Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 8)

"Der Humor ist eine heitere Grundstimmung des Herzens"

Die Kanzel wird zur Bütt - Dekan Christian Schmidt predigt an Fasching in Gedichtform

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Pfarrer Christian Schmidt hat mittlerweile 33 Faschingspredigten in Reimform veröffentlicht. Foto: privat
   

"Kinder und Narren sagen die Wahrheit", so heißt es im Volksmund. Seit einigen Jahren scheint dieses Sprichwort auch für PfarrerInnen kein Fremdwort mehr zu sein. Immer mehr Geistliche nutzen den Sonntag in der Faschingszeit, um einmal in die Rolle des "Narren" zu schlüpfen. Mit einer Predigt in Gedichtform verwandeln sie die Kanzel in eine "Bütt". Christian Schmidt, Pfarrer an der Lorenzkirche in Nürnberg, predigt zum Beispiel am Faschingssonntag gereimte Verse - manchmal auch auf Fränkisch. Sonntagsblatt-Redakteur Günter Kusch unterhielt sich mit dem Geistlichen über das spannungsreiche Verhältnis von Humor und Kirche.

Sonntagsblatt: Wie werden Sie sich während der tollen Tage verkleiden?

Christian Schmidt: Überhaupt nicht. Ich bin durch und durch ein Faschingsmuffel. Erstens ist das nicht meine Welt. Zweitens habe ich keine Zeit, groß Fasching zu feiern.

Sonntagsblatt: Um so verwunderlicher, dass der Faschingssonntag seit dem 9. Februar 1986 ein ganz besonderer Tag für Sie ist. Damals hielten Sie in Pretzdorf und Altershausen erstmals eine Faschingspredigt in Reimform und auf Fränkisch.

Schmidt: Mich hat immer gestört, dass der Kirchenbesuch an diesem Sonntag nicht gut war. Ein Freund brachte mir eine gereimte Predigt mit, die mir gut gefiel. Ich entschied, das auch einmal zu probieren. Und tatsächlich: Nachdem sich das herumgesprochen hatte, kamen Jahr für Jahr immer mehr Leute in diese Gottesdienste. Natürlich erzeugt das auch einen gewissen Erwartungsdruck. Gott sei Dank fällt mir aber immer wieder Neues ein.

Sonntagsblatt: Gab es 1986 kritische Stimmen?

Schmidt: Nein, die Leute waren begeistert. Es kommt natürlich darauf an, was man macht. Und da war es für mich immer wichtig, eine Predigt mit Substanz zu halten und keine dummen Gags zu bringen. Das macht viel Arbeit. Denn zuerst muss ich wissen, was ich verkündigen will, um dann nach Beispielen und der geeigneten Form zu suchen.

Sonntagsblatt: Zum Stichwort "Dialekt": Warum ist gerade Mundart so ansprechend für Ihre Zuhörer?

Schmidt: Die Ursprache, die jeder Mensch lernt, ist der Dialekt. Weil er auf eine bestimmte Region begrenzt ist, vermittelt er das Gefühl von Identität, Heimat und Geborgenheit. Sobald man Ausdrücke wiedererkennt, die es nur in dieser Region gibt, schlägt das Herz natürlich höher. Man fühlt sich verstanden und angenommen.

Sonntagsblatt: Bis jetzt haben Sie 33 Predigten in Gedichtform geschrieben. Nun erschien der dritte Band von "Die Kanzel wird zur Bütt". Was machen Sie mit den Einnahmen?

Schmidt: Ich bekomme als Pfarrer und Dekan ein anständiges Gehalt. Deshalb fände ich das nicht so toll, wenn ich das Geld behalten würde. Es wird für bestimmte Zwecke eingesetzt. Einmal kam es dem Kindergarten in Pegnitz zugute oder der Kapelle im Altenheim. Derzeit läuft das große Orgelprojekt in St. Lorenz, das mir viel Sorge macht. Es ist in der gegenwärtigen Situation nicht einfach, 2,5 Millionen Euro zusammen zu bekommen. Da mir ein rotarischer Freund das Buch bisher kostenlos druckt, gibt es keine Abzüge. Die gesamten Einnahmen werden diesmal zur Hälfte dem Orgelprojekt und zur anderen Hälfte dem Lorenzer Laden gestiftet.

