Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 31)

Handy-Antenne auf dem Dach dient der Gemeindearbeit

Erfahrungen evangelischer Christen in Danzig-Zoppot - Viele Übertritte zu verzeichnen

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Die evangelisch-lutherische Kirche in Zoppot.
   

Wer hier Pfarrer sein will, kann auf ein Auto nicht verzichten. Rund 1.000 Gemeindeglieder sind zu betreuen, die in einem Umkreis von 60 Kilometern wohnen. Mehr als 450 Jahre lang, nach der Reformation bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, war das noch anders. Damals bildeten "die Protestantischen" in Danzig die entschiedene Mehrheit. Heute ist davon nur noch die evangelische Gemeinde in Zoppot (Sopot) erhalten. Bei einer Leserreise des Rothenburger Sonntagsblatts besuchten die deutschen Gäste ihre polnischen Glaubensbrüder. Sie erfuhren dabei nicht nur etwas über die Situation der Christen vor Ort, sondern auch einiges zur Frage: "Wie kann ein Pfarrer Menschen für das Evangelium gewinnen?"

Die "Dreistadt"

Die beiden Städte Zoppot und Gdingen (Gdynia) sind in den vergangenen Jahrzehnten mit Danzig zu einem urbanen Ballungsraum, der so genannten "Dreistadt", zusammengewachsen. Erst seit 1890 ist Zoppot eine selbstständige Gemeinde. Der kleine Kurort zählt wegen seiner zahlreichen Strände und dem 512 Meter in die Bucht ragenden Promenaden-Seesteg zu den populärsten Badeorten der Ostseeküste. Die Erlöserkirche, in der an jedem Sonntag Gottesdienste gefeiert werden, liegt etwas abseits vom Rummel in einer wunderschönen Parkanlage. Der spitze Turm aber überragt die Stadt.

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Eine Reisegruppe des Rothenburger Sonntagsblatts unterhält sich mit Gemeindevorstehern. Fotos: Günter Kusch
   

Gemeinde ist sehr engagiert

Trotz der großen Entfernungen, die von den Gemeindegliedern zu überwinden sind, sind die evangelischen Christen hier sehr engagiert. Betreut werden sie von Regionalbischof Michal Warzyn´ski und dem Vikar Kisdow Cieslar, der in einem kleinen Ort, 44 Kilometer entfernt von Zoppot wohnt. Besonders stolz ist der junge Geistliche auf den Chor namens "Gloria Dei", der sich jeden Mittwoch zur Probe in der Kirche trifft. "Immerhin setzt sich diese Gruppe aus 25 Sängern zusammen, die aus dem gesamten Umkreis anreisen", unterstreicht Cieslar. Für ihn ist klar: "Wer regelmäßig so einen weiten Weg auf sich nimmt, muss mit seiner Gemeinde schon eng verbunden sein."
Diese Verbundenheit hängt oft damit zusammen, dass viele Mitglieder vom katholischen zum evangelischen Glauben übergetreten sind. "Wer so einen Schritt tut, überlegt sich das natürlich genau, ist aber nachher umso mehr von seiner Entscheidung überzeugt", sagt der Seelsorger. Die Übertritte oder Konversionen häuften sich seit der Staatsreform Anfang der 90er Jahre, die den Evangelischen mehr Rechte einräumte. Ein steigendes Interesse am Protestantismus ist jedoch im Jahre 1997 festzustellen. Der protestantische Jerzy Buzek wurde zum pol- nischen Premierminister gewählt und warb mehrmals öffentlich für seine Konfession. "Wir erhielten im Anschluss unzählige Anrufe von Menschen, die mehr über die evangelische-augsburgische Kirche wissen wollten", erzählt der Gemeindevorsteher Artur Pawlowski. Der 64-Jährige engagiert sich, gemeinsam mit drei Frauen, in einer Diakonie-Kommission.
"Wir kümmern uns vor allem um arme Rentner, die monatlich mit 200 Euro oder weniger auskommen müssen", erklärt Pawlowski. Unterstützt wird ihre Arbeit vom Gustav-Adolf-Werk und auch vom diakonischen Werk in Hamburg. "So konnten wir zum Beispiel an Weihnachten 50 Essenspakete verteilen", sagt er. Gerade für Menschen auf dem Land seien diese Geschenke lebensnotwendig. Für zusätzliche Einnahmen sorgen die Vermietung der Kirchenräume und eine Handy-Antenne auf dem Dach. "Ohne dieses Geld könnten wir Kranke und Bedürftige nicht mit nötigen Medikamenten versorgen", verdeutlicht der 64-Jährige. Die Einkünfte würden darüber hinaus für anstehende Renovierungsarbeiten verwendet.
Obwohl in der evangelischen Gemeinde von Zoppot eher der Mangel als der Überfluss verwaltet wird, ist der Zusammenhalt groß. Dies zeigt eine Umfrage, die vor kurzem unter den übergetretenen Glaubensgeschwistern durchgeführt wurde. Mehr als die Hälfte war zu- frieden mit der Gemeinschaft, die sie hier erleben, wenn auch einige den typischen Marienkult und die katholischen Festgebräuche vermissten.

