Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 11)

Lässt sich Glauben lernen?

Immer mehr Gemeinden bieten Alphakurse an

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Pfarrer Martin Rauh (rechts) ist seit 1999 von der Landeskirche beurlaubt für den Dienst beim Verein "Elia" in Erlangen.
   

Einfach vom Glauben reden - wenn das so einfach wäre. So stöhnen nicht nur Pfarrer und Pfarrerinnen, sondern auch Gemeindemitglieder, die schon einmal vor der Aufgabe standen, einen Bibel- oder Gesprächskreis zu leiten. Der Glaube ist vielen Menschen fremd geworden. Und nicht nur in Großstädten erleben christlich engagierte Bürger, dass ein Grundwissen hinsichtlich der Bibel und Theologie nicht mehr vorausgesetzt werden kann.

Kirche muss kreativ sein

Die vierte EKD-Studie "Kirche - Horizont und Lebensrahmen" kommt deshalb zu dem Ergebnis, dass Kirche auf allen Ebenen kreativ und engagiert zur Sache gehen muss, wenn sie Menschen (neu) für den Glauben und das aktive Mit-Leben erreichen will. Die in den letzten Jahren entstandenen Glaubenskurse unterschiedlichster Art reihen sich in dieses Anliegen ein - und erfreuen sich immer größerer Nachfrage. Eine Tagung zum Thema "Alphakurs", die vom Amt für Gemeindedienst in Nürnberg kürzlich angeboten wurde, war zum Beispiel bis zum letzten Platz ausgebucht.
Die Palette der Veranstaltungen ist bunt, die zur Beschäftigung mit der Bibel einladen. Da gibt es beispielsweise ein Gemeindeseminar "Christ werden - Christ bleiben". Die sieben Abende schließen mit einem Gottesdienst ab. Bei dieser "Lehr-Evangelisation" beschäftigen sich die Teilnehmer mit der eigenen Taufe und überlegen, welche Konsequenzen daraus für ihr Leben zu ziehen sind. Entwickelt wurde das Modell von Burkhard Krause vom Gemeindedienst der Evangelischen-Lutherischen Mission (ELM) in Hermannsburg.

Auf dem Weg nach Emmaus

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Als Berater in Sachen "Alpha-Kurse" hat er momentan viel zu tun. Seine Einführungstage zum Thema sind gefragt. Sein Tipp dabei: "Diese Kurse sollte man immer mit den Pfarrern und dem Kirchenvorstand abstimmen, damit sie auch wirklich in der Gemeinde integriert sind." Fotos: Günter Kusch
   
