Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Das Buch der Bücher schlägt neue Seiten auf

Auch in Bayern war das "Jahr der Bibel" ein großer Erfolg - Interview

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Das Buch der Bücher stand im "Jahr der Bibel" im Mittelpunkt, wie hier in einem Familiengottesdienst zu sehen ist. Foto: privat
   

Die Kirchen in ganz Deutschland sind voll des Lobs: Das "Jahr der Bibel" war ein großer Erfolg, so hieß es beim Abschlussgottesdienst im Mainzer Dom. In Bayern koordinierte Pfarrerin Christiane Müller die Ver-anstaltungen. Dafür stand der 43-jährigen Theologin für knapp zwei Jahre eine ganze Projektstelle beim Bayerischen Zentralbibelverein in Nürnberg zur Verfügung. Sonntagsblatt-Redakteur Günter Kusch sprach mit ihr über erste Ergebnisse und persönliche Erlebnisse.

Sonntagsblatt: War das "Jahr der Bibel" auch in Bayern ein großer Erfolg?

Christiane

Christiane Müller: Auf jeden Fall. Das "Jahr der Bibel" ist in fast allen Gemeinden in irgendeiner Form aufgenommen worden. Wie meine Fax-Umfrage in den Gemeinden ergab, wurde sowohl die Ökumene als auch die Zusammenarbeit mit der Kommune sehr gefördert.

Sonntagsblatt: Rund 300 Fragebogen wurden beantwortet und zurückgeschickt. Wie sehen die Ergebnisse aus?

Christiane Müller: Die Beurteilung ist durchweg positiv. Auffallend war, dass ein Bereich fehlte, der interreligiöse Dialog. Mit Vertretern aus Judentum oder Islam fanden nur an ganz wenigen Orten Gespräche statt. Als Begründung stand auf dem Fax, dass es entweder keine Ansprechpartner vor Ort gegeben habe oder eben kein Thema sei. Wenn man an die Ereignisse des 11. Septembers denkt, verwundert es schon, dass hier kein Dialog stattfand. Auch das Gespräch mit dem Judentum wäre sinnvoll. Wir als Christen haben den größten Teil der Bibel mit dem Judentum zusammen. Das ist Vielen heutzutage nicht unbedingt klar.

Sonntagsblatt: Welche Aktionen haben besonders für Aufsehen gesorgt?

Christiane Müller: Das waren natürlich die größeren Veranstaltungen. Ich denke zum Beispiel an die Bibelbox in Augsburg, die durch zahlreiche deutsche Städte zog. Dann gab es Gemeinden, die ihr gesamtes Jahresprogramm auf das Bibeljahr zugeschnitten haben. In München fand ein Bibelfest auf dem Marienplatz statt. Darüber hinaus gab es biblische Weinproben oder Kulinarisches aus der Heiligen Schrift. Vorträge oder Bibliodrama-Angebote kamen dazu. In Ansbach, Bayreuth oder Nördlingen wurde ein eigenes Zwölf-Monats-Programm zum "Jahr der Bibel" erstellt.

Sonntagsblatt: Wurden durch das "Jahr der Bibel" auch Kirchenferne angesprochen?

Christiane Müller: Das ist schwer zu sagen. Man hat sicher viele ansprechen können. Die Frage ist, ob das nachhaltig ist. Unsere Umfrage ergab jedenfalls, dass die Angebote mit großem Interesse aufgenommen wurden und Gesichter auftauchten, die man sonst nicht sieht.

Sonntagsblatt: Erfüllt sich die Hoffnung einiger Pfarrer, dass durch das Jahr der Bibel die Kirchen wieder voller werden?

Christiane Müller: Das wäre wohl die falsche Hoffnung, die man damit verbindet. Neues Interesse an der Kirche oder an dem, was in der Bibel steht, wurde dagegen schon geweckt. Und das wäre schon sehr viel wert! Was hinzukommt: Hier haben viele Leute Kirche positiv erlebt.

Sonntagsblatt: Wurden durch die Aktionen eher Ältere oder Jüngere angesprochen?

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Beim Abschlussgottesdienst zum "Jahr der Bibel" in der Ansbacher Gumbertuskirche (von links): Pfarrer Hermann Eyselein, Pastor Rolf Held, Domkapitular Otto Münkemer, Pfarrer Friedrich Käpplinger und Pfarrer Frank Gmelch. Foto: Biernoth
   
Christiane Müller: Alle Generationen. Hier fällt auf, dass gerade über die Kinder- und Jugendarbeit auch Kirchenferne angesprochen wurden. Wenn zum Beispiel im Familiengottesdienst Konfirmanden beteiligt waren, dann kamen auch die Verwandten mit in die Kirche, um zu gucken.

Sonntagsblatt: Wenn Sie auf das "Jahr der Bibel" zurückblicken, gibt es noch etwas, das Sie vermisst haben - vom interreligiösen Dialog abgesehen?

Christiane Müller: Von den Verantwortlichen her betrachtet würde ich noch mehr theoretische Reflexion fordern. Es ist mir zum Beispiel zu sehr von der Bibel geredet worden. Wir wissen jedoch, dass die Heilige Schrift sehr komplex ist, dass da viele Sachen drin stehen, die schwierig sind - ich denke beispielsweise an die gan-zen Kriegsgeschichten. Die Bibel ist kein Selbstläufer. Es gibt auch viele Stellen, die Missverständnisse hervorrufen. Darüber müssten wir noch mehr miteinander nachdenken. Als Zweites sollte noch mehr auf die Fragen eingegangen werden, die unsere Gesellschaft gegenwärtig wirklich bewegen. Beides, die Botschaft der Bibel und die Fragen der Menschen, sind miteinander zu "ver-sprechen".

