Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 50 )

Wenn alle Hoffnung auf einem kleinen Kind ruht

Ein anspruchsvolles Weihnachtsspiel etabliert sich

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Die auf "der dunklen Seite des Lebens geborenen" Hirten kurz vor der Engelserscheinung. Rechts von ihnen schaut Günter Biank in die Unterlagen.
   

Kurz vor Heiligabend verwandelt sich die Solnhofer Pfarrscheune nun schon im dritten Jahr zur Kulisse für ein ungewöhnliches Weihnachtsspiel. Am Freitag, 19. und Samstag, 20. Dezember stehen dort jeweils um 18 und 20 Uhr etwa 40 ambitionierte Laienspieler auf der Bühne, um unter Leitung von Theaterprofi Günter Biank jenseits allen "Adventsgedudels" auf das tatsächliche Geschehen vor gut 2000 Jahren hinzuweisen. Bei den Aufführungen gibt es weder verklärte Sentimentalität um das Kindlein in der Krippe noch einseitig anderweitige Deutung des Weihnachtsgeschehens. Vielmehr laden die Darsteller ein, die Messiashoffnung eines ganzen Volkes als die eigene Sehnsucht nachzuempfinden oder die Ängste der damaligen Herrscher vor einem neuen König zu erspüren. Aber auch den Hoffnungsschimmer zu erahnen, der sich beispielsweise den Hirten am Horizont zeigt. Nämlich dann, wenn den "auf der dunklen Seite des Lebens geborenen" (so deren Selbstvorstellung im Stück) plötzlich ein gewaltiges Wunder erfährt, das nebenbei natürlich auch eine Herausforderung für die Regie darstellt: Ein in helles Licht getauchter Engel weist als Gegenpol zur düsteren Lebenswirklichkeit der Hirten diesen den Weg zu Gott - über ein kleines Kind.

Aktueller Bezug

So durchdringt das Weihnachtsgeschehen alle Gesellschaftsschichten und bekommt gerade dadurch einen aktuellen Bezug. Damals wie heute brauchen Menschen neue Hoffnung und haben die Mächtigen Angst, durch deren Erfüllung ihren eigenen Einfluss auf die Menschen zu verlieren. Das verleitete damals König Herodes gar dazu, alle Kinder unter zwei Jahren in Bethlehem töten zu lassen. Doch damit "sind sie, König, schachmatt", wie es Pfarrer Eberhard Hüttig dem Hauptmann im Gespräch mit seinem Gebieter in den Mund legt.
Es sind diese feinfühligen Interpretationen des Lukas-Textes um die Geburt Jesu, die dem Weihnachtsspiel eine besondere Note verleihen. Hüttig selbst nahm sich vor Jahren der Weihnachtsgeschichte an und schrieb sie förm-lich in die Gegebenheiten der Pfarrscheune hinein, die selbst wiede-rum den Zuschauer das Gefühl gibt, mitten im Geschehen von damals dabei zu sein. Hüttigs Intention war es, Identifikationsfiguren für die Zuschauer zu schaffen, damit diese sich selbst auf die adventliche Suche nach dem Krippenkind und Erlöser begeben können - wie zum Beispiel Josefs Nachbar Aaron, der sich neugierig nach der unverheirateten, schwangeren Maria und deren Engelserscheinung erkundigt, was ohnehin in aller Munde war.
Eigentlich wollte Hüttig als Grundlage für die Aufführungen ein fertiges Stück nehmen. "Aber ein solches gab es nicht - man hatte nur die Wahl zwischen kitschigen Weihnachtsanspielen und sozialkritischem Bethlehem in Kalkutta", so Hüttig. Also griff er selbst zur Feder, um die Zuschauer in das Israel vor zweitausend Jahren mitzunehmen.
Mit Günter Biank fand sich für Regie und Ausstattung ein idealer Partner, denn der ausgewiesene Theaterfachmann war schon 35 Jahre als Gewandmeister am Stadttheater Ingolstadt tätig. Auch um eine professionelle Licht- und Tontechnik hat sich der findige Biank gekümmert. Dennoch stieß er zunächst auf Widerstand. "Drei Jahre habe ich Überzeugungsarbeit leisten müssen, bevor die Stallweihnacht in der Pfarrscheune vor ebenso drei Jahren Premiere feiern konnte", so Biank.
Dann aber wurde das Stück mit Beiträgen vom Frankenstudio des BR oder des Fernsehsenders "IN-TV" gewürdigt, der Szenen des Weihnachtsspiels als Hauptbeitrag zum Heiligen Abend 2002 ausstrahlte. Es hat sich also gelohnt. Umso mehr, da Hüttigs feinfühlige Interpretation der Weihnachtsgeschichte durch regietechnische Umsetzung Bianks und dessen ausdrucksstarke Kostüme kongenial unterstützt wird. Auch die beim Theater üblichen Zwistigkeiten zwischen Autor und Regisseur halten sich in ganz weihnachtlichen Grenzen.

