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Der Nahe Osten bleibt ein Pulverfass
"Gerade haben sie da vorne einen erschossen." Der Blechner in einer alten Werkstatt in A-Ram, einem Dorf nördlich von Jerusalem zieht an seiner Zigarette. Für den Palästinenser Suleiman Abu-Raliya aus Jericho gibt es keine Hoffnung mehr. Er ist tot. Warum er am 3. August der Aufforderung der Soldaten, anzuhalten, keine Folge geleistet hat, wird sich erst nach einiger Zeit klären. Schrittweise Annäherung
Kein stabiler Zustand
Natürlich ist es in der palästinensischen Gesellschaft spürbar, wenn Zehntausende von Arbeitern tagsüber nach Israel einreisen dürfen; wenn Straßensperren abgebaut werden und Besuche in benachbarten Städten bei Freunden und Verwandten einfacher werden. Aber jeder ist sich darüber im Klaren, dass diese Erleichterungen von einem Tag auf den andern Schnee von gestern sein können. Und die Gesamtlage hat sich nicht verändert: Das (aus palästinensischer Sicht) übermächtige Israel ist allgegenwärtig. Nur vage Hoffnung Der Nahostkonflikt ist weder eine Grenzstreitigkeit zwischen Israel und dem Libanon, noch eine lokale ethnische Auseinandersetzung zwischen Israelis und Palästinensern. Solange es islamische Staaten gibt, die an die Anerkennung eines jüdischen Staates im muslimisch dominierten Nahen Osten Bedingungen knüpfen, wird jeder Hoffnungsschimmer nur zu leicht zum zündenden Funken im Pulverfass Nahost.
Die Wurzel unseres GlaubensUnd als er nahe hinzukam, sah er die Stadt und weinte über sie und sprach: Wenn doch auch du erkenntest zu dieser Zeit, was zum Frieden dient! Aber nun ist's vor deinen Augen verborgen. Denn es wird eine Zeit über dich kommen, da werden deine Feinde um dich einen Wall aufwerfen, dich belagern und von allen Seiten bedrängen, und werden dich dem Erdboden gleichmachen samt deinen Kindern in dir und keinen Stein auf dem andern lassen in dir, weil du die Zeit nicht erkannt hast, in der du heimgesucht worden bist.
Was für eine furchtbare Vision: Jerusalem, dem Erdboden gleichgemacht, weil es den Willen Gottes nicht erkannt hat! Beinahe wie ein Fluch hört sich an, was Jesus der Stadt prophezeit. Der zunehmende bewaffnete Widerstand gegen die römische Besatzungsmacht führte im Jahr 70 unserer Zeitrechnung zur Zerstörung Jerusalems. Es wäre möglicherweise anders gekommen, wenn man zeitig erkannt hätte, was zum Frieden dient. Aber die jüdischen Widerstandskämpfer verfolgten ihr Ziel - die Unabhängigkeit von den Römern - so entschlossen, dass sie blind waren für die Folgen ihres Kampfes, für die Übermacht ihrer Feinde. Heute hätte Jesus wieder Grund zum Weinen. Immer wieder hören wir von blutigen Selbstmordattentaten der Palästinenser und von nicht weniger blutigen Vergeltungsschlägen Israels. Man tut sich schwer, für die eine oder andere Seite Partei zu ergreifen, da weder die einen noch die anderen so handeln, dass man es uneingeschränkt gutheißen könnte. Die Unerbittlichkeit, mit der diese beiden Völker einander bekämpfen, ist erschütternd und - jedenfalls für Außenstehende - unverständlich. Dabei schien noch vor zehn Jahren, als Jitzhak Rabin israelischer Ministerpräsident war, der Frieden im heiligen Land greifbar nahe zu sein... Ach, Jerusalem! Wir sollten uns jedoch davor hüten, besserwisserisch zu sein. Gegen das, was den Juden in den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft hier in Deutschland, hier in unserer Heimat angetan wurde, verblassen die aktuellen Geschehnisse im Nahen Osten. Im Jahre 1939 hätte Jesus Deutschland beweinen müssen, weil es nicht erkannte, was zum Frieden dient, und auch die Kirche konnte oder wollte nichts tun, das Unheil aufzuhalten. Sechs Jahre später waren viele unserer Städte dem Erdboden gleich, kein Stein auf dem andern... Ach, Deutschland! Es gibt also nichts, wessen wir uns rühmen könnten. Vor Jerusalem, vor dem Volk Israel mag verborgen geblieben sein, was zum Frieden dient, vor uns Christen genauso. Beide sind wir gescheitert, und unsere Fehler wiederholen sich; aber beide haben wir auch einen Bund mit Gott und eine Verheißung. Heute sehen wir deutlicher als je zuvor, wie Juden und Christen zusammengehören. Jesus Christus ist, was uns vom Judentum trennt und zugleich verbindet. Durch ihn sind wir miteinander verwandt und doch entfremdet. Jesus, Petrus und Paulus, die wichtigsten Personen des Christentums, waren Juden. Sie wollten keine neue Religion begründen, sondern die alte erneuern und, wie Jesus sagte, "erfüllen". Israel war die Wurzel des christlichen Glaubens, und diese Wurzel trägt die Kirche heute noch, auch wenn das Judentum nicht erkennt, dass in Jesus der verheißene Erlöser das Gottesvolk besucht hat. Aus Israel ist uns, die wir nicht zum Volk des alten Bundes gehören, das Heil gekommen. Jesus weinte über Jerusalem, weil es nicht erkannte, was zum Frieden dient, aber das Volk Israel hat unserem gemeinsamen Gott kaum mehr Kummer bereitet als wir selbst. Beide sind wir angewiesen auf Gottes Vergebung, und nirgends sind wir uns näher als in dieser gemeinsamen Hoffnung. Pfarrer Michael Weber, Bechhofen Wir beten: Gott im Himmel, groß ist das Elend, dass aufgrund unserer Hartherzigkeit und Verstocktheit über uns gekommen ist und noch immer über uns kommt. Viel zu oft haben wir verkannt, was zum Frieden dient, viel zu oft haben wir die Zeit verkannt, in der wir heimgesucht wurden. Hilf uns, deinen wahren Willen zu erkennen, dass wir, dein altes und dein neues Volk, dir miteinander dienen, zur Ehre deines heiligen Namens. Amen. Lied 430: Gib Frieden, Herr, gib Frieden |
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