Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 18)

Seelenhygiene am Arbeitsplatz

Als Betriebspfarrerin in einem schwäbischen Großbetrieb

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Pfarrerin Meier-Scheerer ist auf dem Firmengelände präsent: Zu Besuch am Arbeitsplatz der Mitarbeiter
   

Etwa zweimal die Woche schlüpft Pfarrerin Meier-Scheerer in Uniform, wenn es darum geht, ihre "Gemeinde" am Arbeitsplatz zu besuchen. Dann lässt sie sich einkleiden, um allen Hygienevorschriften zu genügen. Meier-Scheerer ist Seelsorgerin für über 2400 - auch bayerische - Beschäftigte des Großunternehmens Merckle/ratiopharm in Ulm und Blaubeuren.
Bereits seit Anfang der neunziger Jahre haben Theologinnen in dem Betrieb gearbeitet - junge Pfarrerinnen, die nach dem Vikariat auf die Anstellung durch die Landeskirche warteten. Die ehemalige Firmenchefin Ruth Merckle, die auch dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angehörte, wollte so eine Begegnungsmöglichkeit zwischen Kirche und Unternehmen schaffen. Solche "Wirtschaftsvikariate" gibt es in vielen Landeskirchen: Teils werden sie von den Kirchen, teils von den Firmen finanziert. Sie ermöglichen es jungen Pfarrerinnen und Pfarrern, in einem Betrieb Erfahrungen zu sammeln, bevor sie mit der Gemeindearbeit beginnen. Bei Petra Meier-Scheerer ist das anders: Mit ihr hat das Unternehmen erstmals eine Pfarrerin eingestellt, die schon fest im Berufsleben stand. Und das nicht nur für kurze Zeit: Bereits seit drei Jahren arbeitet die Theologin bei Merckle, von der Landeskirche beurlaubt .
"Es hat mich gereizt, einmal in einem ganz anderen Umfeld zu arbeiten," sagt die 42-Jährige, die sich zuvor mit ihrem Mann eine Pfarrstelle nahe Ulm geteilt hat. Mit Betrieben hatte sie bisher wenig zu tun. Umso faszinierender ist es jetzt für sie, Einblick zu erhalten in einen Konzern, der weltweit Niederlassungen hat und einen Jahresumsatz von über 1,2 Milliarden Euro.

Zwischen Familie und Beruf

Mit ihrer Arbeit leistet Meier-Scheerer einen wichtigen Beitrag zur "Firmenhygiene". So ist die Theologin für die Beziehungspflege zwischen Konzern und Familien der Mitarbeitenden zuständig. Sie leitet den "Treffpunkt Mensch. Beruf, Familie und mehr", der von der Firmenleitung als Anlaufstelle für berufliche und private Probleme eingerichtet wurde. Mit einem eigenen Büro auf dem Gelände und fester Arbeitszeit ist sie in den drei Jahren zu einer Institution geworden - im Gegensatz zu ihren Vorgängerinnen, die dafür zu kurz im Betrieb waren.
Neben Lebensberatung bietet "Treffpunkt Mensch" Leistungen an, die es den Beschäftigten erleichtern sollen, Beruf und Familie zu vereinbaren. Das ist notwendig, denn zwei Drittel der Beschäftigten sind Frauen. Nicht zuletzt deshalb, weil bei Merckle viele niedrig qualifizierte Arbeitskräfte angestellt sind. Seit den neunziger Jahren durchdenkt ein Frauenprojektteam familienfreundliche Arbeitsmodelle. Mit ihm arbeitet Meier-Scheerer intensiv zusammen. Viel hat sich hier bereits getan: Das Unternehmen bietet seinen Mitarbeitern verlängerte Elternzeit, unterschiedliche Arbeitszeitmodelle und Telearbeitsplätze. Die Pfarrerin hält Kontakt zu Müttern in Elternzeit und organisiert regelmäßige Treffen. Sie ist auch erste Anlaufstelle für Fragen zum Wiedereinstieg in den Beruf. Dabei arbeitet sie eng mit der Personalabteilung zusammen. Mit dieser berät sie über Anträge und versucht den Müttern den Einstieg leicht zu machen. Auch wenn nicht allen Vorstellungen nachgekommen werden kann. Hier stehen manchmal soziale und betriebswirtschaftliche Interessen gegeneinander. So ist die Pfarrerin einerseits froh über die Einrichtung einer Betriebsgruppe in der nahe gelegenen Kindertagesstätte. Eine Unterbringungsmöglichkeit für Kinder unter drei Jahren sei dringend notwendig gewesen. Andererseits sieht sie, wie begrenzt dieses Angebot ist. "14 Plätze sind viel zu wenig." Finanzielle Überlegungen hätten dabei eine Rolle gespielt. Hier ist diplomatisches Geschick gefragt. "Meine Position wird bei Verhandlungen immer ernst genommen" - darüber ist die Theologin froh.

