Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 17)

Unübertroffenes Lehrbuch für Glaube und Leben

Vor 475 Jahren erschienen Luthers Kleiner und Großer Katechismus

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So könnte Luther ausgesehen haben, als er die beiden Katechismen schrieb. Der Maler Karl Bauer bemühte sich um ein ansprechendes Lutherbild.
   

Hat es nach 475 Jahren ausgedient - das kleine Lehrbuch für Glauben und Leben der evangelisch-lutherischen Kirche? Das Jubiläum gibt Anlass zu dieser Frage. Der Text des Kleinen Katechismus steht zwar im Gesangbuch. Aber nur noch wenige lernen und können ihn auswendig. Dabei waren seine gut 2.500 Wörter über Generationen hinweg ein Grundbestand im Gedächtnis evangelischer Christen. Sie wussten, woran sie glauben und wie sich der Glaube im Leben bewährt.

Versäumnisse der Kirche

Zur Zeit, als der Kleine Katechismus entstand, war das anders. Die Frömmigkeit der Menschen des ausgehenden Mittelalters wurde vor allem durch Wunderglauben, die Angst um das Seelenheil und Rituale geprägt. Das hatte seine Gründe in Versäumnissen der Kirche. Die Grundsprache des Gottesdienstes war Latein. Um die deutsche Predigt und die Glaubenslehre stand es gleichermaßen schlimm, vor allem auf dem Lande. Die Geistlichen waren schlecht bezahlt, ungebildet und den Anforderungen ihres Berufs nicht gewachsen.
Martin Luther, seine Mitarbeiter und Förderer standen vor einer ungeheuren Aufgabe, als sie das eigentliche Werk der Reformation begannen. Sie mussten dem Volk einen neuen Zugang zum christlichen Glauben verschaffen. Zu einem Glauben, der dem Evangelium entsprach und sich bei den Anforderungen des Lebensalltags bewährte. Der Glaubensunterricht sollte seinen Platz vor allem in der Predigt haben. Luther stellte sich das 1526 in seiner Schrift "Deutsche Messe und Ordnung des Gottesdienstes" so vor: "Im deutschen Gottesdienst ist ein grober, schlichter, einfältiger Unterricht vonnöten. Katechismus aber heißt ein Unterricht, damit man die Heiden, die Christen werden wollen, lehret und weiset, was sie glauben, tun, lassen und wissen sollen im Christentum."
Zum Lehrstoff gehörten die zehn Gebote, Glaubensbekenntnis und Vaterunser. Dazu kamen noch Taufe und Abendmahl, die beiden Sakramente, an denen die Reformation festhielt. Wie aber sollten diese "Hauptstücke" einem Christenmenschen lebensnah vermittelt werden? Der Mangel an geeigneten Lehrern auf den Kanzeln und in den Schulen war längst nicht behoben. Im Kurfürstentum Sachsen und anderen zur Reformation neigenden Gebieten wurden deshalb Visitationen durchgeführt. Eine Kommission von geistlichen und weltlichen Beauftragten der Regierung besuchte die Ortschaften. Die Pfarrer und Lehrer wurden überprüft, ebenso ihre Arbeitsbedingungen. Philipp Melanchthon gab im "Unterricht der Visitatoren" aus dem Jahre 1528 dazu genaue Anweisungen. So erwartet er von den Schulmeistern, dass sie "die Kinder lehren den Anfang eines christlichen und gottseligen Lebens. Und es soll so gehalten werden, dass einer nach dem anderen ansage das Vaterunser, den Glauben und die zehn Gebote." Im Anschluss daran erklärt der Lehrer jeweils eines der Hauptstücke.
Die Wirklichkeit sah noch ganz anders aus. Melanchthon berichtete: "Mein Herz blutet, wenn ich diesen Jammer sehe. Ich gehe oft beiseite und weine meinen Schmerz aus, wenn wir mit der Untersuchung eines Ortes fertig sind." Luther, der in der näheren Umgebung Wittenbergs unterwegs war, machte dieselben Erfahrungen. Es wurde klar, dass in Sachen der Glaubenslehre sowohl den Jungen als auch den Pfarrern und Schulmeistern etwas in die Hand gegeben werden musste. Eine kürzere Fassung des Lernstoffs für die einen, ein ausführliches Lehrbuch für die anderen, das ihnen Vorlagen für die Gestaltung von Predigt und Unterricht gab.
Martin Luther dachte zunächst daran, dass seine Mitarbeiter sich der Aufgabe unterziehen sollten. Sie begannen damit, aber Luther konnte es doch nicht lassen. Im Herbst 1528 musste er in Wittenberg den Stadtpfarrer Bugenhagen vertreten und hielt die an der Stadtkirche bereits eingeführten Katechismuspredigten. Aus den Niederschriften entstand der umfangreiche "Deudsch Catechismus", der später als großer bezeichnet wurde. Er verließ Mitte April 1529 zum ersten Mal die Druckerpresse.

