Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 16)

"Großartige Geschenke gab es nicht"

Konfirmation vor 50, 60 und 70 Jahren - Drei Frauen erzählen

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Gunda Seeger, die vor 70 Jahren in St. Michael-Fürth eingesegnet wurde.
   

Durch das "Gesetz über den Neuaufbau des Reiches" wurden 1934 die Länderparlamente aufgelöst und ihre Hoheitsgewalt auf das Reich übertragen. Es folgte die Abschaffung des Reichsrates. Nach Hindenburgs Tod lässt Adolf Hitler die Wehrmacht auf sich selbst vereidigen. Er trägt von nun an den Titel "Führer und Reichskanzler". Die in Niemöllers "Pfarrernotbund" organisierte evangelische Kirche distanziert sich in den "Barmer Erklärungen" vom NS-Staat und stellt sich gegen Reichsbischof Ludwig Müller.

"Es waren schlechte Zeiten"

Gunda Seeger hat die Ereignisse des Jahres 1934 noch gut im Gedächtnis. Sie war damals 14 Jahre alt und wurde in der Fürther Kirche St. Michael konfirmiert. "Es waren schlechte Zeiten", sagt die heute 84-Jährige. Da ihr Vater als Alleinverdiener fünf Kinder durchzufüttern hatte, war das Geld knapp: "Große Geschenke erwartete ich zur Konfirmation nicht", fügt sie hinzu. Gefeiert wurde trotzdem - bei Kaffee und Kuchen im Kreis der Familie.
An den festlichen Gottesdienst denkt sie noch gerne zurück: "Wir waren alle sehr nervös." Kein Wunder, schließlich mussten die jungen Leute dabei zeigen, was sie vom Unterricht mitbekommen hatten. "Der Pfarrer rief jemanden auf, der vor versammelter Gemeinde einen Psalm oder die zehn Gebote aufsagen sollte", erzählt Gunda Seeger. Allerdings waren die KonfirmandInnen hervorragend vorbereitet und hatten alles gelernt. "Zu dieser Zeit waren die Jugendlichen eben noch gut und im Glauben erzogen", sagt die 84-Jährige. Zehn Jahre später war das nicht viel anders. "Gegenüber dem Pfarrer und seiner Frau hatten wir großen Respekt", betont Irmgard Laska. Und auch der Kirchgang gehörte mit dazu. "Wir waren jeden Sonntag im Gottesdienst, zuerst im Kindergottesdienst und wäh-rend der Konfirmandenzeit im normalen Hauptgottesdienst", sagt die 72-Jährige. Und das ganz freiwillig, ohne dass die Mutter sie dazu aufgefordert hätte.

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Erika Veit zu sehen, die vor 50 Jahren in Hersbruck konfirmiert wurde. Fotos: Kusch
   
