Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 2)

Wo ist überall der Rotstift anzusetzen?

Wie Gemeinden die Kürzung von landeskirchlichen Mitteln auffangen wollen

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Die Münchner Lätaregemeinde musste aus finanziellen Gründen bereits einen Kindergarten und ein Jugendheim schließen. Pfarrer Michael Göpfert vor dem Gemeindezentrum mit Kirche und Kindergarten (rechts im Hintergrund).
   

Evangelische Kirchengemeinden in Bayern müssen finanziell den Gürtel enger schnallen. Für dieses Jahr bekommen sie deutlich weniger an Zuweisungen von der Landeskirche. Elf Prozent weniger Mittel und ein Einbehalt der Haushaltssperre machen faktisch eine Kürzung von 15 Prozent aus. Viele Gemeinden wissen nicht, wie sie durch Sparmaßnahmen das Loch in ihrem Haushalt stopfen sollen.

Arbeitsfelder einstellen?

Die Kürzung lässt sich für Pfarrer Udo Sehmisch aus Wildflecken (De-kanat Lohr) nicht allein durch Sparmaßnahmen in einzelnen Bereichen auffangen - etwa im Bereich der Konfirmandenarbeit, wo die Gemein-de Zuschüsse für Freizeiten streicht. "Wir müssen uns auch Gedanken machen, welche Arbeitsfelder uns wichtig sind und von welchen wir uns trennen müssen." Daneben überlegt die unterfränkische Kirchengemeinde, wie sie zu mehr Einnahmen kommt - wenngleich die Möglichkeiten begrenzt sind. "Allein aus kommerziellen Gründen ist es notwendig, ein Gemeindefest zu veranstalten", sagt Sehmisch. Am Ausgang der Kirche hat die Diasporagemeinde zudem schon ein Körbchen aufgestellt, mit dem sie um Spenden für Projekte wie neue Stühle und Tische für den Gemeindesaal bittet. "Wenn mehr Geld in der Gemeinde bleibt, fließen weniger Mittel nach außen", sagt der 35-jährige Geistliche. Und er fügt hinzu: "Auch wenn ich es als Pfarrer nicht will - die landeskirchlichen Kürzungen verstärken ein bestimmtes Kirchturmdenken." Die Gemeinde in der Rhön ist durch die Sparmaßnahmen beson-ders betroffen. Weil die Landeskirche einen Baustopp verhängte, wurden in Wildflecken die Planungen für ein Gemeindehaus eingestellt. So müssen die 1.100 Protestanten dort weiter mit einem 30 Quadratmeter großen Raum für die verschiedenen Gruppen und Kreise auskommen.

Angespannte soziale Lage

Zu schaffen macht der Gemeinde auch die angespannte wirtschaftliche und soziale Lage. Pfarrer Sehmisch schätzt, dass die Arbeitslosigkeit in Wildflecken zwischen 20 und 25 Prozent liegt. "Der Ort hat den größten Anteil an Sozialhilfeempfängern im Landkreis Bad Kissingen", berichtet der Geistliche. Pro Woche gibt die Kirchengemeinde zwischen 30 und 50 Euro an Lebensmittelgutscheinen für sozial Schwache aus. Finanziert wird die Unterstützung durch Mittel, die für die eigene Gemeinde eingehen. "Die Menschen geben schon ihr Möglichstes für die Kirche", ist sich Sehmisch sicher. "Mehr ist nicht drin."

Weniger Öffentlichkeitsarbeit ?

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Der Pfarrer als Mesner. Pfarrer HorstStünzendörfer (Eckenhaid) schaltet selbst die Heizung für die Kirche ein. Fotos: güs
   
