Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 49 )

Rituale verbinden die Familie mit einem festen Band

Grüne Zweige, Kerzenlicht oder ein "Orangentag" prägen bis ins Erwachsenenleben hinein

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Rituale prägen Menschen bis ins Erwachsenenalter hinein.
   

Wenn die Schlafenszeit naht, werden kleine Kinder oft zu Wiederholungstätern: Die Reihenfolge von Zähne putzen, Schlafanzug anziehen und letzter abendlicher Kuschelrunde hat bitteschön immer gleich zu sein. Im Bett muss sich außerdem eine unveränderte Ansammlung wichtiger Stofftiere aufhalten. Und: Es wird erst die Spieluhr aufgezogen und dann das Nachtlicht eingeschaltet und nicht umgekehrt. Jeden Abend wieder. Gerade wenn man klein ist, ist es sehr beruhigend, wenn sich Abläufe wiederholen und immer gleich und vorhersehbar bleiben. Das vermittelt Vertrauen und Sicherheit: "Mama und Papa wissen, was ich beim Ins-Bett-Gehen am liebsten mag."

Rituale verbinden

Nicht nur für den Einzelnen, auch für Gruppen, für eine Gemeinschaft sind Rituale wichtige Bindeglieder. Das zeigen nicht nur so eindruckvolle Handlungen wie ein Stammestanz in Afrika, sondern auch alltägliche Ges-ten: Selbstverständliches wie das Händeschütteln oder das Kreuzzeichen sind wichtige Rituale, die Menschen eines Kulturkreises miteinander verbinden. Man versteht diese Rituale auch, ohne dass viele Worte verwendet werden. Und gerade die Rituale, die man als kleines Kind in der Advents- und Weihnachtszeit in der Familie kennen gelernt hat, prägen bis lange in das Erwachsenenleben hinein. "Wenn Sie überlegen, was Ihnen im Advent wichtig ist, was für Sie Weihnachten ausmacht, was unbedingt zur Advents- und Weihnachtszeit dazu gehört, dann ist es sicherlich etwas, was Sie schon als Kind oder über lange Jahre hinweg gemacht haben", so die Autorin und Sozialpädagogin Monika Hofmann, die sich schon seit längerem mit dem Thema "Rituale und Familien" auseinandersetzt.
Wenig sinnvoll ist es allerdings, bestimmte Dinge in der Advents- und Weihnachtszeit nur zu tun, "weil man sie eben tut". "Es lohnt sich, sich über Symbole und Traditionen Gedanken zu machen, um zu entdecken, was dahinter steckt", so Monika Hofmann. Entdeckungsmöglichkeiten gibt es viele:
1) Wie ist eigentlich der Adventskranz entstanden und warum gibt es einen Weihnachtsbaum?
2) Warum feiern wir Weihnachten mitten im Winter?
3) Warum sind die Kerzen, die wir anzünden, oft rot?
4) Warum liegen Äpfel und Nüsse auf dem Weihnachtsteller?
Beim gemeinsamen Binden des Adventskranzes aus immergrünen Zweigen entdecken wir mit den Kindern mitten im kahlen Winter frisches Grün: Die Hoffnung, dass im Frühling wieder alles grünt und blüht. Rote Kerzen schmücken den Kranz. Rot ist die Liebe. Der fertige Kranz ist zudem ein Symbol des Wartens auf Jesus und ein Symbol der Hoffnung.
Die Advents- und Weihnachtszeit ist auch reich an sinnlichen Erfahrungen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem "Orangentag" im Advent: Eine Orange gemeinsam schälen und essen. Die Schalen kann man auf der Heizung trocknen, wo sie angenehmen Duft verbreitet. Eine Orangenscheibe getrocknet sieht aus wie ein Stern und ist ein schöner Baumschmuck. Und beim Licht einer Kerze im dunklen Zimmer fällt es auch kleinen Kindern leichter, still zu werden und das Wunder von Jesu Geburt zu spüren.
"Unsere Kinder werden sonst überschüttet mit Eindrücken, Stimmen und Geräuschen von außen und können ihre kostbare innere Stimme nicht mehr hören und haben keine Zeit mehr zum Träumen. Wir alle brauchen Momente, in denen alle Einflüsse von außen wegfallen, erst dann können wir es wieder lernen, mit Gott zu sprechen", so Monika Hofmann.

Zeit für die Familie nehmen
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Die Autorin Monika Hofmann gibt in ihrem Buch "Geschenke des Himmels" viele Anregungen, um die Bräuche in der Adventszeit besser zu verstehen - ganz gleich ob es sich um das gemeinsame Einüben von Liedern oder ums Plätzchenbacken handelt. Bilder: Wodicka
   

Advents- und Weihnachtszeit sind also eine reiche Zeit im Jahreskreis. Eine reiche Zeit, wenn wir uns nicht zu viel zumuten, wenn wir mehr Wert auf das gemeinsame Tun als auf das Konsumieren legen, wenn wir uns Zeit für die Familie nehmen - und so auch auf das ein oder andere im Alltag verzichten. "Auf was möchten Sie verzichten?", fragt Monika Hofmann ganz direkt. "Können Sie Termine streichen, Überstunden lassen, ein Drei-Gänge Menü in Würstchen mit Kartoffelsalat tauschen, das Fußballturnier am Adventssonntag absagen, den Verwandtschaftsbesuch reduzieren?" Sie regt dazu an, die "stille Zeit" in unserer hektischen Welt wiederzuentdecken und sie als "Tankstelle" für den Start in das neue Jahr zu genießen.

