Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 32)

Es geht um den Menschen, nicht um seine Leistung

EKD-Sportpfarrer Klaus-Peter Weinhold über seinen Einsatz bei Olympia

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Am 8. August wird um 9.30 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst aus Athen im ZDF übertragen. Er wird in der oben abgebildeten Kirche gefeiert.
   

Das war eine seiner eindrücklichsten Situationen: Ein Sportler erfuhr während der olympischen Spiele, dass zu Hause ein Familienmitglied gestorben ist. Plötzlich war Olympia für ihn nicht mehr wichtig. "Da war es gut, dass dieser Mann jemanden zum Reden hatte", sagt Klaus-Peter Weinhold (Hannover), Sportpfarrer der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD). Zum siebten Mal begleitet er in diesem Jahr die deutschen Mannschaften zu Olympia, diesmal nach Athen.

Ruhe-Angebot gern genutzt

"Sicher, so häufig kommt das nicht vor, dass jemand eine Todesnachricht von zu Hause erhält", meint Weinhold. "Aber es gibt zahlreiche andere Anlässe für Gespräche." Mit seinem katholischen Kollegen Hans-Gerd Schütt bietet er neben seelsorgerlicher Begleitung auch Gottesdienste, Andachten und einen Raum der Stille an. Besonders diese Möglichkeit zur Ruhe zu kommen, wird gern genutzt. "Die Sportler und Sportlerinnen sind in der Zeit hier mindestens in Doppelzimmern, wenn nicht in Mehrfachzimmern untergebracht. Überall sind Menschen", beschreibt Weinhold, "da sind viele froh, wenn sie sich zurückziehen können und wenigstens für einen Augenblick Ruhe haben". Mit einer Broschüre werden die Athleten informiert, dass Pfarrer bei den olympischen Spielen dabei sind, wie sie zu erreichen sind und was sie anbieten. Außerdem sind auch geistliche Impulse in dem Heftchen zu lesen. Ein Großteil der Sportler findet es gut, dass die Kirche vertreten ist. Manchem ist es egal. Aber ausgesprochen negativ äußert sich kaum einer. Weinhold und sein Kollege reisen schon einige Tage vor der Eröffnungsfeier am 13. August an. "Es braucht schon mehrere Tage, bis man die Wege kennt und Kontakte knüpft." Der 50-Jährige begleitet Mannschaften zum Training, zu Sitzungen und mischt sich unters Volk. Als "alter Hase" kennt er schon etliche Sportler. Er hat bei ihnen einen guten Stand, denn Weinhold hat als Vol-leyballer selbst 15 Jahre lang Leistungssport gemacht und in der Nationalmannschaft gespielt. "Das erleichtert schon einiges", meint er. "Die Sportler wissen, dass mir ihre Probleme nicht fremd sind." Auch er kennt es, unter Erwartungs- und Leistungsdruck zu stehen. Oder die Enttäuschung, einen Sieg knapp verpasst zu haben und das Gefühl, wenn man krank wird und nicht voll leistungsfähig ist. Klar muss er sich manchmal auch so Sprüche anhören wie: "Pfarrer, zünd' für uns ne Kerze an" oder "Bet' für uns, das kann nicht schaden". Doch Klaus-Peter Weinhold sieht das gelassen. "Die meisten meinen das gar nicht negativ. Es sind eben Sprüche, hinter denen sich letztlich durchaus ein bisschen Ernsthaftigkeit verbirgt."

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Mit dabei ist auch EKD-Sportpfarrer Klaus-Peter Weinhold. Das Foto zeigt ihn bei einer Sportveranstaltung 1997 mit Peggi Büchse, Weltmeisterin im Langstreckenschwimmen. Fotos: ZDF/ privat
   