Eigene Erfahrungen

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Im Büro von "Treffpunkt Mensch". Fotos: lü
   
Was Familienorganisation bedeutet, weiß die Seelsorgerin aus eigener Erfahrung. Die Mutter von zwei 13- und 15-jährigen Söhnen hat sich den Schritt in die Vollbeschäftigung gründlich überlegt. Jetzt arbeitet ihr Mann in der Gemeinde und sie im Betrieb. Absprache und Zeitmanagement gehören für Meier-Scheerer zum Alltag wie für viele Frauen in der Firma. Auch darin profitiert der Konzern von der Anstellung einer erfahrenen Pfarrerin. Als Seelsorgerin für die Beschäftigten nimmt sich Petra Meier-Scheerer viel Zeit für Gespräche. Sie ist auf dem Gelände präsent, im Büro von "Treffpunkt Mensch", aber auch in der Kantine, selten in der Produktion. Bei tieferen Fragen und Problemen melden sich die Mitarbeiter bei ihr und vereinbaren einen Termin. Manche Gespräche drehen sich um den Glauben. Da kommt es vor, dass jemand fragt: "Beten Sie mit mir?" Andere möchten erzählen oder bitten um finanzielle Unterstützung. "Wichtig ist der Montagmorgen", hat die Seelsorgerin erfahren. "Am Wochenende kommt so manches hoch. Das muss dann gleich am Morgen erzählt werden." Seelenhygiene am Arbeitsplatz.

Schweigepflicht respektiert

Die Pfarrerin wird auch von der Geschäftsleitung informiert, wenn Mitarbeiter einen Schicksalsschlag erlitten haben, oder länger krank sind. Sie zeigt Anteilnahme und versucht zu vermitteln, wenn berufliche Probleme auftreten. Was ihr gesagt wird, dringt nicht zur Geschäftsleitung vor. Das wissen die Betroffenen, die Verantwortlichen respektieren es.
Neben ihrer seelsorgerlichen Tätigkeit ist es Meier-Scheerer auch möglich, christliche Impulse in den Konzern einzubringen - ganz im Interesse der Firmenleitung. So verschickt sie in der Weihnachtszeit einen Adventskalender mit christlichem Gedankengut über E-Mail an die Mitarbeiter. Sie begleitet Auszubildende auf ihr Seminar im Kloster Volkenroda (Thüringen), gestaltet Tageszeitgebete mit ihnen und steht zu Gesprächen bereit. Im Betriebsalltag fällt das kaum ins Gewicht. "Wer sich nicht für christliche Inhalte interessiert, der wird davon wenig mitbekommen", meint die Theologin.
In dem Betrieb fühlt sich Petra Meier-Scheerer gut anerkannt. "Kritische Stimmen bekomme ich auch nicht zu hören." Als Theologin vor Ort will sie nicht missionieren: "Aber, dass ich von Christus Gutes erfahren habe, das möchte ich weitergeben." Als "Gemeinde", sieht sie die Belegschaft des Unternehmens jedoch nicht an. "Alle haben ihre Gemeinden außerhalb der Firma. Da trete ich nicht in Konkurrenz dazu." Auf eine Firmenhochzeit oder -taufe wird die "Merckle-Familie" also noch warten müssen. Anne Lüters

 

 


 

Neutraler Beobachter oder Kind Gottes sein?

Wer da glaubt, dass Jesus sei der Christus, der ist von Gott geboren; und wer da liebt, den, der ihn geboren hat, der liebt auch den, der von ihm geboren ist. Daran erkennen wir, dass wir Gottes Kinder lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten. Denn das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer, denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

1. Johannes 5, 1-4



Evangelisches Sonntagsblatt
 
Wer ein kleines Baby betrachtet, versteht besser, wovon Paulus spricht: Das neue Leben ist da - ein bisschen geboren werden, das gibt es nicht. Foto: Wodicka
 

