Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 27 )

Die grüne Sicht auf Gott und die Welt

Die Kirche geht im Sommer hinaus und spricht auch Fremde an

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In 2000 Metern Höhe wird am Walmendinger Horn im Kleinwalsertal zum "Kirchgang" eingeladen.
   

"Die Erde ist schön, es liebt sie der Herr" singen unterstützt vom Posaunenchor aus Kiliansdorf/Pfaffenhofen rund 400 Besucher am Kleinen Rothsee. Beim halbstündigen "Gottesdienst im Grünen" am Strandhaus Möltner kommt Pfarrer Karl Eberlein (Roth) auf die Globalisierung zu sprechen. "Wir Menschen sind vielseitig miteinander vernetzt, hängen aber auch am Tropf weltwirtschaftlicher Entwicklungen." Während immer mehr Menschen ausgegrenzt würden, trenne die biblische Botschaft von der weltweiten Verbindung der Menschen nach dem Ebenbild Gottes nicht. "Wir wissen, dass Gott Macht hat, und sollten als Christen mehr Hoffnungspotenzial einbringen", so der Theologe. Ihm macht "Kirche im Grünen" am See nach zehn Jahren immer noch "wahnsinnig Spaß". Besucher kommen gern aus Nah und Fern. Selbst bei schlechtem Wetter sind noch 50 Gäste da. Und der Kirchenkreis Nürnberg weitet sein Programm immer mehr aus. Vor 15 Jahren wurde in einem Heft zu 50 Terminen eingeladen.

Für Sonntagsausflügler

Der damalige Regionalbischof Hermann von Loewenich wandte sich an die "lieben Sonntagsausflügler", wünschte "ein besonderes Erlebnis" und "Gott möge uns Freude an Leib und Seele schenken. In unser Loblied mischt sich das Lob der Vögel, der Blumen, der Bäume und Gräser. Unser Herz weitet und öffnet sich für die gute Nachricht Gottes." 1993 gab es 81 Freiluftgottesdienste an 55 Orten. 2003 sind von Nürnberg aus 141 Feiern an 118 verschiedenen Adressen zwischen Ende April und Weihnachten angezeigt.

Oberkirchenrat Karl-Heinz Röhlin erinnert an das Jahr der Bibel und das von der UNO ausgerufene Jahr des Wassers. In seinem Grußwort zum Programmheft schreibt er: "Bei den Gottesdiensten im Grünen ist beides zu finden und zu erleben. Ein Ort, der vom Wasser lebt, vielleicht ganz sichtbar am Ufer eines Sees, im Tal eines Flusses, nahe der Quelle im Wald oder auch mal im Regen unterm Schirm. Hier schafft Wasser Leben in Fülle. Aber auch das andere wird dort zu finden und zu hören sein: Worte aus der Bibel, die vom Leben in allen Facetten erzählen und zu einem erfüllten, von Gott begleiteten Leben einladen. Menschen, die sich um die Bibel versammeln, weil sie dort wichtiges im Leben finden."

Freiluftgottesdienste hat es schon immer gegeben bei Freizeiten, Gemeindefesten, großen Christentreffen und seit 50 Jahren auch mit der Campingkirche. In den letzten zwei Jahrzehnten wurden traditionelle lokale Feiern mit neuen Programmen regional gebündelt und veröffentlicht. Das ist gar nicht so einfach, müssen doch rechtzeitig vor Saisonbeginn Termine, Orte, Zugangswege bekannt und redaktionell bearbeitet sein. Bis heute ist das trotz aller elektronischen Kommunikation noch schwer. So ist das Programm für das Fränkische Seenland bis zu den Pfingstferien immer noch nicht ausgeliefert. Doch das Internet klärt für den Bereich der Landeskirche auf unter den Adressen www.berggottesdienst.de und www.kircheimgruenen.de. Regionale Prospekte der "Kirche im Grünen" gibt es beim Landeskirchenamt (Referat C 1.1, Postfach 200751, 80007München, Telefon 089/5595384, Fax 54916367, E-Mail: Unterlugauer@elkb.de). Die Titel lauten: Regionalausgabe München, Berggottesdienste Oberbayern, Bereich Fichtelgebirge und Frankenwald, Bereich Fränkisches Seenland, Regionalausgabe Nürnberg und Bereich Bayerischer Wald.

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Am 13. Juli findet wieder ein Gottesdienst zur Keilberg-Kirchweih bei Offenhausen statt. (Fotos: Schindler)
   

Zusammengerechnet ergeben die Open-Air-Gottesdienste wenigstens 800. Je die Hälfte davon bezieht sich auf Gipfeltreffen in Oberbayern samt dem Allgäu und auf Franken in Verbindung mit dem Bayerischen Wald. Was oben ist, sei reizvoll, meinte bei einer Feier in den Alpen der Augsburger Oberkirchenrat Ernst Öffner. "Berge haben mit Gotteserfahrung zu tun, das ist die Sehnsucht vieler Menschen. Die Bergaufgeschichte ist aber noch nicht zu Ende. Man muß auch wieder runter. Erst unten gehört mir der Berg." In der Ebene warteten die Mühen. Doch auch der Alltag gehöre zum Christsein. Trost sei aber: "Gott geht mit uns rauf und runter", so der Theologe, der auch Alpenvereinsmitglied ist. Er ist dafür, dass die Kirche rausgeht, gerade im Sommer. Da finden sich viele Wanderer ein.

