Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 22)

Komm, Du Geist Gottes

 

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Pfingsten (Kirchenfenster in Nürnberg) Foto: Grießhammer
   

Komm, Du Geist,
der Feuer
auf die Erde wirft
und der will, dass es brenne.

Komm, Du Geist,
der keinen
faulen Frieden will,
sondern Gespräch und Tat.

Komm, Du Geist,
der Glauben nicht
vom Himmel fallen lässt,
sondern Wagnisse eingeht.

Komm, Du Geist,
der die Kälte
nicht nimmt,
aber Wärme spendet.

Komm, Du Geist,
der nicht zu kaufen ist,
komm, Du Geist Gottes.

Cornelius Bisinger

Gottes Geist schafft Verstehen

Die Jünger wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.

Apostelgeschichte 2, 4



Evangelisches Sonntagsblatt
 
Verständigung ist schwer, wenn Menschen mit Worten und Sätzen einander tief verletzen. Foto: Wodicka
 

Seit dem ersten Pfingstfest bis heute ist Gottes Geist unter Christen am Werk. In der Apostelgeschichte wird berichtet, woran man das Wirken des Geistes Gottes erkennen kann: Daran, dass Menschen anfangen zu verstehen. Ein großes Hindernis für die Verständigung ist, dass Menschen unterschiedlicheSprachen sprechen. In der Pfingstgeschichte wird erzählt, dass Zuhörer mit anderen Muttersprachen die Predigt der Apostel verstanden haben. Davon angeregt haben Christen, die anderen Völkern das Evangelium bringen wollten, fremde, oft sehr schwierige, Sprachen gelernt und so Grenzen überwunden. Viel Mühe und Sorgfalt war dazu nötig. Wir sollten uns auch daran einmal dankbar erinnern.
Viel schwerer ist Verständigung aber dort, wo Menschen mit Worten und Sätzen unterschiedliches meinen, wo Vorurteile oder Gefühle, Ängste oder Wünsche das Gesagte in ein bestimmtes Licht rücken. Dabei kommt oft eine ganz andere Wirkung heraus als beabsichtigt war. Wir können eine lange Liste von Gruppen aufzählen, die sich leider meist missverstehen: Junge und Alte, Eltern und Kinder, Ökologen und Ökonomen, Gewerkschafter und Arbeitgebervertreter, Politiker der verschiedenen Länder und Parteien. Auch unter Christen gibt es viele Missverständnisse: Zwischen den Konfessionen, zwischen eher liberal gesinnten oder solchen, die nach mehr Verbindlichkeit suchen und Vieles mehr. Nun muss es ja wirklich nicht sein, dass in unserer Gesellschaft, wie in unserer Kirche, alle das gleiche denken und fühlen. Wir haben gelernt, Meinungsvielfalt zu respektieren. Wir wissen, dass es auf Interessenausgleich ankommt und vor allem auf Toleranz.
Es gibt aber Fragen, da braucht der Einzelne Gewissheit und die Gemeinschaft eine verbindliche Übereinkunft. Keinem Kind hilft das Gefühl, dass es "vielleicht" geliebt und angenommen ist. Keine Gemeinschaft kann bestehen, wenn sie nicht durch ihr Recht Lebensgrenzen von Menschen schützt, die nicht überschritten werden dürfen.
Für Christen gibt es im Glauben etwas Vergleichbares. Von Gottes gutem Willen für uns Menschen, den er uns in Jesus Christus gezeigt hat, kann man nicht beliebig reden. Es gilt: Gott liebt sein Geschöpf, er wirbt um unser Vertrauen, er will, dass wir nicht nur an uns denken, sondern auch an Mitmenschen, er hat uns Gaben gegeben, damit wir sie nützen.
Die Sorge um unsere ewige Zukunft hat er uns abgenommen, damit wir jetzt dankbar das Mögliche tun. Über Vieles können wir unterschiedlich denken, aber unser Glaube lebt aus Gottes Wort und nicht aus anderen Quellen. Was der Glaube für uns persönlich bedeutet, das kann man anderen so schwer weitersagen. Oft verstehen sie uns nicht oder es kommt zu Missverständnissen. Das ist nicht selten die Not der Eltern mit ihren Kindern. Den Jüngern Jesu war es zunächst genauso ergangen. Trotz der Begegnung mit dem Auferstandenen hatten sie keinen Mut, öffentlich aufzutreten. Deshalb hatten sie sich vor dem Pfingstereignis in geschlossene Räume zurückgezogen. Das geschieht immer wieder. Statt zu reden, ziehen wir uns ins Schweigen zurück. Schließlich will man ja auch nicht aufdringlich sein. Respekt vor dem fremden Standpunkt ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Menschen zuhören. Aber der Mut, ohne falschen Anspruch und Rechthaberei vom eigenen Glauben zu reden, lohnt sich eben doch. Immer wieder werden Barrieren überwunden und Menschen verstehen, was Gott ihnen mit dem Glauben schenken will. Dann ist Gottes Geist am Werk, dann ereignet sich Pfingsten.

Horst Birkhölzer, OKR.i.R. Neuendettelsau

Wir beten: Allmächtiger Gott, barmherziger Vater, du machst die Botschaft von Jesus Christus lebendig durch deinen Geist. Du weckst Glauben und Vertrauen. Wir danken dir dafür. Wir bitten um Mut, das Evangelium weiter zu sagen und um die richtigen Worte zur rechten Zeit. Wir bitten um gegenseitiges Verstehen und bitten: Stärke unseren Glauben.

Lied 136: O komm, du Geist der Wahrheit und kehre bei uns ein.

Diese Woche - Archiv - Editorial - Geschichte - Redaktion - Abo-Service - Anzeigen - Evang. Reisedienst - Impressum
© 2000-2004 ROTABENE! Medienhaus