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So stellte es sich der Maler Gustav König vor: Luther selbst lehrt seinen Katechismus, indem er auf die Tafel mit dem 2. Hauptstück zeigt. Fotos: privat
   
Daneben hatte Luther eine Kurzform nach dem Prinzip von Frage und Antwort verfasst. Schon im Januar hingen in seinem Arbeitszimmer die später so berühmten "Tafeln", Plakate mit jeweils einem Hauptstück des Katechismus. Sie wurden im März gedruckt, zum besseren Erlernen des Textes in Schule und Haus. Nur ein einziges Exemplar davon ist erhalten geblieben. Im Mai kam dann die Buchausgabe heraus. In der Vorrede an "alle treuen, frommen Pfarrherrn und Prediger" heißt es: "Diesen Katechismus oder christliche Lehre in solche kleine, schlichte, einfältige Form zu stellen hat mich gezwungen und gedrungen die klägliche und elende Not, so ich neulich erfahren habe, da ich ein Visitator war. Hilf, lieber Gott! Wie manchen Jammer habe ich gesehen, dass der gemeine Mann doch so gar nichts weiß von der christlichen Lehre, und leider viel Pfarrherren gar untüchtig und ungeschickt sind zu lehren."
Ihnen gab Luther die Anweisung, "dass der Prediger vor allen Dingen sich hüte und meide mancherlei oder anderlei Text und Form der Zehn Gebot, Vaterunser, Glauben, der Sakramente usw., sondern nehme einerlei Form für sich, worauf er bleibe und dieselbe immer treibe." Diese Form war der im Kleinen Katechismus abgedruckte Text. Die Auslegungen Luthers wurden ebenfalls verbindlich. Hinzu kamen noch ein Morgen- und Abendsegen sowie Gebete vor und nach dem Essen.

Eine Meisterleistung

Der kleine Katechismus Luthers war in seiner Verständlichkeit und Volkstümlichkeit eine Meisterleistung. Noch heute spürt man: Luther hat ihn nicht als Theologieprofessor am Schreibtisch verfasst. Die treffenden Worte und Bilder hatte der Prediger gefunden, der jungen und alten Christenmenschen Auge in Auge gegenüber stand. Er kannte ihre Lebenswelt im Guten und im Bösen. Luther erwartete, dass der Katechismus in den Schulen, aber auch in den Familien durchgenommen würde. Hier sollten die Hausväter seine Lehrer sein. Trotzdem musste er nicht aufgezwungen werden. Er kam den Menschen entgegen in ihrem Hunger nach einem Gott wohlgefälligen, sinnerfüllten Leben. Der Reformator selbst stellte seinen Katechismus jeden Tag neu auf die Probe, indem er ihn betete. Viele andere taten es ihm gleich. Justus Jonas, ein enger Mitarbeiter, urteilte: "Luthers Kleiner Katechismus ist wohl nur ein klein Büchlein, das man um sechs Pfennige kaufen kann, aber 6.000 Welten vermögen ihn nicht zu bezahlen."

Christoph Schmerl

 

 


 

Der Hirte kümmert sich um seine Schafe

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Psalm 23, 1-4



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PIn Psalm 23 wird Gott mit einem Hirten verglichen: Wie ein Schäfer kümmert er sich um seine Schafe und seine Fürsorge ist verbunden mit Risiko, Verantwortung und Zeit. Foto: Saalfrank
 

