Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 32 )

Offene Kirchentüren - Zeichen einer einladenden Kirche

Mehr als die Hälfte der evangelischen Gotteshäuser ist tagsüber geöffnet

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"Kennen Sie den Unterschied von einer katholischen und einer evangelischen Kirche? Ganz einfach, die katholische Kirche ist immer geöffnet, frei zugänglich, und das evangelische Gotteshaus ist allermeist verschlossen." Der Freiburger Historiker, Professor Reinhard Siegert, bestätigt das spitzige Sätzlein anlässlich eines Besuches der Markgrafenkirche in Wald im Fränkischen Seenland (Dekanat Gunzenhausen). "Es ist ein Jammer! Das Äußere der Kirche ist oft anziehend und vielversprechend. Man möchte die Türe öffnen und hineingehen. Man möchte - aber: zugesperrt. Und in einem fremden Dorf oder Städtchen erst nach dem Schlüssel fragen, das ist oft vertane Zeit."
Ingrid Birke, die Mesnerin der Walder Markgrafenkirche hält dagegen: "Unsere Kirche ist immer offen. Es kommen auch verhältnismäßig viele Besucher." Direkt am Altmühlsee gelegen, sei das auch kein Wunder, räumt sie ein. "Wir freuen uns über jeden Menschen, der den Weg in unser schönes und historisch wertvolles Gotteshaus findet." Interessant seien die Gedanken, die von den Besuchern ins Gästebuch geschrieben werden.

Hilfe zum Leben


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Offene Kirchentüren kommen bei den Menschen in der Regel gut an. Egal ob jemand einfach nur die Stille sucht oder Kunstwerke des Gotteshauses besichtigen will.
   
Unter dem Motto "Kirchen sind Orte, die zum Leben verhelfen" hat Landesbischof Dr. Johannes Friedrich einen Aufruf erlassen. "Wir haben mit unseren Kirchenräumen einen gro-ßen Schatz", so der Landesbischof. "Gemeindeglieder und Gäste von nah und fern, die eine Sehnsucht nach religiösem Erleben in sich tragen, finden hier Möglichkeiten der Begegnung mit Gott, aber auch mit Menschen. Kirchen können zu Rastplätzen und Oasen in der Hektik des Alltags und Zufluchtsstätten in Notsituationen werden. Geöffnete Kirchen wollen auch Orte des Friedens und Zuflucht für Bedrückte sein." Friedrich betont: "Wir möchten als Kirche offen, deutlich aufgeschlossen und verlässlich sein. Offen den Dialog suchen und aufgeschlossen den Menschen in ihrer Lebenswelt begegnen, nicht zuletzt durch geöffnete Kirchengebäude." Der Landesbischof beschließt seinen Aufruf an die Gemeinden: "Ich möchte Ihnen Mut machen, Ihre Kirche außerhalb der Gottesdienstzeiten zu öffnen!"

Positive Resonanz

Viele Gemeinden sind dem Aufruf des Landesbischofs gefolgt und haben ihr Got-teshaus für Besucher geöffnet. Der Kirchenkreis Nürnberg berichtet: Die Besucherzahlen in den Kirchen waren je nach Lage und Bekanntheitsgrad der Kirche sehr unterschiedlich. Eine verlässliche Besucherzählung war nicht zu leisten - eine Schätzung spricht von knapp 1.500 Menschen, die täglich die geöffneten Kirchen aufgesucht haben. Viele Gemeinden zeigten sich enttäuscht über die nur sporadischen Besucher. Hingegen stieß die Tatsache der geöffneten und geschmückten Kirchen bei den Besuchern auf uneingeschränkte positive Resonanz, wie auch die Einträge in den Gästebüchern belegen.

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In manchen Kirchen liegt ein Gästebuch aus, das von Besuchern gern genutzt wird.
   
Die Rückmeldung aus dem Gesamtbereich der Landeskirche besagt, dass in den Kirchenkreisen München und Nürnberg rund drei Viertel der Gotteshäuser für Besucher offen sind, in Regensburg und Augsburg sind es weit mehr als die Hälfte. In den nordbayerischen Kirchenkreisen Ansbach-Würzburg und Bayreuth ist jede zweite Kirche neben den Gottesdienstzeiten geöffnet. 83 Prozent der geöffneten Kirchen sind sogar täglich sieben Stunden und mehr für die Besucher zugänglich. 86 Prozent der Gemeinden verzeichnen eine gute Resonanz und viele Besucher. Einzelne Gemeinden machten allerdings auch Erfahrungen mit Diebstahl, Verunreinigung oder Beschädigungen.

Manche bleibt zu

Eine der wertvollsten fränkischen Dorfkirchen bleibt jedoch verschlossen: Die Dorfkirche von Kalbensteinberg (Dekanat Gunzenhausen). Wer sie betritt hat zunächst den Eindruck, mehr in eine Kunsthalle mit Werken der späten Gotik und der frühen Renaissance zu kommen. In der Kirche befinden sich viele wertvolle Kunstgegenstände. Mesner Karl Herzog: "Wir können unsere Kirche unter keinen Umständen unbewacht offen lassen. Wenn Sie in ein Museum gehen, das so wertvolle Kunstgegenstände birgt wie unsere Kirche, sind ständig Wärter da. Unsere verhältnismäßig kleine Gemeinde hat nicht so viele Personen zur Verfügung, die den ganzen Tag über Aufsicht halten könnten. Wir haben einen Tagesdurchschnitt von 80 bis 100 Besuchern. Wir haben einfach Angst vor dem Vandalismus. Mein Vorschlag: Wer die Rieter-Kirche besuchen möchte, ruft vorher an, vereinbart einen Termin und schon klappt die Sache." Für alle Kirchen gilt: Wenn ein Gotteshaus schon abgeschlossen ist, sollte ein Schild anzeigen wo der Schlüssel erhältlich ist.

