Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 30)

Lernen zwischen Himmel und Erde

Bei Outdoor-Seminaren Grenzen austesten und intensive Erfahrungen sammeln

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Die ganze Gruppe ist gefragt und muss sich kräftig ins Zeug legen, um die beiden Frauen oben auf den Schwebebalken zu sichern und dabei noch die Balken selbst bewegen.
   

"Das wichtigste ist die Stopp-Regel", sagt Friedel. "Wenn ich oder Sabine ,Stopp' rufen, bleibt ihr alle da stehen, wo ihr gerade seid. Die Sicherungsseile fest in der Hand!" Sozialpädagoge Friedel Röttger und Heilerziehungspflegerin Sabine Heinlein führen gerade elf junge Frauen in den Hochseilgarten ein. Dieser außergewöhnliche "Garten" bietet nicht etwa botanische Besonderheiten, sondern die Möglichkeiten, eigene Grenzen und Fähigkeiten an Seilen und Schwebebalken in fünf bis sechs Metern Höhe auszutesten. Zum Ende ihres sozialen Jahres haben sich die Frauen für ein solches Outdoor-Seminar entschieden. Aufmerksam lauscht die Gruppe Sabine und Friedel.

Vertrauen schaffen

Dann geht es los - erst einmal mit Übungen zum Warmwerden und mit Spielen, die Vertrauen und Zusammenhalt schaffen. Als nächstes geht es zur "Krokodilsschlucht". Das sind Stahlseile, etwa einen Meter über dem Boden zwischen Bäumen gespannt. Die Teilnehmerinnen müssen über die Seile laufen, von Baum zu Baum, und dabei bis zu vier Meter Wegstrecke überwinden. Sie dürfen sich auf dem Seil gegenseitig halten, aber nicht absteigen, denn am Boden "lauern Krokodile". Kaum sind die ersten vier auf dem wackeligen Seil, kommt der Aufschrei, der an diesem Tag noch häufig zu hören ist - ein kurzes Stoßgebet zum Himmel: "O Gott, Hilfe!"

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Da braucht es viel Vertrauen! Eine Teilnehmerin lässt sich mit verbundenen Augen über die fünf Meter hohen Schwebebalken von ihrer Kollegin führen.
   

Nach dieser Einstiegsübung geht es zum eigentlichen Hochseilgarten. Ein bisschen mulmig ist der ein oder anderen schon, als sie den Parcour zum ersten mal sehen. "Da soll ich rauf?", ruft eine Teilnehmerin und auch manch andere schaut erschrocken.
Dann wird es ernst: Die Klettergurte werden angelegt und die Helme eingestellt. Dann erklären Sabine und Friedel, wie das Sicherungsseil gehandhabt wird. Gerade das ist sehr wichtig, da die Gruppenmitglieder, die am Boden stehen, immer die sichern, die sich in Schwindel erregenden Höhen befinden. Die Erste wagt sich über die kreuz und quer hängenden Seile. Als sie wieder festen Boden unter den Füßen hat, strahlt sie: "Es war toll, ich hatte nie das Gefühl, dass ihr mich los-lasst!" Die Gruppe geht behutsam miteinander um. Die jungen Frauen motivieren sich gegenseitig.

Blindes Vertrauen wagen

Marei hat die schwerste Übung vor sich. Sie soll sich oben auf den Schwebebalken die Augen verbinden und von Swetlana führen lassen. Alle sind hochkonzentriert, auch das Bodenteam, das die Balken so hin- und herziehen muss, dass es die beiden da oben möglichst leicht haben und immer gesichert sind. Marei und Swetlana reden leise miteinander. Zielsicher überqueren sie den Balken. Als sie es geschafft haben und sicher am Boden sind, klatscht die Gruppe Beifall. Marei findet: "Das war echt cool und ich hab mich total sicher gefühlt!" Und Swetlana meint: "Ich hatte da oben das Gefühl, dass dir nichts passieren kann, solange ich dich festhalte!"

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Auch nicht ohne - in sechs Metern Höhe durch einen freien Sprung eine Kluft von 1,50 Meter überwinden.Gesichert durch Gurt und Seil. Fotos: mn
   
Am Ende des Kurses sind alle erschöpft, müde und glücklich und Julia fasst zusammen, was alle denken: "Das beste war, dass ich das Gefühl hatte, nie allein zu sein, sondern immer die Gruppe in meinem Rücken gespürt habe, die mich stützt". "Wenn ihr das für euer Leben mitnehmt, dass es immer einen Weg gibt, hat sich der Tag gelohnt", freut sich Sabine! Und Friedel lobt die jungen Damen: "Der Kurs lief sehr gut, ihr habt euch gut gestärkt und ermutigt." Es sei ein großer Unterschied, ob da eine Frauengruppe oder Jungs im Konfirmandenalter im Hochseilgarten sind. "Bei Jungs ist der Ton schon etwas rauer", schmunzelt der Sozialpädagoge.
Solche Outdoor-Seminare werden seit einigen Jahren immer beliebter. "Sie können den Zusammenhalt in einer Gruppe stärken", sagt Friedemann Hennings, der den Hochseilgarten der Evangelischen Landjugend in Pappenheim verwaltet. 2001 wurde der Parcours eröffnet. "Seither haben wir durchschnittlich 1.000 Besucher pro Jahr. Das zeigt, dass solche Seminarangebote durchaus gefragt sind", freut er sich. In Pappenheim können Gruppen von sechs bis 20 Personen ab einem Alter von 14 Jahren, wahlweise drei, vier oder sechs Stunden lang, in den Hochseilgarten - allerdings immer nur mit fachlicher Betreuung.

