Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 29)

Rumänien: Evangelische wollen "Kirche für Andere sein"

Wie sich die deutschstämmige evangelische Kirche in dem osteuropäischen Land neu ausrichtet

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Strahlt Hoffnung und Zuversicht im Blick auf die Zukunft der evangelischen Kirche in Rumänien aus: Pfarrerin Helga Rudolf (Schässburg).
   

Hinter ihr liegt eine massenhafte Auswanderung: Über drei Viertel ihrer Gemeindeglieder hat die Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Rumänien 1990 innerhalb eines Jahres verloren. Die Protestanten nutzen nach dem Ende der kommunistischen Zeit die Reisefreiheit, um nach Deutschland überzusiedeln. Von den ehemals über 100.000 Evangelischen leben heute noch rund 15.000 in dem osteuropäischen Land.
Wer - wie vor kurzem eine Sonntagsblatt-Lesergruppe - mit Vertretern der deutschstämmig geprägten Kirche Rumäniens spricht, wundert sich. Denn da ist keine resignative Stimmung angesagt, sondern Zuversicht und Optimismus zu spüren. "Nach einer Zeit der Trauer sehen wir Zeichen der Hoffnung", bringt es Bischof Christoph Klein (Hermannstadt) auf den Punkt. Mit Jugendarbeit, Frauenarbeit und Ökumene seien neue Arbeitsbereiche in der Kirche hinzugekommen. Auch die diakonischen Aktivitäten wie Sozialstationen, Altenheime oder Essen auf Rädern wären stark ausgeweitet worden. "Gott will den Weg weiterführen", meint Klein im Blick auf die Zukunft der evangelischen Kirche in Rumänien.

Kein Grund zur Resignation

Schrumpfende Zahlen sind für den Bischof kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Er warnt davor, eine Minderheit von ihrer Zahl her zu beurteilen. Entscheidend sei vielmehr ihre Bedeutung. "Christen werden nicht gezählt, sondern gewogen", so der frühere Theologieprofessor, der seit 1990 an der Spitze der Evangelischen in Rumänien steht. Sein Credo, mit dem er zurückgehenden Zahlen begegnet: "Es kommt auf die wenigen Engagierten an, die etwas bewegen wollen."
Offen spricht der Bischof über notwendige Veränderungen. Zum Beispiel, dass es in Gemeinden mit 15 Mitgliedern auf Dauer nicht mehr jeden Sonntag einen Gottesdienst geben wird. Oder dass auch einige Kirchen dem Verfall preisgegeben sind - vor allem Gotteshäuser, die etwas abseits liegen. Für über 150 Kirchenburgen sind die Evangelischen in Siebenbürgen zuständig. "Die großen historischen Denkmäler sollen mit Unterstützung von Sponsoren und Heimatortsgemeinschaften möglichst erhalten bleiben", erklärt Klein. Einige Gotteshäuser werden auch an christliche Kirchen wie die rumänisch-orthodoxe oder die griechisch-katholische abgegeben. Andere Sakralbauten sollen eine geistliche oder kulturelle Verwendung finden. Auf keinem Fall dürfe eine Kirche zum Wirtshaus werden. Manchmal würden aber Gotteshäuser auch unerwartet gerettet - wie in einem Ort, wo Architekturstudenten ins Pfarrhaus zogen und die dortige Kirche nun restaurieren.

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Eine gewaltige finanzielle Herausforderung ist die Unterhaltung der über 150 Kirchenburgen in Rumänien. Zu den bekanntesten zählt die Anlage in Tartlau (unser Bild). Fotos: güs
   
In Bistriz hat die evangelische Gemeinde die zweitgrößte Kirche Siebenbürgens zu unterhalten. Die Gemeinde hat einen zweifachen Aderlass hinter sich: Ende des zweiten Weltkrieges wurde die deutsche Bevölkerung evakuiert. Als Ende der 70-er im Zuge der Familienzusammenführung die Ausreisemöglichkeiten gelockert wurden, verließen weitere Deutsche die nordsiebenbürgische Stadt. Unter den rund 300 Evangelischen, die heute noch dort leben, gibt es noch zwei deutsche Ehepaare. Alle anderen Deutschen sind mit einem rumänischen Partner verheiratet. Der Gottesdienst, zu dem sonntäglich zwischen 70 bis 80 Besucher kommen, findet in deutscher Sprache statt. Für die Gemeinde ist es ein gewaltiger finanzieller Kraftakt, die Kirche mit ihren 3.500 Sitzplätzen zu unterhalten. "Der Staat stiehlt sich bei der Restaurierung aus der Verantwortung", sagt Pfarrer Johann Dieter Krauss. Trotzdem sieht der Geistliche, der Evangelische in 30 Ortschaften und zehn Predigtstationen betreut, keinen Grund zur Resignation: "Der Glaube an Jesus Christus und seine Zusage ,Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende' gibt mir Hoffnung und Zuversicht."
Ähnlich optimistisch schaut Pfarrerin Helga Rudolf im Touristenort Schässburg, dem "Rothenburg Rumäniens" in die Zukunft. "Die Arbeit in den evangelischen Gemeinden Rumäniens wird weitergehen", sagt sie. Und fügt hinzu: "Vielleicht in 20 Jahren nur noch in rumänischer Sprache." Die Theologin redet nicht davon, dass sich die deutschstämmigen Evangelischen in die rumänische Bevölkerung integrieren. Rudolf spricht lieber von einer "sprachlichen Öffnung" und davon, dass die Sprache nur ein "Vehikel für das Evangelium" ist. "An der Himmelspforte steht nicht, welche Sprache jemand spricht", meint die engagierte Theologin schmunzelnd.

