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Das größte deutschsprachige Internet-Seelsorge-Forum: Kummernetz
"Kennst Du das Gefühl, Dich einsam zu fühlen, auch wenn Du umgeben bist von lauter Menschen? Niemand versteht Dich, alleine und ohne Hilfe gefangen in einer kranken Seele? Obschon Du tapfer lächelst, weißt Du genau, dass es eine Lüge ist. Tief in Dir drin, weint und blutet Dein Herz, weil es den Schmerz nicht mehr ertragen kann. Es sind stumme Tränen, welche Du weinst, niemand kann sie sehen, weil niemand sie sehen will. Sie verschließen die Augen, halten sich die Ohren zu. Die Wunden sind tief, rauben Dir den Schlaf...." Sorge von der Seele schreiben
Diese traurigen Sätze stammen von einem jungen Mädchen. Unterschrieben sind sie mit dem Pseu-donym "e0wyn(chen)". Keiner, der dies liest, weiß, welch ein Mensch sich dahinter verbirgt. Eines jedoch ist klar: Hier geht es um eine Lebensgeschichte, die von großer Frustration und Hoffnungslosigkeit geprägt ist. Hier, im Internet, im Kummernetz für Teens, kann sich die Jugendliche ihre Sorgen von der Seele schreiben. Und was hinzu kommt: Sie erhält Rat, Ermutigungund Trost. Eine Jugendliche namens "Biest" schreibt zurück: "Ich kann Dich gut verstehen. Mir ging es genauso. Aber ich weiß auch, dass Du es schaffen wirst. Ich glaube an Dich! Du wirst es allen zeigen!! Ich hab Dich ganz doll lieb! Dein Biest!" Kummerangebot am Anfang
Erste Ansätze, mit einem Kummer-Angebot ins Netz zu gehen, ergaben sich schon 1993. "Ich steckte damals mitten in der Ausbildung zum Pastoralreferenten in einer städtischen Kirchengemeinde," erinnert Uwe Holschuh. Obwohl er viele Menschen persönlich kennenlernte, "richtig helfen konnte ich in dieser Zeit nicht", fügt er hinzu. So hatte er sich Seelsorge nicht vorgestellt. Deshalb suchte er nach an-deren Möglichkeiten, um mit Menschen in Not intensiv und nachhaltig Kontakt aufnehmen zu können. Berater dringend gesucht
Das Problem ist damals wie heute das Gleiche: "Wir brauchen momentan weniger Ratsuchende, sondern mehr Berater", so bringt es Uwe Holschuh auf den Punkt. Und diese Mitarbeiter sollen natürlich auch geschult werden. Im Bistum Würzburg, wo der Diakon mittlerweile eine dreiviertel Stelle als Internet-Seelsorger innehat, funktioniert das bereits ganz gut. Den Neuanfängern werden Paten an die Seite gestellt, die die ersten Schritte der Beratung begleiten. Zudem müssen sie bestimmte Texte und Bücher durcharbeiten sowie vierteljährlich an einer Supervision teilnehmen. Günter Kusch
Webseiten: www.kummernetz.de
Beharrlichkeit in GlaubensdingenSiehe, eine kanaanäische Frau kam und schrie: "Ach, Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt." Jesus antwortete und sprach: "Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel." Sie aber fiel vor ihm nieder und sprach: "Herr, hilf mir!" Da sprach Jesus: "Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde." Die Frau sprach: "Ja, Herr; aber doch fressen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen." Da antwortete Jesus: "Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst!" Und ihre Tochter wurde gesund in derselben Stunde.
Schade, dass wir ihren Namen nicht kennen. Sonst könnten wir nach dieser kanaanäischen Frau eine Kirche benennen. Denn die Erinnerung an sie, die Nichtjüdin aus der Gegend der Hafenstädte Tyrus und Sidon, sollte nicht verblassen, sondern unter uns wach bleiben. Weil sie ein Beispiel ge-geben hat für Mut und Unerschrockenheit; weil sie gezeigt hat, wie Grenzen überwunden und aufgelöst werden können; weil sie an die Grenzenlosigkeit von Gottes Zuwendung geglaubt hat und so zum Vorbild werden kann.
Jesu Verhalten in dieser Geschichte befremdet: Die unbekannte heidnische Frau schreit die Not ihres Herzens heraus, aber er bleibt abweisend und schroff. Er hilft nicht. Seine Sendung, so sagt er, gilt nur "den verlorenen Schafen vom Hause Israel", also allein den Juden, wenigstens zunächst.
Mit anderen Worten: Gott hat seine Prioritäten, die auch wir anerkennen lernen müssen. So hart das klingt: Wir haben kein Anrecht auf Gottes Erbarmen, auf Gottes Vergebung, auf Gottes Hilfe. Es ist wirklich Gottes freies und ungeschuldetes Erbarmen, wenn er sich uns zuwendet.
Die kanaanäische Frau hat dies verstanden, aber sie lässt nicht locker: "Ja, Herr, aber..." Einen großen Glauben nennt Jesus diese Antwort. Eine Antwort freilich, die unter Anfechtungen und Schmerzen geboren wird. Ein Glaube, der gelernt sein will. Viele meinen, glauben heiße, über Gott und über Jesus Bescheid zu wissen. Hier heißt es, dies sei der große Glaube: Sich an Gott zu hängen in Angst und Verzweiflung, aber mit einer unerschütterlichen Hoffnung; dies sei der große Glaube: Unter dem oft schroffen und harten Nein unseres Lebens das große Ja Gottes herauszuhören - wie jene fremde Frau mit dem befremdlichen Benehmen. Martin Luther hat die kanaanäische Frau einmal "Fürstin von Anhalt" genannt, weil sie sich Jesus in den Weg gestellt und ihm Hilfe abverlangt, das heißt ihn zur Erfüllung ihrer Bitte angehalten hat. Diese Benennung gefällt mir; denn sie erinnert an den Mut und die Unerschrockenheit dieser Frau, die sich durch Grenzen und Traditionen nicht hat beirren lassen; sie erinnert an ihren Glauben, der sich in Geduld und Hoffnung bewährte und mit Gottes grenzenloser Liebe rechnete. Diese Erinnerung ist nötig - für uns und unsere Kirche.
So sollen wir es wie diese fremde, namenlose, heidnische Frau machen, wie diese Frau mit dem großen Glauben: Sie lässt sich nicht erschrecken oder erbittern. Sie lässt sich Gottes Wort einfach gesagt sein, auch wenn es hart ist und ihr widerspricht. Sie will dennoch etwas bei Gott erreichen, nicht einfach für sich, sondern für die anderen. Ein großer Glaube!
Ludwig Markert,
Diakoniepräsident, Nürnberg
Wir beten: Wir bitten dich, Herr, dass wir lautstark für andere um Hilfe rufen und nach Kräften selbst helfen; dass wir nicht irre werden, wenn sich unsere Hoffnungen auf dich nicht so bald erfüllen; dass wir offener werden für alles, was zwar ungewohnt sein mag, aber trotzdem christlich ist. Herr, lass unseren Glauben an dich wachsen Tag für Tag. Amen. Lied 365: Von Gott will ich nicht lassen, denn er lässt nicht von mir. |
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