Viele Gesprächsthemen

In Gesprächen mit Sportlern oder Sportlerinnen geht es zum Beispiel um den Druck der Öffentlichkeit und wie man damit zurecht kommt. Oder um Knatsch in der Mannschaft. "Manche fragen sich, wie sie ihre sportliche Karriere, Freundschaften und Familie unter einen Hut bekommen können." Andere wiederum setzten sich damit auseinander, wann und wie sie am besten den Absprung als Leistungssportler schaffen. "Im Grunde sind Sportler oft narzistische Persönlichkeiten, die von sich denken, sie können alles und sind von allen geliebt", sagt Weinhold. Wehe, wenn dieses Bild zu bröckeln beginnt. "Wenn jemand merkt, dass diese Rechnung nicht immer im Leben aufgeht, dann sucht er oftmals ein Gespräch."
Wichtig ist für Pfarrer Weinhold und seinen Kollegen Schütt, dass weder bei Gesprächen noch bei Gottesdiensten oder Andachten religiöser Druck und Stress entsteht. "Wir Pfarrer stehen dafür, dass der Mensch im Mittelpunkt steht, nicht die Leistung." Mit den beiden Geistlichen geht die Kirche zu den Menschen - "und keiner von uns beiden fragt, welcher Konfession jemand angehört". Mit dem Einsatz des Sportpfarrers wolle die Kirche Interesse an Menschen im Leistungssport deutlich machen.
Für manchen Athleten genügt schon das Wissen um die Anwesenheit der Geistlichen. Weinhold erzählt: "Einmal bedankte sich ein Sportler einige Zeit nach den Spielen dafür, dass ich dabei war. Ich sagte, dass wir doch kaum Kontakt gehabt hätten und er antwortete: Aber es war gut zu wissen, dass ich jederzeit zu Ihnen hätte gehen können." Die beiden Pfarrer sind nicht nur für die rund 350 Sportlerinnen und Sportler da, sondern auch für alle anderen - vom Trainer über den Physiotherapeuthen bis hin zum Koch. "Insgesamt sind zwischen 600 und 700 Deutsche im Olympischen Dorf."
Klaus-Peter Weinhold ist seit 1990 Sportpfarrer und war 1992 zum ersten Mal bei den olympischen Spielen dabei. Bereits seit 1956 begleiten Geistliche die olympischen Spiele. Doch einen Sportpfarrer hat die EKD erst 1972 eingeführt, als Olympia in München stattfand.

Kirche im Sport

Der Sportpfarrer dreht zwischen den sportlichen Großereignissen nicht Däumchen: "Ich bin einerseits Kirche im Sport", sagt Weinhold. Er begleitet Menschen im Sport, Verantwortliche wie Aktive gleichermaßen. Außerdem arbeitet er eng zusammen mit Organisationen wie dem Nationalen Olympischen Komitee, ist an Projektentwicklungen beteiligt und entwickelt Leitlinien für eine Ethik im Sport. "Auf der anderen Seite will ich den Sport auch in die Kirche bringen." Weinhold wirbt dafür, mehr Sport zu treiben, "denn Sport ist nicht nur gesund, er fördert auch das soziale Miteinander".
Doch alles außer-olympische liegt nun erst einmal für mindestens drei Wochen auf Eis. Denn nun ist Olympia angesagt. Und wer meint, ein "alter Hase" wie Weinhold kann dem nicht mehr viel abgewinnen, hat weit gefehlt. "Ich freue mich riesig auf die Spiele. Olympia zieht einen völlig in Bann. Und dieses Jahr in Athen ganz besonders."

Karin Ilgenfritz

 

 


 

Den Lauf des Lebens mit Christus gestalten

Ich möchte nichts anderes mehr kennen als Christus, damit ich die Kraft seiner Auferstehung erfahre, so wie ich auch sein Leiden mit ihm teile ... Ich meine nicht, dass ich schon vollkommen bin und das Ziel erreicht habe, ich laufe aber auf das Ziel zu, um es zu ergreifen, nachdem Jesus Christus von mir Besitz ergriffen hat. Ich bilde mir nicht ein, Brüder, dass ich es schon geschafft habe, aber ich lasse alles hinter mir und sehe nur noch was vor mir liegt. Ich halte geradewegs auf das Ziel zu, um den Siegespreis zu gewinnen. Dieser Preis ist das neue Leben, zu dem Gott mich durch Jesus Christus berufen hat.