Veränderungen in Gang

Die Veränderungen zeichnen sich schon ab. Während in Schässburg und an anderen Orten noch jeden Sonntag Gottesdienste in deutsch stattfinden, bieten größere Gemeinden schon einmal im Monat einen rumänisch-sprachigen Gottesdienst an. Doch auch in Schässburg wird an Weihnachten oder zu anderen Anlässen die Predigt noch einmal in rumänisch zusammengefasst.
"Wir wollen Kirche für Andere und Kirche mit Anderen sein", beschreibt Bischof Klein die Aufgabe der evangelischen Kirche, die sich lange Zeit nur als geistliche Heimat für die deutsche Volksgruppe verstand. An dieser Neu-orientierung liegt es wohl auch, dass Kirchenvertreter hoffnungsvoll und zuversichtlich nach vorne schauen. Und damit immer wieder Besucher überraschen, die eher andere Töne erwartet haben.

Günter Saalfrank

 

 


 

Blickrichtung Leben

Wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein. Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, so dass wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn, wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.

Römer 6, Vers 3-8



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Brunnen geschaffen von Heinz-Leo Weiß. Foto: Grieshammer
 

VAls wir vor Jahren nach einer Aussegnungsfeier aus dem Leichenhaus zum Grab gingen, fiel der erste Blick auf einen Müllcontainer mit der Aufschrift "kompostierbare Abfälle". Es dauerte eine Weile bis Menschen dieser Anblick störte.
Nun fällt der Blick auf einen Brunnen, bei dem frisches Wasser aus einem Hirtenstab in ein Becken sprudelt, und von dort sich in die Erde ergießt. Er trägt die Aufschrift "Mit CHRISTUS in der Taufe begraben, mit CHRISTUS … auferweckt."
Darauf kommt es an: Die Taufe auch am Ende des Lebens im Blick haben, wahrnehmen, dass das Taufglöckchen als Totenglöckchen den letzten Gang zum Grab mit der Taufbotschaft begleitet: "So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln." Auch wenn wir in einer Wegwerfgesellschaft leben, in der Alte und Schwache einen schwindenden Stellenwert haben, für Gott sind und bleiben wir durch die Taufe seine Kinder. Am Ende steht nicht die Entsorgung eines Leichnams, sondern die Ausstattung mit einem neuen geistlichen Leib. Daher scheint es zuerst merkwürdig, wenn hier der Leib und die Sünde in einem Atemzug genannt werde: "Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, so dass wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn, wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde."
Doch Vorsicht: "Sünde" ist zuerst einmal keine moralische Größe in der Bibel, auch wenn wir von Kindesbeinen diese Sichtweise eintrainiert bekamen. "Sünde" lässt sich in unserer heutigen Sprache am besten mit Beziehungslosigkeit wiedergeben. Sünde ist ein Leben ohne Beziehung zu Gott, zu den Menschen und zu Gottes Schöpfung. Unser Leib, unser alter Körper steht für diese Beziehungslosigkeit, denn mit unseren Sinne vermögen wir Gott nicht wahrzunehmen. Und dennoch, nur durch unsere Leibhaftigkeit können wir einander begeg-nen, uns zärtlich über das Haar streichen oder uns die Hand reichen.
Ohne diesen alten fleischlichen Leib, mit einem neuen geistlichen Leib werden wir in neuer Weise beziehungsfähig werden. Dann werden wir Gott erstmals mit unseren Sinnen erfassen. Wir werden schauen, was wir jetzt nur glauben, worauf wir jetzt nur vertrauen können.

Pfarrer Thomas Grießhammer, Nürnberg

Wir beten: Lieber Vater im Himmel, seit unserer Taufe sind wir deine Kinder. Nichts kann uns mehr von deiner Liebe trennen. Uns blüht das ewige Leben. Lass uns an dieser Hoffnung auch in schweren Zeiten festhalten, damit es in unserem Leben hell bleibt und wir die nötige Kraft haben, den neuen Tag zu meistern. Amen.

Lied 200, 1-5: Ich bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und Heilger Geist.

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