Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 22)

Der Geist weht, wo und wann er will

Mein ganz persönliches Pfingst-Erlebnis - Wie ich zum Glauben kam

In manchen christlichen Kreisen kommt es schon ab und zu vor, dass man folgende Frage gestellt bekommt: "Kannst Du mir den Zeitpunkt Deiner Bekehrung zu Jesus nennen?" Wer dann nicht gleich einen Termin parat hat, gilt manchmal nur als oberflächlicher Christ. Dabei gibt es ganz verschiedene Wege, auf denen Menschen zum Glauben kommen. Das Sonntagsblatt hat zu diesem Thema ganz unterschiedliche Menschen befragt: "Wie sah Ihr persönliches Pfingst-Erlebnis aus? Wann hat Sie der Heilige Geist berührt und Ihnen den Weg zu Christus gezeigt?"

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Walter Pöferlein. Foto: Spoerl
   

In Glauben hinein gewachsen

Walter Pöferlein kann keinen Termin nennen, an dem er eine Art Pfingst-Erlebnis gehabt hätte. "In unserer Familie ist man seit alterher in den Glauben hinein gewachsen", erklärt er. Seine Vorfahren waren österreichische Exilanten - also Christen, die wegen ihres evangelischen Glaubens ausgewiesen wurden. "Alles, was zum Christsein dazu gehört, war und ist in unserer Familie lebendig - vom Morgengebet über den Abendsegen bis hin zum sonntäglichen Kirchgang." Diese Tradition hält Walter Pöferlein, der beruflich als Intensivpfleger tätig ist, auch in seiner eigenen Familie lebendig: "Meine Frau und ich vermitteln das natürlich unseren Kindern."

 

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Stefani Finzel. Foto: Spoerl
   

Christsein im Alltag leben

Bei Stefani Finzel war das ähnlich. "Von einem Pfingsterlebnis, einem besonderen Erweckungsgeschehen kann ich nichts erzählen", sagt sie. Sie ist in einer christlichen Familie aufgewachsen. Ihre Umwelt war durch den Glauben geprägt, "und da bin ich eben langsam hinein gewachsen", berichtet die Journalistin und Germanistin. Allerdings ist es für sie schon wichtig, "mein Christsein im Alltag zu leben und an meine beiden Töchter weiter zu geben." Darum hat sie sich auch in der Kirche in verschiedenen Arbeitskreisen engagiert und sich sogar in die Landessynode wählen lassen.

 

 

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Matthias Thalhofer. Foto: Kusch
   

Schon immer Gottes Kind

Gegenüber festen Terminen für den Beginn seines Glaubens ist Matthias Thalhofer skeptisch. "Ich habe mich von klein auf als Kind Gottes gefühlt", erklärt er. Dass man von einem auf den anderen Tag sagt, jetzt gehöre ich zum himmlischen Vater, kann er sich nicht vorstellen. "Das wäre so, als würde mein eigenes Kind irgendwann sagen: Ab heute bin ich dein Sohn - das fände ich doch etwas seltsam." Entweder es gebe die Gotteskindschaft von Anfang an oder gar nicht.
Für den 36-Jährigen waren es viel mehr unterschiedlichste Berührungspunkte mit Gott, die sein Leben verändert haben. Zum Beispiel ein Kirchentag in Frankfurt, an dem er als Jugendlicher teilgenommen hat. "Hier erlebte ich die Gemeinschaft mit den Menschen und mit Gott hautnah", erklärt der gelernte Krankenpfleger. Ansprechend sei auch ein Tauferinnerungs-Gottesdienst am Schwanberg gewesen, wo ihm Gottes "Ja" zu den Menschen noch einmal ganz besonders bewusst wurde.