Mit über 13.000 Euro weniger an Zuweisung muss 2004 die Kirchengemeinde Eckenhaid (Dekanat Erlangen) auskommen. Bisher bekam sie 76.000 Euro. "Wahrscheinlich muss der Rotstift bei Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit angesetzt werden", meint Pfarrer Horst Stünzendörfer. Doch genau die sei für die Wachstumsgemeinde im Großraum Nürnberg entscheidend, in deren Gebiet viele Neuzugezogene und Konfessionslose leben. Darauf reagierten die Verantwortlichen mit einer gezielten Öffentlichkeitsarbeit - Neuzugezogene zum Beispiel erhalten eine DVD über die Gemeinde und ihre Aktivitäten. "Gerade in einer immer mehr säkularisierten Welt ist es wichtig, offensiv aufzutreten", betont Stünzendörfer. Deshalb empfinde er es als sehr problematisch, bei Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit, wie Liedblätter für den Gottesdienst, sparen zu müssen. Pro Jahr fallen in der 1.800-Seelen-Gemeinde bis zu 10.000 Kopien für das vielfältige sakrale Programm an - von meditativen Angeboten bis zu Gospelgottesdiensten.
Als Antwort auf die Sparmaßnahmen der Landeskirche wurde 2003 in Eckenhaid ein Förderverein gegründet. Dessen Ziel ist es, die Kirchengemeinde bei Baumaßnahmen (wie Renovierungsarbeiten) und bei kirchenmusikalischen Projekten zu unterstützen. Pfarrer Stünzendörfer freut sich, dass der Förderverein, dem momentan 50 Mitglieder angehören, der Kirchengemeinde bereits kräftig unter die Arme gegriffen hat: Dank der Unterstützung konnte zum Beispiel Notenmaterial für den Gospelchor angeschafft werden. Auch das Honorar für deren Leiterin trägt der Verein. So sehr der Gemeindepfarrer den finanziellen Rückenwind begrüßt, so stellen sich für ihn auch Fragen wie: "Wird die Kirche damit nicht zu einem Verein unter vielen?" Für Stünzendörfer sind Fördervereine auch nicht des Rätsels Lösung für kirchliche Finanzprobleme. Eine solche Unterstützung lasse sich nicht überall realisieren.
Von einem Förderverein für die kirchliche Arbeit kann die Lätaregemeinde im Münchner Stadtteil Neuperlach, einem sozialen Brennpunkt der Landeshauptstadt, wohl nur träumen. Die Evangelischen in der Trabantenstadt mit 70.000 Einwohnern und einem Ausländeranteil von 30 Prozent plagen seit Jahren massive Finanzprobleme. "Wir haben pro Jahr ein strukturelles Defizit im Haushalt von 70.000 Euro", erklärt Pfarrer Michael Göpfert. Nur durch eine Finanzspritze des Dekanats, die jährlich neu beantragt werden musste, konnte der Etat bisher ausgeglichen werden. Durch die Kürzungen der Landeskirche erhöht sich Göpfert zufolge das Defizit 2004 auf 100.000 Euro. "Wären wir ein Betrieb, müssten wir Insolvenz anmelden: Wir sind pleite", beschreibt der Pfarrer der 6.000-Mitglieder-Gemeinde die Misere.
Grund für das Haushaltsloch sind drei Gemeindezentren, vor allem die damit verbundenen hohen Energiekosten. Göpfert zufolge wurde in den 70er Jahren in der expandierenden Trabantenstadt die kirchliche Arbeit "rasant ausgebaut". Landeskirche und das Dekanat München finanzierten zwei Zentren. Mit dem Bau einer erst vor vier Jahren errichteten Kirche mit Gemeinderäumen waren die Gremien auf Dekanats- und Landesebene einverstanden. "Eine Struktur mit drei Gemeindezentren war nie so angelegt, dass sie die Kirchengemeinde alleine tragen kann", betont Göpfert.
Wie der Ausbau zusammen geschah, müsse auch der Rückbau der kirchlichen Arbeit gemeinsam erfolgen: "Die Kirchengemeinde darf nicht allein imRegen stehen gelassen werden." Nur am runden Tisch könne ein Weg gefunden werden. Der kurzfristige Verkauf eines Gemeindezentrums sei nicht möglich.

Notfonds eingerichtet

Inzwischen hat die Landeskirche aus Steuerrückzahlungen der Evangelischen Kirche in Deutschland einen Notfonds in Höhe von 13 Millionen Euro eingerichtet. Er ist - so Oberkirchenrat Hartmut Böttcher (München) - gedacht für "Gemeinden, die nachweislich die Einsparungen trotz eigener Bemühungen nicht schaffen". Kriterien für die Auszahlung von Mitteln aus dem Notfonds würden derzeit erarbeitet.

