Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 40)

"Danke für alle guten Gaben..." - auch, wenn's wenig sind?

Was Landwirten in diesem Jahr zu Erntedank durch den Kopf geht

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Die Schattenseite des Jahrhundertsommers: Ein ausgetrocknetes Feld. Foto: Wodicka
   

Für die einen war es ein Jahrhundertsommer, für die anderen ein schlimmes Jahr. Weil der Regen ausblieb, klagen die Landwirte über Missernten und damit verbundene massive finanzielle Verluste. Das Sonntagsblatt wollte deshalb von Bauern wissen, was ihnen in diesem Jahr bei Erntedank durch den Kopf geht.

Erntedank als Lebensdank

Für Heidi Haag war es das schwierigste Jahr seit über 20 Jahren. "So eine schlimme Missernte gab es bis-her noch nie", meint die Landwirtin aus dem mittelfränkischen Lölldorf (Landkreis Ansbach). Wegen der extremen Trockenheit sei der Ertrag bei Getreide und Futterpflanzen heuer um die Hälfte niedriger als in einem normalen Jahr.
Sorge bereitet der stellvertretenden Kreisbäuerin des Landkreises Ansbach auch die im Spätsommer und Frühherbst ausgebliebenen Niederschläge: "Der Ende August ausgesäte Raps keimte nicht oder droht zu vertrocknen." Kein Wunder, denn der Boden sei inzwischen "hart wie Stein".
"Wir können nur hoffen und beten, dass die Lage im nächsten Jahr besser wird", meint die dreifache Mutter. Ein Jahr mit kräftigen finanziellen Einbußen könne noch überlebt werden. Ein zweites Mal aber wäre dies grausam. Heidi Haag lässt den Kopf nicht hängen. Sie vertraut vielmehr auf die Zusage Gottes, die er nach der Sintflut gegeben hat: "Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht."
Nachdenklich stimmt die Vollerwerbslandwirtin mit Milchviehhaltung, dass im Supermarkt von den Problemen der Bauern nichts zu spüren ist - "die Regale sind voll". Früher hätte ein Dürrejahr Auswirkungen auf die Gesellschaft gehabt. Heute sei davon nichts mehr zu merken. "Weil keiner etwas entbehren muss, wird auch nicht deutlich, dass es alles andere als selbstverständlich ist, sich jeden Tag an einen gedeckten Tisch zu setzen", meint Heidi Haag.
Für die 42-Jährige ist das Dürrejahr ein "Warnschuss an die Menschen, zu begreifen, dass sie nicht die Macher dieser Welt sind". Es sei eben nicht alles machbar: "Zum Gelingen der Arbeit braucht es den Segen Gottes."
Heidi Haag versteht Erntedank auch als Lebensdank. Deshalb gibt es für sie genug Grund zum Danken für Vieles, was nicht mit der Landwirtschaft zu tun hat. (Güs)

Wintervorrat wird verfüttert

Auch in der Oberpfalz gibt es Regionen, die durch die Dürre stark betroffen wurden. Erich Schieder, Kreis-obmann des bayerischen Bauernverbandes und Landwirt aus Floss, spricht von Ertragsausfällen, die im Bereich Ackerbau zwischen 20 und 30 Prozent und beim Grünland (Wiesen und Futteranbau) bei bis zu 40 Prozent liegen. Für seinen eigenen Betrieb geht er von mehr als 20.000 Euro aus, die ihm heuer in der Kasse fehlen. Allerdings besitze er, weil er diesmal vermehrt auf Silomais gesetzt hat, noch gewisse Reserven. Die Folgen: Zum Teil werde von Landwirten bereits der Wintervorrat an die Tiere verfüttert.
Und auch Notschlachtungen sowie Notverkäufe von Vieh seien an der Tagesordnung - auch Erich Schieder hat den Grundbestand leicht reduziert. Wenn der Obmann, der 18 Jahre lang Kirchenvorsteher war, auf das bevorstehende Erntedankfest angesprochen wird, sieht er jedoch nicht schwarz: "Es gab in anderen Ländern schließlich noch viel schlimmere Katastrophen," sagt der Kreis-Obmann. Man denke nur an die verheerenden Brände in Spanien und anderswo.
Außerdem versteht Schieder den Begriff "Erntedank" in einer umfassenden Weise, also auch auf das eigene Leben bezogen. Bei seiner Tätigkeit als Obmann könne er anderen Landwirten bei wichtigen Entscheidungen zur Seite stehen, Ratschläge geben und dann auch eine Art "Ernte" einfahren. "Dafür kann ich Gott nicht genug danken", unterstreicht Erich Schieder. Vor allem für seine Gesundheit, die ja Voraussetzung ist für diese "Frucht bringende" Arbeit. Und im Blick auf die Gaben des Ackers setzt Schieder auf das Prinzip Hoffnung: "Im nächsten Jahr wird die Ernte wohl wieder besser ausfallen!" (gük)

