Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 31 )

"Die Stimmung ist so schlecht wie noch nie"

Bauernverbands-Chef und kirchlicher Experte zur Lage in der Landwirtschaft

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Die Bauern stöhnen unter einer Jahrhunderttrockenheit. Bei Getreide ist nach Schätzungen des bayerischen Bauernverbands-Vizepräsidenten Jürgen Ströbel in Franken mit Ertragseinbußen von 50 Prozent zu rechnen. Fotos: güs
   

"Die Stimmung bei den Landwirten war noch nie so schlecht wie zur Zeit", bringt es der Vizepräsident des Bayerischen Bauernverbandes, Jürgen Ströbel (Rügland) auf den Punkt. Schuld daran sei nicht nur die Jahrhunderttrockenheit, sondern den Landwirten drücke an mehreren Stellen der Schuh.
Mit Ertragseinbußen von durchschnittlich 50 Prozent rechnet Ströbel durch die lange Hitzeperiode. "Ich kann mich nicht an ein so trockenes Jahr erinnern", meint der 55-Jährige, der seit vier Jahrzehnten in der Landwirtschaft aktiv ist.

Gefallene Erzeugerpreise

Zu schaffen machen den Landwirten dem mittelfränkischen Bauernverbands-Präsidenten zufolge auch die gefallenen Erzeugerpreise. Für fast alle Produkte werde 25 Prozent weniger als 2001 gezahlt. Auch die Preise für Rindfleisch, die nach dem Ende der BSE-Krise zugelegt hätten, gingen mittlerweile wieder zurück: "Der niedrige Schweinepreis hat den Rindfleischpreis mit nach unten gezogen."
Sorgen macht den Bauern - so Ströbel - zudem die agrarpolitische Lage.Die jüngsten Beschlüsse der Europäischen Union (EU) und die geplanten Maßnahmen der Bundesregierung zur Steuerreform erschwerten die Arbeit in der Landwirtschaft. Der ohnehin schon zeitraubende bürokratische Aufwand nehme dadurch noch weiter zu. Genau das Gegenteil sei aber erforderlich: "Das Verwaltungswirrwar muss dringend vereinfacht werden."
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Machen sich bei einem Maisfeld ein Bild von den Auswirkungen der langen Hitzeperiode: Der mittelfränkische Bauernverbands-Chef Jürgen Ströbel (links) und Pfarrer Armin Diener von der landwirtschaftlichen Familienberatung der evangelischen Landeskirche.
   

Verraten von der Politik?

"Viele Landwirte fühlen sich verraten von der Politik", meint Pfarrer Armin Diener (Unterampfrach) von der Landwirtschaftlichen Familienberatung der bayerischen Landeskirche. Der Geistliche, zur einen Hälfte Gemeindepfarrer im Dekanat Feuchtwangen, zur anderen für die Sonderaufgabe in der Landwirtschaft zuständig, spricht von ei- ner "absolut schlechten Stimmung". "Die EU-Politik ist für die Bauern nicht mehr berechenbar." So fragten sie sich zum Beispiel, welche Nachteile die geplante EU-Erweiterung nach Osten für sie mit sich brächte. Erweitern, aufgeben oder den Gürtel enger schnallen? Vor dieser Wahl stehen Landwirte zunehmend. Zwar gibt es - so Ströbel - schon seit Jahrzehnten den Stukturwandel in der Landwirtschaft: Seit 1960 wurden zwei Drittel alle Höfe in Deutschland aufgegeben. Doch habe sich nun die Lage dramatisch zugespitzt: "Jetzt geht es bei vielen Betrieben wirklich an die Substanz."

Enorme Existenzängste

"Viele Bauern haben enorme Existenzängste", beschreibt Pfarrer Armin Diener die Situation. Der Geistliche mit Zusatzqualifikation Volkswirtschaft ist mit einem Team von 17 ehrenamtlich Mitarbeitenden - unter ihnen Landwirtschaftsmeister, Unternehmer oder Behördenleiter - zusammen Ansprechpartner für Menschen aus der Landwirtschaft (Telefon 07950/2037). Bei persönlichen, familiären oder betrieblichen Problemen begleitet und berät er sie. "Durch den Existenzdruck haben die Spannungen in den Familien zugenommen", berichtet der Seelsorger. Die Folge seien vermehrte Familienstreitigkeiten und Ehekonflikte. Partner würden sich auch entfremden. "Mein Mann ist nur noch am Schaffen, ich weiß gar nicht, was er denkt", klagte eine Landwirtin Diener ihr Leid.
"Manchmal spielen sich regelrechte Dramen ab", erzählt der Pfarrer. Vor allem, wenn Betroffene keinen Überblick darüber hätten, wie hoch wirklich ihre Verbindlichkeiten seien. Wenn ein Hof aus finanziellen Gründen aufgegeben werden müsse, hänge daran das Lebenswerk und die Existenz. "Der Verlust des Arbeitsplatzes ist immer schmerzlich, doch in der Landwirtschaft ist noch viel mehr damit verbunden", meint Diener. Vor allem, weil Bauern auch in ihren Arbeitsplatz investieren, etwa durch eine moderne Melkanlage oder einen neuen Stall. Nicht selten würden dafür auch Kredite aufgenommen. "Die ganze Existenz kann wegbrechen, wenn ein Betrieb bankrott ist," so der landwirtschaftliche Familienberater.