Sonntagsblatt: Inzwischen predigen Sie nicht nur zur Faschingszeit im Dialekt, sondern auch bei Biergartengottesdiensten, Kirchweihtagen und Gemeindefesten. Was ist so reizvoll an dieser Form?

Schmidt: Man wird halt immer öfter gefragt und eingeladen. Wenn ich das zeitlich machen kann, tue ich das. Mein Prinzip lautet: "Solange man helfen kann, soll man helfen."

Sonntagsblatt: In einer Predigthilfe für den 22. Februar heißt es: Mitten im Faschingstreiben sehnt sich die Gemeinde nach ernsten Worten, nach einem Alternativ-Programm - weg von der Spaßkultur - wie sehen Sie das?

Schmidt: Dem kann ich nicht zustimmen. Während des Karnevals liegt der Humor doch quasi in der Luft. Und manchmal haut es mich nicht vom Hocker, was bei hochoffiziellen Faschings-Veranstaltungen geboten wird. Kirche kann da mit Qualität entgegentreten und in Sachen Humor durchaus mithalten. Allerdings sollte man zwischen Witz und Humor unterscheiden. Humor ist eine Grundstimmung des Wohlwollens und der Heiterkeit. Der Witz dagegen erinnert eher an ein Feuerwerk. Wenn Sie schon einmal in einer Runde gesessen sind, wo Witze erzählt werden, kennen Sie das: Da muss ein Witz dem anderen folgen. Sobald eine Pause eintritt, wird es komisch. Der Humor aber ist etwas Bleibendes, eine feine und heitere Grundstimmung des Herzens. Das entspricht übrigens ganz dem Evangelium, das uns eine heitere und gelassene Lebenseinstellung ermöglicht.

Sonntagsblatt: Warum tun sich Kirche und Humor dann manchmal so schwer?

Schmidt: Das kann man so generell nicht stehen lassen. Gerade in der katholischen Kirche gab es an Ostern das so genannte Osterlachen, wo eine Menge Witze erzählt wurden. Weiter kam es während des Karnevals vor, dass man ein Kind wie einen Bischof angezogen hat und dann predigen ließ. Man hat sich also auch einst in der Kirche gehörig auf den Arm genommen. Es gibt da eine große Tradition des Humors. Warum es in der evangelischen Kirche nicht so humorvoll zugeht, ist eine andere Frage. Ich finde das sehr schade. Denn gerade aus der befreienden Kraft des Evangeliums heraus gäbe es eine Menge zu lachen. Natürlich sollen wir uns gegenseitig ernst nehmen. Aber wenn ich weiß, dass Gott mich ernst nimmt, dann brauche ich mich selber wohl nicht so ernst zu nehmen.

Sonntagsblatt: Wenn man auf die derzeitigen Sparpläne der Kirche blickt, ist es da nicht verständlich, wenn die Menschen ihren Humor verlieren?

Schmidt: Nein, in solchen Zeiten braucht man ihn erst recht. Wir definieren uns ja nicht von dem, was wir besitzen oder verwalten, sondern von dem, dass wir geliebte und befreite Töchter und Söhne Gottes sind. Es besteht also kein Grund, dass uns der Humor ausgehen dürfte. Dies wäre vielmehr ein Zeichen von Gottlosigkeit und Unglauben.

Sonntagsblatt: Nehmen wir an, Sie würden sich zur Faschingszeit in eine Fee verwandeln, die drei Wünsche frei hat. Wie würden sie die Kirche verzaubern?

Schmidt: Ich wünschte mir, dass ganz viele Menschen den Kern der Botschaft hören und verstehen. Zweitens wünschte ich mir eine heitere Gelassenheit in unserer Kirche - auch in Zeiten des Mangels. Drittens sollten wir verstehen, dass Spannungen in unserer Kirche nicht nur zerstörend wirken, sondern auch ihre guten Seiten besitzen.

 

 


 

Die Liebe sieht mit Gottes Augen

Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, so dass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen, und hätte die Liebe nicht, so wäre mir's nichts nütze... Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.

