Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 9)

Passion in Stroh

Ungewöhnlicher Kreuzweg-Zyklus eines Künstlers

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Fertigte vor Jahren in mühevoller Kleinarbeit den Passions-Zyklus als Strohbilder an: Peter W. Plock (hier im Bild mit einer Darstellung "Jesus am Kreuz"). Foto: güs
   

Ein "Zufall" brachte Peter W. Plock vor 20 Jahren auf die Idee. Eine Arbeitskollegin hatte ihm anstelle von Trinkhalmen Strohhalme besorgt. Diese waren auch noch platt gequetscht. Plock schaute sie sich genauer an. "Ein und derselbe Strohhalm kann hell oder dunkel wirken - je nachdem wie Licht auf ihn fällt", fiel ihm auf. Dieser Effekt, der außer Damast bei keinem anderen Material festzustellen ist, faszinierte den gelernten Werbegraphiker. Und er begann, biblische Szenen als Strohbilder darzustellen.

Passion meditiert

Plock, der sich in der Freizeit gerne mit Texten des Alten und Neuen Testamentes beschäftigte, fühlte sich besonders durch die Erzählungen vom Leidensweg Jesu angesprochen: "Die Passion ist sehr spannend."
Der frühere Werbefachmann vertiefte sich in die einzelnen Abschnitte des Leidensweges. "Ich habe die verschiedenen Stationen meditiert und nachempfunden", erzählt er. Dabei merkte er, dass "Passion ein Auf und Ab" bedeutet. Jesus falle und stehe wieder auf. Dieser Bewegungsablauf werde zum Schluss immer hektischer.
Doch es war leichter gesagt als getan, die Gedanken auch praktisch umzusetzen. Plock experimentierte, wie Stroh am besten auf einem Untergrund hält. Anfangs klebte er jeden Halm auf einer Hartfaserplatte fest. Später arbeitete er mit einer Grundplatte und selbstklebender Folie. Hier ging der Werbegraphiker mit eigener Technik vor: Auf dem Deckpapier der Folie brachte er eine grobe Skizze an. Stück für Stück nahm er dann das Papier weg und klebte die vorbereiteten Halme. "Ohne handwerkliches Geschick geht es nicht: Die einzelnen Teile aus Stroh müssen genau sitzen, eine Korrektur ist nicht möglich", erzählt der gebürtige Württemberger, der in Ansbach im Ruhestand lebt. Das Ganze erfordere Akribie wie bei feinen Einlegearbeiten in Holz: "Die einzelnen Halme dürfen nicht anstoßen und es dürfen keine Lücken dazwischen sein."

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Die vierte Station des Zyklus: Jesus begegnet auf dem Weg ans Kreuz seiner Mutter.
   
Bei den zwölf Darstellungen des Kreuzweges Jesu begann Plock jeweils mit der Jesus-Figur und dem Kreuz in der Mitte. Von da arbeitete er sich nach außen. Er setzte auf den Kontrast: Jesus samt Kreuz aus hellen Naturstroh, die Umgebung aus naturbraun gefärbten Material. "Durch die Hell-Dunkel-Darstellung bekommt das Bild mehr Intensität", beschreibt der Autodidakt die Wirkung. Verstärkt wurde der Eindruck noch durch die Anordnung des Materials. "Senkrecht liegende Halme erscheinen bei normalem Licht hell, waagrechte eher dunkel", sagt Plock. "Nur Stroh hat diese phantastische Wirkung."
Rund ein viertel Jahr brauchte der frühere Werbegraphiker für ein 50 mal 50 Zentimeter großes Strohbild in Kreuzform. Insgesamt drei Jahre war er mit dem Passions-Zyklus beschäftigt. Durch die kunstvolle Anordnung des Materials entstanden robuste Darstellungen - mal relief-, mal scherenschnittartig. Seine Bilder, zu denen er auch eigene Texte geschrieben hat, sind Ausdruck eines tiefen Glaubens. Sie orientieren sich an den traditionellen Kreuzwegstationen. Auf die letzten zwei, die Grablegung und die Beweinung des Leichnames Jesu, hat der Künstler bewusst verzichtet. So endet sein Zyklus mit der Darstellung "Es ist vollbracht". Die Arbeit an den Strohbildern - neben dem Passionszyklus entstanden auch Darstellungen zu zahlreichen anderen biblischen Themen - machte Plock einerseits viel Spaß. Solange er berufstätig war, erlebte er es als Ausgleich zur täglichen Arbeit. Andererseits war es für ihn auch eine körperlich anstrengende Tätigkeit. Er stand dabei die ganze Zeit und musste sich über das Bild beugen, das flach auf einem Tisch lag. Weil dies körperlichen Tribut forderte, entstanden in den letzten Jahren keine neuen Strohbilder mehr.
In rund 25 Ausstellungen in Hotelhallen, Banken und Rathäusern zeigte der Hobbykünstler mittlerweile seine ungewöhnlichen Werke aus Stroh. Zum Teil stellte er mit anderen Künstlern aus, die sich auch christlichen Themen verschrieben haben. Plock erlebte nachdenkliche Besucher: "Wer die Darstellungen auf sich wirken lässt, den bewegen sie."

