Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 13)

Bischof mahnt "Kultur der Achtsamkeit" an

Bildung als Schwerpunktthema bei der Frühjahrstagung der Landessynode

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Konzentriertes Arbeiten und Zuhören im Plenum des Kirchenparlamentes - links der bayerische Innenminister Günter Beckstein, rechts Professor Wolfgang Stegemann (Neuendettelsau). Fotos: güs
   

Eine "Kultur der Achtsamkeit" gegenüber Mitmenschen und Gott hat Landesbischof Johannes Friedrich (München) angemahnt. "Daran besteht Nachholbedarf in Gesellschaft und Kirche", erklärte Friedrich in seinem Bericht auf der Frühjahrstagung der Landessynode in Heilsbronn (Landkreis Ansbach), die sich mit dem Schwerpunktthema "Bildung" beschäftigte. Achtsamkeit drücke sich in äußeren Formen aus, die nicht gering geschätzt werden dürften. Die Formensprache des Glaubens, die sich etwa in der Frömmigkeitspraxis oder der Liturgie zeige, sei in der evangelischen Kirche lange unterschätzt worden. "Wir haben gemeint, es komme im Wesentlichen auf Inhalte an", meinte der Bischof selbstkritisch. Das habe zu einer "übergewichtigen Intellektualisierung des Evangeliums" geführt.

Grundformen des Glaubens

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Die 108 Mitglieder des Kirchen-parlamentes (hier der mittelfränkische Synodale Walter Schnell aus Kammerstein) haben sich durch zahlreiche Vorlagen und Papiere durchzuarbeiten.
   
Friedrich plädierte dafür, die Grundformen des Glaubens zu beleben und weiterzugeben: Zum Beispiel in der Bibel zu lesen und dies nicht nebensächlich zu finden. Oder das Vaterunser auswendig zu kennen und das Auswendiglernen auch für Kinder oder Enkel zumutbar zu halten. Es sei kein schlechter Vorsatz, Gott mit "guten Manieren" zu begegnen und ihn nicht zu missachten oder vernachlässigen. Als Schule solcher Manieren bezeichnete Fried-rich die Liturgie. Deshalb solle wieder mehr Wert auf gute und durchdachte Formen im Gottesdienst gelegt werden, die die Achtung vor Gott als dem Heiligen ebenso beachtet wie die Achtung gegenüber den Mitfeiernden.
Weil die Weitergabe des Glaubens von Generation zu Generation in den Familien weithin nicht mehr stattfinde, muss sich die Kirche dem Bischof zufolge überlegen, wie sie diese Lücke auffüllt. Sonst werde die Volkskirche preisgegeben und die "religiöse Versteppung Deutschlands" in Kauf genommen. Kindertagesstätten, Religionsunterricht und evangelische Schulen, in denen es auch um Sprachfähigkeit in Glaubensfragen geht, spielten deshalb eine wichtige Rolle.
Die kirchlichen Bildungsangebote sollen nach Ansicht Friedrichs profiliert werden. Es müsse klar sein, auf welcher Basis sie geschähen. "Die Einübung fernöstlicher Praktiken oder eine Veranstaltung zur Erarbeitung von Kinderhoroskopen gehört meiner Meinung nach auch nicht zu dem, was von evangelischer Erwachsenenbildung erwartet werden darf", stellte der Bischof klar.

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Sorgte bei einer Morgenandacht für musikalischen Schwung: der Grundschulchor der Evangelischen Schule Ansbach.
   

In der Aussprache zum Bischofsbericht kritisierte der Münchner Synodale Hans-Joachim Vieweger, dass manchmal die Glaubensüberzeugung bei Lehrkräften in kirchlichen Schulen und evangelisches Profil bei Fortbildungen von Religionslehrern fehle. Der Bayreuther Dekan Hans Peetz kritisierte, dass es im Blick auf die Zukunft der Kindertagesstätten keine inhaltliche Diskussion gegeben hat. Stattdessen sei über dem Verordnungsweg mitgeteilt worden, dass ab 2005 keine Zuschüsse mehr für diese Einrichtungen gewährt würden. "In solch zentralen Fragen kann nicht so verfahren werden", bemängelte Peetz.
Die Bedeutung einer christlich-orientierten Bildungsarbeit hob die Präsidentin der Landessynode, Heidi Schülke (Coburg) hervor. Angesichts immer neuer terroristischer Anschläge, inzwischen auch in Europa, sei eine Bildung wichtig, die sich der "Würde des Menschen" oder dem "Wert des menschlichen Lebens als gottesebenbildliches Geschöpf" verpflichtet weiß. In einem Grundsatzreferat zum Schwerpunktthema mahnte der Münchner Professor Ulrich Schwab, die Erwartungen an Bildung auf ein realistisches Maß zu reduzieren. Einzelne dürften nicht so unter Druck gesetzt werden, dass von freier Persönlichkeitsentfaltung keine Rede mehr sein könne. "Es sind nicht alle gesellschaftlichen oder persönlichen Probleme durch Bildung zu lösen", betonte der Professor für Praktische Theologie. Manchmal erscheine es so, als ob Schule, Jugendarbeit und Erwachsenenbildung genau dies leisten sollten. "Lehrkräfte und hauptamtliche Kräfte müssen vor den maßlosen Ansprüchen, die manche in dieser Gesellschaft an Bildungsinstitutionen haben, in Schutz genommen werden." Günter Saalfrank