"Weisheit des Seelsorger"

In einem Punkt waren sich jedoch die meisten einig: Es kommt vor allem auf die Offenheit der Gemeinde sowie auf "die Weisheit und Mitteilsamkeit des Seelsorgers" an. Ein paar Tipps, die den bayerischen Christen in Zoppot mit auf den Weg gegeben wurden, lauten: "Der Pfarrer muss kein großer Intellektueller sein, aber er muss die Leute für sich gewinnen können", so ergab die Fragebogenaktion. Und: "Verhaltensweise, Geistesbildung, Gesprächigkeit und vor allem der tiefe Glaube sind die wichtigsten Züge eines guten Seelsorgers".

Günter Kusch

 

 


 

Als Kinder des Lichts leben

Ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.

Epheser 5,8.9+14b



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Foto: Wodicka
 

An schönen Sommertagen werde ich vom Licht der Sonne geweckt. Die Sonne steigt früh über dem dunklen Wald auf. Lange bevor der Wecker klingeln wird, fallen die Strahlen der aufgehenden Sonne auf mein Gesicht. Sie stechen bald schon stark, als wollten sie sagen: "Wach auf! Wie kannst Du bei diesem schönen Sonnenschein noch schlafen wollen!"

Und ich? Ob ich dann sobald am Tage dem Weckruf der Sonne folge, kommt ganz darauf an, wie lange ich gestern noch wach war. Wie sehr ich dem Abend und der Nacht verhaftet geblieben bin. Manchmal bin ich noch verschlafen und will vom Licht noch nichts wissen. Ich drehe mich noch mal um und versuche mein Gesicht vor dem "störenden" Licht zu verdecken.

"Lebt als Kinder des Lichts!" Mit diesem Aufruf lässt der Apostel Paulus uns darüber nachdenken: Wie verändert das Licht mein Leben? Wie sehr bin ich den Verlockungen der "Finsternis" noch verhaftet? Ja, es kann verlockend sein, die Bequemlichkeit zu wählen. Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit können dagegen recht unbequem sein. Die, sagt Paulus, werden die "Kinder des Lichts", alle die getauft sind, gerne wählen. Die Taufe verwandelt dich! Du gehörst jetzt zu Jesus Christus und wirst gütig, gerecht und wahrhaftig sein. "Total weltfremd!" lautet da oft ein Vorwurf gegenüber Christen, und man argumentiert: "Mit Güte kommt man nicht weit, Gerechtigkeit gibt es letztlich nicht und die Wahrheit, die hat doch zwei Seiten!" Diese Argumente kenne ich gut. Habe ich sie nicht auch schon gesagt? Wenn Menschen aus fremden Ländern bei uns Menschenrechte einfordern, habe ich da voller Güte über sie gedacht? Habe ich mich dann nicht lieber abgewandt, die Zeitung zugeschlagen, den Fernseher ausgemacht? "Uns geht es in Deutschland auch nicht mehr so gut", habe ich dann mitgejammert, ohne zuzugeben, dass es mir im Grunde ganz passabel geht. War das ein gerechtes Urteil? Und die Wahrheit? "Naja, die in Politik und Wirtschaft machen uns vor, wie es ohne geht… Da schauen doch alle weg!" sagen da viele.

"Ihr seid anders!" sagt der Apostel der jungen christlichen Gemeinde in Ephesus mit diesen Worten: "Lebt als Kinder des Lichts!" Mit der Taufe ist es vorbei mit dem Wegschauen, mit dem Umdrehen. Ihr seid anders! Die Taufe verwandelt uns! Die Taufe ist nicht nur ein einmaliger Akt, sondern taucht das ganze Leben eines Getauften in ein anderes Licht. Ein Licht, das ständig scheint. Wer einmal erlebt hat, wie es ist, in diesem Licht zu leben, wird sich nicht einfach 'rumdrehen in die Verlockungen der Bequemlichkeit. Ich werde mir Gedanken machen müssen, warum jemand bei uns Hilfe erbittet und werde mit Güte über ihn urteilen. Gerechtigkeit werde ich als Christ nicht allein damit erklären, was für mich Recht und Billig ist. Mit der Wahrheit, werde ich es genau nehmen müssen. Und wenn es die Wahrheit ist, dass ich oft zu phlegmatisch bin und mich wegdrehe, wenn ich jemandem helfen könnte.
Ganz schmeckt mir diese Einsicht nicht. Allzu gern drehe ich mich noch mal 'rum, würde gerne liegen bleiben. Die Verlockung, sich einfach noch mal 'rumzudrehen ist da. Aber letztlich werde ich doch immer wieder aufstehen, dem Tag ins Auge blicken. Und es wird die Freude über die Sonne mit ihrem hellen Licht überwiegen.

Martin Bek-Baier, Pfarrer in Kammerstein

Wir beten: Herr, du bist das Licht der Welt. Du hast gesagt, wir sollen Licht sein. Erleuchte uns, damit wir aufstehen und in deinem Auftrag gütig, gerecht und wahrhaftig handeln. Erleuchte unsere Herzen, dass wir Licht werden für die, die in den Finsternissen des Lebens gefangen sind. Amen.

Lied 450: Morgenglanz der Ewigkeit.

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