Hoffnung auf besseres Jahr

Zurückblicken und hadern, weil dieses Erntejahr schlecht gelaufen ist - das ist nicht das Ding von Ehepaar Renate und Hans Thürauf aus Gebsattel bei Rothenburg. "Wir sehen das Erntedankfest in diesem Jahr mehr auf die Zukunft bezogen", meint Hans Thürauf, "und bitten darum, dass das nächste Jahr wieder besser wird". Die beiden sind mit Leib und Seele Landwirte.
Die größten Ernteeinbußen haben Thüraufs vor allem beim Weizen. Und auch die Zuckerrübenernte wird vermutlich sehr schlecht ausfallen - mit Glück ist es etwas mehr als die Hälfte des Vorjahresertrags. "Aber im Vergleich zu den Bauern, die Kühe und Rinder haben, geht es uns mit Schweinezucht noch ganz gut", meint Hans Thürauf. Daher hat er seinen Mais, der als Körnermais für Schweine gedacht war, an Kollegen mit Rindvieh-Haltung verkauft. Diese haben den Mais gedroschen und siliert, um Futter für den Winter zu haben. "Viele mussten ihren Viehbestand verringern, weil sie die Tiere nicht über den Winter bringen würden."
Das Jahr sei zweifellos hart gewesen für die meisten Landwirte. "Aber im Zorn zurückblicken und mit Gott hadern - das bringt doch nichts", meint Renate Thürauf. "Es ist dieses Jahr eben mal so gelaufen, da kann man nichts ändern", pflichtet ihr Mann bei. Gleichzeitig räumt er ein, dass es Jahre gab, in denen ihm der Dank leichter von den Lippen ging. "Aber es steht uns nicht zu, uns da zu beschweren. Andere Generationen hatten auch mal so ein heißes Jahr mit schlechter Ernte zu verkraften." Das Landwirts-Ehepaar bedrückt, wie schlecht ihr Berufsstand in der Gesellschaft angesehen ist. "Manchmal wäre mehr Anerkennung gut." Für Renate Thürauf haben viele Menschen keinen Bezug mehr zur Landwirtschaft: "Sie gehen in den Supermarkt einkaufen, da gibt es ja alles. Sie fragen eher, wozu es noch Bauern braucht."
Doch 80 Millionen Menschen in Deutschland wollen versorgt werden, dabei gibt es in Deutschland nur noch rund 400.000 Vollerwerbsbetriebe. "Für mich hat Erntedank ganz klar damit zu tun, dankbar zu sein, dass man täglich was zu essen und zu trinken hat", sagt Renate Thürauf - "egal, ob es aus dem Supermarkt oder direkt vom Feld kommt". (Kil)

 

 

 


 

Die Schönheit und den Reichtum der Welt wahrnehmen

Lobe den Herrn, meine Seele! Herr mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt. Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet und die Erde ist voll deiner Güter. Es warten alle auf dich, dass du ihnen Speise gebest zur rechten Zeit. Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, werden sie mit Gutem gesättigt.

Psalm 104, 1+24 und 27+28



Evangelisches Sonntagsblatt
 
Foto: epd
 

Am Erntedankfest eine schön geschmückte Kirche zu betreten, erhebt meine Seele. Die Farben der Erntegaben, Abbild der Farben der Welt, der Geruch des Obstes, all das ist einfach Genuss pur. Es ist schön zu genießen. Es ist schön, mit allen Sinnen die Schönheit und den Reichtum der Welt, in der wir leben, wahrzunehmen. Dieser Genuss weckt in mir gleichzeitig den Impuls, einzustimmen in das Lob des Beters des 104. Psalms.

