Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 39)

Im Weinberg des Herrn

Was die Kirche mit ihrem Grundbesitz macht

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Herr im kirchlichen Weinberg: Pfarrer Wolfgang Popp (Rödelsee).

Einmal im Monat geht Wolfgang Popp zum Winzerstammtisch. In gemütlicher Runde fachsimpelt er mit anderen über Weinbau. Ob geänderte Vorschriften für Spritzmittel oder neue Rebsorten - für genug Gesprächsstoff ist gesorgt. "Der Weinbau ist eine Wissenschaft", meint der 44-Jährige, der eigentlich ein Seiteneinsteiger ist und sich mittlerweile sehr sachkundig gemacht hat. Popp arbeitet im Hauptberuf als Pfarrer in der unterfränkischen Weinbaugemeinde Rödelsee (Landkreis Kitzingen). Zu seiner Gemeinde gehören nicht nur 1.000 Seelen, sondern auch ein Hektar Weinberge, die im kirchlichen Besitz sind.
Die Reben - sie ergeben pro Jahr rund 6.000 bis 7.000 Liter - liefert der Geistliche an eine Winzergenossenschaft. 300 Liter baut er selbst in Fässern im Pfarrhauskeller aus. Die edlen Tropfen verwendet er abgefüllt auch als Abendmahlswein. Finanziell gesehen lohnt sich der ganze Aufwand kaum. "Der Weinbau ist momentan ein hartes Geschäft", meint Popp. Es werde fast soviel in den Weinberg investiert wie herausgeholt wird. Der Geistliche sieht deshalb den Weinbau in erster Linie als Zeichen an: "Wir können ihn als Evangelische in einem Winzerort nicht aufgeben." Zudem sei der Wein ein uraltes christliches Symbol.

Einkommen des Pfarrers


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Erzeugnisse aus dem Weinberg. Fotos: güs
   
Seit Jahrhunderten besitzen die Protestanten in der unterfränkischen Gemeinde landwirtschaftliche Flächen, auf denen Wein angebaut wird. Die Flächen dienten dazu, das Einkommen des Pfarrers zu sichern. Er bekam - anders als heute - kein Gehalt von einer zentralen Stelle der Landeskirche, sondern lebte vom Ertrag der Grundstücke. Zum Teil bewirtschaftete er sie sogar selbst.
Wurden in früheren Jahrhunderten Kirchen gebaut, mussten zwei Stiftungen vorhanden sein. Zum einen für den Bau und Unterhalt der Gotteshäuser die Kirchenstiftung. Und zum anderen die Pfründestiftung, die der Besoldung der Geistlichen diente. Aus diesem Grund besitzt die evangelische Kirche heute noch viel Ländereien (siehe auch Seite 9). Lange Zeit war der Pfarrer für die Verwaltung und Bewirtschaftung der Grundstücke zuständig. Neben seinen seelsorgerlichen Aufgaben ein erheblicher Aufwand. "Teilweise hatte ein Pfarrer bis zu 100 Schuld-ner, mit denen er sich auseinandersetzen musste, um seinen Lebensunterhalt zu sichern", berichtet Ulrike Kost vom evangelischen Pfründestiftungsverband in Bayern. Kein Wunder, dass Konflikte nicht ausblieben. Ließ ein Pfarrer einem Schuldner etwas nach, bekam er es in der eigenen Tasche zu spüren: Sein Einkommen sank. Noch etwas führte zu Problemen. Es gab arme und reiche Pfründe. In der einen Gemeinde hatte ein Geistlicher ein gutes Einkommen, in der anderen nagte er am Hungertuch. Um den Lebensunterhalt zu sichern, erhielten Pfarrer laut Kost "zunehmend staatliche Aufstockungsleistungen".
Um Geistliche von zusätzlichen Aufgaben und Probleme zu entlasten und ihnen ein regelmäßiges Gehalt zu garantieren, wurde 1935 der evangelische Pfründestiftungsverband gegründet. Er vertritt und verwaltet seitdem die Pfründestiftungen im Freistaat - inzwischen sind es 1.840. Der Verband ist gegenwärtig zuständig für rund 5.000 Hektar Felder und Wiesen sowie 1.800 Hektar Wald in Bayern. Damit zählt er mit zu den größten Grundstücksbesitzern im Freistaat.
Was auf den ersten Blick wie ein großes Vermögen erscheint, stellt sich bei genauerem Hinsehen anders da. Beispiel Forst: "Es bedarf spezifischer Fachkompetenz, um heute noch schwarze Zahlen im Wald zu schreiben", erklärt Pfründestiftungsverbands-Geschäftsführerin Ulrike Kost. Weil es viele kleine Forstflächen gebe, sei deren Bewirtschaftung schwierig. Bei der Verpachtung von Feldern und Wiesen stagnierten die Erträge.
Damit mehr Einnahmen in die Kirchenkasse fließen, hat der Verband schon vor 30 Jahren begonnen, neue Wege zu gehen. Auf vorhandenen oder zugekauften Grundstücken wurden Gebäude gebaut. Deren Mieteinnahmen machen inzwischen bereits fast die Hälfte der direkten Erträge von rund vier Millionen Euro aus. Nur noch 20 Prozent kommen aus der Verpachtung landwirtschaftlicher Flächen.