1944 als sie in Uttenreuth bei Fürth konfirmiert wurde, sei es üblich gewesen, bei den Eltern Abbitte zu leisten, berichtet Irmgard Laska. Es sei ihr gar nicht so leicht gefallen, diesen Satz zu sagen: "Verzeiht uns, wenn wir etwas Schlechtes gemacht haben", gibt die 72-Jährige zu. Einfacher fiel ihr dann die Konfi-Prüfung, die ebenfalls in der Kirche - vor versammelter Gemeinde und den Eltern - über die Bühne ging: "Die Fragen waren kein Problem, ich hatte in Religion immer eine Eins", schmunzelt Irmgard Laska.
Ob sie zur Konfirmation eine Menge Geschenke bekommen hat? Von wegen! "1944 war eine schwere Zeit", sagt sie. Als Jüngste von drei Kindern musste sie bei den Bauern mitarbeiten, um für das Auskommen der Familie einen kleinen Beitrag zu leisten. "Meine Verwandten schenkten mir einen Blumenstock, ein paar Taschentücher aus Stoff und ein paar Mark", blickt sie zurück. Die heutigen KonfirmandInnen würden doch viel zu viel Geld bekommen. Wobei sie das nicht nur negativ beurteilt. Schließlich freut sich jeder über Geschenke. "Allerdings sollten sich die Angehörigen schon überlegen, was sie an Präsenten überreichen und ob die Jugendlichen das tatsächlich brauchen", sagt sie.
Erika Veit stimmt dem zu: "Die jungen Menschen wachsen anders auf als wir. Sie sind das gewohnt, alles zu besitzen, was sie sich wünschen", unterstreicht die Fürtherin. Bei ihr, die vor 50 Jahren in Hersbruck konfirmiert wurde, sei dies noch ganz anders gewesen. "Wir hatten nicht viel Geld. Da gab es sogar noch die kostenlose Schulspeisung", erzählt Erika Veit. Der wirtschaftliche Aufschwung kam erst langsam in Gang. So gab es zum Fest ein paar Lebensmittel vom Geschäftsmann an der Ecke, eine Schachtel Pralinen oder ein umhäkeltes Taschentuch - das sei aber auch schon das Höchste gewesen. An ihre Konfirmation denkt sie trotz aller Armut gerne zurück: "Dies war ein wichtiger Baustein für meinen jetzigen Glauben", sagt sie.
Die Frage nach ihrem Konfirmationsspruch wird deshalb auch sofort beantwortet: "Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein" (Johannes 12, Vers 26). Diese Nachfolge Christi ist für sie auch heute noch von großer Bedeutung.

Geld ist nicht das Wichtigste

Was sie den derzeitigen Konfirmanden mit auf den Weg geben würde? "Ich wünsche Ihnen mehr Zufriedenheit", sagt sie. Sie sollen erkennen, dass Geld nicht das Wichtigste im Leben ist.
Denn nur wenn man zufrieden mit sich selbst sei, könne man eine solche zufriedene Haltung auch an Andere weitergeben. Außerdem wür-de sie sich wünschen, dass die jungen Menschen nach der Konfirmation ihrer Gemeinde treu bleiben. "Es wäre schön, wenn der Glaube bei ihnen auch danach noch eine tragende Rolle spielt", betont Erika Veit.
Dass die meisten Jugendlichen nach der Konfirmation nicht mehr in den Gottesdienst gingen, kritisiert sie nicht: "Das ist bei vielen Erwachsenen nicht anders". Heute zähle eben nur noch, was "cool und 'in' ist oder Action verspricht".

Günter Kusch

 

 


 

Im Gottesdienst alltäglich loben

Ich liebe den HERRN, denn er hört die Stimme meines Flehens. Er neigte sein Ohr zu mir; darum will ich mein Leben lang ihn anrufen. Stricke des Todes hatten mich umfangen, des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen; ich kam in Jammer und Not. Aber ich rief an den Namen des HERRN: Ach, HERR, errette mich! Der HERR ist gnädig und gerecht, und unser Gott ist barmherzig. Der HERR behütet die Unmündigen; wenn ich schwach bin, so hilft er mir.

Psalm 116



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Im Alltäglichen Gott entdecken - und davon reden. Foto: Wodicka
 