Enttäuschende Stimmen

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Die zwölfte und letzte Kreuzwegstation des Künstlers: "Es ist vollbracht." Fotos: Repro
   
Enttäuscht ist der Künstler, der seine Werke als "Beitrag zur Verkündigung" versteht, über Reaktionen von Kirchenvertretern. "Sie ordneten die Darstellungen in die Rubrik ,Bastelarbeiten' ein". Dabei handele es sich um "eigenständige, besondere Arbeiten: Strohbilder mit christlichen Motiven sind etwas Außergewöhnliches". So sind für Plock mit dem Passions-Zyklus auch persönliche Leidenserfahrungen verbunden.
Der heute 71-Jährige hofft, dass der Kreuzweg aus Stroh in einer Kirche einen passenden Platz findet. "Ich würde die zwölf Darstellungen als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen." Verbunden damit wäre für Plock eine besondere Freude - ein persönliches Osterfest.

Günter Saalfrank

 

 


 

Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis

Weil wir einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis. Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde. Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.

Hebräer 4, 14-16



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Konfirmation in einer kleinen Gemeinde in der Südukraine: Obwohl Kirche und Gemeinde noch immer zum Alltag gehören, bedarf es großer Anstrengungen, um die jüngere Generation zu erreichen. Foto: Zenker
 

Es ist Konfirmation in einer kleinen Gemeinde in der Südukraine. Jugendliche und Erwachsene knien nacheinander vor dem Altar nieder, um gesegnet zu werden. Nach der Einsegnung kommt eine alte Frau nach vorne und unterbricht den Ablauf und erzählt bewegt: "Unsere Mutter ist in dieser Kirche getauft und konfirmiert worden, bevor die Kommunisten den Turm heruntergerissen und die Gottesdienste verboten haben. Wie sehr hat sie sich gewünscht, dass die Ruine wieder aufgebaut wird, aber sie durfte es nicht erleben. Und wir sind doch aufgewachsen wie das Vieh, haben unser ganzes Leben keine Kirche gekannt. Jetzt können wir jeden Sonntag Gottesdienst feiern, und heute ist schon meine Enkelin eingesegnet worden."
Sie kämpft mit den Tränen und muss doch ihre Dankbarkeit laut werden lassen. Zu Hause liest sie das Gesangbuch und das alte Gebetbuch ihrer Mutter, sie kann viele Kirchenlieder auswendig, und im Rückblick auf die schwere Zeit im Lager ist für sie klar: "Der Glaube war unser einziger Halt. Wir haben uns eins ums andere Mal damit getröstet, dass unser Herr Jesus auch musste leiden". Manche Aussiedler unter uns können diese Erfahrung bestätigen. Die ältere Generation fand unter verzweifelt schwierigen Bedingungen Halt im Glauben. Die Jüngeren bekamen dazu dennoch oft keinen Zugang. Der bloße Appell, die Tradition fortzuführen, lief dort ins Leere, wo es nicht mehr möglich war, diese Tradition zu praktizieren, wo es keine Gemeinden und keine Kirchen und keine Gottesdienste gab. Doch ist die Weitergabe des Glaubens keineswegs nur ein Phänomen, mit dem Russlanddeutsche zu kämpfen haben. Obwohl Kirchen und Gemeinden bei uns zum Alltag gehören, bedarf es immer wieder großer Anstrengungen, die jüngere Generation zu erreichen.
Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis - das ist kein Appell an das Traditionsbewusstsein, sondern die Bitte des Apostels an seine Gemeinde und er schließt sich mit ein: Lasst uns miteinander festhalten, denn wir brauchen einander, um Kraft zu schöpfen aus dem Glauben. Wir brauchen Menschen, die mit uns gehen in schweren Zeiten. Wir brauchen Gemeinschaft. Darum lasst uns nicht auf die Schwierigkeiten starren, die vor uns liegen, sondern Halt suchen in dem, was der Grund unseres Lebens und Glaubens ist. Erstens: Jesus Christus ist der Hohepriester, der Leiter unserer Kirche, unserer Gemeinde, unseres Lebens. Nicht Menschen bestimmen über die Zukunft, sondern Christus. Und zweitens: Christus als Herr der Kirche steht ganz nahe neben uns. Sorgen und Leid sind ihm nicht verborgen. Mit dem Sonntag Invokavit beginnt die Passionszeit. Die menschliche Seite Gottes zeigt sich. Nicht die Geschichte eines Helden, sondern Niederlagen, Selbstzweifel, und zum Schluss das Scheitern einer Karriere am Kreuz sind der Weg, auf dem sich Gott durchsetzt. Auf den Kreuzwegen unseres Lebens, wo wir scheitern und an uns selbst und anderen verzweifeln, bleibt unsere Hoffnung, dass auch auf diesem Weg sich Gott durchsetzt.
Die alten Menschen aus den Kirchen in Osteuropa haben erlebt, wie der Glauben zu neuem Leben erwacht. Gemeinsam mit ihnen lasst uns vor Gott treten und mit Zuversicht damit rechnen, dass Gott uns Wege eröffnet, die zum Ziel führen.

Kirchenrat Ulrich Zenker,
Osteuropareferent im Landeskirchenamt München

Wir beten: Barmherziger Gott, wir wollen den Weg gehen, den uns deine Worte weisen. Wir wollen dies tun voll Zuversicht, dass uns am Ende des Weges Vergebung, Erfüllung unserer Sehnsucht und ein neues befreites Leben voller Sinn und Freude erwartet. Amen.

Lied 362: Ein feste Burg.

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