Unterstützung vom Zitherclub
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Die Herrscher unter sich: Der auf den Bethlehemstern weisende Herodes mit den drei Königen aus dem Morgenland und dem künftigen König der Herzen - dem Kind in der Krippe. Den Probencharakter erkennt man an der mangelnden Rüstung der Soldaten. Doch gerade die prächtigen Kostüme sind es, die die innige Wirkung des Stücks noch verstärken. Fotos: Leykamm
   

Einiges muss aber noch überarbeitet werden. So scheint es etwas unpassend, wenn den Hirten ein weiblicher Engel erscheint und dazu Hüttigs mit Musik unterlegte Stimme vom Tonband dröhnt - neben dieser Ausnahme zeichnet übrigens der Zitherclub Solnhofen für die musikalische Umrahmung des Stücks verantwortlich. Personell können Hüttig und Biank mit wenigen Ausnahmen auf ein bewährtes Team zurückgreifen. Lediglich Souffleuse und Maria mussten neu besetzt werden, was sich aber wunderbar fügte. "Gott schickt einem manchmal selbst bestimmte Leute", kommentiert dies Biank bei den Proben, die derzeit wöchentlich über die Bühne gehen.
Jeden Donnerstag werden zwei von insgesamt sechs Bilder des Stücks eingeübt, während parallel dazu an den Kulissen gefeilt wird. Am Freitag und Samstag vor Weihnachten rechnet die Gruppe mit einem vollen Haus. 120 Personen passen in die Pfarrscheune. Unter den Besuchern wird sich wohl wie in den letzten beiden Jahren ein hoher Anteil Auswärtiger befinden - allein aus Augsburg hat sich eine 30köpfige Gruppe angekündigt. Sie besuchten im Sommer den Altmühlort und wurden so auf das Krippenspiel aufmerksam.

Jürgen Leykamm

Hinweis: Karten sind im Vorverkauf bei der Sparkasse Solnhofen erhältlich (Telefon 09145/839940).

 


 

Mit Glaubensschätzen recht haushalten

Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse.
1. Korinther 4,1



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Seit der Zeit des Neuen Testaments ist die Aufgabe eines guten Haushalters unverändert geblieben: Er hat mit den ihm anvertrauten Dingen verantwortlich umzugehen. Foto: Wodicka
 