Gottesdienst im Tiergarten

Mit hohen Bergen kann Nordbayern weniger aufwarten. Aber attraktive Plätze hat die "Kirche im Grünen hier allemal". In Bier-, Kirsch- und Kirchgärten, ja sogar dem Nürnberger Tiergarten, im Kurpark, auf Obstwiesen, an Brunnen, auf Sportplätzen, am Felsenkeller, in Scheunen, auf Höfen, am Römerkastell in Pfünz, bei Ruinen und auf Burgen. Am Rangierbahnhof in Nürnberg feiert die Kirche gar ein Straßenfest. Etwas Besonderes ist auch der Gottesdienst an der Pestkapelle St. Otmar und Ottilie auf dem Keilberg bei Offenhausen in der Frankenalb, wo am 13. Juli um 9 Uhr zum 247. Mal Kirchweih gefeiert wird.

Heinz Schindler

 

 

 


 

Die Hand ausstrecken nach Gottes Vergebung

Der Sohn machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn… Der ältere Sohn wurde zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn. Er antwortete aber und sprach zum Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, dass ich mit meinen Freunden fröhlich gewesen wäre. Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet. Er aber sprach: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein."

Lukas 15, 20 und 28 bis 31



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Die ausgestreckte Hand als Symbol: Die biblische Geschichte vom verlorenen Sohn verdeutlicht, dass der Mensch die Vergebung von Gott empfängt. (Foto: Wodicka)
 

Viele kennen und lieben die Geschichte vom Vater und den beiden Söhnen. Die Begrüßungsszene vor dem Hoftor ist anrührend. Der alte Vater drückt seinen Sohn fest an sich. (Der Schweinemief stört ihn nicht. Unruhig pocht noch sein Herz, weil er dem Sohn entgegenrennen musste. Jetzt ist er wieder da!) Der aufmüpfige Sohn lässt sich die Liebe seines Vaters gefallen. Zuerst zögerte er noch, wollte stammeln, was er sich zu sagen vorgenommen hatte. Doch dann spürt er: "Ich brauche nichts zu sagen, zwischen mir und dem Vater ist alles gut. Er freut sich über mich. Er hat auf mich gewartet."

In unserer Kirchengemeinde bieten wir regelmäßig Glaubenskurse an. Das Gleichnis vom Vater und den beiden Söhnen gehört zum Kurs "Christ werden - Christ bleiben" immer dazu. Jesus hat es so erzählt, damit wir die Barmherzigkeit seines himmlischen Vaters kennenlernen. Mir fällt auf, dass vielen Kursteilnehmern der Ärger des älteren Sohnes aus dem Herzen spricht. Ich versuche diesen Ärger zu veranschaulichen, klappe eine Haushaltsleiter auf und steige hinauf, langsam, Stufe für Stufe. Dazu erzähle ich, was im Herzen des älteren Sohnes los war. "Arbeiten - ich weiß was das bedeutet. Lust - danach habe ich nicht gefragt. Als der Gernegroß verschwand, habe ich seine Arbeit mitgemacht. Vater - das war für uns eine Respektsperson. Gehorsam - war selbstverständlich. Ein Über-die-Stränge-schlagen gab es nicht." So hatte sich eine Opferbereitschaft aufgebaut und ein inneres Gefühl der Anständigkeit. Das Bedürfnis, gesehen und geliebt zu werden war zwar verschüttet, aber es war da. Er wollte ein guter Sohn sein und wurde zum Knecht.

Kann der Vater einen Sohn umarmen, der auf einer Leiter steht? Nein. Den Kursteilnehmern leuchtet das sofort ein. Der Vater steht unten, der Sohn auf der dritten oder vierten Stufe seiner Karriereleiter als Knechtsohn. Er hat die Freiheit verloren Kind zu sein, etwas zu wünschen, sich einfach lieben zu lassen.

Was heißt das für uns, die wir oft auch bereitwillig als ehrenamtliche oder hauptamtliche Knechte auf dem Hof des Vaters (= Kirche) schufften und manchmal noch die zu ersetzen versuchen, die aufgehört haben oder weggezogen sind? Nimm Dir immer wieder etwas für Dich und genieße es mit Freude. Genieße vor allem, dass Du einen Vater im Himmel hast. Du bist Tochter oder Sohn und nicht Magd oder Knecht.

Manchmal spüre ich, dass meine MitarbeiterInnen das gelernt haben. (Ich wollte einer Frau um Ostern herum eine Arbeit zuweisen. Sie lehnte ab und schlug mir für heuer andere Personen vor. Ich spürte, die will jetzt für sich sorgen.) Ein Mitarbeiterpaar ruft mich kurzfristig an und wünscht sich eine kleine Andacht mit Segnung zum vierzigsten Hochzeitstag. Ich spürte, jetzt wünschen sie sich etwas für sich selber.

Andere Mitarbeiter haben die Freiheit, sich nach einem Geburtstag ein Lied für den Gottesdienst zu wünschen. Sie genießen es, wenn ein Gottesdienst ihre persönliche Note trägt. Gerade als Pfarrer musste ich lernen, die Liebe Gottes zu genießen. Ich suchte mir einen Freund. Wir haben uns angewöhnt uns ganz persönliche Dinge zu erzählen. Ich genieße es, dass er mir zuhört und danach legt er mir die Hand auf den Rücken und betet für mich. Das ist wie eine liebevolle Umarmung. Ich werde nicht nur beachtet, wenn ich etwas tue oder in meinem Fleiß auf viele Annehmlichkeiten verzichte. Vor Gott darf ich sein, weil ich sein Kind bin und nicht, weil ich Mitarbeiter seiner Firma bin.

Pfarrer Reinhold Fritzsch, Förrenbach

Wir beten: Vater im Himmel. Ich danke dir, dass du mich nicht vergessen hast, obwohl ich Dich so oft vergesse. Du bist mir in Jesus entgegengelaufen. Ich will mich Dir nicht länger im Misstrauen verschließen. Ich vertraue mich dir an. Amen.

Lied 365: Von Gott will ich nicht lassen.

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