet unter die Feinde und wurde tödlich verwundet. Der Herzog übernahm den Oberbefehl und es gelang ihm die verunsicherten schwedischen Truppen wieder zu sammeln. Die Schlacht wurde gewonnen, aber um welchen Preis.
In der folgenden Zeit hatte auf evangelischer Seite der schwedische Kanzler Oxenstierna die politische Oberleitung, Bernhard von Weimar die militärische. Das südliche Deutschland konnte wieder weitgehend besetzt werden. Bernhard erhielt 1633 das Gebiet der Bistümer Würzburg und Bamberg als Herzogtum unter schwedischer Hoheit. Mit der Regierung beauftragte er seinen Bruder Ernst. Von Würzburg aus baute dieser eine gut organisierte Verwaltung auf. Die katholische Religionsübung ließ er unbehindert. So schien die protestantische Sache dem endgültigen Sieg nahe, zumal Bernhard im Dezember 1633 die Eroberung Regensburg gelang. Wallenstein streckte Friedensfühler aus. Das aber führte zu dessen Absetzung und Ermordung.
Im Sommer 1634 konnte der Kaiser zwei Armeen aufbringen, die unter seinem Sohn und dem spanischen Thronfolger zunächst getrennt marschierten und sich bei Nördlingen trafen. Obwohl die Gegner zahlenmäßig überlegen waren und sein schwedischer Feldherrnkollege Horn abriet, riskierte Herzog Bernhard dort eine Schlacht. Sie wurde zu einer verheerenden Niederlage. Mit einem kleinen Rest der Truppen entging er gerade noch der Gefangenschaft. Sein Herzogtum Franken war verloren. Dieses Mal kostete Kaiser Ferdinand II. seinen Sieg nicht aus. Er bot dem Kurfürsten von Sachsen Verhandlungen an, die im Mai 1635 zum Frieden von Prag führten. Die meisten evangelischen Fürsten, auch Bernhards Brüder Wilhelm und Ernst, schlossen sich dem Vertrag an. Er selber blieb auf Seite der Schweden und der mit ihnen verbündeten Franzosen, die an einem Ende des Krieges nicht interessiert waren. So kam es für Deutschland zu keinem Frieden. Im Gegenteil, jetzt begann erst recht ein "Krieg gegen Land und Leute."

An Fieber gestorben

Bernhard von Weimar stellte mit französischem Geld eine neue Armee auf und kämpfte jahrelang am Oberrhein gegen die Kaiserlichen. Sein größter Erfolg war im Dezember 1638 die Eroberung der Festung Breisach. Wahrscheinlich schwebte ihm ein eigenes Herzogtum am Rhein vor. Vielleicht hatte er noch höher fliegende Pläne. Da erkrankte er im Juli 1639 an einem gefährlichen Fieber. Er spürte, dass sein Leben zu Ende ging und diktierte sein Testament. Dann entließ er seine Mitarbeiter mit den Worten "Ich habe genug geredet; jetzt muss ich mit Gott sprechen." Zusammen mit dem Hofprediger betete er, segnete sich mit dem Kreuzeszeichen, rief den Namen "Jesus" und starb. Bernhard von Weimar hatte sich immer als Kämpfer für die evangelische Sache gesehen. Er war ein hervorragender Feldherr und verstand es, seine Truppen und Offiziere zu begeistern. Er teilte mit ihnen alle Mühen und kümmerte sich vorbildlich um Kranke und Verwundete. Sein persönlicher Mut war außerordentlich. Er hätte wohl auch die Gaben gehabt, ein Land gut zu regieren, die Wunden des Krieges zu heilen und für Ordnung und Wohlstand zu sorgen. Doch es war ihm nicht beschieden, vom Kriegshelden zum Friedensfürsten zu werden.
Herzog Wilhelm ließ die sterblichen Überreste seines berühmten Bruders im Jahr 1655 aus dem Dom von Breisach in die Weimarer Stadtkirche überführen. Dort im Chorraum stehen an den Wänden noch heute viele prächtige Grabdenkmäler der sächsischen Fürsten. Doch nur eine kleine Bronzeplatte auf dem marmornen Boden erinnert an die letzte Ruhestätte des Herzogs Bernhard.

