Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 51/52 )

Weihnachtsgefühle am "eiligen Abend"

Wie Mesner und Mesnerinnen das Fest der Liebe erleben

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Als Mesner nicht nur an Heiligabend im Einsatz: Christian Stahl aus Weiden...
   

Vielleicht sollte man ihn doch in "eiligen Abend" umbenennen. Christian Stahl jedenfalls ist am 24. Dezember den ganzen Tag über beschäftigt. Um 8 Uhr steht er bereits im Büro, um Liedblätter zu drucken. Anschließend muss er die Technik in der Kirche überprüfen. Über Mittag kommen nämlich Kinder, um das Krippenspiel zu proben. Auch die Stühle für die festlichen Gottesdienste in der Weidener Michaelskirche sind noch nicht gestellt. Die Kirchenbänke werden als Sitzplätze nicht ausreichen. Schließlich erleben die Gotteshäuser selten einen so großen Ansturm wie an Weihnachten. Ganz gleich, ob um 15 Uhr beim Familiengottesdienst, um 17 Uhr bei der Christvesper oder um 22 Uhr bei der Abendvesper: Hier stimmt der Vers aus einem alten Kirchenlied noch: "Kommet zuhauf!" Die Frage dabei ist, ob denen, die so einfühlsam und engagiert als Mesner und Mesnerinnen für das stimmige Ambiente sorgen, bei der ganzen Hektik überhaupt noch feierlich zumute ist.
Für Christian Stahl, der seit fünf Jahren als Mesner arbeitet, ist der erste Weihnachtsfeiertag ganz wichtig: "Nach dem Gottesdienst bin ich bei Verwandten eingeladen und kann dann zum ersten Mal richtig abschalten." Wobei das nicht heißt, dass er den Heiligabend nicht genießen könnte: "Da freue ich mich, wenn andere sich freuen."
Auch Ingrid Forster ist mit ganzem Herzen Mesnerin. Seit vier Jahren tut sie diesen Dienst in der 840-Seelen-Gemeinde Markt Einersheim. 15.30 Uhr Familien-Gottesdienst, 18 Uhr Christvesper, 22 Uhr Christnacht - auch ihr wird am 24. Dezember nicht langweilig. Schon um 10 Uhr steht sie in der Kirche, um zu putzen, Staub zu saugen und die Kerzen auszuwechseln.

Der Ehemann kocht zu Hause


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......Wolfgang Weber von St. Sebald in Nürnberg....
   
Nach einer kurzen Mittagspause geht es weiter: Das Gotteshaus muss geheizt werden, Programme sind auszulegen und vieles ist zu organisieren, damit die Feierlichkeiten reibungslos über die Bühne gehen. Knapp eineinhalb Stunden hat sie nach der Christvesper Zeit für ihren Mann. "Er hat inzwischen das Essen vorbereitet. Meistens gibt es saure Zipfel", sagt die 44-Jährige. Dass sie an diesem Feiertag fast den ganzen Tag in der Kirche verbringt, macht Ingrid Forster nichts aus: "Auch wenn ich äußerlich aktiv bin, kehrt innerlich bei mir Stille ein", erklärt sie. Gerade wenn die Weihnachtsgeschichte verlesen werde, sei dies der Fall. Ob es ihrem Mann etwas ausmacht, dass er das Fest quasi zwischen Tür und Angel feiert? "Nein, er ist es gewohnt", unterstreicht die Mesnerin. Außerdem habe sie ihn damals gefragt, ob sie die Stelle antreten soll: "Er war damit einverstanden und wusste, was auf uns zukommt." Ein Vorteil: Die Wohnung der beiden befindet sich im Alten Schulhaus, also gleich gegenüber der Kirche. Für Ingrid Forster ist Weihnachten das Fest der Liebe. "Und das kann ich am besten in der Kirche feiern." Von dem ganzen Geschenke-Rummel hält sie nichts. "Bis auf Kleinigkeiten haben wir das ganz abgeschafft, weil es mit Weihnachten nichts mehr zu tun hat", sagt sie. Präsente müssten Sinn machen. So gebe es zur Bescherung beispielsweise Zeit-Gutscheine, mit denen sie sich gegenseitig zu einem Ausflug oder zu anderen Freizeitvergnügen einladen. Für Wolfgang Weber, seit 15 Jahren Mesner in der Nürnberger Sebalduskirche, bricht heuer tatsächlich "die staade Zeit" an, sprich: es geht etwas ruhiger zu. "Erstmals steht mir ein neuer Kollege zur Seite", erklärt er. So habe er an Heiligabend ab 19 Uhr frei. Früher dachte er sich oft: "Während die anderen feiern, schleppe ich Stühle", erinnert sich der 51-Jährige. So sei er meist zwischen 20 Uhr und 1.30 Uhr nicht mehr aus der Kirche herausgekommen. Einige seiner Freunde und Gäste gingen sogar meistens um 22 Uhr mit ins Weihnachts-Oratorium, um ihn nicht völlig aus den Augen zu verlieren. Ob er in diesem Jahr dafür bis in die späte Nacht hinein feiert? "Schau mer mal", gibt er sich geheimnisvoll. Bei ihm könne es immer passieren, dass jemand spontan vorbeischaut.

