Bischof brach eine Lanze für die Mission
Friedrich: Homosexuelle nicht von der Mitarbeit in der Kirche ausschließen.
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Der Landesbischof bei seinem Bericht vor der Synode.
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"Brillant", "mutig", "wegweisend" - mit solchem Lob reagierten Mitglieder der Landessynode auf den Bericht von Landesbischof Johannes Friedrich. Bei der Herbsttagung des Kirchenparlamentes in Bad Reichenhall hatte der 55-jährige Theologe, der seit 1999 an der Spitze der Landeskirche steht, klar und unmissverständlich Position bezogen: Sowohl im Blick auf innerkirchliche Fragen als auch auf gesellschaftliche Herausforderungen.
Der Bischof brach in seinem Bericht "Gemeinsam das Evangelium durch Wort und Tat verkündigen" eine Lanze für die Mission: "Unabhängig von Sparzwängen und Verteilungskämpfen muss es oberstes Ziel sein und bleiben, den Menschen die gute Nachricht von der Liebe Gottes nahe zu bringen, die ausnahmslos allen Menschen gilt und keine Leistung voraussetzt." Bei Mission gehe es nicht darum, das Image der Kirche zu verbessern oder leere Bänke zu füllen.
Selbstkritische Töne
Selbstkritisch meinte Friedrich, die Kirchenleitung muss in Zukunft darauf achten, trotz notwendiger Sparmaßnahmen verlässlich zu bleiben. "Das Vertrauen zur Kirchenleitung darf nicht dadurch beschädigt werden, dass man auf unsere Zusagen nicht mehr bauen kann."
Um als Kirche zukunftsfähig zu bleiben, müssen dem Bischof zufolge nicht nur Personal - bis Ende 2005 ohne betriebsbedingte Kündigungen - abgebaut werden, sondern auch Gebäude verkauft werden. Damit in neu entstehenden Gemeinden neue Kirchen gebaut werden können, brauche es auch die Bereitschaft, auf bereits gebaute Kirchen zu verzichten. Gegenüber Journalisten erklärte Friedrich, gerade in Städten könnten Gotteshäuser aufgegeben werden, wenn die die Zahl der Evangelischen rapide zurückgeht. Einen Verkauf an Muslime lehnte er jedoch ab. Das wäre das falsche Signal und würde vermitteln, dass es mit dem Christentum abwärts, mit dem Islam dagegen aufwärts gehe.
Obwohl sich Friedrich im ökumenischen Gespräch als Brückenbauer versteht, nahm er auch hier kein Blatt vor den Mund. Das Wort "verbotene Gottesdienst-gemeinschaft" - es wurde verwendet im Zusammenhang mit der Einladung eines katholischen Priesters an evangelische Christen zur Teilnahme an der Kommunion - halte er für "das Unwort des Jahres". Der Landesbischof bezeichnete es als "unverhältnismäßig und überzogen", diese Einladung als größten Skandal der katholischen Kirche der letzten Zeit erscheinen zu lassen. "Ich hätte mir durchaus einen souveränen Umgang mit der entstandenen Situation von Seiten der katholischen Bischöfe vorstellen können", erklärte Friedrich.
Sorge bereitet dem 55-jährigen Theologen, dass die Lasten bei den geplanten Sozialreformen in Deutschland offensichtlich nicht gleichmäßig verteilt sind. Unverhältnismäßig betroffen bei den Einsparungen wären Langzeitarbeitslose, chronisch Kranke, Alleinerziehende und kinderreiche Familien.
Entsetzt zeigte sich der Bischof in seinem Bericht über die hohe Gewaltbereitschaft gegenüber ausländischen sowie jüdischen Mitbürgern in der Bundesrepublik. Es sei ein "Skandal", dass ein Abgeordneter öffentlich Juden als "Tätervolk" bezeichnet und dafür noch Applaus erhält. Friedrich appellierte besonders an die Verantwortlichen in der Gesellschaft, "jede Form von Gewalt oder Diskriminierung gegenüber ausländischen oder jüdischen Mitbürgern im Keim zu ersticken." Gottes Liebe gelte ausnahmslos allen Menschen.
In der Aussprache zum Bischofsbericht entschuldigte sich der Synodale Martin Pflaumer (Pommelsbrunn), der Vorsitzende des Arbeitskreises Bekennender Christen in Bayern (ABC), persönlich für Formulierungen des Arbeitskreises, Homosexuelle könnten nicht haupt-, neben- und ehrenamtlich Mitarbeitende in der Kirche sein. Diese Aussage habe Betroffene verletzt. Gleichgeschlechtlich liebende Menschen können nach Ansicht des ABC-Vorsitzenden jedoch nicht in leitenden oder lehrenden Positionen tätig sein. Das würde für die Betroffenen ein "grundsätzlicher Widerspruch von Lehre und Leben" bedeuten.
