Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 6)

Mission ist kein Zeichen von Intoleranz

Sonntagsblatt-Interview mit dem bayerischen Landesbischof Johannes Friedrich

Evangelisches Sonntagsblatt
 
ProChrist 2003: An Europas größter Missionsveranstaltung, die von Essen via Satellit in viele Orte in Deutschland und Europa übertragen wurde, beteiligten sich auch viele bayerische Gemeinden. epd-Bild
   

Mission im eigenen Land lautet heuer ein zentrales Thema in der bayerischen Landeskirche. Sonntagsblatt-Chefredakteur Günter Saalfrank sprach darüber mit Landesbischof Johannes Friedrich.

Sonntagsblatt: Das Thema Mission steht auf der Tagesordnung. Ist Bayern ein Volk von Heiden geworden?

Friedrich: Nein. Bei den Besuchen in Dekanaten und Gemeinden merke ich, dass wir eine blühende und lebendige Kirche mit vielen engagierten Menschen sind. Aber: Die religiöse Sozialisation der Kinder und Jugendlichen passiert längst nicht mehr in dem Maße, wie es vor 20 bis 30 Jahren der Fall war. Wenn wir hier nicht kräftig etwas tun, werden wir mittelfristig ein Volk von Heiden, weil die Menschen gar nichts mehr wissen von der christlichen Botschaft.

Sonntagsblatt: Was ist konkret geplant?

Friedrich: Es geht zunächst um eine Analyse der Situation: Wo ist in den nächsten 20 Jahren dringender Handlungsbedarf? Der Landeskirchenrat wird sich auf einer Klausur mit dieser Frage beschäftigen. Ziel ist, sich über Schritte zu einem missionarischen Konzept für die nächsten zwei Jahrzehnte zu verständigen.

Kein Schattendasein mehr

Sonntagsblatt: Jahrelang schien das Thema Mission ein Schattendasein in der Kirche zu führen. Jetzt wendet sich das Blatt. Wieso?

Friedrich: Seitdem ich Bischof bin, habe ich immer davon gesprochen, allerdings unter dem Begriff "Kommunikation des Evangeliums". Denn das Wort Mission ist bei vielen belastet. Manche denken dabei zum Beispiel an Zwangsmission. Diese einseitige Bedeutung des Wortes Mission tritt aber allmählich in den Hintergrund. In der Kirche besinnt man sich wieder darauf, dass das Christentum immer schon eine missionarische Religion war und sein muss. Der Missionsbefehl Jesu, in alle Welt zu gehen und allen Menschen das Evangelium zu verkündigen, macht dies beispielhaft deutlich.

Sonntagsblatt: Kritiker behaupten, die Kirche habe das Thema Mission wieder für sich entdeckt, weil es ihr um Bestandsicherung gehe. Was sagen Sie zu solchen Stimmen?

Friedrich: Es geht nicht um den Bestand der Institution Kirche, sondern um die kontinuierliche Weitergabe des Evangeliums. Dazu ist die Kirche - theologisch gesehen - ein wichtiges Mittel: Wie soll denn das Evangelium anders verkündigt werden als durch die Kirche?

Sonntagsblatt: Um das Evangelium weiterzugeben, braucht es motivierte Mitarbeitende. Wie sollen denn Andere etwas von der frohen Botschaft spüren, wenn Mitarbeitende angesichts von Sparmaßnahmen und Stellenkürzungen eher den Kopf hängen lassen?

Friedrich: Weniger Geld zu haben, schafft vielen Mitarbeitenden sicher große Probleme. Es macht Schmerzen, wenn Dinge nicht mehr weitergeführt werden können, die eigentlich wichtig sind. Aber es geht doch darum, den Menschen die Botschaft von der Liebe Gottes weiterzusagen. Und diese Liebe ist nicht dadurch geschmälert, dass die bayerische Landeskirche 90 Millionen Euro weniger zur Verfügung hat. Christen in anderen Teilen der Welt haben oft viel größere finanzielle Probleme und erscheinen manchmal viel fröhlicher als Protestanten in Bayern. Die Fröhlichkeit und Freude, in der Kirche zu arbeiten, sollte deshalb nicht allzusehr an zu bewältigenden Problemen ausgerichtet werden, sondern an der Botschaft, die zu verkündigen ist.

