Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 34)

Liturgischer Tanz – getanztes Gebet

Meditative Annäherungen an Gott – Glaube bringt in Bewegung

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Liturgische Tänze, zum Beispiel beim Kirchentag auf dem Hesselberg, setzen Inhalte des Gottesdienstes anschaulich in Szene.
   

Langsam geht es vier Schritte nach rechts. Dann folgen vier Wiegeschritte am Platz. Der rechte Fuß tippt auf den Boden, dann der linke. Mit erhobenen Armen bewegt sich Hermine Gollwitzer wieder in Richtung Raummitte. Den meditativen Tanz begleiten Melodien von Charis Alexiou, ein bekannter griechischer Sänger und Musiker. Die Choreographie stammt von Kyriakos Chamalidis. "Ich versuche, durch diese Bewegungen zur Ruhe zu kommen", erklärt die Weidenerin. Tanz ist für sie eine Art Gebet mit dem ganzen Körper, "bei dem ich versuche, mich für Gott zu öffnen". Die meditative Methode hat sie bei einem Wochenend-Seminar in Alexandersbad kennengelernt. Seit fünf Jahren nimmt sie an diesen Fortbildungen teil. Ihr Wunsch: "Es wäre schön, wenn diese Formen öfter einmal in Gottesdiensten vorkommen würden", unterstreicht Hermine Gollwitzer.
Der Tanz erlebt derzeit in zahlreichen Gemeinden eine Art Renaissance. Wobei es ganz unterschiedliche Arten gibt. Da ist zum Beispiel der "liturgische Tanz", bei dem Elemente aus dem Gottesdienst im Mittelpunkt stehen", erklärt Bernhard Wolf, Beauftragter für neue religiöse Strömungen und langjähriges Mitglied der deutschen Arbeitsgemeinschaft "Spiritualität". Hier wird dann unter anderem das Vater unser in Bewegung übersetzt.

Die Konzentration bündeln

Eine weitere Gattung ist der "Ausdruckstanz", mit dem eine bestimmte biblische Symbolik ganzheitlich interpretiert wird. Der rein meditative Tanz dagegen dient vor allem dazu, ruhig zu werden, ins Schweigen hinein zu gehen und mit Hilfe von Rhythmus und Musik die Konzentration zu bündeln. "Diese Art von Tanz unterstützt den Menschen, der sonst immer nur mit dem Kopf versucht, Gott nahe zu kommen, sich körperlich oder leibhaft Gott zu öffnen und hinzugeben", fügt Bernhard Wolf hinzu. Auf diese Weise könne es zu einer lebendigen Beziehung mit Gott kommen.
Natürlich kennt Bernhard Wolf die Angst mancher Gemeindeglieder, dass Tanz im Gottesdienst wohl fehl am Platz sei. Einige rückten ihn sogar in die Nähe der Esoterik. "Ich halte diese Angst für unbegründet", sagt der Fachmann. Es gebe allerdings einen breiten Markt von Anbietern, und da müsse man schon genau hinschauen, welche Weltanschauung dahinter steckt. "Ein Christ braucht aber letztendlich überhaupt keine Angst vor dem Tanzen haben", erklärt Wolf. Er setzt bei seinen Fortbildungen gezielt biblische Texte ein, zum Beispiel das Psalmwort "Dein Wort ist meines Fußes Leuchte". Die Teilnehmer nehmen zu Beginn der Tagung wahr, wie sie auf dem Fußboden stehen und welche Bodenhaftung sie haben. Erst im Anschluss daran kommen Rhythmus, Bewegung und Gestik mit ins Spiel.
Siegfried Macht, der seit zwei Jahren an der Bayreuther Hochschule für Kirchenmusik den Lehrstuhl "Kirchenmusikpädagogik" inne hat, sieht aber auch "Gefahren": "Dort, wo sich Menschen durch Bewegung Wunder erhoffen; dort, wo Tanz mit Heil und Heilung verbunden wird, wird die Erlösungstat Christi schnell überflüssig." Das biblische Fundament dürfe nicht verlassen werden: "Wenn jemand mir erklärt, ich müsse zuerst einmal die Urmutter in mir spüren, dann steckt da ein anderes Weltbild dahinter", sagt der Kirchenmusiker. Biblische Tänze seien dagegen stets Reaktion und Dank auf die göttliche Schöpfungsgabe, oder wie es Siegfried Macht auch formuliert: " Es handelt sich dabei um eine mir von Gott geschenkte Ausdrucksform des Dankes und des Gebetes".
Der Bayreuther Professor warnt jedoch davor, jetzt überall in den Gottesdiensten Tänze anzubieten: "So etwas muss man überaus behutsam und mit den Augen der Nächstenliebe einführen." Schließlich gebe es viele ältere Menschen, die das zuvor noch nie in einem Gottesdienst erlebt haben und deshalb sehr skeptisch seien. Siegfried Macht plädiert für einen "Weg der kleinen Schritte": So kann man einen liturgischen Tanz beispielsweise am Sonntag Kantate einüben. Oder man unterstützt eine biblische Lesung, die sich mit dem Thema "Musik" auseinandersetzt, durch eine kleine tänzerische Umsetzung.