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Kerstin Stelzer. Foto: Schulz
   

Man bekehrt sich öfters

"Man bekehrt sich mehrmals im Leben immer wieder zu Jesus", meint Kerstin Stelzer (Fürstenfeldbruck). Die 36-Jährige kann sich noch gut an ihr erstes Bekehrungserlebnis erinnern: Mit zwölf Jahren, am zweiten März 1981 nachmittags um drei hat sie ihr Leben Jesus übergeben. "Das war auf einer Konfirmandenfreitzeit", erzählt sie. Die Verantwortlichen hätten ihnen die Konfirmation als ganz bewusstes Ja zu Gott und der Taufe vermittelt. "Vorher hatte ich kaum Erfahrung mit Gott: das Abendgebet, unregelmäßige Gottesdienstbesuche. Aber in den drei Tagen hat es mich gepackt. Ich habe zum ersten Mal so richtig von Gott gehört." Als einzige der Konfirmanden beichtete sie und sprach ein Übergabegebet. "Da hat der Geist zu mir geredet und mein Herz bewegt" - so sieht es Stelzer heute. "Damals habe ich es nicht so richtig verstanden. Es dauerte ein Jahr, bis ich in einer Jugendgruppe Gemeinschaft mit anderen, die an Jesus glauben, gesucht habe." Da hat sie bewusst neu Ja zu Jesus gesagt.

Die Stimme Gottes gehört

Weitere spirituelle Erfahrungen folgten: "Mit 15 etwa habe ich die Stimme Gottes gehört, mitten im Schulbus. Ich werde da wohl gerade gebetet haben. Da hörte ich: "Du wirst heiraten." Etwas gruselig war das schon. Aber ich hatte mir nichts sehnsüchtiger gewünscht, als bald einen Partner zu finden. Danach konnte ich ganz gelassen sein, weil ich wusste: Ich muss mich nicht ständig unter Druck setzen, es wird geschehen."
Später hat die Mutter zweier Töchter immer wieder Pfingsterlebnisse gehabt: "Ich wollte immer in Sprachen beten. Aber ich konnte es nie. Dann, es war im Studium, war ich allein im Zimmer und habe plötzlich in Sprachen gebetet. Da hatte ich den Eindruck: Jetzt will Gott mir etwas schenken." Seitdem betet sie regelmäßig in Sprachen.
Aber auch in ihrem Alltag erkennt Kerstin Stelzer das Wirken des Geistes. Schon oft ist es ihr geschehen, dass sie unvermittelt an Bekannte denken musste. "Wenn ich sie dann anrufe, erfahre ich, dass gerade etwas Entscheidendes oder Kritisches für sie geschehen ist. Da erlebe ich, dass es den Heiligen Geist wirklich gibt."
Ohne eine tiefe Beziehung zu Gott, ohne regelmäßige Bibellese und praktiziertes Gebet würde sie dem Heiligen Geist keinen Raum geben - davon ist Kerstin Stelzer überzeugt. "Je tiefer ich mich auf Jesus einlasse, desto stärker spüre ich: Er lässt mich nicht los, auch in schwierigen Situationen. Er ist immer treu."
Das möchte sie auch ihren Töchtern weitergeben durch gemeinsames Gebet und Erzählen von Gott: "Natürlich hoffe ich, dass der Samen aufgeht, die Entscheidung für Jesus muss aber jeder selber treffen."

lü, gük, wsp

 

 


 

Komm, Du Geist Gottes

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Pfingsten (Kirchenfenster in Nürnberg) Foto: Grießhammer
   

Komm, Du Geist,
der Feuer
auf die Erde wirft
und der will, dass es brenne.

Komm, Du Geist,
der keinen
faulen Frieden will,
sondern Gespräch und Tat.

Komm, Du Geist,
der Glauben nicht
vom Himmel fallen lässt,
sondern Wagnisse eingeht.

Komm, Du Geist,
der die Kälte
nicht nimmt,
aber Wärme spendet.

Komm, Du Geist,
der nicht zu kaufen ist,
komm, Du Geist Gottes.

Cornelius Bisinger

Gottes Geist schafft Verstehen

Die Jünger wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.