Werner Spoerl, Fotos: wsp (2)/ kil

 

 

 


 

Leben und Glauben im Licht

Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und stellt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter, so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Matthäus 5, 14-16



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Das Bild zeigt die Heilige Barbara in der Hundertwasserkirche in Baernbach in Österreich. Foto: Wodicka
 

Die Christen sind das Licht der Welt!? Ist das nicht zu dick aufgetragen, viel zu vollmundig? Stünde Jesus und den Christen nicht eine bescheidenere Formulierung besser zu Gesicht? Zum Beispiel: "Ihr könnt Licht sein." Werden die Kirchenkritiker nicht wieder Salz in die Wunden des Christentums streuen? Wo und wie macht sich das denn bemerkbar, dass Christen das Licht der Welt sind? Müssten sie nicht liebevoller miteinander umgehen? Müssten sie nicht ihrem Vorbild Jesus besser nachleben? Müsste ihr Glaube nicht gefestigter sein? Sind es nicht Christen, die Dunkelheit und Schatten verbreiten?
Also kleinere Brötchen backen, bescheidener sein, sich an die eigene Nase fassen, statt auffallen um jeden Preis, statt aggressiver Marketingstrategie: Wir Christen das Licht der Welt? Sind diese Verse aus der Bergpredigt der Aufruf an die Christen, besser zu werden? Haben sie sich mehr anzustrengen, damit der Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit kleiner wird. Müssen sie mehr tun, um als Vorbilder zu gelten? Es ist einfach, Kritik zu üben, mit Fingern auf andere zu zeigen, ohne sich selbst einzubringen, ohne Bereitschaft, die andere Seite kennen zu lernen.
Ein Junge ging mit seiner Mutter einkaufen. Auf dem Weg zum Markt kamen sie an einer großen Kirche vorbei. Der Junge sah an der Kirchenfassade hoch und bemerkte: "Die großen Fenster sind ja ganz schön schmutzig." Die Mutter sagte nichts, nahm den Jungen bei der Hand und führte ihn in die Kirche. Da staunte er. Die Fenster, die von außen grau und schmutzig aussahen, waren strahlend bunt und leuchteten in den schönsten Farben. Ein Heiliger gefiel dem Jungen besonders gut. Ein paar Tage später im Religionsunterricht fragte der Lehrer: "Wer kann mir sagen, was ein Heiliger ist?" Nur der Junge meldete sich: "Ein Mensch, durch den die Sonne scheint."
Christen sind nicht von sich aus das Licht der Welt. Nicht aus eigener Leistung, weil sie besonders fromm wären oder ihr Glaube besonders stark. Sondern weil sie transparent und lichtdurchlässig sind. Sie sind Licht in Verbindung mit Christus, dem Licht der Welt. Sein Licht scheint durch sie auf diese Welt. Das können sich die Christen nicht in ihr Stammbuch schreiben, das ist nicht ihre eigene fromme Leistung. Dies geschieht in der Verbindung mit Jesus Christus. Im Leben der Christen spiegelt sich die Liebe Gottes wieder. Ja, sie sind das Zeichen der Liebe und des Lichtes Gottes in dieser Welt. Nicht weil sie so gut sind, sondern weil Gott sie gebraucht, weil sie sich in dieses Licht stellen, vom ihm erleuchtet werden und damit zum Beispiel für andere.
Dieses Wort Jesu ist eine fantastische Zusage. Ihr braucht als Christen euer Licht nicht unter den Scheffel stellen. Ihr bewirkt viel mehr, als ihr euch manchmal vorstellt. Ihr braucht nicht klein beigeben, als Menschen durch die das Licht Gottes scheint. Ihr könnt aufleuchten lassen, was euch geschenkt ist. Und dazu gehört auch ein gesundes christliches Selbstvertrauen. Und Christen, die es wie diese Mutter machen. Andere bei der Hand nehmen, ihnen die fröhlich bunte Innenseite des Christseins zeigen und darauf aufmerksam machen, dass die erste Wahrnehmung nicht immer die richtige ist. So verändern Menschen ihren Standpunkt, so werden sie aufmerksam für ein Leben im Licht Gottes.

Pfarrer Dieter Knihs, Schönwald

Wir beten: Aus dem Dunkel, Herr, rufst du uns ins Licht, aus der Traurigkeit in die Freude, aus der Mutlosigkeit in die Hoffnung, aus der Verlassenheit in die Gemeinschaft. Du bist das Licht, das durch uns wirken will. Wir brauchen uns nicht selber unnötig anzustrengen. Dein Licht macht unser Leben hell, für uns und für andere. Amen.

Lied 455:"Morgenlicht leuchtet"

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