Die Stimmung muss passen

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...und Mesnerin Ingrid Forster aus Markt Einersheim.
Fotos: Ingrid Popp, gük (1) und privat
   
Auch wenn an den Festtagen für einen Mesner viel zu tun ist: "Weihnachtsgefühle kommen bei Wolfgang Weber gerade in den Gottesdiensten auf. "Wenn ich sehe, dass alles geregelt und vorbereitet ist, kann ich die Adventshektik ablegen", erzählt er. Die geschmückten Bäume, die vielen Kerzen, die eindringlichen und bekannten Lieder, das gehe schon zu Herzen. "Wenn man merkt, die Stimmung passt und die Menschen freuen sich, dann wird die Ankunft, von der in der Bibel die Rede ist, erfahrbar", fügt der 51-Jährige hinzu. Weber vergleicht seine Arbeit mit einem Jubilar, der ein Fest vorbereitet: Wenn man das aus Liebe tut und sich auf das Ergebnis freut, dann denkt man nicht an die Mühen und den Aufwand, die damit verbunden sind. Eine Anregung hat er allerdings schon noch - auch im Blick auf seine Kollegen in den anderen bayerischen Gemeinden. Die Stimmung des Heiligen Abends sei nämlich rasch wieder verflogen, wenn man nach den Gottesdiensten noch stundenlang alleine Stühle schleppen müsste. "Da wäre es schon schön, wenn sich ein oder zwei Gemeindeglieder erbarmen würden und mit anpacken", schlägt er vor. Für MesnerInnen wäre das eine nachträgliche und durchaus willkommene "Bescherung".

Günter Kusch

 


 

Weihnachten recht feiern

Das Rothenburger Sonntagsblatt wünscht seinen Leserinnen und Lesern ein gesegnetes Christfest und Gottes gnädiges Geleit für das neue Jahr.

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Unser Foto zeigt eine Krippe mit Egli-Figuren in Fichtenau (Baden-Württemberg). Foto: güs
 
Weihnachten recht feiern

Wer von uns
wird Weihnachten recht feiern?

Wer alle Gewalt,
alle Eitelkeit,
allen Hochmut
endlich niederlegt
an der Krippe.

Wer im Kind
die Herrlichkeit Gottes
gerade in der Niedrigkeit
schaut.

Dietrich Bonhoeffer

 

Gott ist uns in seinem Sohn nahe gekommen

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Philipper 4, 4-7



"Freuet Euch!" Ein Aufruf zur Freude - ist das nicht etwas unzeitgemäß am Ende des Jahres 2003? Überall liest man von unerfreulichen Geschehnissen - ich will sie hier gar nicht aufführen, wir kennen sie alle. Selbst aus der Kirche wird Unerfreuliches berichtet: Sparbeschlüsse und sinkende Zahlen.
Ein Aufruf zur Freude, ja! Gerade in diesen Zeiten! Gerade für uns in der Kirche! Denn dieser Aufruf führt uns zu dem hin, was gerade heute Grund zur Freude ist: "Freuet euch in dem Herrn allewege!" An Weih-nachten wird uns Christen dies immer wieder so deutlich gemacht, damit wir es gut verstehen, aber auch leibhaftig erfahren können: Wir sind Gott so wichtig, dass er uns seinen Sohn als unseren menschlichen Mitbruder schenkt.
Gott wird so wie wir und zeigt uns damit: Er, der unfassbar und unbegreiflich ist, dessen Güte und allgegenwärtige Liebe, dessen Friede größer ist als wir Menschen es erahnen können - dieser Gott hat sich so klein gemacht, dass wir ihn fassen können. Das Bild des kleinen, hilflosen Kindes in der Krippe macht es mir immer wieder deutlich: Gott ist uns in seinem Sohn als kleiner, hilfloser Mensch auf eine Weise nahe gekommen, die mich berührt. Gott ist damit nicht jemand Fernes, Fremdes, Unnahbares, nein, er ist unser Bruder, ganz nah, er kennt menschliches Leid, menschliche Schuld, alle Tiefen unseres Lebens.
Seither weiß ich: Ich darf mich mit allem, was mich beschwert, was mich belastet, an Gott wenden. Er ist für uns da. Ihn interessieren auch die kleinsten Sorgen jedes Menschen, ob klein oder groß, ob jung oder alt. Er ist für uns da. Ist das nicht wirklich ein Grund zu großer Freude?
Natürlich bleiben unsere Sorgen, Ängste und Nöte. Sie sind nicht wie durch einen Zauber weggewischt. Wir müssen sparen, in unserer Kirche, im Staat, privat. Die Krankheit bleibt und auch die Trauer über eine Verstorbene. Aber in all unseren Sorgen, Nöten und Ängsten wissen wir doch: Wir sind damit nicht allein. Es gibt einen, der hat auch all diese menschlichen Tiefen durchmessen und er ist nun bei Gott. Gott selbst kennt darum unsere Not und er verspricht, bei uns zu sein alle Tage bis an der Welt Ende.
Deshalb ist es ein Grund zur Freude, Freude gerade dann, wenn es uns nicht so gut geht. Freude, weil Gott, weil seine Liebe, sein Friede größer ist als all unsere menschliche Vernunft. Gott sei Dank!

Dr. Johannes Friedrich
Landesbischof, München

Wir beten: Ach mache du mich Armen zu dieser heilgen Zeit aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit. Zieh in mein Herz hinein vom Stall und von der Krippen, so werden Herz und Lippen dir allzeit dankbar sein. Amen.

Lied 9: Nun jauchzet, all ihr Frommen.

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