Apostelgeschichte 2, 4



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Verständigung ist schwer, wenn Menschen mit Worten und Sätzen einander tief verletzen. Foto: Wodicka
 

Seit dem ersten Pfingstfest bis heute ist Gottes Geist unter Christen am Werk. In der Apostelgeschichte wird berichtet, woran man das Wirken des Geistes Gottes erkennen kann: Daran, dass Menschen anfangen zu verstehen. Ein großes Hindernis für die Verständigung ist, dass Menschen unterschiedlicheSprachen sprechen. In der Pfingstgeschichte wird erzählt, dass Zuhörer mit anderen Muttersprachen die Predigt der Apostel verstanden haben. Davon angeregt haben Christen, die anderen Völkern das Evangelium bringen wollten, fremde, oft sehr schwierige, Sprachen gelernt und so Grenzen überwunden. Viel Mühe und Sorgfalt war dazu nötig. Wir sollten uns auch daran einmal dankbar erinnern.
Viel schwerer ist Verständigung aber dort, wo Menschen mit Worten und Sätzen unterschiedliches meinen, wo Vorurteile oder Gefühle, Ängste oder Wünsche das Gesagte in ein bestimmtes Licht rücken. Dabei kommt oft eine ganz andere Wirkung heraus als beabsichtigt war. Wir können eine lange Liste von Gruppen aufzählen, die sich leider meist missverstehen: Junge und Alte, Eltern und Kinder, Ökologen und Ökonomen, Gewerkschafter und Arbeitgebervertreter, Politiker der verschiedenen Länder und Parteien. Auch unter Christen gibt es viele Missverständnisse: Zwischen den Konfessionen, zwischen eher liberal gesinnten oder solchen, die nach mehr Verbindlichkeit suchen und Vieles mehr. Nun muss es ja wirklich nicht sein, dass in unserer Gesellschaft, wie in unserer Kirche, alle das gleiche denken und fühlen. Wir haben gelernt, Meinungsvielfalt zu respektieren. Wir wissen, dass es auf Interessenausgleich ankommt und vor allem auf Toleranz.
Es gibt aber Fragen, da braucht der Einzelne Gewissheit und die Gemeinschaft eine verbindliche Übereinkunft. Keinem Kind hilft das Gefühl, dass es "vielleicht" geliebt und angenommen ist. Keine Gemeinschaft kann bestehen, wenn sie nicht durch ihr Recht Lebensgrenzen von Menschen schützt, die nicht überschritten werden dürfen.
Für Christen gibt es im Glauben etwas Vergleichbares. Von Gottes gutem Willen für uns Menschen, den er uns in Jesus Christus gezeigt hat, kann man nicht beliebig reden. Es gilt: Gott liebt sein Geschöpf, er wirbt um unser Vertrauen, er will, dass wir nicht nur an uns denken, sondern auch an Mitmenschen, er hat uns Gaben gegeben, damit wir sie nützen.
Die Sorge um unsere ewige Zukunft hat er uns abgenommen, damit wir jetzt dankbar das Mögliche tun. Über Vieles können wir unterschiedlich denken, aber unser Glaube lebt aus Gottes Wort und nicht aus anderen Quellen. Was der Glaube für uns persönlich bedeutet, das kann man anderen so schwer weitersagen. Oft verstehen sie uns nicht oder es kommt zu Missverständnissen. Das ist nicht selten die Not der Eltern mit ihren Kindern. Den Jüngern Jesu war es zunächst genauso ergangen. Trotz der Begegnung mit dem Auferstandenen hatten sie keinen Mut, öffentlich aufzutreten. Deshalb hatten sie sich vor dem Pfingstereignis in geschlossene Räume zurückgezogen. Das geschieht immer wieder. Statt zu reden, ziehen wir uns ins Schweigen zurück. Schließlich will man ja auch nicht aufdringlich sein. Respekt vor dem fremden Standpunkt ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Menschen zuhören. Aber der Mut, ohne falschen Anspruch und Rechthaberei vom eigenen Glauben zu reden, lohnt sich eben doch. Immer wieder werden Barrieren überwunden und Menschen verstehen, was Gott ihnen mit dem Glauben schenken will. Dann ist Gottes Geist am Werk, dann ereignet sich Pfingsten.

Horst Birkhölzer, OKR.i.R. Neuendettelsau

Wir beten: Allmächtiger Gott, barmherziger Vater, du machst die Botschaft von Jesus Christus lebendig durch deinen Geist. Du weckst Glauben und Vertrauen. Wir danken dir dafür. Wir bitten um Mut, das Evangelium weiter zu sagen und um die richtigen Worte zur rechten Zeit. Wir bitten um gegenseitiges Verstehen und bitten: Stärke unseren Glauben.

Lied 136: O komm, du Geist der Wahrheit und kehre bei uns ein.

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