Besondere "Verpflichtung"

Hinzu kommt nach den Worten Dieners, dass sich Bauern dem Familienbesitz gegenüber besonders verpflichtet fühlen. Wenn ein Hof schon seit Generationen in Händen einer Familie sei, falle es Betroffenen oft schwer, ihn abzugeben: "Manche fühlen sich als Versager, weil sie es nicht mehr geschafft haben."
Trotz der angespannten Lage und des Strukturwandels sieht der mittelfränkische Bauernverbands-Chef die Landwirtschaft nicht auf dem Abstellgleis. "Wir brauchen auch zukünftig Bauern - nicht nur für Landschaftspflege", versucht er jungen Landwirten Mut zu machen. Und er verweist darauf, dass es in der Vergangenheit immer wieder schwierige Zeiten gegeben habe, die überstanden wurden. Ströbel setzt auf den gut ausgebildeten und unternehmerisch denkenden Nachwuchs in der Landwirtschaft. Denn anders als bei älteren Bauern dominiere hier nicht die depressive Stimmung: "Die Jüngeren sind breit, die Ärmel hochzukrempeln und für sich noch eine Perspektive zu sehen."

Günter Saalfrank

 

 

 


 

Jesus Christus als Wegweiser

Danach fuhr Jesus weg über das galiläische Meer, daran die Stadt Tiberias liegt. Und es zog ihm viel Volks nach, darum dass sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat ... Jesus spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, dass diese essen? Das sagte er aber, ihn zu prüfen; denn er wusste wohl, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Denare Brot ist nicht genug für sie, dass ein jeglicher ein wenig nehme. Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus: Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; aber was ist das unter so viele?... Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, wie viel sie wollten... Da nun die Menschen das Zeichen sah, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, damit sie ihn zum König machten, entwich er abermals auf einen Berg, er selbst allein.

Johannes 6, 1-15



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Wanderer kennen das: Plötzlich steht man vor einer Weggabelung und man weiß nicht mehr, welche Richtung einzuschlagen ist. Beim Glauben ist das nicht viel anders. Auch hier benötigt der Mensch Wegweiser. Foto: Wodicka
 

Kennen Sie das? Da ist man bei einer Wanderung treu und brav den angegebenen Wegzeichen gefolgt. Plötzlich aber steht man vor einer Weggabelung - und das bisher so eindeutige Zeichen ist nicht mehr erkennbar. Wo geht es denn nun hin? "Zeichen" werden bei Johannes die Wundertaten von Jesus genannt. Sie zeigen die Richtung an: Er, der Rabbi aus Nazareth, der ist es: Der Messias, der Retter der Welt, die Schlüsselfigur der Geschichte. Auch hier, am Osthang des Sees Genezareth wird angezeigt: Jesus, der ist es! Hier handelt Gott selbst. Hatte Gott nicht in 2. Mose, Kapitel 16, Vers 4 das Versprechen abgegeben, sein Volk satt zu machen? Jetzt und hier geschieht es. War nicht durch Elisa mit Gerstenbroten eine wunderbare Speisung geschehen (2. Könige 4, Vers 42ff)? Und war nicht Elisa ein Vorläufer des Messias? Jetzt ist er da, der satt macht. Und das Passah-Mahl war doch die Erinnerung an die Erlösung aus ägyptischer Gefangenschaft. Dann war diese Mahlzeit doch das Anzeichen: Die endgültige Erlösung ist da. Der König der Endzeit ist hier anwesend.

Das Zeichen war doch nicht zu übersehen! Auf zum Marsch nach Jerusalem! Vorwärts im Siegeszug des Gottesreiches! Dem nach, der Brot, Arbeit und Wohlstand garantiert! Dem hinterher, der die Probleme der Welt löst! Die Reaktion der Volksmasse ist nur zu verständlich. Jemandem, der volle Bäuche garantiert, dem folgt man doch nur allzu gern. Dem räumt man liebend gern die Herrschaft ein. Auf einmal aber passt alles nicht mehr.

Statt Jesus als den großen Volksbeglücker auf den Schild zu heben, schildert Johannes, wie sich Jesus in der Einsamkeit verbirgt. Statt im Triumphzug durch Israel zu ziehen, entzieht sich Jesus dem Zugriff der Menge. Wie denn das? Warum denn so? Wo geht er jetzt hin? Jesus geht ans Kreuz. Er geht zwar nach Jerusalem, aber nach Golgatha. Er kommt nicht, um alle Probleme der Welt zu lösen. Er kommt, um sein Leben zu geben "zu einer Erlösung für viele". Auch wenn es bis heute viele Menschen erleben, dass Jesus Probleme ihres Lebens löst. Auch wenn er bis heute seine Nachfolger anstellt, den Menschen in ihren Nöten und Problemen zu helfen. Jesus ist nicht der Problemlöser der Weltgeschichte. Er ist der Erlöser von Sünde und Tod. Er ebnet denen, die sich an ihn hängen, den Weg zum Himmel. Von denen kann es heißen: Wir müssen durch viel Trübsale in das Reich Gottes eingehen (Apostelgeschichte14, 22). Wollen wir ihm auf diesem Weg folgen? Wollen wir Jesus so haben? Denn nur wer ihn so hat, hat ihn ganz.

CVJM-Landessekretär Reiner Dick, Wolkersdorf

Wir beten: Herr, ich danke dir, dass du mich so reichlich versorgst. Danke, dass du mein Erlöser und Retter bist. Hilf mir, dass ich in der Verbindung mit dir bleibe, auch wenn du andere Wege gehst als sie mir gefallen. Du bringst mich zum Ziel.

Lied 302:"Du meine Seele, singe."

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