Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 20)

Die alternde Gesellschaft

Immer mehr Senioren und immer weniger Junge in Deutschland

Evangelisches Sonntagsblatt
 
In Deutschland kommen zu wenig Babys auf die Welt, um den Bevölkerungsrückgang aufzuhalten.
   

Die Schlagzeilen gehen in die gleiche Richtung: Sterben die Deutschen aus? Wie kriegen wir wieder Kinder? Steht ein Krieg der Generationen bevor? Allesamt beschreiben sie die dramatische Bevölkerungsentwicklung in Deutschland. Und die lässt sich auf die Formel bringen: Immer mehr Alte, immer weniger Junge. Was jetzt für Schlagzeilen sorgt und die Bürger verunsichert, ist für Bevölkerungswissenschaftler wie den Bielefelder Professor Herwig Birg altbekannt. Seit Jahren warnt er, die Politik verdränge das Problem. Und er stellt die ironische Frage, warum die Menschen von diesen Fakten nichts wissen wollen. Oder wie es der Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Friedrich (Hof), Mitglied der Enquete-Kommission "Demografischer Wandel" des Deutschen Bundestages ausdrückte: "Es kommt ein großes Problem auf uns zu und keiner in Deutschland nimmt es wahr."

Gravierende Veränderungen

"Wir reden von einem Erdbeben und tun so, als sei dies ein Verwaltungsakt", schrieb der Publizist Frank Schirrmacher, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) über die gravierenden Veränderungen in der Bevölkerungsentwicklung: Immer mehr Menschen bleiben immer länger beieinander. Viele werden gleichzeitig mit ihren Eltern, Großeltern und Urgroßeltern auf der Welt sein. Schirrmacher beschreibt es drastisch: "Eine nicht mehr fortpflanzungsfähige Gruppe, die ihren biologischen Zweck längst erfüllt hat, bildet die Mehrheit in der Gesellschaft." Zum ersten Mal wird die Zahl der Älteren größer sein als die der Kinder.
Immer mehr ältere Menschen, immer weniger Junge stellen die Sozialsysteme vor schier unlösbare Probleme: Heute müssen statistisch mehr als zwei Erwerbstätige für einen Rentner aufkommen. Im Jahr 2050 wird auf jeden Arbeitnehmer ein Rentner kommen.
Die Rentenversicherung ist das Feld, wo die Folgen der Bevölkerungsentwicklung am deutlichsten zu spüren sind. Der stetige Rück- gang - bis 2050 wird die Bevölkerung Schätzungen zufolge um zwölf bis 17 Millionen Menschen abnehmen - und die Überalterung betreffen nicht nur die Sozialsysteme, sondern alle gesellschaftlichen und wirtschaftliche Bereiche.

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Senioren gehören keinesfalls zum "alten Eisen". Mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung können sie wertvolle Arbeit leisten - wie hier bei einem Computerkurs. Unter dem Motto "Alt hilft Jung" schulen zwei Männer junge Ausländer im Umgang mit dem PC. Fotos: epd
   
Stefan Albat von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft rechnet mit einem Rückgang der wirtschaftlichen Nachfrage. Immobilien in bevölkerungsarmen Gebieten würden deutlich an Wert verlieren. Kapital werde im Ausland zur privaten Altersvorsorge angelegt. Auch die Zahl der arbeitslosen Menschen geht laut Albat mit der sinkenden Bevölkerung nicht zurück. Schließlich fehle der Konsum- und Produktionsbedarf der nicht geborenen Kinder.
Patentrezepte zur Lösung der Probleme gibt es nicht. So räumt der Bielefelder Bevölkerungswissenschaftler Birg mit der Vorstellung auf, eine Gesellschaft könne sich wie der Lügenbaron Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen, etwa durch Zuwanderung, höhere Geburtenrate oder längere Lebensarbeitszeiten. Die Zuwanderung sei kein Allheilmittel: "Immer neue und immer größere Einwanderungsströme wären zu integrieren", so Birg. Wie bei einem Schneeballsystem, bei dem die Kredite mit immer neuen Krediten finanziert werden. Berechnungen der UNO zufolge müssten in fünf Jahrzehnten 188 Millionen Menschen nach Deutschland einwandern, um das Verhältnis von Alt und Jung auf heutigem Stand zu halten. Die Bundesrepublik hätte dann statt 80 Millionen über 250 Millionen Einwohner.
Nach Ansicht Birgs können letztlich auch mehr Geburten das Problem nicht lösen: Weil "nicht geborene Eltern keine Kinder zur Welt bringen können", müsste jede Frau fast vier Kinder bekommen. Es fehle eben schon seit Jahren der erforderliche Nachwuchs. Umfragen belegen, dass die Entscheidung für ein eigenes Kind Deutschen immer schwerer fällt. Für viele Frauen ist vor allem der Beruf ein Hindernis. Es fehlten auch ausreichend Betreuungsangebote für Kinder und die Rückenstärkung durch Männer. So sagen über drei Viertel der befragten Frauen, dass sie sich leichter für ein Kind entscheiden könnten, wenn sie der Partner besser unterstützen würde.

