Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 47 )

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Wenn beim Tod die Trauer stirbt

Sozialbestattungen nehmen immer mehr zu

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Bei Sozialbestattungen stehen oft nur Pfarrer und Beerdigungsunternehmerin am Grab, um Abschied zu nehmen. Foto: Wodicka
   

Es sind nur zwei Worte. Und doch verbirgt sich dahinter ein ganzes Leben. "Nützel Bernhard", so ist in der kleinen Zeitungsanzeige am unteren Rand der Seite zu lesen. Hinzugefügt wurden das Geburts- und das Sterbedatum. Mehr ist über diesen Menschen nicht bekannt. Annoncen dieser Art werden immer häufiger. Seit acht Monaten versucht die Bestattungsanstalt Nürnberg auf diesem Weg, Angehörige zu finden, die laut Gesetz "bestattungspflichtig" sind. Zum Glück erfolgreich, wie Peter Kreibich, Leiter des Bestattungsinstitutes, bestätigt: "Denn ohne Verwandtschaft bleibt nur die Sozialbestattung."

Letzte Ehre ohne Angehörige

Genaue Zahlen, wie viele Sozialbestattungen es jährlich gibt, kann Peter Kreibich nicht liefern. Sicher ist nur, dass diese Form der letzten Ehre zunimmt. Datenmaterial findet man in anderen Bundesländern. So werden beispielsweise in Bonn nach Angaben der Kirchen rund 120 bis 140 Sozialbestattungen ohne Angehörige durchgeführt. Die Frank-furter Allgemeine Zeitung schreibt in einem Bericht, dass es in Deutschland jährlich zu etwa 10.000 Sozialbestattungen kommt, für die jeweils zwischen 400 und 800 Euro aufgewandt werden müssen.
Für die Kosten der Bestattung hat das Sozialamt aber nur dann aufzukommen, wenn sie weder aus den Sterbegeldern, noch aus dem Nachlass des Verstorbenen gedeckt werden können. Immer öfter sind die Hinterbliebenen jedoch nicht in der Lage, das anfallende Geld für eine würdige Beisetzung zu übernehmen. In solchen Fällen springt die Kommune ein. Denn, so regelt es das Gesetz ausdrücklich: "Die erforderlichen Kosten einer Bestattung sind vom Sozialhilfeträger zu übernehmen, so weit dem hierzu Verpflichteten nicht zugemutet werden kann, die Kosten zu tragen."

Leistungen des Sozialamtes

Welche Leistungen übernommen werden, ist von Kommune zu Kommune verschieden. Im Sozialamt Nürnberg (Stadtgebiet) gibt es eine Preisliste mit 36 Positionen, für die Geld fließt. Darunter sind Kosten für die dreiteilige Sterbewäsche (46 Euro) oder für einen Sarg (386 Euro) ebenso zu finden wie der Aufwand für einen kleinen Pflanzenschmuck (33,81 Euro), zwei Vasen (48,64 Euro) und ein beschriftetes Messingschild (38 Euro). Im Bezirk Mittelfranken steht der Blumenschmuck nicht auf der Liste.
Für Sozialbestattungen ist der Nürnberger Südfriedhof zuständig. Die dortigen Reihengräber befinden sich im Eigentum der Stadt. Der Tote erhält einen Namenstein, auf dem der Vor- und Zuname sowie Geburts- und Sterbedatum stehen. Sind diese unbekannt, bleibt die dafür vorgesehene Stelle frei. Auf eine Bestattung durch einen Geistlichen wird natürlich nicht verzichtet. So weit möglich, wird auch auf die Konfession des Verstorbenen geachtet. Maximal 30 Minuten darf der Pfarrer in der Halle oder am Grab ein paar Worte sprechen. "Wenn er den Toten jedoch nicht gekannt hat, kann er nur allgemeines Blabla fabrizieren", bringt es Peter Kreibich auf den Punkt, der bereits bei mehreren Sozialbestattungen teilgenommen hat. Freie Redner werden übrigens nicht eingeschaltet - "noch sind die Pfarrer günstiger", erklärt Peter Kreibich.
In einigen bayerischen Städten sind mittlerweile auch Feuerbestattungen für Tote ohne Angehörige möglich, in Nürnberg bisher nicht. Wenn ab 2004 das Sterbegeld wegfällt, sieht das sicher anders aus. Versicherungsfremde Leistungen sollen dann nicht mehr durch die gesetzlichen Krankenversicherungen, sondern über Steuern finanziert werden. Und da die Kosten gerade bei Sozialbestattungen immens sind, wird auch hier der Rotstift regieren. "Bestattungspflichtige zu ermitteln, kostet viel Zeit", sagt Kreibich. Einige bayerische Gemeinden seien deshalb dazu übergegangen, die Leiche möglichst schnell im Krematorium zu verbrennen und dann in einer billigen Sammelgruft zu entsorgen. Und diese Bezeichnung ist durchaus angebracht: "Das Wort Entsorgung höre ich von offizieller Seite immer öfter", gibt der Leiter des Bestattungsinstitutes zu. So würden Krematorien vom Gesetzgeber immer mehr in Richtung "Müllverbrennung" gerückt. Dies zeigen zum Beispiel unzählige Emmissionsvorschriften, die eingehalten müssen.