Beim Blick auf das Wort "Haushalter" werde ich momentan von unangenehmen Gefühlen heimgesucht: Ich denke an den neu beschlossenen kirchlichen Haushalt und an mein Jonglieren zwischen den steigenden persönlichen Ausgaben und dem aktuellen Kontostand. Da drängt sich mir der Eindruck auf, dass so manches in absehbarer Zeit auf Sparflamme umgestellt werden muss. Haus zu halten ist eben keine einfache Angelegenheit.
Seit der Zeit des Neuen Testaments ist die Aufgabe eines guten Haushalters unverändert geblieben. Er hat mit den ihm anvertrauten Dingen verantwortlich, ökonomisch, umzugehen. Er soll sie einsetzen und vermehren und zugleich das Anvertraute auch nicht verschleudern. Schon mit Euro und Cent ist das mitunter recht schwierig. Wie sieht das aus, wenn ich mich als Haushalter der Geheimnisse Gottes verstehe? Was ist der rechte Umgang mit dem anvertrauten Glaubensschatz? Wie soll ich bei Fragen des Glaubens recht haushalten?
Zwei Bilder fallen mir dazu ein: Manchmal erlebe ich Menschen ängstlich über ihre Schatzkiste des Glaubens gebeugt. Den Deckel haben sie sicher verriegelt. Das, was ihren inneren Menschen, ihre Seele und ihren Geist bewegt, die Fragen ihres Glaubens und ihre gefundenen Antworten sind sicher in dieser Truhe verwahrt. Niemand soll da ungefragt hinein blicken können. Zu wertvoll ist das, was diese Schatzkiste birgt. Einem Gespräch über den Glauben, einem Austausch von Ansichten weichen sie oft aus. Vielleicht ist es die Angst, dass etwas vom eigenen Glauben beim Gespäch mit Anderen verloren gehen könnte, wenn unerwartet kritische Fragen gestellt werden. Oder die Befürchtung, Perlen vor die Säue zu werfen, zu erleben, dass Fremde beim Anblick des eigenen Glaubensschatzes beginnen, spöttisch zu schmunzeln.
In meinem zweiten Bild geht es um ein ganz anderes Schatzkistchen: Manchmal sehe ich es im Religionsunterricht aus einer Schultasche ragen. Eine kleine Plastikdose, in der eine Schülerin Sammelbildchen hortet. Das ist ihr Schatz. Aber sie erfreut sich daran nicht nur im Verborgenen: In der Pause steht sie mit ihren Freundinnen zusammen, jede von ihnen hält so eine Schachtel oder Dose in den Händen. Voller Begeisterung zeigen sie sich ihre schönsten Stücke. Und es wird getauscht. Wovon habe ich etwas doppelt und was kann ich von der Anderen brauchen? Diese Sammelkarten erscheinen ihnen wertvoll, aber sie wissen auch um den Wert des Austausches und der gemeinsamen Freude daran. Jede von ihnen profitiert davon, keine emp-findet das Tauschgeschäft als Verlust. Und ihr Tun hat Außenwirkung: Manchmal werden ganze Jahrgänge von so einer Sammel- und Tausch-Euphorie gepackt. Das wünsche ich mir auch für uns Christen als Haushalter der Geheimnisse Gottes. Den Mut, die Schatztruhen unseres Glaubens weiter zu öffnen; die Bereitschaft, uns in Glaubensdingen auch einmal in die Karten schauen zu lassen. Ich weiß natürlich, dass in meiner Schatztruhe nicht nur edel glitzernde Perlen lagern sondern auch so manches stumpfe alte Stück. Aber vielleicht kann ja der Austausch mit anderen Christen auch mancher Seite meines Glaubens zu neuem Glanz verhelfen. Wer weiß - vielleicht ergeht es uns ja auch einmal wie den Mädchen auf dem Pausenhof. Dass unsere Bereitschaft zum Mitteilen und Austauschen unserer Glaubenserfahrungen andere bisher Unbeteiligte und Desinteressierte anregt und für dieses heilige Spiel gewinnt.

Alexander Seidel,
Pfarrer in Gollhofen

Wir beten: Wir bitten dich, Herr, stärke unseren Glauben. Wenn wir Sorgen haben, wenn wir etwas Neues beginnen, wenn wir uns entscheiden müssen. Dir wollen wir vertrauen, und hoffen, dass du uns deine Nähe spüren lässt. Vom Morgen bis zum Abend und vom Abend bis zum Morgen. Amen.

Lied 365: Wir warten dein.

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