Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 1)

Stimmen zur Jahreslosung 2004

Was das biblische Motto Ehrenamtlichen sagt

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Jahresgrafik von Helmut Weisbach (Evangelischer Kunstdienst Dresden).
   

"Jesus Christus spricht: Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen." Diese Worte aus dem Markusevangelium (Kapitel 13, Vers 31) sind das biblische Motto für 2004. Das Sonntagsblatt befragte engagierte Ehrenamtliche, was Ihnen die Jahreslosung sagt. Hier die Antworten:

 

 

 

 

 

 

 

Keine Eintagsfliegen

Jesus gibt mir mit seiner Aussage eine eindeutige Perspektive. Er bestätigt zwar die Vergänglichkeit "unserer" Welt mit den knappen und präzisen Worten: "Himmel und Erde werden vergehen." Doch anschließend kommt der entscheidende zweite Satzteil: "… aber meine Worte sollen nicht vergehen." Wer von uns Zeitgenossen kann dieses von seinen eigenen Formulierungen schon behaupten? Jesus sagt schlicht und einfach etwas von ganz fundamentaler Bedeutung, dass seine Worte keine Eintagsfliegen oder Aussagen von begrenzter Dauer sind, sondern eine quasi unbegrenzte Haltbarkeit besitzen. Somit lese ich zum Beispiel in den Evangelien der Heiligen Schrift Worte, die heute und morgen die gleiche Aktualität besitzen wie vor fast 2000 Jahren. Wichtig für mich ist dabei aber auch die Ausschließlichkeit, mit der Jesus sich ausdrückt: "meine" Worte! Jesu Worte sind also für mich Gegenwart und Zukunft zugleich. Stellvertretend für die vielen anderen Aussprüche Jesu will ich abschließend nur einen weiteren anführen: "Ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende."

Martin Henning, Lohr am Main

Bleibendes Wort

Der Mensch sagt:
Die Zeit vergeht.
Die Zeit sagt:
Der Mensch vergeht.
Die sichtbare Vergänglichkeit in der letzten Lebenszeit ist sehr belastend für den Betroffenen, die Angehörigen und auch für mich als Hospizhelferin. Dann ist es gut, zu wissen:
- Jesus ist da - sein Wort bleibt:
"Ich lebe und ihr sollt auch leben."

Gerda Blaschke, Kronach

Worte treffen ins Herz

Hat die Jahreslosung überhaupt eine Bedeutung für mich? Ich schlage die Bibel auf. Da stehe ich zwischen "Himmel und Erde werden vergehen" und "aber meine Worte werden nicht vergehen". Mit welchen Ohren soll ich diesen Satz hören - den theologischen, den ehrenamtlichen oder meinen ganzen privaten? Beide Satzteile treffen mein Herz. "Himmel und Erde werden vergehen". Geschrieben wurden diese Worte nach der Zerstörung des Tempels. Ich habe Angst vor Kriegen und Katastrophen, wie die Menschen damals. In dem Augenblick, wo ich diese Worte schreibe, sitzen in Südfrankreich die Menschen vor ihren hochwassergeschädigten Häusern und ich erinnere mich an das Hochwasser in Dresden im Sommer 2002. So schnell kann ein Teil der Erde weg sein.
Privat bin ich gerade dabei, den Tod meines Vaters in Trauer zu verarbeiten. Mit ihm ist ein Stück Himmel und ein Stück Erde gegangen: Seine Träume, seine Liebe, seine helfenden Hände und seine bodenständige Theologie. "Meine Worte werden nicht vergehen." Wenn Welten sich verändern, bleibt eines gleich - die Worte der Bibel. In der DDR, in der ich lange gelebt habe, hat man versucht, Gottes Wort in die Ecke zu drängen. Es ist nicht gelungen. Das Land meiner Kindheit gibt es nicht mehr. Ich habe Menschen verloren, die ich geliebt habe. Aber durch alle Zeiten hindurch habe ich Gottes Wort mitgenommen und im Alltag, in der Liebe zum Leben, lebendig werden lassen.

Ute G. Albrecht, Fürth

Licht in der Dunkelheit

Wir leistungsorientierte Menschen von Heute stehen in Zwängen und setzen uns ihnen selbst aus. Durch das berufliche und gesellschaftliche Vorankommen wird unser Blickfeld eingeschränkt, Unzufriedenheit umkreist oft unser Leben. Wir klammern uns an irdische Dinge und scheinen in ihnen zu ertrinken, weil wir Jesus in unserem Leben keinen Platz einräumen. Wir leben in einer Spannung: Denn mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben. Das Dasein ist geprägt von einer Grundstimmung der Vergänglichkeit, das ohne Gott aussichtslos und deprimierend ist. Jesus Christus spricht: "Meine Worte aber werden nicht vergehen." Wie ein heller Schein in der Dunkelheit erscheinen mir diese Worte. Sie lassen den Blickwinkel im Leben weiter werden, im Umgang mit mir und meinen Mitmenschen. In Jesus dürfen wir glauben, dass unser Weg nicht mit dem Sterben zu Ende ist, sondern eine Brücke zum Vater im Himmel. Wer dies bedenkt, für den wird das Ende nicht nur Schrecken, sondern auch Freude sein.