Tendenz zur Entsorgung

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Bild rechts: Am Nürnberger Südfriedhof stehen für Sozialbestattungen Wiesen zur Verfügung. Die schlichten Gräber befinden sich im Eigentum der Stadt. Nach zehn Jahren läuft die Frist für den Bestand des Grabes automatisch ab. Foto: Kusch
   
Wobei die steigende Tendenz hin zur Entsorgung nicht nur seitens der Kommunen zu spüren ist. "Das fängt doch schon bei den Angehörigen an", berichtet Kreibich. Immer wieder erlebt der 59-Jährige, wie lieblos Angehörige mit ihren verstorbenen "Lieben" umgehen. Da sagt der Eine, dass "ein T-Shirt für die Beerdigung doch reicht", schließlich sei der Sarg ja geschlossen. Und ein Anderer, den das Sozialamt als bestattungspflichtig ermittelt hat, meint: "Was geht mich meine Mutter an." Dies seien laut Kreibich durchaus keine Einzelfälle. Zum Glück nehmen die Pfarrer und Pfarrerinnen ihre Aufgabe bei Sozialbestattungen meistens sehr ernst. "Allerdings ist es ungemein depremierend, wenn man nur mit einem Sargträger an der Seite vor dem Sarg steht", sagt Pfarrer Reiner Apel aus München-Neuaubing. Er hat vor kurzem erst zwei Sozialbestattungen begleitet. Ein schlichter Fichtensarg, Musik vom Tonband, und das war es auch schon. Auf eine Ansprache hat der Geistliche zwar verzichtet, trotzdem will er mit seiner Anwesenheit ein deutliches Zeichen setzen: "Jeder Mensch hat eine Würde. Indem ich als Seelsorger noch einmal den Namen des Verstorbenen vor Gott erwähne, bringe ich den Wert dieses Menschen zum Ausdruck", unterstreicht Apel. Kirche habe hier eine Verpflichtung: Sie muss gegenüber Staat und Gesellschaft deutlich machen, dass "der Tod nicht nur ein Verwaltungsvorgang ist".

Günter Kusch

 


 

Träumen und sich vorbereiten

Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. Dann wird man sagen unter den Heiden: Der HERR hat Großes an ihnen getan! Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und streuen ihren Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.

Psalm 126,1-2.5-6



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Träume können Hoffnungen stärken. Wer vor seinen inneren Augen eine Vision sieht, der kann davon getragen ungeahnte Kräfte entfalten.
 