Manuela Noack

Weitere Infos und Kontakt ist über die Landesstelle der Evangelischen Landjugend möglich unter Telefon: 09143/6040 oder per email: elj@elj.de.

 

 


 

Lebenskunst: Dankbarkeit

Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte wäh-ret ewiglich. So sollen sagen, die zum Herrn riefen in ihrer Not, und er errettete sie aus ihren Ängsten … die sollen dem Herrn danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut.

Psalm 107, 1, 2a, 6 + 8



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Foto: Wodicka
 

Im Krankenhaus bei uns liegt vor der Kapelle ein Buch, in das Menschen ihre persönlichen Gebete schreiben. Neben vielen Bitten um Hilfe ist oft auch Dank zum Ausdruck gebracht: "Danke, lieber Gott, dass alles nicht so schlimm gekommen ist, wie ich befürchtet habe" oder "Danke für alle Fürsorge und Kompetenz von Ärzten und Schwestern" oder "Gott hat geholfen".
Was ändert der Dank? Als junges Mädchen habe ich mich oft gefragt, wozu Gott wohl meine Dankbarkeit braucht. Inzwischen bin ich überzeugt, dass nicht Gott meinen Dank braucht - sondern ich brauche es, dankbar zu sein. Denn dadurch ändert sich Wesentliches in meinem Leben. Dadurch ändert sich die Perspektive, mit der ich auf das Leben schaue. Sie wird lebensbejahend, positiv, sieht das Gute. Der Blick der Dankbarkeit kann so zu einer Art Lebenskunst werden, die das Gute sucht. Eine Anleitung dazu finde ich in Psalm 107. Hier erinnert der Beter an schwierige Zeiten, die die Menschen durchgemacht haben. Aber er tut das nicht unter der Überschrift: "Wie schrecklich und böse ist doch die Welt", sondern unter dem Motto: "Danket dem Herrn, denn er ist freundlich".
Die Schwierigkeiten des Lebens sind da so etwas wie der dunkle Hintergrund, auf dem das Licht der Bewahrungen und Hilfe, das Licht der Liebe Gottes sich hell abhebt. Dankbare Menschen suchen nach dem Hellen, nach dem Schönen im Leben - so wie diese Frauen auf dem Bild, die sich an den kleinen Dingen des Lebens freuen. All das, was der Mensch schon bestanden hat, kann ihm durch Dankbarkeit zur Kraftquelle werden: Wenn Gott mich damals hindurchgetragen hat, dann wird er das auch weiterhin tun.
Glauben hat mit der Art zu tun, wie wir auf die Wirklichkeit schauen, wie wir sie deuten und verstehen. Dankbarkeit ist eine Art, die Wirklichkeit zu verstehen. Es hilft zu einem glücklichen Leben, wenn ich mich bemühe, mit einer Linse der Dankbarkeit auf meine Erfahrungen zu schauen. Das könnte bedeuten, dass ich danach Ausschau halte, wo ich Hilfe bekommen habe, wo ich bewahrt worden bin, wo ich der richtigen Intuition gefolgt bin, wo ich Menschen hatte, die mich begleitet haben und die ich begleiten durfte, wo ich gestärkt wurde und wo ich stärken durfte, wo ich geliebt wurde und wo ich geliebt habe.
Ich lebe intensiver, ich lebe glücklicher, wenn ich nichts als selbstverständlich nehme. Die Perspektive der Dankbarkeit lässt mich auch an die schwierigen Zeiten des Lebens mit einem positiven Vorzeichen denken: Auch in ihnen konnte ich wachsen, auch hier habe ich Hilfe erfahren, auch diese Zeiten haben ihren Sinn. Auch das Bedenken von bestandener Not kann stärken, kann für die Zukunft Mut machen: "… der mich wunderbar geführet und noch leitet und regieret, wird forthin mein Helfer sein" (aus Lied 352/2).
Ein Dankgebet aus dem anfangs erwähnten Buch vor der Kapelle drückt das so aus: "Auch mir bist Du beigestanden bei der OP, ich bin ‚davongekommen', aber Du hast mir Prüfungen geschickt. Ich will sie mit Deiner Hilfe bestehen."

Pfarrerin Christa Gaiser, Kirchleus

Wir beten: Danke, guter Gott, für unser ganzes Leben - für die schönen und die schweren Zeiten. Wir wollen suchen, welchen Segen Du darin verborgen hast. Wir wollen vertrauen, dass Du uns nicht mehr auflegst, als wir tragen können. Schenke uns das Herz und die Augen der Dankbarkeit. Amen.

Lied 361: Befiehl du deine Wege.

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