Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 14)

Die Passionsspieler von Marktbergel

Aufführung des Leidensweges Jesu vor beeindruckender Kulisse geht unter die Haut

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Jesus (dargestellt vom Studenten Marc Eisenreich) wird verhaftet. Fotos: güs
   

Ihre Freilicht-Aufführung ist längst kein Geheimtipp mehr. Zwei- bis dreitauend Menschen pilgern jedes Jahr am Karfreitag ins Fränkische Freilandmuseum in Bad Windsheim, um sich dort das Passionsspiel des Nürnberger Schusterpoeten Hans Sachs anzuschauen. Selbst von weitem - etwa aus Oberbayern oder dem Rheinland - kommen inzwischen Besucher. Vor eindrucksvoller Kulisse spielen die Laiendarsteller aus dem Ort bei Bad Windsheim den Leidensweg Jesu nach - von der Ankündigung seines bevorstehenden Todes bis zur Kreuzigung.

Bewegender Moment

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Auf dem Weg hoch zur Hinrichtungsstätte muss Jesus sein Kreuz selbst tragen. Die Zuschauer machen eine Gasse für die fast 50 Mitwirkenden am Passionsspiel. Die gesamte Anhähe vor den Toren Bad Windsheims wird so zur Bühne. In diesem Jahr wird das Stück wieder um 14 Uhr im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim aufgeführt.
   
Seit 1984 führen die fast 50 Laiendarsteller das Stück des Nürnberger Schusterpoeten Hans Sachs auf. In den ersten Jahren erst nach dem Osterfest, seit längerem nun am Karfreitagnachmittag. Um 15 Uhr - zur Todesstunde Jesu - ist das 45-minütige Passionspiel vorbei. Manchmal erscheint es wie abgesprochen: Nachdem Jesus im Stück sein Haupt zur Seite neigte und verschied, läuteten im letzten Jahr im Hintergrund die Glocken der Bad Windsheimer Stadtkirche. Eine Szene, die unter die Haut ging.
Überhaupt erleben die Passionsspieler von Marktbergel sehr aufmerksame Besucher. "Wenn wir ihnen in die Augen schauen, merken wir, wie ihnen das Stück nahe geht", erzählen die Laiendarsteller. Es gebe viele ernste und nachdenkliche Gesichter. Für einige Zuschauer schwingt bei der Aufführung noch mehr mit. "Das Stück gibt uns soviel wie ein Gottesdienst", meinte ein Ehepaar. Das Publikum bleibt bei der Freilichtaufführung nicht in der Zuschauerrolle. Die Besucher ziehen bei der letzten Szene mit hinauf auf eine kleine Anhöhe vor den Toren der mittelfränkischen Stadt. Oben auf dem ehemaligen Müllberg werden drei Kreuze errichtet. Wie vor fast 2000 Jahren, wo Jesus auf einer Anhöhe vor den Toren Jerusalems mit zwei anderen Männern gekreuzigt wurde.
Für die Laiendarsteller, die jedes Jahr im Herbst auch ein lustiges Stück aufführen, ist das Passionsspiel mehr als eine bloße Inszenierung. "Jeder kommt wohl in seiner Rolle ins Nachdenken", vermutetet Regisseur Gerhard Gäß. So wollte sich der langjährige Jesus-Darsteller Herbert Arold selbst ein Bild von dem leidenden Gottessohn verschaffen: Er nahm die Bibel zur Hand und las sich die Passionsgeschichten in den Evangelien durch. Dabei gingen ihm Fragen durch den Kopf, zum Beispiel: "Wie kann es gelingen, Jesus glaubwürdig und eindrücklich zugleich dazustellen?" Die Passionsspieler von Marktbergel - unter ihnen auch Bürgermeister Karl-Heinz Eisenreich und sein Sohn Marc als derzeitiger Jesus-Darsteller - setzen nicht auf aufwändige Technik oder eindrucksvolle Gewänder. Sie führen das Stück ohne Mikrofon und Lautsprecher auf und tragen - je nach Rolle - schlichte, verschiedenfarbige Umhänge: Jesus und die Jünger sind weiß gekleidet, die Kriegsknechte schwarz.
Mit den Passionsspielern von Oberammergau wollen sich die Darsteller aus dem westmittelfränkischen Ort nicht vergleichen. "Es geht uns nicht in erster Linie um Perfektion oder um Geldverdienen", meint Herbert Arold. Wichtig sei vielmehr, die Passionsgeschichte mit einfachen Mitteln zu erzählen. Kein Wunder, dass sich die Idealisten aus Marktbergel deshalb für die Aufführung auch keine langen Haare oder Bärte wachsen lassen. "Wir wollen keinen Klischees entsprechen", bringt es ein Mitglied der Theatergruppe auf den Punkt, deren Aktive aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen und Bevölkerungsschichten kommen.

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Die Kreuzigung als bewegende Szene. Nachdem Jesus sein Haupt neigt und verstirbt, wird im Passionsspiel ein Vaterunserlied gesungen.
   