Das Lob sagt ja nichts anderes als: Es ist wunderschön, es ist herrlich, es ist sehr gut. Das Lob drückt meine Freude aus, meinen Genuss. "Alles hat Gott schön gemacht zu seiner Zeit", so formuliert dies der Prediger des Alten Testamentes. Im Lob der Schöpfungsgaben vor meinen Augen, vor meinen Sinnen werde ich dessen fast wundersam gewahr: So ist es!

Es ist wunderschön und das einzig passende Wort in diesem Moment ist das Lob. Am Erntedankfest eine schön geschmückte Kirche genau zu betrachten, erhebt meine Seele. Voller Güter Gottes ist diese Welt und seine Gaben sind nicht nur schön, nicht nur Genuss, sondern auch wichtig, lebenswichtig, überlebenswichtig. Ohne das frische Wasser aus den Quellen, ohne das Brot, aus Gottes Gaben und menschlicher Arbeit entstanden, wäre Leben nicht möglich. Gott schenkt mir alles, was ich brauche, um zu leben. So kann ich nur einstimmen in den Dank des Psalmbeters. So wird mir klar und deutlich, dass ich mein Leben nicht selber in der Hand habe. Gottes Hand ist es, aus der mein Leben kommt und durch die es erhalten wird. Einzustimmen in den Dank des Psalms, in den Dank dafür, dass Gott mich mit Gutem sättigt, lässt mich auch nachdenken. Nachdenken darüber, was denn wirklich elementar wichtig ist für mein Leben und in meinem Leben. Nachdenken darüber, wie oft Nebensächlichkeiten meine Gedanken, meine Energie, meine Konzentration gefangen nehmen. Nachdenken darüber, was alles zur Hauptsache in meinem Leben geworden ist. Im Dank wird mir gewahr: Gott hält mein Leben in seiner Hand. Das alleine ist wichtig.

Am Erntedankfest in einer schön geschmückten Kirche dann zu schweigen und zu beten, erhebt meine Seele. Ich bringe in die Stille, in das Gebet, alle Probleme bei der Erhaltung von Gottes Schöpfung, alle Seufzer der gesamten Schöpfung mit. Meine Bitte ist dann die Bitte um Gottes Heiligen Geist. Er alleine kann und soll Hilfe sein, die Bedeutung dessen, was ich sehe und rieche, für mein Leben wirklich zu erkennen. Er alleine kann und soll mir auch Hilfe sein, meine Verantwortung wahrzunehmen. Die Verantwortung, die Gott uns Menschen übertragen hat, seine Schöpfung zu gestalten und zu bewahren. Die Verantwortung, diesen Auftrag in die Anforderungen unserer Welt hinein zu übersetzen. Gottes Geist kann und soll mir Hilfe sein, meine Aufgabe wahrzunehmen. Die Aufgabe, an meinem Platz, in meinem Leben zu erkennen, wo ich tätig werden kann und wo nicht. Die Aufgabe, immer wieder neu die eigene Schuld und Untätigkeit nicht zu leugnen oder zu rechtfertigen, sondern den Ruf zur Umkehr zu hören. Am Erntedankfest in einer schön geschmückten Kirche zu sein erhebt die Seele. Sie ist erhoben im Lob der Schönheit der Welt, im Dank für alle Gaben, in der Bitte um Gottes Geist der Einsicht und der Umkehr.

Pfarrer Bernd Reuther, Volkshochschule am Hesselberg

Wir beten: Quelle unseres Lebens, wunderbar sind deine Werke. Aus deiner Mitte entspringt alles Leben. Du bist Grund und Ziel unseres Lebens. So bitten wir dich um deinen Heiligen Geist. In ihm allein erkennen wir wirklich was ist, was gut ist für das Leben und was nicht sein soll. Durch ihn allein schenkst du uns die Kraft, umzukehren und deiner Schöpfung zu dienen. Amen.

Lied 654: Die Erde ist des Herrn

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