Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 5)

Gottes vergessene Sprache

Träume können Bedeutung für das Leben haben

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Häufig sind Flugträume - jemand träumt zu fliegen, in welcher Form auch immer: Mit einem Flugzeug, Gleitschirm oder sonstwie. Die Bedeutung kann unterschiedlich sein: Entweder hat es mit "hoch hinausfliegen" zu tun, mit Karriere oder weit gesteckten Zielen. Oder es geht in eine andere Richtung: (Raus)fliegen, abgelehnt werden oder scheitern. Die Richtung hängt davon ab, welche Gefühle der Träumende dabei hatte oder mit welchem er aufwacht. Fotos: Wodicka
   

"Ich fahre mit meinem Auto eine Straße entlang. Ich bin auf dem Weg zu einem Mitarbeitertreffen. Der Wagen wird immer schneller und ich kann nicht mehr bremsen. Ich rase auf eine Kurve zu, gerate in Panik und trete noch fester auf das Bremspedal. Doch ich schaffe die Kurve nicht mehr und fliege in hohem Bogen in den Abgrund", so schildert Monika ihren Traum. Erschrocken wacht sie auf, sie schwitzt und ihr Herz rast. Sie schläft wieder ein, doch am nächsten Morgen hat sie den Traum noch deutlich vor Augen.

Träume in der Bibel

Jeder Mensch träumt, auch wenn sich viele an nichts mehr erinnern. Denn das Gehirn schläft nie, der Geist arbeitet Tag und Nacht. Träume haben die Funktion, Probleme und Stress zu erkennen, zu verarbeiten und Sinn zu finden. Schon in der Bibel finden sich Beispiele dafür, wie Menschen in einem Traum Probleme erkennen und wie sie damit umgehen können. Zum Beispiel Josef, der Maria nach seinem Traum nicht verlässt. Gerade in der Geburtsgeschichte Jesu wimmelt es gerade von Träumen. Aber auch im Alten Testament gibt es viele Beispiele: Jakobs Traum von der Himmelsleiter oder Josefs eigene Träume und die fremden, die er deutet.
"Im Traum zeigt uns Gott oft, was eigentlich bei uns dran ist", ist Benediktinermönch Anselm Grün überzeugt. Ein Traum kann Orientierung geben und eine Quelle der Selbsterkenntnis sein. Schon im alten Mönchtum hieß es: Um Gott zu hören, soll der Mensch auf seine Gedanken und Gefühle achten, auf seinen Leib und seine Träume.
Viele Menschen fragen sich, wo sie Gott finden können und wie Gott zu ihnen spricht. Das Gebet kann so ein Ort sein. "Aber oft sind wir im Gebet zu aktiv, wir reden die ganze Zeit", meint Anselm Grün. "Der Traum ist ein Ort, an dem unsere Aktivität ausgeschaltet oder zumindest stark vermindert ist." Da kann Gott leichter in das Leben eines Menschen einbrechen. "Doch Träume können wir auch nicht erzwingen. Wir können darum bitten und auf sie warten und sie wie ein Geschenk empfangen."
Grün warnt davor, Träume überzubewerten. Doch er räumt ihnen klar einen Platz und Bedeutung ein. Es sei wichtig auf Träume zu achten, wenn ein Mensch auf Gott hören will. "In unserem bewussten Leben sind wir oft blind und taub gegenüber Gott." Es zähle vielmehr, was andere sagen und was jemand selbst denkt. Gottes Stimme werde leicht überhört. "Also macht Gott sich in Träumen bemerkbar. Der eigene Wille ist im Schlaf ausgeschaltet." Nicht der Mensch muss sich im Gebet Gott öffnen, sondern Gott handelt am Menschen, er begegnet ihm im Traum.
Das bestätigt auch die moderne Traumforschung - Träume entstehen im Unterbewussten, der Mensch hat darauf keinen Einfluss. Und doch haben Traum und Leben fundamental miteinander zu tun. Träumen ist ein Leben in einer anderen Realität, aber es ist kein anderes Leben. "Ein Traum ist keine fremde Welt, sondern unsere eigene", sagt Pfarrer Ulrich Kühn, Buchautor und Gestalttherapeut. Oft nimmt ein Traum die Erfahrungen des Alltags auf, um auf Wichtiges aufmerksam zu machen. Er kann die bewusste Sicht der Dinge ergänzen. Eine Grundregel der Traumdeutung ist es, zuerst zu fragen, was der Traum über den eigenen Alltag aussagt, über Menschen, Situationen oder den Beruf. Eine weitere Methode der Traumdeutung geht davon aus, dass alle Dinge, die im Traum auftauchen, etwas mit der eigenen Person zu tun haben. Sie sagen etwas darüber aus, wie es um den Träumenden steht.