Sonntagsblatt: Haben sie auch einige Veranstaltungen besucht? Gab es da besondere Erlebnisse?

Christiane Müller: Ich habe ein Seminar auf dem Schwanberg gemacht zu den Rachepsalmen, also zu schwierigeren Texten der Bibel. Das war deshalb ein Höhepunkt, weil es zu sehr persönlichen Gesprächen kam. Wir überlegten, ob Christen solche Gefühle, also Gedanken der Rache erlaubt sind, wo doch immer von Nächstenliebe geredet wird. Das war sehr intensiv und bewegend.

 

 


 

Mit Paulus über den Glauben sprechen

Ich schäme mich dieses Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen. Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben, wie geschrieben steht (Habakuk 2,4): "Der Gerechte wird aus Glauben leben."

Römer 1, 16 + 17



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Einen Menschen in der Liebe zu sehen, das heißt, das Gute an ihm zu entdecken. Es bedeutet aber auch, das Böse an ihm zu verwerfen. Foto: Wodicka
 

Sonntagsblatt: Schön, lieber Paulus, dass du dich unseren Lesern für ein Gespräch zur Verfügung stellst. Die beiden Verse aus deinem Brief an die Römer muten heutigen Lesern eine äußerst trockene Kost zu.

Paulus: Nun ja, dieser kleine Abschnitt ist nur die Schlagzeile über einem viel längeren Brief. In den Versammlungen der römischen Gemeinde ist natürlich alles vorgelesen worden. Als ich den Brief schrieb, kannte ich erst wenige römische Christen. Ich wollte, dass die Römer mich vor meinem Besuch erst einmal durch einen Brief kennen lernten. Manche ihrer Probleme versuchte ich in meinem Brief anzusprechen. Ich hoffte, dass sich möglichst viele mit meinen Gedanken auseinandersetzten.

Sonntagsblatt: Welche Probleme hat es denn in Rom gegeben?

Paulus: Zum Beispiel das Miteinander von Christen, die entweder von Juden oder von Heiden abstammten. Beide hielten ihren Weg für den besten. Ich möchte zeigen, dass im Glauben an Jesus Kräfte für alle Christen frei werden, egal welcher Herkunft die Christen sind.

Sonntagsblatt: Die Gemeinschaft von Judenchristen und Heidenchristen ist aber nicht mehr das, was unsere Leser im 21. Jahrhundert bewegt. Kannst du deine Botschaft nicht für unsere Zeit aktualisieren?

Paulus: Doch, natürlich! Was ich sagen will, bedeutet für die Christen aller Zeiten etwas: Seht her: In eurer Gesellschaft gilt etwas, wer einen lukrativen Job hat, wer gut aussieht, wer gesund ist oder wer viel Geld besitzt. Meine, nein, Gottes Botschaft ist: Auf Christus zu vertrauen genügt für ein lebenswertes Leben. Von Menschen gesetzte Maßstäbe sind für Gott unwichtig.

Sonntagsblatt: Das klingt mir sehr danach, als bliebe bis zum Sankt Nimmerleins-Tag alles beim Alten.

Paulus: Keineswegs, denn wenn Gott mich barmherzig behandelt, färbt das auch auf meinen fairen Umgang mit den Mitmenschen ab: Zum Beispiel helfe ich jemanden, auch wenn er mir nichts zurückgeben kann. Übrigens haben diese beiden angeblich trockenen Verszeilen Martin Luther den Anstoß zur Reformation gegeben.

Sonntagsblatt: Richtig! Luther entdeckte, dass Gerechtigkeit Gottes nicht gerechte Bestrafung bedeutet, sondern barmherzige Vergebung. Luther schrieb später über diese Erkenntnis: "Ich fühlte mich wie ganz und gar neu geboren und durch offene Tore trat ich in das Paradies selbst ein!"

Paulus: Und jetzt verstehst du auch, warum ich schreibe, dass ich das Evangelium immer als eine Kraft Gottes erfahren habe: Vor Damaskus, als mir Christus begegnet ist, im Gefängnis, in jeder Lage hat mich der Glaube an Christus gestärkt. Wenn mir meine Krankheit wieder sehr zugesetzt hat und ich Gott um Heilung bat: Auch da habe ich seine Gnade als wirksame Kraft gespürt. Ich bin stolz darauf, diese Erfahrung anderen zu erzählen.

Sonntagsblatt: Hast du nie Zweifel an Deiner Botschaft bekommen?

Paulus: Ich habe mich deswegen nie geschämt, aber ich wurde oft angefeindet: "Ein Gott am Kreuz, so ein Unsinn! Der kann einem ja nicht helfen!" Andere fürchteten, dass ich die Gebote abschaffen wollte. Es war wirklich nicht einfach, trotz allen Hasses an der frohen Botschaft Christi fest zu halten: Ich wurde verprügelt oder ins Gefängnis geworfen. Aber Gott und meine Mitarbeiter haben mich immer wieder unterstützt und mir Kraft gegeben.

Sonntagsblatt: Was möchtest du den Sonntagsblattlesern mitgeben?

Paulus: Verschweigt nirgendwo schamhaft das Evangelium, sondern vertraut seiner Kraft und gebt diese Erfahrung an eure Kinder und Freunde weiter!

Oliver Gußmann, Touristenpfarrer in Rothenburg

Wir beten: Gott, ich bitte dich, stärke in mir den Glauben an die frohe Botschaft, lass in mir das Vertrauen auf dich wachsen. Birg mich in deiner starken Hand. Setze allem Unrecht ein Ende. Sei bei denen, die vor einer ungewissen Zukunft stehen.

Lied 622: Ich möchte Glauben.

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