Religionsunterricht:
Kritik an Kürzungen

Die von der bayerischen Staatsregierung geplanten Streichungen im Religionsunterricht hat der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich deutlich kritisiert. "Es ist völlig unverständlich, dass Religionsunterrichtsstunden aus ökonomischen Gründen gekürzt und Klassen für diesen Unterricht in unverantwortlichem Maß zusammengelegt werden", erklärte Friedrich bei der Tagung der Landes-synode in Heilsbronn. Mit 25 Schülerinnen und Schülern aus drei oder vier verschiedenen Klassen lasse sich das Ziel der Wertevermittlung nicht erreichen. Der Bischof appellierte an die bayerische Staatsregierung, die geplanten Maßnahmen nicht zu vollziehen. Es dürfe nicht auf Kosten der Schüler und der Lehrkräfte - rund 400 Stellen fielen den Kürzungen zum Opfer - gespart werden. Güs

 

 


 

Bei Gott Wohnung finden

Denn du bist der Gott meiner Stärke: Warum hast du mich verstoßen? Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich dränget? Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung, dass ich hineingehe zum Altar Gottes, zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist, und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.

Psalm 43, 2-4



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Der Psalmist ruft zu seinem Schöpfer: Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten und bringen zu deiner Wohnung, dass ich hineingehe zum Altar Gottes, zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist, und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott. Foto: Wodicka
 

"Leicht war es nicht!" Eine alte Russlanddeutsche erzählt von den Irrfahrten ihres Lebens, von der Vertreibung nach Sibirien, von der Zeit der Zwangsarbeit. "Aber Jesus war immer dabei!" sagt sie. Sie hält kurz inne, dann seufzt sie: "Nu ja, manchmal auch nicht." Sie versteckt sich nicht hinter frommen Worten. In der Erinnerung bleibt sie ehrlich. Nein, leicht war es gewiss oft nicht!
Heute ist sie dankbar, in Deutschland zu leben, dankbar für ihre kleine Wohnung. Jeden Sonntag besucht sie den Gottesdienst. Der Glaube gehört zu ihrer Identität. Sie ist deutsch und evangelisch wie ihre Vorfahren, die im 19. Jahrhundert ins Wolgagebiet ausgewandert sind. Das alte speckige Gebetbuch ihrer Großmutter liegt auf dem Tisch. Sie liest täglich darin. Von der himmlischen Heimat künden die Verse. Vom Durchhalten. Vom treuen Erlöser. Vom Gott ihrer Stärke. Das Buch gab ihr Kraft auch in den Zeiten der Gottverlassenheit. Es sind die alten Russlanddeutschen, die dem ererbten Glauben treu geblieben sind.
Erinnerung an Gott - die nächste Generation hat das verlernt. Das hat der Kommunismus erreicht, dass die Leute einfach nicht mehr wissen, wie das geht, an Gott zu glauben. Ein russlanddeutscher Familienvater, der sich mit seiner Frau und seinen drei Kindern taufen lassen wollte, sagte in noch holprigem Deutsch zu der Pfarrerin: "Wir wollen den Glauben, aber wir wissen so wenig!" In einer Welt, in der ihnen der Glaube vorenthalten wurde, haben sie jedoch eine Erinnerung an Gott bewahrt, die Sehnsucht nach seinem Licht und seiner Wahrheit, die Sehnsucht, von ihm geführt und geleitet zu werden. Die Taufe nachzuholen bedeutet für sie: Nach Hause kommen, endlich dazuzugehören zum Christentum, zur Kirche und mitzumachen, zum Beispiel indem man den Kindern eine schöne Konfirmationsfeier im Familienkreis ausrichtet, so wie die anderen auch. Einen Schritt im Glauben unternahm auch der junge Russlanddeutsche, der seine Meisterprüfung zum Parkettleger abgelegt hatte. Danach eröffnete er seine eigene Firma, einen Ein-Mann-Betrieb. Für die Geschäftseröffnung bat er die Pfarrerin um eine Segnung. Sie hatte ihm im Glaubenskurs diese Möglichkeit angeboten. Den neuen risikoreichen Lebensabschnitt wollte er mit Gottes Segen beginnen. Nun ist er schon einige Zeit unterwegs, sich als Handwerker einen guten Ruf zu erwerben. Gott sei Dank!

Marion Abendroth, Neu-Ulm,
Pfarrerin für Aussiedlerseelsorge

Wir beten: Gott meiner Stärke, ich bin unterwegs nach Hause zu dir. Danke für alle Wegbegleiter. Danke für die Menschen, die Gottvertrauen in mein Leben gesät haben. Danke für jede Erinnerung aus Kindertagen an dich, die mich tröstet, wenn Traurigkeit mich bedrängt. Danke für deinen Segen, der mir Boden unter die Füße gibt.Amen.

Lied 621: Ich bin durch die Welt gegangen.

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