Vorsicht mit Traumsymbolen

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Viele Menschen träumen vom Auto fahren - sei es, dass sie genussvoll schnell dahin fahren oder wie Monika, dass sie von der Straße abkommen und einen Unfall haben.
   
Anselm Grün wie auch Ulrich Kühn stehen Traumsymbolen skeptisch gegenüber. Da ist im Traumlexika zum Beispiel von verschiedenen Tieren unter deren Bedeutung zu lesen. "Es kann hilfreich sein, Traumsymbole zu kennen, doch den Traum deuten kann am besten der Träumende selbst", so Grün. Fallträume zum Beispiel, bei denen jemand träumt, ins Bodenlose zu fallen, wollen kaum davor warnen, dass jemand demnächst die Treppe hinunter fällt. Vielmehr ist mit dem Fallen der Zustand des Herzens gemeint. So ein Traum fordert dazu auf, sich Gedanken zu machen, was im Leben Halt gibt. Es gibt Verfolgungsträume, Albträume, und viele mehr. Zu allen gibt es Deutungen, doch letztlich kann nur der Betroffene selbst erkennen, was ihm der Traum zu sagen hat.
Träume haben oft auch eine positive Botschaft. So zeigt zum Beispiel ein Fluss, der im Traum überquert wird, dass jemand schon einen entscheidenden Schritt nach vorn getan hat. "Die psychologische Traumforschung kann helfen, die Sprache unserer Träume zu verstehen", so Anselm Grün. Doch es ist wichtig, ebenso darauf zu hören, was Gott in der Sprache der Träume mitteilen will. Monika übrigens hat in einem Gespräch über ihren Traum erkannt, dass er weniger mit Auto fahren zu tun hatte, als mit ihrem Engagement in der Gemeinde. Es fiel ihr schwer "nein" zu sagen, wenn jemand gebraucht wurde. Sie war "nicht zu bremsen", wenn es um Mitarbeit ging. Und doch wurden ihr die vielen Aufgaben zur Last, brachten sie zum "abstürzen". "Ich bin Gott dankbar, dass er mich durch den Traum auf meinen gefährlichen Umgang mit mir selbst aufmerksam gemacht hat." Sie hat es geschafft, einiges zu verändern und arbeitet jetzt mit mehr Freude.

Karin Ilgenfritz

Buchtipps:
Anselm Grün, Träume auf dem geistlichen Weg, Vier Türme Verlag, Münsterschwarzach 2001, 83 Seiten, 6,60 Euro.
Ulrich Kühn, Träume - die vergessene Sprache Gottes, Brockhaus, Hahn 2003, 142 Seiten, 9,90 Euro.

 

 


 

In Schatten und Dunkelheit leuchtet Gottes Licht

Denn Gott sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten..., in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwengliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde.

