Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 28 )

Die große Chance, Lebenswissen zu vermitteln

Vor 50 Jahren wurde das Religionpädagogische Zentrum Heilsbronn gegründet

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Religionspädagogisches Zentrum Heilsbronn
   

"Die "Der große Unterschied zwischen heute und der Zeit vor 50 Jahren ist, dass junge Menschen heute nicht mehr einfach das übernehmen, was man ihnen vorgibt." Klaus Buhl, Leiter des Religionspädagogischen Zentrums Heilsbronn (RPZ), bringt auf den Punkt, womit sich Pädagogen auseinandersetzen müssen, die heute jungen Menschen den Zugang zu Gott und Kirche öffnen oder offen halten wollen. Eine Herausforderung also auch für die Institution der Evangelischen Landeskirche, in der zentral für ganz Bayern Religionspädagogen, Lehrer, Pfarrer und weitere kirchliche Mitarbeitende aus dem pädagogischen Bereich aus-, fort- und weitergebildet werden.

Streben nach Unabhängigkeit

Doch das Streben nach Unabhängigkeit von vorgegebenen Denkweisen sollte in den ehrwürdigen Mauern des ehemaligen Zisterzienserklosters Heilsbronn nichts Neues sein: Wurde doch das RPZ damals als "Katechetisches Amt" vor 50 Jahren gegründet, um nach dem zweiten Weltkrieg in den Schulen mit der katholischen und evangelischen Religionslehre wieder ein staatsunabhängiges Fach zu etablieren. "Viele Lehrer waren damals jedoch überfordert damit, unabhängigen Religionsunterricht zu erteilen", so Klaus Buhl. Heilsbronn sorgte daher für die Qualifizierung der Lehrkräfte und Pfarrer im Bereich der evangelischen Kirche. Zu diesem Zweck kaufte die Landeskirche 1953 für 120 000 Mark die Neue Abtei des Klosters Heilsbronn mit den am Haus liegenden Gärten. Mit dieser Übernahme begann eine umfassende Umbau- und Restaurierungsphase der Abtei. Heute arbeiten im RPZ 85 Mitarbeitende, davon 25 Referenten im pädagogischen Bereich und 60 Mitarbeitende im Sekretariats- und Hauswirtschaftsbereich. Die angeschlossene Tagungsstätte hat 62 Zimmer.

Spezialisierung der Arbeit

Im Laufe der vergangenen fünf Jahrzehnte hat sich die religionspädagogische Arbeit in Heilsbronn immer mehr spezialisiert. Im RPZ gibt es einen Fortbildungsreferenten für jede Schulart, Ausbilder für Katecheten, Vikare und Religionspädagogen, einen Referenten für die Weiterbildung von Grund- und Hauptschullehrern im Fach Evan-gelische Religionslehre (Vocatio), Medienpädagogen und die angeschlossene Evangelische Medienzentrale. Ein sehr breites Angebotsspektrum also und genau das sieht Klaus Buhl derzeit in Gefahr. Denn die finanziellen Probleme der Evangelischen Landeskirche haben auch Auswirkungen auf das RPZ: 550.000 Euro im jährlichen Budget soll Buhl sparen, zusätzlich hat er die Auflage bekommen, die Medienzentrale in Nürnberg komplett zu schließen. Der Leiter des RPZ hat allerdings noch Hoffnung: "Es gibt noch interne Überlegungen zwischen Landeskirche und Synode. Von daher hoffe ich, dass der derzeitige Stand nicht erhalten bleibt." Denn in dieser Größenordnung ließe sich nur über die Personalkosten sparen, so Buhl, und dann "leidet die Qualität". Wenn an der Qualität der Aus-, Fort- und Weiterbildung gespart werde, bestehe die Gefahr, "dass wir als kirchliche Stimme belanglos werden".

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Gruppenraum
   
Große Chancen für Angebot

Denn wenn junge Menschen heute auch nicht mehr allzu obrigkeits- oder institutionengläubig seien, begeisterungsfähig seien sie allemal. Das Angebot der Kirche habe deshalb noch immer große Chancen, wahrgenommen zu werden, "wenn die jungen Leute sich ernstgenommen fühlen". Die Qualität des Religionsunterrichtes spiele dabei eine wichtige Rolle: "Daran wird sich für viele entscheiden, wie sie in Zukunft ihre Nähe oder Distanz zu kirchlichen Angeboten gestalten." Klaus Buhl sieht wenig Sinn in einem Klagelied über die mangelnde religiöse Sozialisation vieler Jugendlicher. "Im Unterricht und in der Gemeinde haben wir die große Chance, ihnen Lebenswissen zu vermitteln und Sinnangebote zu machen."

Maria Mohr

 

 

 


 

Barmherzigkeit als Maßstab menschlichen Handelns

Jesus sprach: "Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr auch nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen."