Maria Mohr

Buchtipp: Hofmann/Roßteuscher, Geschenke des Himmels, Kleine Kinder und ihre Eltern entdecken die Wunder des Lebens, Kösel-Verlag 2001, 200 Seiten, 19,95 Euro.

 


 

Geduldig warten bis zum Kommen des Herrn

So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.
Jakobus 5,7-8



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Bereits heute warnen Wissenschaftler vor einem Wassermangel. In Uganda sammeln die Menschen das kostbare Nass schon, wenn es vom Himmel regnet. Sie bezeichnen das als "Regen ernten". Bild: Wodicka
 

"Das ist ärgerlich! Aber da muss man durch." Der, von dem ich das ein paar Mal hörte, machte bei den ersten drei Worten auch ein grimmiges Gesicht. Beim zweiten Satz zauberte Pastor L. Bultmann schon ein verschmitztes Lächeln voll Zuversicht und Vertrauen hervor. Er war in Tansania zuständig für ein großes Gebiet der Massai und schulte deren Evangelisten. Ich durfte ihn mit meiner Tochter vor fünf Jahren für ein paar Tage begleiten.
Wir waren in der Morgendämmerung in Usa River aufgebrochen, um bis zum Abend etwa 250 Kilometer zurückzulegen hinauf nach Loliondo im Norden, wo Bultmann ein Evangelisten-Seminar abhielt. Als erster stieg ein schwarzer Pfarrer in unseren Landrover. Er musste uns zu einer Werkstatt leiten. Ein Reifen war platt, der Ersatzreifen tat seit dem Abend vorher guten Dienst. Aber so fahren, das war zu riskant. Zwei Stunden dauerte in Arusha das Flicken in Handarbeit.
So mussten die Massai, die wir unterwegs einsammelten, alle erst geduldig warten. Am Nachmittag waren alle im Auto: 15 Leute! Es ging durch die Serengeti. Wunderschön! In tiefer Nacht waren wir am Ziel. Weg frei räumen, Schieben, Überqueren eines breiten Flusses nur auf in einander verkeilten Ästen; so ging es vorwärts. Ich werde diese Eindrücke nie vergessen.
Während der drei Wochen in Tansania habe ich sehr viel geduldiges Warten erlebt. In Afrika rechnet man immer damit, dass etwas nicht klappt. Wird es doch, bloß anders und später, freut man sich dankbar. Wir möchten aus vielen Situationen ausbrechen, es nicht aushalten müssen, zum Beispiel das Warten auf wichtige Papiere, den Druck, die Erwartungen am Noch-Arbeitsplatz.
Von den Afrikanern können wir lernen, Ruhe zu bewahren, nachdenken, warum nicht im Gebet! Dann immer noch warten bis sich was tut oder ich etwas tun kann. "So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis zum Kommen des Herrn!" Für mich muss das kein leibhaftiges Kommen sein. Das Keimen und Kommen einer guten Idee ist für mich Erleben der Aussagen Jesu: Siehe das Reich Gottes ist mitten unter euch! Oder: Ich bin bei euch alle Tage… Ich glaube, das Vertrauen darauf, dass Jesus schon jetzt mitten unter uns ist, kann sehr viel Kraft und Mut geben zur Geduld. Im vorderen Orient ist man gewohnt, dass es nur den Frühregen und den Spätregen im Winterhalbjahr gibt. Dem Bauern dort bleibt nichts anderes übrig, als geduldig zu warten auf die kostbare Frucht der Erde.
Unsere Bauern haben im letzten Sommer aushalten müssen, dass es nicht geregnet hat, und jetzt ist das Futter knapp. Klimatologen warnen schon länger: Es wird mehr solche Sommer geben; baut endlich mehr und im großen Stil Wasser-Rückhaltebecken. Die diesjährige Aktion Brot für die Welt unterstützt Projekte in Uganda, wo Frauen sich zusammentun und Tanks bauen, wo jeweils etwa 10.000 Liter Wasser von den Wellblechdächern aufgefangen werden können. Damit soll das stundenlange Wasserholen aus einem Loch oder Fluss erspart werden, das oft Kinder übernehmen müssen. Man möchte diese Kinder in der Schule haben.
Noch kann man bei uns die Wasserhähne aufdrehen, notfalls auch zum Gießen. Wir aber sollten verstärkt das Wasser sammeln, das vom Himmel fällt. In Uganda nennt man das: Regen "ernten". Ein schönes Bild, auch für uns, meine ich.

Prädikantin Anneliese Küspert
Thiersheim (Dekanat Wunsiedel)

Wir beten: Herr, alle Deine Worte werden nicht leer zu dir zurückkommen. Sie werden bewirken, was dir gefällt und es wird gelingen, wozu du sie in unsere Welt gesandt hast. Wir warten deiner mit Geduld. Amen.

Lied 152:Wir warten dein.

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