Ertragsstärkere Anlagen

Um zukünftig die wirtschaftliche Situation weiter zu verbessern, will die kirchliche Organisation - so die Geschäftsführerin - vorsichtig "den Schwerpunkt aus den landwirtschaft-lichen Erträgen in ertragsstärkere Anlagen verlagern". So wurde in den letzten Jahren Vermögen zum Beispiel auch in Immobilienfonds angelegt, etwa in großen gewerblichen Objekten wie der Messe München-Riem. "Ein neues Standbein für die Pfründestiftungen", unterstreicht die Kirchenoberverwaltungsdirektorin. Solche strategischen Überlegungen sind für den Rödelseer Pfarrer weit weg. Wolfgang Popp geht es um den christlichen Auftrag: "Als Kirchengemeinde stehen wir besonders in der Verantwortung, die Erde zu bebauen und zu bewahren." Deshalb engagiert er sich mit anderen zusammen für den Weinbau - als Hobbywinzer.

Günter Saalfrank

 

 

 


 

Mit mehr Gelassenheit durchs Leben gehen

Darum sage ich Euch: Sorgt nicht um Euer Leben, was ihr Essen und was ihr trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht... Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach all dem trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit...

Aus Matthäus 6, 25-34



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Jesus ruft dazu auf, sich nicht unnötig zu sorgen: "Schaut euch die Lilien auf dem Feld an!" Foto: Dennerlein
 

Unser Bibeltext spricht eine tiefe Sehnsucht in uns an. Die Sehnsucht danach, loslassen zu können und gelassen durchs Leben zu gehen. Das wurde mir deutlich, als ich neben der Autobahn folgendes Plakat entdeckte: Darauf stand: Entdeckung der Gelassenheit. Den Hintergrund für diesen Satz bilden Lichtspuren von schnell fahrenden Autos und ein Segelschiff. Ein seltsames Bild. Es ist zu verstehen, wenn man das Buch: "Die Entdeckung der Langsamkeit" von Sten Nadolny kennt. Die Autofahrer werden aufgefordert das Tempo zu drosseln, nicht aggressiv zu fahren. Gelassenheit: Ein Programm gegen Zeitdruck, Stress und Sorgen.

Sorgen treiben uns um, obwohl wir noch nie so gut versichert waren wie heute. Und doch machen wir uns Sorgen. Darum, dass die Enkelkinder einen Ausbildungsplatz bekommen, dass zwei Menschen einen Weg aus ihrer Ehekrise finden, wegen einer Krankheit die plötzlich in unser Leben hereingebrochen ist. Keine Sorgen zu haben, das ist die Sehnsucht. Frei sein wie die Vögel unter dem Himmel, einfach da sein wie die Lilien auf dem Feld, und es gut sein lassen. Einfach da sein dürfen und mich des Lebens freuen. Das wäre der Traum.

Matthäus schreibt seine Sätze für missionarische Wanderprediger. Wanderprediger wie auch Jesus einer war. Unterwegs auf staubigen Straßen, von Ort zu Ort auf Gastfreundschaft und das Wohlwollen der Menschen angewiesen. Matthäus will sagen: Lasst euch in eurem Leben nicht von euren Sorgen auffressen. Lasst euch nicht bestimmen von der Sorge nach Essen und Kleidung, sonst überseht ihr die Vielfalt des Lebens. Lebt im Heute, lebt im Jetzt. Lasst euch aber davon bestimmen, dass Gott mit seiner Lebendigkeit und Sorge für euch da ist. Sein Reich hat schon begonnen. Wo ihr darauf vertraut, könnt ihr es auch merken. Tragt selbst dazu bei, dass das Leben von Gerechtigkeit bestimmt wird. Gott will, dass unser Zusammenleben gelingt. Achtet auf eure Mitmenschen, mischt euch ein, wo Unrecht geschieht. Wo über jemanden hergezogen wird, wo einer übers Ohr gehauen wird, wo jemand ausgegrenzt wird.

Was können wir tun, wenn uns die Sorgen wieder einmal eingeholt haben? Bei dem Mystiker Johannes Tauler habe ich ein schönes Bild gefunden, wie wir mit den hartnäckigen Sorgen verfahren können: "Trage deinen Mist - das sind deine Gebrechen, die du nicht abtun, ablegen, noch überwinden kannst - mit Mühe und Fleiß auf den Acker des liebreichen Willen Gottes in rechter Gelassenheit deiner selbst. Es wächst ohne Zweifel in einer demütigen Gelassenheit köstliche wohlschmeckende Frucht daraus." Das ist eine Übung, sich immer wieder an Gott zu wenden, ihm die Sorgen um den Arbeitsplatz, die Ehe hinzuhalten und ihm zu vertrauen, dass meine Kraft ausreicht und dass aus der Situation Gutes entstehen kann. Die Probleme, lösen sich nicht in Luft auf, aber sie haben eine Adresse an die ich sie weiter geben kann. Gott der gute Vater. So kann sich in mir eine Gelassenheit ausbreiten, die den Unterschied heraus findet zwischen den Dingen, die ich ändern kann und jenen, die ich nicht ändern kann. So kann ich aufhören um mich selber zu kreisen. Es ist die Übung der Gelassenheit, die entdeckt, dass der liebende Vater sich für und um uns sorgt.

Cornelia Dennerlein, Diakonin in Rummelsberg

Gebet: Das Leben ist manchmal von Sorgen schwer, Gott, ich sehne mich danach, ganz viel Vertrauen in dich zu haben. So viel, dass ich spüre, ich bin dir wichtig, und alles was ich erlebe und was mich beschwert dir sagen kann. Wir brauchen Kraft, um uns mit unseren Sorgen an dich zu wenden und uns zur Leichtigkeit befreien zu lassen, so dass Kraft frei wird, um mich für andere Menschen und für deine Gerechtigkeit stark zu machen. Du bist da. Danke!

Lied 165: Gott ist gegenwärtig.

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