Kein Patentrezept

Sonntagsblatt: Manche setzen bei der Weitergabe des Evangeliums auf ein ganz bestimmtes Konzept wie etwa Glaubenskurse. Was sagen Sie dazu?

Friedrich: Ich finde es toll, wie viele unterschiedliche missionarische Konzepte es gibt. Viele davon machen Sinn und haben Er-folg. Aber es gibt kein Patentre-zept, das für alle Menschen gilt und passt.

Sonntagsblatt: Gibt es missionarische Konzepte, die Sie besonders angesprochen haben?

Friedrich: In den letzten Jahren war es zum Beispiel die Satellitenevangelisation ProChrist. Da hat mir das Konzept sehr eingeleuchtet.

Sonntagsblatt: Die Reformation hat die Menschen nicht mit spektakulären Aktionen oder Events gewonnen, sondern mit Bildungsangeboten und Information. Was heißt das für Sie im Blick auf Mission heute?

Friedrich: Evangelium und Bildung lassen sich nicht voneinander trennen. Für eine gute Bibelfrömmigkeit ist Bildung etwas ganz Wichtiges. In der Bibel wird ein ganzheitliches Bild des Menschen entfaltet. Die-ses Verständnis von Menschen wollen auch Bildungsangebote voran bringen.

Sonntagsblatt: In der Vergangenheit haben Sie davor gewarnt, aus der Frohbotschaft eine Drohbotschaft zu machen. Inwieweit bedeutet das, nicht mehr von Gericht und Sünde zu reden?

Friedrich: Natürlich ist auch von Sünde, Gericht und den dunklen Seiten Gottes zu reden. Aber Ziel der Verkündigung muss sein, dass gerade zu uns sündigen Menschen die Liebe Gottes gekommen und uns die Vergebung Gottes zugesprochen ist. Nicht das drohende Gericht ist deshalb Ziel der Verkündigung, sondern die Rettung durch Gott allein aus Gnaden.

Kein Widerspruch

Sonntagsblatt: Es gibt Stimmen, die Mission als intolerant bezeichnen, weil damit anderen die eigene Überzeugung übergestülpt werden solle. Ist das christliche Bekenntnis "In keinem anderen ist das Heil als in Jesus Christus" ein Zeichen der Intoleranz?

Friedrich: Wer den christlichen Glauben ernst nimmt, weiß, dass er gegenüber allen Menschen tolerant sein muss. Das heißt, einen Anderen zunächst einmal zu akzeptieren mit dem, was er denkt, fühlt und glaubt. Toleranz meint aber nicht Beliebigkeit. Als Christ glaube ich, dass nur der Weg über Jesus Christus zum Heil führt. Das will ich in aller Klarheit sagen und gleichzeitig den Anderen als Nächsten erst einmal so annehmen wie er ist. Das Bekenntnis zu Jesus Christus und die Toleranz widersprechen sich überhaupt nicht.

Sonntagsblatt: Mission heißt, offensiv zu werden und auf andere zuzugehen. Wie kann das bei Gemeinden und Gruppen gelingen, die sich stark mit sich selbst beschäftigen und nach außen hin nicht offen wirken?

Friedrich: Für jede Gemeinschaft ist es wichtig, sich einmal selbst zu vergewissern und die Türe hinter sich schließen zu können. Aber auf Dauer muss es Gruppen doch hinausdrängen und sie müssen offen werden für Andere. Denn der Missionsbefehl Jesu heißt, hinauszugehen in alle Welt und nicht in den eigenen vier Wänden und unter sich zu bleiben.

 

 


 

Christen sollen ihren Sportgeist wecken

Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlang.

1. Korinther 9, 24



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Christen sollen laut Paulus ihren Sportgeist wecken: Das Ziel, der Glaube, spornt sie an und bestimmt ihren Weg. Bild: Wodicka
 

Mit Genuss zündete ich mir jeden Abend nach der Arbeit meine Pfeife an. Gemütlich ließ ich die Tabakschwaden meinen Kopf einhüllen. Einzige Ausnahme: Die Fastenzeit - da hatte die Pfeife sechs Wochen frei. Dann wurde ich krank. Nichts, was mit der Pfeife zusammenhing. Was anderes, aber unerwartet und langwierig. In dieser Zeit rauchte ich nicht. Wieder genesen zündete ich mir irgendwann die erste Pfeife an. Aber sie schmeckte mir gar nicht so besonders. Weil ich manchmal schon ein leichtes Kratzen im Hals verspürt hatte, zog ich in Erwägung, mit dem Rauchen ganz aufzuhören.