Ein Hirte mit seiner Herde - allein diese Vorstellung bringt in vielen von uns tiefe Schichten zum Schwingen. Ob Kind oder Erwachsener, wir wissen, wir fühlen und wir spüren, dass der gute Hirte die ihm anvertrauten Schafe liebevoll umsorgt und sich rührend um sie kümmert. Mit allen Kräften setzt er sich dafür ein, damit es ihnen an nichts mangelt. Wie ein Hirte jedes einzelne Schaf kennt, so ist jeder von uns Gott von Kindesbeinen an bekannt. Und vielleicht hörten die meisten von uns diesen Psalm auch zum ersten Mal als Kinder, als er mit ihnen an ihrem Bett gebetet wurde. Die wunderschönen Bilder, die vor friedvoller Atmosphäre nur so strotzen, vermitteln uns Geborgenheit, lassen uns ruhig werden und trösten uns. Gerade am Abend ist es gut, auf den vergangenen Tag zurückzublicken, sich zu erinnern an die grünen Auen, die uns erfreuten und an das frische Wasser, das uns erquickte, um dann zuversichtlich sagen zu können: "Du bist bei mir". Manchem von uns erscheinen die Worte des dreiundzwanzigsten Psalmes vielleicht allzu idyllisch, ja grenzen geradezu an Kitsch und stehen in einem krassen Widerspruch zu dem, was sie in ihrem eigenen Leben oder in dem Leben anderer Menschen wahrnehmen. Sicher kennt jeder von uns Situationen, in denen er nur das "finstere Tal" sieht. Denn neben so manchen grünen Auen mit frischem Wasser gibt es auch die finsteren Täler. So ist das Leben! Das weiß auch unser Beter dieses Psalmes. Aber er weiß auch noch etwas anderes. Auf seinem Weg durch das Leben hat er Trost erfahren in den finsteren Tälern. So wie viele von uns in ihrem Leben immer wieder Leid- und Krisensituationen durchmachen mussten, um getröstet aus ihnen heraus zu kommen. Im Hebräischen, im Urtext dieses alten Gebetes steht das Wort "trösten" in engem Zusammenhang mit "Atem" oder "atmen". Wer getröstet ist, dessen Atem stockt nicht mehr. Vielmehr atmet er mit einem tiefen, hörbaren Ach-Seufzer wieder auf, wenn wieder alles gut ist, wenn wieder Hoffnung besteht und das finstere Tal durchwandert ist, wenn Vertrauen gefasst ist und man angesichts schmerzlicher Erfahrung sagen kann: "Du bist bei mir". "Du bist bei mir." Meistens nehmen wir die Fürsorge und die Begleitung Gottes auf unserem Weg im Leben gar nicht bewusst wahr, weil wir viel zu sehr mit uns und unseren alltäglichen Aufgaben beschäftigt sind wie Schafe, die zufrieden blöken, wenn sie nur genug zum Fressen und zum Saufen haben. Aber tief in uns wünscht sich doch jeder, nicht allein gelassen zu werden, sondern von einem begleitet zu werden, der uns auf dem Lebensweg nahe ist wie ein Hirte. Selbst heute ist der Beruf des Hirten alles andere als ein Idyll. Ob an Werktagen oder an Feiertagen, bei schönem oder schlechtem Wetter, im Sommer oder im Winter - der Schäfer kümmert sich um seine Schafe und seine Fürsorge ist verbunden mit Risiko, Verantwortung und Zeit. In unserem Psalm wird Gott mit so einem Hirten, so einem Schäfer verglichen. Gott als Schäfer. Einer, der mit einem wallenden weiten langen Mantel und mit einem großen Hut bekleidet, auf seinen Hirtenstab gestützt, seine Herde im Auge behält und mit dem Einsatz seines eigenen Lebens dafür sorgt, dass keinem von ihnen es an irgendetwas mangelt. Obwohl die Bibel auch andere Bilder kennt, um Gott mit irdischen Gestalten zu vergleichen, mir gefällt das Bild von meinem Gott als Hirten am besten. Denn vor so einem Gott brauchen wir keine Angst zu ha-ben, sondern können voller Vertrauen durchs Leben gehen mit der Gewissheit, dass er bei uns ist.

Steffi Beck-Seiferlein
Pfarrerin in Bechhofen

Wir beten: Guter Gott, in unserem Leben durchwandern wir Höhen und Tiefen. Wir sind auf unseren Wegen auf deine Nähe angewiesen. Deshalb bitten wir dich, dass du bei uns bist und uns in unserem Leben führst und begleitest. Mache uns auch aufmerksam auf Menschen, die du uns an die Seite stellst, um durch sie deine Nähe zu erfahren.

Lied 274: Der Herr ist mein getreuer Hirt.

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