Ostermontag, die Verwandtschaft ist zusammen. Es gibt Kaffee und Torte, die Kinder haben ihre Nester gefunden, jetzt spielen sie. Die Erwachsenen erzählen: vom letzten Urlaub, von der neuen Arbeit, von gemeinsamen Bekannten. Und dann Andreas Frage an mich: "Du weißt, ich bin nicht religiös. Aber Du bist Christ. Was denkst du persönlich über Jesus Christus?" Die Unterhaltung nimmt eine unerwartete Wendung. Jetzt geht es um eine kon-krete Antwort. Und ich? Ich erkläre, werde theoretisch, ich antworte ausweichend. Andrea verdreht die Augen: "Ich hab's befürchtet. Ich stell Dir eine einfache Frage und Du antwortest mit einem Roman."
Als Anwalt Jesu habe ich mich versucht, sachlich, nüchtern, überlegt wollte ich antworten. Schließlich habe ich gar nichts gesagt. Später am Abend lese ich im ersten Johannesbrief. Einfach, klar, unverkrampft, seelsorgerlich beschreibt er, was ein Christ ist und wie sich das auswirkt. Er benutzt ein verständliches und einleuchtendes Bild: Christen sind Neugeborene. Wann haben Sie zum letzten Mal ein Neugeborenes gesehen, vielleicht sogar auf dem Arm gehabt? Da gibt es nichts zu erklären und zu theoretisieren. Das neue Leben ist da. Ein bisschen geboren werden, das gibt es nicht. Wer an Jesus Christus glaubt, ist so eine Neugeburt. Die Engel im Himmel feiern Feste, sobald ein Mensch Christ wird.
Ich forsche weiter bei Johannes: Was geschieht, wenn ein Mensch Christ geworden ist? Wenn er, wie Johannes es ausdrückt, "von Gott geboren ist?" Da ist erst einmal die Liebe zu Gott und Jesus Christus. Am Leben des Johannes wird diese Liebe anschaulich. Im hohen Alter noch ist Johannes begeistert: Begeistert vom Wunder des neuen Lebens, das er in Jesus Christus bekommen hat. Johannes ist Augen- und OhrenzeugeJesu Christi. Johannes ist nicht Verteidiger der Idee des Glaubens, die er aus der Aktenlage kennt. Zeuge ist er, mit allen Fasern seines Lebens.
Jubilate - jauchzt dem Herrn alle Lande! - so heißt der vierte Sonntag nach Ostern. Johannes ist einer, der jauchzt und sich freut. Johannes weiß von der Kraft, der dynamik des Glaubens, die er nur mit einer Neugeburt vergleichen kann, so radikal neu, so anders ist alles geworden.
Soweit Johannes. Zurück zu meinem Osterkaffee im Familienkreis. Als Kind Gottes weiß ich, die Nähe und die Liebe des Vaters kann ich wieder suchen. Wie das praktisch gehen kann? Ich reihe mich ein in die Familie Gottes. Ich lese die Berichte der Augen- und Ohrenzeugen Jesu im Neuen Testament. Ich gehe dorthin, wo Christen sind, und feiere den auferstandenen Herrn. Ich mache den Mund auf, damit Gottes Wort und Wille gehört wird.
Ich lese (zum Beispiel im Sonntagsblatt), was meine Glaubensgeschwister in der Gemeinde Jesu hier in Bayern, aber auch in unseren Partnerkirchen bewegt und bete für sie. Ich verschließe meine Augen nicht vor Schuld und Leid. Doch weiß ich, dass die Vergebung gilt und Neuanfang möglich ist. Die Last der Gemeinde Jesu liegt nicht auf meinen Schultern, sondern Gott selber sorgt dafür, dass die Pforten der Hölle sie nicht überwinden werden. Ich freue mich, weil ich neues Leben habe. Und ich hoffe und bete, dass die Begeisterung beim nächsten Familienfest ansteckend wirkt.

Schwester Evelyn Dluzak, Puschendorf

Wir beten: Herr, Gott, himmlischer Vater. Du schaffst neues Leben. Dein Sohn Jesus Christus ist der Garant dafür. Du lässt deine Menschen nicht in der Hoffnungslosigkeit, in der Angst und in sich selbst gefangen. Du öffnest neue Perspektiven. Dieses Geschenk des neuen Lebens soll Andere einladen und anstecken. Es soll wieder neues Leben wecken. Herr, hilf dazu. Amen.

Lied 617: Jubilate Deo.

Diese Woche - Archiv - Editorial - Geschichte - Redaktion - Abo-Service - Anzeigen - Evang. Reisedienst - Impressum
© 2000-2004 ROTABENE! Medienhaus