Gisela Münderlein, Oettingen

Das Wort als Rettungsanker

Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Terror, Krieg... Wir befinden uns auf sandigem Boden, es fehlt der feste Stand. Alarmierende Zahlen werden uns täglich präsentiert. Und hinter jeder Zahl, jeder Meldung stehen Menschen mit ihrem Schicksal. Angst könnte man bekommen, wenn die Schöpfung Gottes so zusammenfällt. Aber Gottes Wort kam in die Welt, damit wir Gewissheit und Hoffnung haben können. Sein Wort ist wie ein Rettungsanker. In vielen bedrohlichen Lebenssituationen habe ich Kraft, Mut und Zuversicht aus Gottes Wort schöpfen dürfen. Gott nimmt uns jeden Tag neu an. Dafür danke ich Gott und gehe mit großem Vertrauen in das neue Jahr.

Rolf Lübkert, Freising

 


 

Im Gebet Gottes Wort hören

Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft. Es danken dir, HERR, alle Könige auf Erden, dass sie hören das Wort deines Mundes; sie singen von den Wegen des HERRN, dass die Herrlichkeit des HERRN so groß ist.
Psalm 138, 2-5



Evangelisches Sonntagsblatt
 
Wer Gebet(-serhörung) nicht mit einem Wunschbrunnen verwechselt, kann die Antwort spüren, von der der Mensch im Psalm erzählt: Gott gibt der Seele große Kraft. Foto: Wodicka
 

Auf das persönliche Gespräch mit Gott und auf das Gebet der Mächtigen macht der Psalm der Woche aufmerksam. Hat das Gebet Verheißung? Zuerst entdecke ich einen einzelnen Menschen. Er redet mit Gott und weiß sich erhört. Das kann auch nur in der Bibel stehen. In unseren Tagen kommt das nicht mehr vor. Oder doch?
Wer Gebet(-serhörung) nicht mit einem Wunschbrunnen verwechselt, kann die Antwort spüren, von der der Mensch im Psalm erzählt: Gott gibt der Seele große Kraft. Das ist eine wunderbare, immer wieder zu erlebende Stärkung, die aus dem Gebet zu Gott herauswächst. Ich weiß um (Kinder-)Gebete, die sich oft um materielle Wünsche drehen.
Daneben gibt es noch eine andere Wirklichkeit des Gebetes. Eric-Emmanuel Schmitt lässt in seinem kleinen Büchlein "Oskar und die Dame in Rosa" den krebskranken 10-jährigen Oskar sagen: "Gott, du bist doch vor allem für die geistigen Dinge zuständig, oder?" Um zu dieser Weisheit zu finden, erfährt er eine wundersame Anleitung. Die Dame in Rosa nimmt ihn sacht an der Hand, erzählt von sich und ihren Erfahrungen mit Gott und stärkt den kleinen Mann, sich auch zu öffnen. Und so kann der Junge um Vertrauen, Offenheit, Träume und mehr bitten. Und so wächst sein Vertrauen, seine Seele bekommt große Kraft. Er kann sogar sein krankheitsbedingtes Sterben annehmen. Dieses Ereignis ist nur in einem kleinen Büchlein - romanhaft und doch wahr - geschrieben. Es berührt mich. Ist es nicht das Gleiche wie im alttestamentlichen Psalm?
Sicherlich, aber das Büchlein aus unseren Tagen bringt diese Art des Gebets in unsere Wirklichkeit. Es hat nicht den Rang unserer Heiligen Schrift und leitet doch an zum Gespräch mit Gott.
Daneben entdecke ich in dem Abschnitt aus dem Psalm Könige im Gespräch mit Gott. Heute würden wir sagen: Große Leute mit viel Verantwortung. Sie äußern ihren Dank für Gottes Weisung. Wenn ich die tiefe Vielfalt und die hohe Vielschichtigkeit der Themen in politischen oder kirchlichen Gremien anschaue, erkenne ich, wie schwierig Beschlüsse zu fassen sind. Kaum jemand kann mehr die Auswirkungen einzelner Entscheidungen abschätzen. Wenn heute zugunsten der Rentner entschieden wird, leiden morgen die nachkommenden Generationen darunter. Wenn heute für die Jugend etwas getan werden soll, gerät es schnell zu Lasten der Älteren. Wo die Umwelt im Blick bleibt, leidet die Wirtschaft. Wer die Finanzplätze fördert, kann dies nur tun, wenn er an anderen Stellen Opfer verlangt. Bei solchen - hier nur andeutungsweise darstellbaren - Problembewältigungsversuchen hilft der persönliche Austausch. Mit dem Partner/der Partnerin, der Freundin oder dem geistlichen Führer. Nur im Gespräch kommen wir voran. Und das Gespräch mit Gott steht dabei an vorderster Stelle.
Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass sich Gottes Stimme auch immer wieder im zwischenmenschlichen Gespräch hören lässt. Und Gott uns stärkt, wenn wir miteinander im Gespräch bleiben. Ich bitte Gott, dass er den Mächtigen gute Freunde schenkt, die mit ihnen reden, sprechen, sich austauschen und gegenseitig anregen, auch schweigen und beten. Damit sie direkt oder indirekt die Stimme Gottes vernehmen und nach getaner Arbeit Gott danken. Das ist nicht nur für Mächtige gut.

Pfarrer Christoph Drescher
Volkshochschule Hesselberg

Wir beten:Gott, wir preisen und loben dich über dem Wort, das du an uns richtest und über dem Wort, das zwischen Menschen möglich ist. Wir bitten, dass es tröstet und versöhnt. Wir bitten um Sprachfähigkeit zu dir hin. Wir danken für Ohr und Zunge, Verstand und Gefühl. Amen.

Lied 64:Der du die Zeit in Händen hast.

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