Eine gewisse Wehmut stieg auf in mir, aber ich dachte: Nein, bis auf weiteres hör ich auf. Monate vergingen, und ich wurde stolzer Besitzer eines neuen Fahrrads. Nach den üblichen Fahrten zum Bäcker oder Kindergarten begann ich ungewöhnlichere Touren. Manchen Berg keuchte ich hinauf, beseelt von dem Ehrgeiz, nicht abzusteigen. Wenn mir dann die Lunge fast aus dem Hals hing, dachte ich manchmal zurück an die Pfeife. Jetzt lass ich es, dachte ich. Meine Lunge muss noch besser werden.

Haben Sie einen sportlichen Geist? Bestimmt sind Sie Christ. Dann haben Sie einen sportlichen Geist. Wecken Sie ihn. Das Ziel bestimmt unseren Weg. Die Sehnsucht, die uns beseelt, legt uns fest. Paulus war festgelegt auf den Sieg. Er wollte gewinnen, das Ziel erreichen. Und er fordert uns auf, freizuschaufeln, was uns als Christen ausmacht. Wieder zu entdecken, wer wir sind. Christsein ist ein Sportplatz, kein Schlafsaal. Teilnehmer, nicht Zuschauer. In vieler Hinsicht sind wir zum Zuschauen verdammt: Vor dem Fernseher, am Computer, in der Politik, bei ungezählten Informationen. Uns wird das Zuschauen beigebracht. Christsein ist teilnehmen. Kreativ sein, gestalten, ausdrücken, kämpfen, ans Ziel kommen, siegen. Sicher kennen Sie Dinge, die Ihnen das Leben schwer machen, die Sie hindern, die Sie einwickeln, die Ihnen das Ziel rauben. Lassen Sie sich nicht darauf ein, kämpfen Sie. In einem seiner unschlagbaren Lieder hat Paul Gerhardt vielleicht sich selbst, ganz sicher aber Sie und mich aufgefordert: "Lass dich dein Elend nicht bezwingen, halt an Gott, so wirst du siegen."

Davon schreibt Paulus: Das Leben von Jesus her und seinen Worten gestalten, und durch alles hin-durch am Ende bei Gott sein. "Durch alles hindurch bleibe ich stets an dir...und du nimmst mich am Ende mit Ehren an," betet Asaf im Psalm 73. Ein wunderbares Ziel. Am Ende bei Gott in Ehren sein. Und er ist im Wettkampf schon bei mir. Wie das Fangnetz bei den Artisten im Zirkus. Wir können alles geben, voll aufspielen, unverkrampft. Es geht nicht um die Angst zu verlieren, sondern um die Aussicht zu gewinnen. Ich denke an eine Frau aus unserer Gegend. Sie hatte einen Traumjob: Verbeamtet bei einer Abteilung der Bezirksregierung. "Und das soll mein Leben sein?" fragte sie sich eines Tages. Sie stellte sich Gott zur Verfügung. Heute ist sie leitende Mitarbeiterin der Heilsarmee in Klaipeda, dem früheren Memel. Sie hilft vielen Menschen, sehr armen Menschen: Mit der Botschaft, dass sie etwas wert sind vor Gott und den Menschen. Mit Besuchen, Nahrung und Kleidung. Sie hat ein neues Rennen aufgenommen. Ob ich mal wieder Pfeife rauche, weiß ich nicht. Eines aber ist mir klar: Ein Tabakhändler mit Zigarre im Mundwinkel ist mir lieber als jemand, der predigt, aber nicht am Wettkampf teilnimmt.

Pfarrer Matthias Knoch, Auhausen

Wir beten: Lass dich dein Elend nicht bezwingen, halt an Gott, so wirst du siegen. Ob alle Fluten einhergingen. Dennoch musst du oben liegen, denn wenn du wirst zu hoch beschweret, hat Gott, dein Fürst, dich schon erhöret. Gib dich zufrieden. (Paul Gerhardt)

Lied 371,6: Lass dich dein Elend nicht bezwingen.

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