"Nach dem nächsten Lied", so kündigt der Liturg den Gottesdienstbesuchern an, "haben Sie Gelegenheit, von Erfahrungen mit Gott in Ihrem Alltag zu berichten. Damit lade ich Sie ein, das Lob Gottes in eigenen Worten anzustimmen. Viele Lieder in unserem Gesangbuch, aber auch im Gesangbuch Israels, den Psalmen, sind so entstanden. Menschen haben notvolle Situationen erlebt, Krankheit, Todesangst, und ihr Gebet wurde erhört. Manchmal sind es nicht die großen Ereignisse, sondern kleine unscheinbare Begebenheiten. Und wir übersehen, dass unser Herr darin handelt. Es genügen ein paar Sätze, in denen Sie Ihre persönliche Erfahrung mit Gott aussprechen."
Nach dem anschließenden Gemeindelied noch eine kurze Regiean-weisung: "Sie können einfach aufstehen und von ihrem Platz aus zur Gemeinde sprechen." Danach herrscht für einige Augenblicke Schweigen. Vieles geschieht jeden Tag, wovon zu Reden sich lohnt: Jemand, der krank war, ist wieder wohl auf - selbstverständlich macht der Tipp für das hilfreiche Hausmittel oder den behandelnden Arzt die Runde. Einem rast- und ratlosen Abteilungsleiter ist es in den vergangenen Monaten gelungen, mit einer neuen Meditationsübung wieder inneren Frieden zu finden - er hat ein Buch, das er empfiehlt. Solche Erfahrungen werden ganz selbstverständlich weitergesagt - im Alltag. Aber im Gottesdienst? Mit einem innigen Bekenntnis beginnt der Beter des Psalms. Sein Gebet ist erhört worden. Die Erfahrung, dass Gott ihm entgegen gekommen ist, behält er nicht für sich. Das Danklied des Einzelnen ist zum Loblied der Gemeinde geworden, weil hier einer den Mut gehabt hat, seine persönliche Gotteserfahrung preis zu geben.
Nach Augenblicken der spannungsvollen Stille steht eine Gottesdienstteilnehmerin auf. Sie berichtet von einem verlorenen Gegenstand, den sie am Abend zuvor ganz dringend gebraucht hätte, aber nicht fand. Am diesem Sonntagmorgen habe sie ihre Enttäuschung an Jesus abgegeben. Und im nächsten Moment habe sie erlebt, wie nicht mehr der Verlust ihr Denken gefangennahmen, sondern sie voll Freude über den Sonnenschein in den Tag gehen konnte. Nacheinander stehen Menschen in diesem Gottesdienst auf, und berichten von sehr bewegenden Erfahrungen mit Gott.
Lebensbedrohliche Situationen wurden nicht erwähnt, eher kleine, alltägliche Erfahrungen mit Gott. Aber die gottesdienstliche Gemeinde war tief ergriffen von den zahlreichen Berichten. Manches war so anrührend, dass Tränen flossen, anderes provozierte Lachen.
Für das Entgegenkommen Gottes haben wir kein Abonnement. Mit unserem Gebet können wir uns seine Gerechtigkeit und Barmherzigkeit nicht verdienen. Mancher verlorene Gegenstand bleibt trotz Gebet unauffindbar. Und dennoch: Es gibt genügend Anlässe in unserem Alltag, die der Rede wert sind. Erlebnisse, die wir als Zeichen von Gottes Liebe und Kraft ansehen und glauben können. Welch eine Freude ist es, wenn Menschen Gelegenheit dazu haben und den Mut finden, dies anderen weiterzusagen. Sie stiften andere Menschen an, aufmerksamer durch den Alltag zu gehen. Und solche die dem Glauben gegenüber distanziert sind, erkundigen sich nach "diesem Jesus" der offenbar ganz praktisch etwas mit ihrem Alltag zu tun haben will.
Und wenn Sie selber in die Verlegenheit kommen und die Gelegenheit haben im Gottesdienst, oder woanders von Erfahrungen mit Gott in ihrem Alltag zu erzählen, dann können Sie auch um diesen Mut beten. Letztlich geht es darum, dass es eine lebendige Hoffnung gibt durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten - darauf sollten wir, wie selbstverständlich und empfehlend hinweisen!

Pfarrer Heiner Frank, Craheim

Wir beten: Danke Herr, dass wir dich im Alltag erfahren. Nichts ist dir zu groß oder zu klein, worum wir dich bitten. Über das Wunder der Auferstehung Jesu staunen wir. Über den Zeichen deiner Liebe preisen wir dich. Gib uns den Mut von dem weiterzusagen was wir von dir gehört und mit dir erlebt haben. Amen.

Lied 292: Das ist mir lieb, dass du mich hörst.

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