Lukas 6, 36-38



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Wie Menschen miteinander umgehen, ist davon abhängig, wie sie als Kinder den Umgang untereinander erfahren konnten (Foto: Wodicka)
 

"Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es wieder heraus", heißt ein Sprichwort. Und es meint: So wie wir uns unserem Mitmensch gegenüber verhalten, so verhält sich dann unser Mitmensch auch uns gegenüber. Wenn wir unser Leben, unser Verhalten jedoch bedenken, dann klingt es aus dem Wald meistens nicht besonders schön zurück. Wie schnell kommt uns ein unbarmherziges Wort über die Lippen, wie hoch schrauben wir oft unsere Ansprüche gegenüber dem anderen. Trotzdem, wer sich bei seinem Handeln immer daran orientiert, wie sich die Mitmenschen ihm gegenüber verhalten, der gerät leicht in einen Teufelskreis, der von sich aus nur schwer durchbrochen werden kann. Wie Menschen miteinander umgehen - so stellen Psychologen fest - ist davon abhängig, wie sie als Kinder den Umgang ihrer Eltern untereinander, zu sich selbst und zu ihrer Umwelt erfahren konnten. Die Kinder orientieren sich zuerst unbewusst und später dann bewusst an dem Verhalten ihrer Eltern. Wir als Jünger und Jüngerinnen von Jesu Christi können uns daran ausrichten, wie unser himmlischer Vater mit uns umgeht. "Seid barmherzig - wie auch euer Vater barmherzig ist" - sagt Jesus Christus zu uns. Gottes Barmherzigkeit soll der Maßstab für unser Handeln untereinander sein.

Unter den Bedingungen des kommenden Reich Gottes - verspricht Christus - gelingt es uns, dass wir uns selbst und unseren Mitmenschen mit all den guten und auch den weniger guten Seiten bedingungslos annehmen. Das anbrechende Gottesreich führt uns dazu, nicht zu richten oder zu verdammen, sondern zu vergeben, wie Gott uns vergibt.

Nun aber ist unsere Wirklichkeit noch beherrscht von den Bedingungen dieser Welt. Wir schätzen Menschen ein nach ihrer Leistungsfähigkeit und ihrem Aussehen, wir sortieren sie nach ihren Charakteren und ihrem Wesen in vorgefertigte Schablonen ein. Auf dem Buchmarkt erfreuen sich "Typentests" für Menschen großer Beliebtheit. Und in der Tat, gibt es nicht doch wirklich Menschen, die zum Beispiel stärker auf ihre Außenwirkung achten und andere, denen innere Werte wichtiger sind?

Es wäre wohl auch kaum zu leisten, jedem Menschen individuell gerecht zu werden! Aber ist ein Mensch erst einmal in einer Schublade einsortiert, dann sind wir die Mühe los, uns mit seiner Persönlichkeit näher auseinander setzen zu müssen. In der Schublade - so denken wir - ist er gut aufgehoben und wir haben vorerst unsere Ruhe. Aber in Wirklichkeit zerstört ein solches Verhalten immer wieder die menschliche Gemeinschaft. Wir werden der einzig-artigen Geschöpflichkeit eines Menschen dadurch nur schwerlich gerecht.

Ist es nicht viel spannender und fördert es nicht viel mehr die Gemeinschaft, wenn wir mit dem anderen barmherzig umgehen? Mit dem Mitmenschen barmherzig umgehen bedeutet, den anderen als Geschöpf Gottes gelten zu lassen, uns von seinem persönlichen Schicksal anrühren zu lassen und dabei aus seinen Schwächen keinen Elefanten und aus unseren eigenen Fehlern keine Mücke zu machen.

Gleichwohl, bei allen unseren Bemühungen, barmherzig mit unseren Mitmenschen umzugehen, vollkommen werden wir unter den Voraussetzungen dieser vergänglichen Erde nicht werden - das weiß auch Jesus Christus. Aber bei allem Stückwerk unserer Bemühungen und bei aller Unzulänglichkeit unserer Versuche, vor Gott nach seinen Maßstäben zu leben, die Barmherzigkeit Gottes steht auch über all unserer Unvollkommenheit, denn "ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß" an Barmherzigkeit ist uns verheißen.

Steffi Beck-Seiferlein, Pfarrerin in Bechhofen

Wir beten: Guter Gott, immer wieder staunen wir, wie barmherzig du mit uns umgehst. Du siehst unsere Schwächen, aber anstatt uns zu verurteilen, nimmst du jeden von uns an wie du ihn geschaffen hast. Ohne wenn und aber sagst du dein uneingeschränktes Ja. Wir bitten dich, mach uns barmherzig gegenüber uns selbst und gegenüber unseren Mitmenschen. Amen.

Lied 642: Wir strecken uns nach dir.

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