"Emmaus - auf dem Weg des Glaubens" nennt sich ein aus England stammender Kurs, der über 15 Einheiten läuft. Er wendet sich bewusst an Suchende und vermittelt grundlegende Glaubensinhalte. Als Religionsunterricht für Erwachsene versteht sich die Reihe "Stufen des Lebens". Der von einer württembergischen Katechetin verbreitete Kurs will neue Zugänge zu biblischen Texten eröffnen. Mit Hilfe von Bodenbildern werden Themen aus dem Buch der Bücher aufgegriffen und darüber diskutiert. Durch spezielle Aufbaukurse und einer Fülle von Material kann sich daraus ein länger andauerndes Gemeindeprogramm entwickeln. Als weitere Alternative gilt die Aktion "Vom Glauben leise reden", die auch unter dem Titel "Sprachschule des Glaubens" bekannt ist. An sieben Abenden und mit Hilfe von 20 praktischen Übungen sollen Gemeindeglieder theologische Begriffe wie "Gnade", "Erlösung" oder "Sünde" in Sprachbilder der heutigen Zeit übersetzen.
Bevor eine Gemeinde sich allerdings zur Durchführung eines Glaubenskurses entscheidet, sollte sie folgende Frage mitbedenken: "Wie passt das Angebot zu den Zielen der Kirchengemeinde, beziehungsweise zum Gemeindekonzept", gibt Friedrich Rößner vom Amt für Gemeindedienst in Nürnberg zu bedenken. Wichtig sei auch, zu überlegen, welche Zielgruppe (bestehende Gruppen oder Kirchen distanzierte") im Blick ist.
Besonders gefragt sind in diesem Jahr die "Alpha-Kurse". Knapp 20 Trainingstage bietet Alpha-Deutschland heuer an. "So viele wie noch nie", unterstreicht Pfarrer Martin Rauh, seit 1999 von der Landeskirche beurlaubt für den Dienst beim Verein "Elia" in Erlangen. Er erklärt das Konzept der "Alpha-Kurse" so: "Hier gibt es Antworten auf Fragen des Lebens". Man lerne den Glauben in einer entspannten Atmosphäre kennen. Er ist nicht an eine Konfession gebunden und für die Teilnehmer kostenlos. Martin Rauh buchstabiert das Wort "Alpha" durch: Das "A" steht für "Alle sind willkommen", das "L" für "Lachen und lernen", das "P" für "Pizza und Pasta", das "H" für "Helfen und Hören" und das "A" für "Alle Fragen sind erlaubt".
Der aus der anglikanischen Kirche stammende Kurs will mit zehn wöchentlichen Einheiten gerade kirchenfernen Menschen einen Zugang zum Glauben ermöglichen. Aber wie läuft ein typischer "Alpha-Abend" ab? "Wir fangen um 19 Uhr an und essen erst einmal gemeinsam", erzählt Martin Rauh. Nach einer "Zeit der Anbetung" - mit Gebeten und Gesang - stehe gegen 19.45 Uhr ein Vortrag auf dem Programm - zu Themen wie "Warum starb Jesus?", "Heilt Gott auch heute?" oder "Was kann mir Gewissheit im Glauben geben?" Jedes Referat beginne ganz bewusst mit einem Witz, denn "Lachen verändert die Atmosphäre", sagt Rauh.

Kleingruppe mit zwölf Leuten

Nach einer kurzen Pause geht es dann in Kleingruppen weiter. Die Anzahl von zwölf Leuten habe sich dabei sehr bewährt, erklärt der Geistliche: "Das war bei Jesus nicht anders!" Der Gruppenleiter versucht mit Impuls-Fragen zum Vortrag das Gespräch in Gang zu bringen. Anstatt der Diskussion kann aber auch eine Bibelarbeit das Gehörte noch einmal vertiefen. Wichtig ist der Bezug zum Heute und das Anknüpfen an die Situation der Teilnehmer. Ebenso von Bedeutung: "Der Alpha-Abend muss pünktlich enden", betont Martin Rauh. Spätestens um 21.50 Uhr sei Schluss!
Dass das Konzept aufgeht, zeigt ein Blick in die Statistik: 780 Alphakurse gibt es derzeit in Deutschland - und die Zahlen steigen. Weltweit spricht man sogar von über 18.000 Gemeinden, in denen Kurse stattfinden. In Gefängnissen hat "Alpha" während der letzten Jahre in den USA und vor allem in Großbritannien für Aufmerksamkeit gesorgt. Mittlerweile finden diese Kurse auch in der Wirtschaft und sogar bei Nato-Streitkräften statt. Weitere Informationen, auch zu den mittlerweile sehr beliebten Alphakursen für Jugendliche, stehen im Internet unter "www.alphakurs.de".
Ganz einfach vom Glauben reden zu können - macht dies die modernen Trainingsprogramme in Sachen Bibel so attraktiv? Ein Teilnehmer eines Alphakurses in Nürnberg formuliert es so: "Mich spricht dieses Angebot an, weil ich hier nicht missioniert werde." Jede Meinung werde ernst genommen. Vor allem aber gehe er zu den Abenden, weil er da Freunde finden könne - "in Kirchengemeinden ist das nicht so leicht möglich!"

Günter Kusch

 

 


 

Ihr seid geliebte Kinder Gottes

So werdet nun Nachahmer Gottes als geliebte Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt und sich für uns hingegeben hat als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Wohlgeruch. Von Unzucht aber und Schamlosigkeit aller Art oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es Heiligen geziemt, auch Unanständigkeit, dummes Geschwätz oder zweideutige Scherze schicken sich nicht, sondern vielmehr Danksagung. Niemand betöre euch mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes auf die Söhne des Ungehorsams. Macht euch mit ihnen also nicht gemein! Denn Ihr wart früher Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn.