Geld allein macht's nicht

Bis heute meinen manche politisch Verantwortlichen, mit Geld lassen sich alle Probleme lösen und womöglich auch der Wunsch nach einem Kind wecken. Doch Geld allein macht's nicht. Es braucht ein Bündel von Maßnahmen, um das "Ja" zum Kind bei jungen Leuten und Familien zu fördern. Eine genügende Zahl von Plätzen in Kindertagesstätten ist ein wichtiger Mosaikstein dabei. Aber eben nur einer von vielen. Notwendig sind Signale in unterschiedlichen Bereichen, dass Kinder willkommen sind in der Gesellschaft.
Noch etwas ist wichtig: Ältere Menschen dürfen nicht länger aufs Abstellgleis geschoben werden. Ihre Erfahrung und ihr Wissen ist zu nutzen - und das nicht nur in der Arbeitswelt. "Die Diskriminierung des Alterns und des Alters wird weltweit zu einem ökonomischen und geistigen Standortnachteil", meint der Publizist Frank Schirrmacher. Jene Gesellschaft werde zukünftig am erfolgreichsten sein, deren "religiöse und kulturelle Überzeugungen das Alter schöpferisch machen können".

güs/san/wsp

 

 


 

Eines Christen Handwerk ist beten

So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit. Dies ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserm Heiland, welcher will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

1. Timotheus 2, 1-4



Evangelisches Sonntagsblatt
 
Wenn wir beten, gewinnen wir Anschluss an die Kraftquelle, die unser geistliches Leben belebt und stärkt. Letztlich wurzelt das Gebet in Gott. Sein wirkmächtiges Wort wartet auf Antwort. Foto: Wodicka
 

"Wie ein Schuster einen Schuh macht und ein Schneider einen Rock; also soll ein Christ beten. Eines Christen Handwerk ist beten." So hat es Martin Luther formuliert. Das Gebet gehört zu den Grundaufgaben eines Christen. Wenn wir beten, gewinnen wir Anschluss an die Kraftquelle, die unser geistliches Leben belebt und stärkt. Letztlich wurzelt das Gebet in Gott. Sein wirkmächtiges Wort wartet auf Antwort. Er hat uns als seine Gesprächspartner geschaffen. Wenn wir beten, antworten wir auf seinen Anruf. Dieses Reden mit Gott stößt nie ins Leere. Es macht uns seiner Nähe gewiss. Gott ist nie weiter entfernt als ein Gebet! Rogate! lautet der Name des 5. Sonntags nach Ostern. Rogate! Betet! lautet die Aufforderung des Apostels Paulus an seinen Freund und Mitarbeiter Timotheus. Bitte, Fürbitte und Dank für alle Menschen legt er ihm besonders ans Herz. Ganz wichtig ist ihm dabei die Fürbitte für die Mächtigen, für Regierende und Obrigkeit.
In unseren Tagen wird oft über die Politiker geschimpft. Sie genießen weithin kein besonderes Ansehen. Gewiss gibt es manchen Grund zu Kritik an ihrem Verhalten und an mancher politischen Entscheidung. Auch Christen dürfen politische und gesellschaftliche Entwicklungen durchaus kritisch begleiten. Ihr Hauptauftrag ist aber nicht, die Verantwortungsträger zu kritisieren, sondern für sie zu beten.
Gerade Menschen, die große Verantwortung für andere tragen, sind besonders auf unsere Fürbitte angewiesen. Bitten wir Gott, dass er ihre Herzen für das Evangelium öffnet. Bitten wir ihn, dass er ihr Gewissen schärft und seine Gebote Leitlinie für ihr Handeln und Entscheiden sind. Viele Beispiele aus der Geschichte zeigen, wie Einstellungen und Entscheidungen von Mächtigen durch die Macht des Gebets verändert wurden. Gott will unser Gebet.
Paulus schreibt: "Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen." Die Wahrheit trägt einen Namen: Jesus Christus. Er sagt von sich: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben." Von Jesus können wir beten lernen. Er war immer in der Zwiesprache mit seinem himmlischen Vater. In seiner Bergpredigt gibt er wichtige Tipps für das Beten. Das Vaterunser ist das Muster- und Modellgebet. Diese Welt braucht unser Gebet.
Reinhold Schneider sagte einmal: "Ich verstehe nicht mehr von der Welt, als dass man für sie beten muss - und immer mehr beten, je größer und dunkler sie wird." Des Christen Handwerk ist beten! Üben wir unser Handwerk aus!

Dekan Michael Wehrwein, Lohr am Main

Wir beten: Vater im Himmel, wir danken dir, dass wir mit dir reden können. Du hörst alle unsere Gebete. Du kennst uns und diese Welt. Du kannst Situationen und Menschenherzen verändern. Es ist gut zu wissen, dass dir und deinem Sohn Jesus Christus alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben ist. Amen.

Lied 344: Vater unser im Himmelreich.

Diese Woche - Archiv - Editorial - Geschichte - Redaktion - Abo-Service - Anzeigen - Evang. Reisedienst - Impressum
© 2000-2004 ROTABENE! Medienhaus