Philipper 3, 7-14



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Foto: Wodicka
 

Es ist faszinierend: Gerade richtig, zum Start der Olympiade in Athen, nimmt uns Paulus mit nach Griechenland. Er zeigt mit dem Bild der olympischen Aschenbahn Grunderfahrungen des Glaubens. Auch dabei geht es ums Gewinnen. Die Frage, die uns alle beschäftigt, bleibt: Wie gewinne ich mein Leben? Dazu gibt Paulus wichtige Anstöße.
Es ist bewundernswert: Sportler trainieren Jahre lang, um bei der Olympiade auf das Siegertreppchen zu kommen - Höhepunkt ihrer Karriere. Paulus zeigt, für unser Leben ist Konzentration auf den Hauptgewinn nötig. Alles, was ihn auf der Rennstrecke des Lebens behindert oder auf Irrwege locken könnte, soll ihn nicht mehr blockieren. Alte Traditionen der Gesetzlichkeit, eigenes religiöses Leistungsdenken, auch den eigenen Versuch, durch selbstgebastelte Frömmigkeit sich den Himmel zu verdienen, sieht Paulus als Stolpersteine auf dem Weg zum Ziel. Er hat nur noch eines im Blick, nämlich Jesus Christus, der neues Leben schenkt. Seit seinem Bekehrungserlebnis vor Damaskus hat sich sein Denken und Handeln verändert. Paulus lädt uns ein, Jesus Christus immer besser kennen zu lernen, denn wer in dieser Liebesbeziehung wächst, wird das Leben gewinnen.
Woher nehmen wir die Kraft, in den Herausforderungen des Lebens zu bestehen? Wie leben wir in unseren Beziehungsfeldern glaubwürdig? Woher bekommen wir die Kraft, im Berufsalltag nicht aufgerieben zu werden, sondern Liebe und Versöhnung in die Welt hinein zu tragen? Wer gibt uns die Energie, fröhlich anzupacken, wenn Menschen Hilfe brauchen? Oftmals bringen Krisen und Leidsituationen unser Leben und unseren Glauben ins Stolpern. Paulus zeigt, wer nur auf sich und seine eigene Kraft vertraut, wird schnell verlieren. Anständigkeit, Frömmigkeit und Leistungsreligion halten nicht durch.
Unsere Batterie, auch wenn wir sie noch so religiös gefüllt haben, reicht nicht bis zur Ziellinie des Lebens.
Paulus ist angeschlossen an der Energiequelle der Auferstehung Jesu Christi. Das heißt, Ostern ist für uns Christen nicht nur ein Datum im Kirchenkalender, sondern Kraftquelle, die alle Blockaden des Todes überwinden kann. Ostern zeigt, nicht das Leid, Krankheit und Sterben sind das Letzte, sondern Gottes Ewigkeit strahlt heute schon in mein kleines Leben herein. Täglich kann ich mich daran festhalten, wenn Jesus sagt: Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. Er bringt mich an sein gutes Ziel.
Wie bei einem Sportler, gilt auch in unserem Leben: Das Ziel ist entscheidend. Wer weiß, dass er sein Leben mit Jesus Christus gewinnt, der kann den Lauf seines Lebens gestalten. Wer Hoffnung hat, der kann sich einsetzen, damit Menschen Freude gewinnen und Liebe erfahren. Olympiasieger gewinnen eine wertvolle Medaille und bekommen Ruhm und Ehre. Wer sich an Jesus hält und durch ihn gewinnt, bekommt den ewigen Siegespreis des neuen Lebens.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie in diesen Sommerwochen konzentriert den Blick auf Jesus Christus richten können, seine Energie und die Kraft der Auferstehung erfahren, um eine neue Hoffnung durch Gottes Zielperspektive zu bekommen.

Hans-Martin Stäbler
Generalsekretär des CVJM-Bayern, Nürnberg

Wir beten: Danke, Herr Jesus Christ, dass du alle Todesmacht besiegt hast. Wir sehen auf dich. Du gibst, dass unser Leben gelingt. Hilf uns jeden Tag, dir zu vertrauen und führe uns zu deinem guten Ziel. Amen.

Lied 375: Dass Jesus siegt, bleibt ewig ausgemacht.

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