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Foto unten: Beim Meditativen Tanz geht es eher darum, zur Ruhe zu kommen und ins Schweigen hinein zu gehen, um sich Gott zu öffnen. Fotos: Kusch
   

Mehr Spontaneität gefragt

"Meditativer Tanz kann jedenfalls eine große Befreiung für Gottesdienstbesucher sein", betont Schwester Edith Krug von der Communität Casteller Ring am Schwanberg. Liturgischer Tanz könne sinnenhaft unterstreichen, was in der Verkündigung zum Ausdruck gebracht werde. Allerdings sollte man sich davor hüten, nur theoretisch darüber zu diskutieren. Beim Tanzen komme es schließlich auf Spontaneität an - und auf regelmäßiges Üben. Derjenige, der Andere dazu im Gottesdienst anleitet, muss von dieser Sache überzeugt sein und dafür glühen"; betont Edith Krug.
Und noch etwas hat sie erfahren: "Wer meditativ tanzt, wird verändert." Die Auswirkungen dieser meditativen Übung seien im Umfeld zu spüren. Der Tänzer oder die Tänzerin nehme sich selbst und Andere als Geschöpfe Gottes wahr. Das präge auch sein Verhalten. "Deshalb müssen Tänze in unseren Gottesdiensten ab und zu ihren Platz haben", unterstreicht die Ordensfrau. Ein anderes Argument - für den Tanz - fügt Siegfried Macht hinzu. Der Mensch sei im Gottesdienst zur Passivität verurteilt. "Wenn Jesus Christus uns befreit hat, und wir aus diesem Grund tatsächlich bewegende Inhalte zu vermitteln haben, warum bewegt sich dann so wenig in unseren Gottesdiensten?"

Günter Kusch

 

 


 

Gelobt sei der Name des Herrn!

Halleluja! Lobet, ihr Knechte des Herrn, lobet den Namen des Herrn! Gelobt sei der Name des Herrn von nun an bis in Ewigkeit! Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn! Der Herr ist hoch über alle Völker; seine Herrlichkeit reicht so weit der Himmel ist.

Psalm 113, 1-4



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Gotteslob – eine Frau beschrieb dieses Gefühl so: „Noch nie war ich so glücklich wie nach der Geburt unseres ersten Kindes. Auf einmal schienen mir Worte wie ,Gott rühmen und preisen´ nicht mehr altmodisch und fremd. Foto: Wodicka
 

„Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn“, diesen Kanon singen die Kinder in der Grundschule besonders gern als Morgenlied. Dabei strecken und dehnen sie ihre Arme ganz weit, um den Verlauf der aufgehenden und sinkenden Sonne möglichst umfassend darstellen. Nur die noch etwas müden Schüler halten sich anfangs in ihren Bewegungen zurück. Doch auch sie werden spätestens dann munter, wenn alle durch möglichst lautes Händeklatschen das Lob Gottes zum Ausdruck bringen.
Ja, manchmal, da haben wir einfach das Bedürfnis, Gott überschwänglich zu loben. Leicht kommen uns dann dankbare und preisende Worte über die Lippen. Wir ahnen, dass etwas von der Größe und Herrlichkeit Gottes unser Leben berührt hat. Wenn ein Kind gesund geboren wird oder ein Ehepaar wieder zusammenfindet, wenn ein Schüler doch noch eine Lehrstelle bekommt oder ein Mann seinen Arbeitsplatz nicht verliert, wenn eine Untersuchung nicht das befürchtete Ergebnis bringt oder eine Prüfung besser ausfällt als erwartet – sind das nicht Augenblicke, in denen wir Gott ungeheuer dankbar sind und vor lauter Freude ein Loblied nach dem anderen anstimmen wollen?
Eine Frau beschrieb dieses Gefühl so: „Noch nie war ich so glücklich wie nach der Geburt unseres ersten Kindes. Auf einmal schienen mir Worte wie „Gott rühmen und preisen“ nicht mehr altmodisch und fremd. Ich wusste plötzlich, was sie bedeuten, weil ich selbst nicht anders konnte als Gott vor Freude zu loben“.
Was aber, wenn die eigene Lebenssituation nicht gerade zum Loben veranlasst? Wenn Sorgen und Ängste die Familie überschatten? Vielleicht brauchen wir gerade dann diese Aufforderung: „Lobet, ihr Knechte des Herrn, lobet den Namen des Herrn!“ Wenn die Freude an Gott nur noch sehr verhalten vorhanden ist und sein Lob nicht mehr spontan aus uns herauskommt, gerade dann kann es gut sein, wenn uns jemand daran erinnert, dass Gottes Herrlichkeit und Macht keiner Begrenzung unterliegt, sondern „reicht so weit der Himmel ist“ und wir sie auch in schwerer Zeit erleben dürfen. Vielleicht weniger auffällig und strahlend, aber dennoch wohltuend und hilfreich.
Da kommt ein Anruf zur rechten Zeit, ein Brief, ein kleines Geschenk oder ein gutes Wort. All das sind Zeichen, dass Gott uns auch in bedrückenden Stunden zur Seite steht und uns auf seine Weise wieder Grund zum Loben gibt. Dieses Lob wird dann vielleicht nicht als das ganz große Halleluja erklingen. Es wird nicht überschäumend vor Glück sein, sondern eher leise und zurückhaltend. Aber es stellt die Verbindung zu Gott wieder her und macht das Herz wieder für eine Weile froh und getrost.

Elisabeth Kelinske Pfarrerin in Münchberg

Wir beten: Hab Lob und Ehr, hab Preis und Dank für die bisher’ge Treue, die du, o Gott, mir lebenslang bewiesen täglich neue. In mein Gedächtnis schreib ich an: der Herr hat Großes mir getan, bis hierher mir geholfen.

Lied 456: Vom Aufgang der Sonne

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