Günter Saalfrank

 

 


 

Darum prüft, was Gottes Wille ist

Ich ermahne euch durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. Ändert euch, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist: Das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

Römer 12, 1-3



Evangelisches Sonntagsblatt
 
Die Zehn Gebote sind Wegweiser in Glaubensdingen: Sie dienen dazu, Tag für Tag zu überprüfen, was Gottes Wille ist. Fotomontage: Repro
 

"Üb immer Treu und Redlichkeit" - als ich jung war, lebten viele Menschen nach diesem Motto. Wir angehenden Pfarrer rümpften damals die Nase über so eine, wie wir meinten, "Feld-, Wald- und Wiesenreligion". Sie war uns zu dürftig, zu unverbindlich, zu oberflächlich. Heute wären wir glücklich, wenn viele Menschen so lebten. Sicher lebten früher viele auch deshalb so, weil ihnen bestimmte Prinzipien "eingehämmert" worden waren, die Zehn Gebote zum Beispiel. Immer und immer wieder wurden sie in Schule und Konfirmandenunterricht gelernt. Jeder kannte sie. So lag es auch nahe, danach zu leben.Man war "orientiert", hatte etwas, wonach man sich richten konnte.
Fragt man heute nach den Zehn Geboten, bleiben selbst "Gebildete" oft die Antwort schuldig. So rief ein Radiosender bei einem evangelischen Bischof an: "Sagen Sie mal, es gibt doch in der katholischen Kirche so Gebote. Kennen Sie die? Was steht denn da drin? Sind das viele? Ach, zehn? Können Sie uns das mal durchfaxen?" "Üb immer Treu und Redlichkeit" - was heißt das denn? Eine Unmenge Bücher bieten Lebensberatung an. Warum greifen Rat Suchende nicht auf die Seligpreisungen der Bibel zurück? Die Sätze im 5. Kapitel des Matthäus-Evangeliums kann man geradezu als "Anweisungen zum Glück" bezeichnen. Jeder beginnt: "Selig, glücklich, sind die..." - Sanftmütigen, Barmherzigen, Friedfertigen. Glücklich werden und andere glücklich machen!
"Üb immer Treu und Redlichkeit" - der Apostel Paulus drückt das in seinem Brief an die Christen in Rom nur anders aus. Erst beschreibt er ausführlich das Fundament christlichen Glaubens: Gott erbarmt sich - über uns und alle Menschen. Dann zieht er Konsequenzen: "Ich ermahne euch nun durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euch ganz und gar hingebt als ein lebendiges, heiliges und Gott gefälliges Opfer. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst." Und was bedeutet das? Wenn am Ende des Gottesdienstes der Segen über uns gesprochen ist, beginnt mit dem Amen des Segens der Gottesdienst des Lebens. Was wir als Gotteswort in Gottesdienst und Predigt gehört haben, soll sich jetzt in unserem Alltag bewähren. Zu unserem Heil und zum Wohl unserer Mitmenschen.
Wie schaffen wir das? "Stellt euch nicht der Welt gleich. Ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene." Jeder an seinem Platz. Das meint wohl auch das Gedicht von Ludwig H. Chr. Hölty (1748-1776) mit dem Titel "Der alte Landmann an seinen Sohn": Üb immer Treu und Redlichkeit bis an dein kühles Grab, und weiche keinen Finger breit von Gottes Wegen ab. Dann wirst du wie auf grünen Auen durchs Pilgerleben gehn, dann kannst du sonder Furcht und Graun dem Tod ins Auge sehn.

Hans-Gernot Kleefeld,
Pfarrer im Ruhestand, Erlangen

Wir beten: Du lieber Gott, ich lebe von deinem Erbarmen. Hilf mir, mein Leben so zu leben, wie du willst und wie es dir gefällt. Zeige mir, was gut ist. Amen.

Lied 390: Erneure mich, o ewigs Licht.

Diese Woche - Archiv - Editorial - Geschichte - Redaktion - Abo-Service - Anzeigen - Evang. Reisedienst - Impressum
© 2000-2004 ROTABENE! Medienhaus