Als Jerusalem von den Babyloniern zerstört und die Führungsschicht Israels nach Babylon ins Exil geschickt wurde, da dachten die Einen, nun sei das Strafgericht eingetreten, das die Propheten angekündigt hatten. Andere wagten zu träumen von einem neu aufgebauten Jerusalem und von einem Ende der Gefangenschaft.Solche Träume gaben Kraft zur Hoffnung und fanden schließlich Erfüllung.
Christen haben später dieses Traumbild aufgenommen, wenn sie an die Ewigkeit dachten. Jerusalem wurde ihnen zum Bild für die himmlische Stadt Gottes, zum Ort, an dem alle Not und alles Leiden aufgehoben sind. Träume können Hoffnungen stärken. Wer vor seinen inneren Augen ein Traumbild, eine Vision sieht, der kann davon getragen ungeahnte Kräfte und große Ausdauer entfalten.
Solches wissen auch Unternehmens- und Organisationsberater. Sie fragen diejenigen, die sie beraten: Was ist Deine Vision von der Firma, von der Institution, für die Du arbeitest; wie könnte sie in der Zukunft aussehen? Visionen können Kraft geben, sie können auch zur Traumtänzerei verleiten. Das ist auch bei der Organisationsberatung im Blick. Da geht es neben der Vision um den ungeschminkten Blick auf den jetzigen Zustand eines Unternehmens oder einer Organisation. Und dann sucht man nach realistischen Schritten vom jetzigen Zustand hin zur Vision.
Was für eine Organisation gilt, kann man auf das Leben des Einzelnen anwenden. Man kann es beziehen auf den Christen, der hofft, einmal Christus zu sehen und ihm in der Ewigkeit zu begegnen. Der Christ braucht nicht nur eine Vision, er braucht auch Mittel und Wege, wie er sich auf das Sterben und damit auf das ewige Leben vorbereiten kann. Martin Luther macht in seiner Schrift "Ob man vor dem Sterben fliehen möge" solche Vorschläge: "Man soll das Volk ermahnen, dass es zur Kirche in die Predigt geht und zuhört, dass es Gottes Wort lernt, wie es leben und sterben soll..." "Dass ein jeder sich selbst beizeiten einrichte und zum Sterben bereite ... (und) alle acht oder vierzehn Tage einmal, sich mit seinem Nächsten versöhne und sein Testament mache, auf dass ...., wenn der Herr anklopft ... seine Seele versorgt ... (und) Gott befohlen (sei)..." "Wenn man den Seelsorger begehrt, soll man (ihn) anfordern... ehe die Krankheit überhand nimmt und solange noch Sinn und Vernunft da sind..."
Mit solch konkreten Vorschlägen lässt sich etwas anfangen. Den Vorschlag mit der Versöhnung verstehe ich so: "Schiebe die Versöhnung nicht auf die lange Bank, warte nicht darauf, wer das erste Wort ergreift. Suche Du das erste Wort. Frage nicht nach Deinen Anteilen und den Anteilen des Anderen an dem, was zwischen Euch steht. Ergreife die Initiative. Lass Deinen Stolz fahren."
Das ist nicht nur ein Vorschlag, der darauf zielt, stets auf das Sterben vorbereitet zu sein. Es ist ein Vorschlag für das Leben. So sind solche Gedanken keine trüben Novembergedanken, vom Nebel verhangen, nur an der Vergänglichkeit haftend. Es sind fröhliche Gedanken, welche die Angst nehmen vor dem Leben und dem Sterben, Gedanken, mit denen man in die Osterzeit hinüberschaut - voller Ahnungen und schöner Träume.

Hans-Martin Weiss, Dekan in München

Wir beten: Christ lag in Todesbanden, für unsre Sünd gegeben, der ist wieder erstanden und hat uns bracht das Leben. Des wir sollen fröhlich sein, Gott loben und dankbar sein und singen Halleluja. Amen.

Lied 147: Wachet auf.

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