2. Korinther 4, 6-10



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Paulus ist überzeugt: Erst in Schatten und Dunkelheit kann Gottes Licht richtig leuchten. Unser Foto erinnert symbolisch an diese weihnachtliche Botschaft: "Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht." Foto: Saalfrank
 

Liebe Leserinnen und Leser, geht es Ihnen gut? Nein? Sie fühlen sich nicht gesund? Sie verstehen die Welt nicht mehr? Sie empfinden sich ausgegrenzt oder abgeschoben? Sie fürchten die finanziellen Lasten der Zukunft, weil sich die erhöhten Medikamentenzuzahlungen schmerzlich summieren und die Rente schmäler wird?
All das ist nicht so schlimm. Das jedenfalls meint der Apostel Paulus im Predigttext für diesen Sonntag. "Unrealistisch, so einfach geht das doch nicht! Ich kann meine Probleme doch nicht einfach vom Tisch wischen!", denken Sie das jetzt? Doch, es geht. Davon jedenfalls ist Paulus überzeugt. Denn erst in Schatten und Dunkelheit kann Gottes Licht richtig leuchten. "Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell." So hatten wir es erst vor wenigen Wochen an Weihnachten gehört und gefeiert.
Manche Menschen schaffen es, trotz aller Widrigkeiten und Beschwernisse ihres Lebens, nicht in Trübsal zu versinken. Manche, die großes Leid tragen müssen, strahlen trotzdem Lebensmut und Zuversicht aus. Ich kenne eine Frau, die sich oft erkundigt, wie es mir geht. Wenn ich frage, wie sie selbst mit ihrem Schicksal fertig wird, antwortet sie nur knapp. Ich denke auch an den Mann, der alles daransetzt, auch mit eingeschränkter Sehkraft arbeitsfähig zu bleiben und seine Hoffnung nicht aufgibt. Viele - meist ältere und alte - Menschen haben schon schwere Zeiten erlebt. Sie wissen: Gott hat uns nicht im Stich gelassen. Auf wundersame Weise hat er uns immer wieder geholfen. Sie alle scheinen der Zuversicht des Paulus recht zu geben. Der Apostel spricht dabei vom "Schatz in irdenen Gefäßen", also von etwas sehr Wertvollem in einer zerbrechlichen, nicht besonders ansehnlichen Hülle. Einen Widerschein von Gottes Liebe, von Hoffnung und Menschenfreundlichkeit finde ich nicht so sehr bei Menschen, die strahlend im Mittelpunkt öffentlicher Aufmerksamkeit stehen, sondern eher bei den unbekannten sogenannten "kleinen Leuten". Ohne große Worte, ohne Predigt, tragen sie ein Licht in unsere Welt hinein. Einfach durch die Art, wie sie ihr Schicksal tragen. Dadurch, dass sie nicht in Jammern, Klagen und Trauer steckenbleiben, sondern ganz bewusst auch das Gute im Leben wahrnehmen wollen.
"Jeden Morgen mache ich das Fenster auf und werfe die Krankheit hinaus", erzählte mir eine kranke Frau. So verschaffe sie sich jeden Tag einige möglichst unbeschwerte Stunden. Das ist ein Schatz im irdenen Gefäß, finde ich. Ich glaube, dass solche Kraft nicht aus uns kommt, sondern dass sie von Gott geschenkt wird. Jeden Tag neu. So kann vielleicht unbemerkt von uns selbst, durch uns die Herrlichkeit Gottes aufscheinen und Licht in der Finsternis scheinen. Ich wünsche Ihnen, dass auch Sie in Ihrem Leben - trotz Krankheit, Sorgen und Ängsten - diese Kraft Gottes erkennen und in sich spüren.

Pfarrerin Sabine Ost,
Öffentlichkeitsarbeit Würzburg

Wir beten: Gott, manchmal fällt es mir schwer, Lebensmut zu haben. Zu groß scheinen mir die Probleme, zu hart mein Schicksal. Ich bitte dich: Lass auch mich erfahren, dass du gerade in den Schwachen mächtig sein willst und deinen Schatz in irdene Gefäße legst wie mich. Amen.

Lied 539: Mache dich auf.

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