1. Korinther 13



Evangelisches Sonntagsblatt
 
Mit der Liebe ist es wie mit einer Rose. Ihre Wurzeln sind der Glaube und die Hoffnung. Foto: Kusch
 

Krippenspiel 2003. Das Mädchen, das die Maria spielt, ruft bei der Herbergssuche:
"Kalt ist der Wind, der über die Erde weht.
Wer hat noch Liebe und wer ein Gebet?
Wer hat ein Herz noch, das glüht und gibt,
und nicht bloß sich selber liebt?"
So ergreifend hat sie das geschrien, dass ich mir ihre Worte gemerkt habe. Der Schrei nach Liebe - er ist seit den Zeiten der Herbergssuche nicht verklungen. In der Bild-Zeitung gibt es eine aktuelle Serie: "Sehnsucht nach Liebe". Und wenn der Zukunftsforscher Matthias Horx recht hat, dass wir in eine "Schnäppchen- und Geizkultur" gehen, in der jeder sich selbst der Nächste ist, dann wird der Schrei nach Liebe auch in Zukunft nicht so schnell verstummen.
Wie nötig wir echte Liebe haben, wissen nicht nur Frauen und Männer, in deren Ehe es kriselt. Nicht zufällig wünschen sich so viele Paare die Worte des Paulus über die Liebe als Trautext. Wie nötig wir echte Liebe haben, wissen nicht nur Menschen, die sich unverstanden und allein gelassen fühlen. Auch in unseren Gemeinden spüren wir es: Jenseits von allen Aktivitäten, Gemeindeaufbauprogrammen oder Sparkonzepten brauchen wir ein Klima des Miteinanders, das von der Liebe geprägt ist. Ein Miteinander, wo Menschen freundlich und geduldig aufeinander zugehen. Wo es keinen unterschwelligen Druck gibt. Wo sich keiner in Szene setzt. Wo damit Ernst gemacht wird, dass Gott den Sünder gerecht spricht - meinen Mitmenschen genauso wie mich. Die Liebe sieht mit Gottes Augen. Sie sieht nicht zuerst auf die Fehler oder die abweichende Meinung des Anderen. Sie nimmt den Nächsten so, wie Gott ihn sieht.
Welche Liebe hier gemeint ist? Sicher nicht nur die, die wir Menschen so hinbekommen. Unsere menschliche Fähigkeit zu lieben ist doch häufig recht begrenzt. Sie entzündet sich an dem, was wir ohnehin liebenswert finden. Und sie fragt auch schon mal, ob es der andere überhaupt wert ist, dass wir uns mit ihm abgeben.
Ganz anders die Liebe, von der Paulus spricht und die er als den "besseren Weg" vor Augen malt, mit dem wir einander dienen sollen: Er spricht von einer Liebe, die es mit dem anderen Menschen von Herzen gut meint. Einer Liebe, die das sucht, was dem anderen hilft und die sich ehrlich mit ihm freuen kann. Paulus spricht von einer Liebe, die nicht von Ichsucht - und sei sie noch so versteckt - verdorben ist. Er spricht von der göttlichen Liebe.
Zu echter Liebe kommt es da, wo ich mich von Gottes Liebe beschenken lasse. Da, wo Jesus Christus alle Widerstände in mir überwindet und mich in die starke Strömung seines Liebens hineinzieht. Zu echter Liebe kommt es da, wo ich Gott täglich für seine Liebe zu mir danke und ihn bitte, mir Liebe zu schenken für die Menschen um mich herum.
Mit der Liebe ist es wie mit einer Rose. Wenn man eine Rose in eine Vase stellt, ist sie wunderschön, doch sie verblüht schnell. Sie braucht Wurzeln, damit man sich lange an ihr freuen kann. So braucht auch die Liebe Wurzeln: nämlich Glaube und Hoffnung. Glaube an den Gott, der uns eine Liebe schenkt, die er sich sogar das Leben seines Sohnes kosten lässt; und Hoffnung darauf, dass seine Liebe beständig ist in diesem Leben und darüber hinaus.
Liebe holt sich aus diesen Wurzeln ihre Kraft. Dann wird sie stark sein und blühen - in unserem Miteinander im Kleinen wie im Großen.

Pfarrer Klaus Schlicker, Referent des Regionalbischofs Ansbach-Würzburg

Wir beten: O Herr Christ, deck zu unsre Sünd
und solche Lieb in uns anzünd,
dass wir mit Lust dem Nächsten tun,
wie du uns tust, o Gottes Sohn. Amen.

Lied 413: Ein wahrer Glaube.

Diese Woche - Archiv - Editorial - Geschichte - Redaktion - Abo-Service - Anzeigen - Evang. Reisedienst - Impressum
© 2000-2004 ROTABENE! Medienhaus