Jammern verlernen
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Die Sitzungen der Landessynode beginnen und enden mit einer Andacht. Dazu gehört sowohl gemeinsames Beten als auch das Singen. Fotos: güs
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Zu Beginn der Tagung des Kirchenparlamentes, bei der vor allem Finanzfragen im Mittelpunkt standen, hatte Synodalpräsidentin Heidi Schülke (Coburg) dazu aufgerufen, das Jammern zu verlernen und Ziele zu finden, die es sich jenseits aller Sparmaßnahmen anzustreben lohnt. Ziel sei besonders eine Kirche, "in der Mitarbeit Freude bereitet und diese Freude für Kirchenferne in einladenden Angeboten spürbar wird".
Günter Saalfrank
Advent: Hellwach für biblische Zeitansagen
Und das tut, weil ihr die Zeit erkennt, nämlich dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden.
Römer 13,11
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Der Advent als Zeitansage: Mitten im Alltag soll der Mensch das Räderwerk der Betriebsamkeit zum Stoppen bringen, um Gottes Wort zu lauschen. Foto: Wodicka
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Kennen Sie den Klang einer Klangschale? Schlägt man sie mit einem hölzernen Stab leicht an, klingt sie zuerst ganz silbern hell, und dann verschwebt der Klang allmählich, ganz langsam. Unruhige Schulklassen kann man damit zur Ruhe und zum stillen Aufmerken bringen.
Ich erinnere mich an eine adventliche Wahrnehmungsübung mit der Priorin der Communität Casteller Ring. Die Gruppe sollte dem verschwebenden Klang der Klangschale lauschen. Es war erstaunlich, wie lange der silberne Klang zu hören war. Gespannt lauschten wir, horchten mit scheinbar immer größer werdenden Ohren in den Klang hinein, dem Klang nach. So also
geschieht adventliches Warten, Warten auf das Kommen Gottes: Aufmerksam, lauschend, mit allen Sinnen, ihm entgegenhorchend, entgegenlauschend. Hellwach.
Die Mönchsregel Benedikts aus dem 6. Jahrhundert legt den Mönchen diese Grundhaltung nahe: Hören. Mit allen Sinnen gespannt sein. Ganz da, ganz präsent, ganz offen. Gemeint ist mit diesem aufmerksamen Hören die Achtsamkeit Gott, seinem Wort, den Menschen gegenüber. Solche Achtsamkeit ist nichts anderes als die "einfache", schlichte Form der Liebe (Vers 9 bis 10). Sie steht allen Christen als Lebenshaltung gut an.
In dieser Woche hat die Landessynode unserer Kirche in Bad Reichenhall getagt. Schwierige Themen hatten die Synodalen zu bearbeiten, weitreichende Entscheidungen über die Finanzen der Landeskirche, über Menschen in ihrem Dienst zu treffen. Sorgfältig zu analysieren und zu bestimmen, was für die Kirche an der Zeit ist: Da braucht es Synodale, die achtsam aufeinander hören, achtsam miteinander umgehen, achtsam die Herausforderungen, Notwendigkeiten und Chancen der Zeit erkennen, den Willen Gottes für seine Kirche in dieser Zeit zu verstehen suchen.
Achtsam dem Klang der Worte eines Menschen nachlauschen. Und dabei hellwach sein, was sich in und hinter seinen Worten ausdrücken und offenbaren will. Solche Wachsamkeit und Achtsamkeit ist die Grundbedingung von Seelsorge. Achtsam dem Klang des Wortes Gottes nachlauschen. Was es einstmals meinte, was es heute meinen könnte. Oft ist das umstritten. Darum: Nicht vorschnell wissen und festlegen, was es sagen muss. Sonst wird es parteilich, eng, sektenhaft. Es könnte sein, dass es noch viel mehr sagen will. Dazu muss man hellwach sein - Grundanforderung an jeden, der die Bibel verantwortlich auslegt.
Achtsam - so wünsche ich mir, so wünschen sich viele die Kirche. Aufmerksam, um zu erkennen, was an der Zeit ist. Nicht nur besorgt um sich selbst. Nicht verschlafen alten, liebgewordenen Verhältnissen hin-terhertrauern. Nicht jammern und ins gesellschaftliche Klagelied einstimmen. Aufwachen!
Das heißt: Aufmerksam, offen und werbend auf Menschen zugehen. Und deutlich machen, dass Kirche dem Leben der Menschen dient. In ihren Gottesdiensten. In ihrer Seelsorge. In ihrer Diakonie. In liebevoll gestalteten Kasualien. Mit ihren Kindergärten. Mit ihren Bildungsangeboten in Schule und Akademien.
Das ist eine adventliche, geistbegabte Kirche, die Menschen aufmerken, neu zuhören lässt. Und so hilft, dass Begegnung stattfinden kann mit dem, der unser Heil und Heiland ist. "Und
das tut, weil ihr die Zeit erkennt, nämlich dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher..." Wenn das keine Verheißung für Kirche ist!
Ernst Öffner,
Regionalbischof, Augsburg
Wir beten: Lieber Herre Gott, wecke uns auf, dass wir bereit sei'n, wenn dein Sohn kommt, ihn mit Freuden zu empfangen und dir mit reinem Herzen zu dienen. Durch denselbigen, deinen lieben Sohn Jesum Christum, unsern Herren. Amen.
Lied 11: Wie soll ich dich empfangen.
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