Aus Epheser 5, 1-8



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Auch im Glauben gibt es eine prägende Zugehörigkeit: "Ihr seid geliebte Kinder Gottes", heißt es im Epheserbrief. Foto: Wodicka
 

Man kann seine Herkunft nicht verleugnen. Mit den Jahren merke ich mehr und mehr, wie sehr mich mein Elternhaus geprägt hat: die Mutter, der Vater, die Schwester, die Oma; unsere Rituale beim Essen und Feiern; die Art und Weise, wie über Dinge geredet wurde, oder auch nicht; die Einstellung zu Geld und Besitz; hautnah vermittelte Werte wie Fleiß, Gewissenhaftigkeit und Anstand; der Umgang mit Krankheit und Leiden. All das hat Spuren in mir hinterlassen, und ist - bewusst oder unbewusst - zu einem Grundton meines Lebens geworden.

Auch im Glauben gibt es so eine prägende Zugehörigkeit. Ihr seid geliebte Kinder Gottes, erinnert der Schreiber des Epheserbriefes. Mit eurer Taufe seid ihr in das Kraftfeld der Liebe Gottes geraten. Sie hat euer Leben erreicht wie ein Licht: Hat dunkle Stellen aufgedeckt, gereinigt, berührt und geheilt, befreit und verwandelt. Und sie bleibt in eurem Leben. Wirkt stilbildend. Eine Achtsamkeit entsteht da für sich und andere. Eine Eindeutigkeit in Worten und Taten. Und die Bereitschaft zu geben: Zeit, Zuwendung und konkrete Hilfe. So hinterlässt die Liebe Gottes Spuren im Leben von Christen, wird zum Grundton ihres Lebens. Motiviert sie, zu "Nachahmern Gottes" zu werden. In der Orientierung an Jesus selbst, dessen Liebe und Sorge für die Menschen in der Hingabe seines Lebens zum Ziel kommt. Solche Nachfolge ist anfänglich. Immer wieder. Geschieht Schritt für Schritt. Auf einem lebenslangen Lernweg der Liebe.

Diese Liebe ringt um uns, muss sich immer wieder durchsetzen gegen Angst und mangelndes Zutrauen, gegen inneres Hartwerden und verletztes Sich-Zurückziehen. Und es gibt auch Einstellungen und Verhaltensweisen, die die Liebe ausschließen, mahnt unser Text. Wer sich sexuell und materiell holen und raffen will, was und von wem man nur immer bekommen kann, der missachtet die guten Gaben Gottes. Sie werden ihm zum Gottersatz, nehmen Herz und Sinne in Beschlag und wirken zerstörerisch auf das eigene Leben und das anderer Menschen. Solche destruktive Eigensucht provoziert den Zorn Gottes. Ein Zorn, der aus der Liebe zum Leben kommt. Aus einem leidenschaftlichen Ringen um den Menschen, der durch solches Verhalten die liebende Antwort versagt.

Das soll bei Christen nicht geschehen. Denn sie können nicht verleugnen, woher sie kommen und wohin sie gehören. Der Theologe Andreas Henschel beschreibt einen Christen als jemanden, "der nicht weiß, wie es möglich sein kann, nicht zu lieben, nicht mitzuleiden und mitzuhelfen, kein Gefühl zu haben, für die Freuden und Ängste anderer ein Weg, der Quelle des Seins treu zu sein." Das ist Auftrag und Erfüllung unseres Lebens: Wir sind zur Liebe bestimmt. Diese Berufung ist unüberbietbar. Gottes Liebe setzt Leben frei, trägt und prägt auf einem Weg vom Dunkel ins Licht.

Pfarrer Martin Strauß,
Lindenberg/Allgäu

Wir beten: Lebendiger Gott, in deinem Sohn Jesus Christus hast du uns dein Wesen gezeigt, das Liebe ist. Wir bitten dich: Lass deine Liebe in unserem Leben zum Ziel kommen. Lass sie Raum gewinnen in uns, damit wir dir nachfolgen und zu Menschen werden, die lieben können.

Lied 401: Liebe, die du mich zum Bilde deiner Gottheit hast gemacht.

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