Christoph Schmerl

 

 


 

Gott bringt Menschen auf den Weg des Glaubens

Als Saulus auf dem Wege war und in die Nähe von Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel; und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Steh auf und geh in die Stadt; da wird man dir sagen, was du tun sollst.

Apostelgeschichte 9, 3-6



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Für Gott gibt es keine hoffnungslosen Fälle. Er hat für jeden Menschen einen Weg bereit. Foto: Wodicka
 

Gott greift ein, Gott handelt, Gott sieht nicht tatenlos zu: Da ist der Pharisäer Saulus (der den lateinischen Zweitnamen "Paulus" trägt, Apostelgeschichte 13,9) unterwegs von Jerusalem nach Damaskus, um dort die "Anhänger des neuen Weges" (V. 2), also die Juden, die sich zu Jesus als dem Messias bekennen, gefangen zu nehmen.
Voller Eifer ist Saulus bei der Sache: Solche "Abweichler" dürfen nicht geduldet, solch ein "Übel" muss gleich von der Wurzel her bekämpft werden. Da stellt sich Jesus dem Saulus in einer Lichterscheinung in den Weg: Saul, was tust du da? Warum verfolgst du mich? Diese Begegnung verändert Saulus grundlegend: Er lässt sich auf diesen Jesus ein und lässt sich den Weg führen, den Jesus mit ihm vor hat. Saulus wird Christ. Er verkündigt von nun an mit demselben Eifer, mit dem er die ersten Christen verfolgte, das Evangelium. Gott greift ein, Gott handelt, Gott sieht nicht tatenlos zu. Auch heute noch. Gott ist am Wirken. Er verändert und schafft Neues. Er will Menschen auf den Weg des Glaubens bringen. Er will Glauben wecken und stärken. Immer wieder kann man Berichte lesen, in denen Menschen erzählen, wie sie von Gott wunderbar geführt wurden und werden. Weltweit finden Menschen zum Glauben und erleben ihr Leben ganz neu: Die Perspektiven ändern sich, die Lebensinhalte definieren sich neu. Und vielleicht könnten auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, viel von Gottes segnendem Wirken in Ihrem Leben berichten.
Freilich: Von Menschenhand ist da nichts "machbar". Kein Mensch kann einen anderen "bekehren", es gibt kein Rezept: "das musst du halt so und so machen!" Er kann durch Wort und Tat Anstöße geben - aber dass ein Mensch zum Glauben findet, ist allein Gottes Tat: "Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten" - so die Auslegung Martin Luthers zum 3. Glaubensartikel.
Gott greift ein, Gott handelt - das ist unser Glaube und unsere Hoffnung - für unser persönliches Leben wie für die Zukunft der Welt. Denn Gott ist der Allmächtige, Lebendige und Gegenwärtige. Er will ja mit uns zu tun haben. "Er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir" (Apostelgeschichte 17, 27 + 28).
Für Gott gibt es keine hoffnungslosen Fälle. Er hat für jede und jeden einen Weg bereit. Das mag freilich manchmal ein ganz anderer sein als der, den wir uns vorstellen. Saulus hatte ja auch ganz andere Pläne, wollte seinen selbsterdachten Weg gehen und war sich darin so sicher! Doch dann kam alles ganz anders. Und das war gut so - für Saulus wie für das ganze Reich Gottes. Gott greift ein, Gott rührt sich, Gott handelt - und das tut er souverän. Gott sei Dank!

Pfarrer Dieter Hertel, Schopfloch

Wir beten: Herr, wir danken Dir für Dein Wirken und Handeln in unserem Leben und in unserer Welt. Wir danken Dir, dass wir auf Dich zählen können. Bleibe bei uns, dass wir bei Dir bleiben können. Zeige uns die nächsten Schritte, die in unserem Leben dran sind. Amen.

Lied 406: Bei dir, Jesu, will ich bleiben.

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