Kein Vergleich mit Kinofilm

Bei der Aufführung, bei der zwischen einzelnen Akten und Szenen jeweils Lieder gesungen werden, verzichten die Laiendarsteller auf Gewalt verherrlichende Szenen. "Das Stück ist in keiner Weise mit dem gegenwärtig laufenden Kinofilm von Mel Gibson zu vergleichen", stellt Dieter Hasselt klar. Für den Aktiven ist das Spiel vom Leiden Jesu mehr als ein Theaterstück: "Es geht hier um die wichtigste Geschichte, die es überhaupt gibt."
Günter Saalfrank

 

 


 

Durch Leiden zum Lobpreis gelangen

Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Philipper 2, 8-11



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Der Christuspsalm am Beginn der Karwoche verhilft zu einer neuen Sicht der Dinge: durch den Leidensweg Jesu weiter zu blicken auf den ganzen Weg Jesu Christi. Foto: Wodicka Foto: Wodicka
 

Ein Psalm auf den Christus Gottes: Ob sich einmal ein Kirchenmusiker daran wagt dieses Lied zu vertonen? Mit dem ganzen Text der Verse 5 bis 11 natürlich! Denn das ist ein Lied aus den Gottesdiensten der ersten Christen. Mit diesen Worten jubelte die christliche Gemeinde seit alters ihrem Heiland zu. Wo der Apostel Paulus das Lied kennenlernte wissen wir nicht. Der Palmsonntag eröffnet die Karwoche. Der Spott, die Folter, der Kreuzweg Jesu kommen in den Blick. Mel Gibsons Film "Die Passion Christi" nimmt das im Detail und blutig in den Blick.
Der große Christuspsalm am Beginn der Karwoche soll zum "Durchblick" helfen: Durch den Leidensweg Jesu und seinen Karfreitag hindurch zu sehen auf das Ganze des Weges Jesu Christi - mit seinem großartigen Ziel! Der Hymnus besingt in einem weiten Bogen das Geheimnis Jesu: Der Sohn Gottes, der "vor aller Zeit" beim Vater war, durch "den alles gemacht ist" - er verlässt die himmlische und herrliche Welt Gottes und wird Mensch. Sein Kommen in die Welt bedeutet, sich zu erniedrigen, - ja in einen Lebensraum einzutreten, in dem der Aufstand gegen Gott und seinen Willen kennzeichnend ist.
Die Welt, in die Jesus kommt, stellt sich als Tummelplatz der Dämonen heraus; die Macht Gottes wird darin im Regelfall bestritten. Kennzeichnend dort ist, dass jeder "sein will wie Gott." Jesus erliegt dieser urmenschlichen Versuchung nicht. Er geht seinen Weg im Gehorsam gegen Gott den Vater. Dieser Gehorsam führt Jesus ins Leiden, ja in den Tod. Tiefer als am Karfreitag kann der herunter gekommene Gott nicht in die irdische Existenz eintauchen: Gefoltert und verlassen wird er den erbärmlichsten Tod erleiden. Von dem galt, wer so stirbt, ist von Gott verflucht. Warum das alles? Wieso war Jesus dazu bereit?
Einmal, um für uns in die Bresche zu springen. Wir erinnerun uns: "Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten." Frieden mit Gott durch vergebene Sünde! Dass das grasse Missverständnis aufhört, Gott durch eigene Qualitäten und Erfolge Anerkennung abzuringen. Jesu Alternative: "Ich gebe mein Leben für die Schafe".
Zum anderen, um Gott die Ehre zu geben. Gehorsam bis ins Letzte. Sein Gehorsam hatte ein geistgewirktes Wunder zur Folge: Der Opfertod Jesu setzt Menschen in die Lage, dankbar gegen ihren Herrn lobpreisende Gemeinde zu sein. Der Kreuzweg Jesu und sein "Es ist vollbracht" am Karfreitag hat unter dem Wirken des Geistes Gottes die Kraft, dass Gemeinde entsteht. Sie ist ausgerichtet darauf, ihren Herrn anzubeten, ihm in ihrem Sein und Leben zu dienen und sein Herr-Sein zu proklamieren. Das zieht Kreise und stößt auf Ablehnung. Was ist nun der Name, der "über alle Namen ist"? Es ist der Name, mit dem die Gemeinde seit frühester Zeit ihr Bekenntnis aussprach: Jesus ist "der Herr" (kyrios)! Er hat nur die Ehre des Vater im Blick. Wer von ihm ergriffen wurde, möchte es auch: Gott die Ehre geben.
Die "Ehre" Gottes wird heute schon bejubelt im Gottesdienst der Gläubigen mit den Engeln und Heiligen. Sie wird einmal vollendet werden. Dann werden auch die ihm Widerstrebenden und Feindseligen, ja alle Kreaturen der irdischen und der über- und unterirdischen Welt wider Willen anerkennen müssen, was sie geleugnet haben: dass Jesus der Herr ist. Dieser Horizont tut sich am Beginn der Karwoche dem Glauben auf. Gott sei Dank!

Albrecht Immanuel Herzog, Pfarrer bei der Gesellschaft für Innere und Äußere Mission im Sinne der lutherischen Kirche, Neuendettelsau

Wir beten: Herr Jesus Christus, gib mir ein Herz voll Dank für deinen Leidensweg und schenke mir die Vergebung aller meiner Sünden. Gib deiner Kirche das Wort vom Kreuz, und gib ihr den Mut, dein Herr sein zu bezeugen. Wecke in allen, die deinen Namen tragen, den Wunsch, Gott die Ehre zu geben. Amen.

Lied 87, 3: Dein Kampf ist unser Sieg, dein Tod ist unser Leben.

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