Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 26 )

"Amateure" auf der Kanzel

Ausbildung zum Lektor und Prädikant sehr gefragt

Evangelisches Sonntagsblatt
   
 
In mehreren Seminaren bekommen angehende Lektoren und Prädikanten das "Handwerkszeug", um Gottesdienste halten zu können. Wichtig ist es zum Beispiel, die Liturgie zu beherrschen - das Singen will gelernt sein (Bild rechts). Außerdem gibt es auch Tipps zur Gestaltung von Familiengottesdiensten, bei denen Lieder mit Bewegungen (Bild unten) gut ankommen. (Fotos: kil)
   
 
   

Um das gleich mal vorweg zu nehmen: Prädikanten sind nicht zu verwechseln mit Praktikanten und es gibt noch andere Lektoren, als die, die Buchmanuskripte Korrektur lesen. Lektoren und Prädikanten sind Menschen, die nach durchlaufener spezieller Ausbildung in ihrer Gemeinde Gottesdienste halten. Sie unterscheiden sich voneinander vor allem darin, dass Prädikanten ihre Predigten selbst schreiben und Lektoren - von anderen Theologen vorgefertigte - Lesepredigten halten.

Die landläufige Meinung, Lektoren oder Prädikanten gibt es nicht allzu viele und wenn, dann seien es meist Männer im fortgeschrittenen Alter ist falsch. Schlicht falsch. Ein Blick in den diesjährigen Prädikantenkurs zeigt: Junge Leute um die 30 Jahre streben dieses Ehrenamt ebenso an, wie "mittelalte" Männer und Frauen. Und klar - einige sind schon älter: "Das wollte ich schon immer machen", sagt eine pensionierte Lehrerin. "Jetzt habe ich endlich die Zeit dazu."

Viele Berufsgruppen

Dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des jährlichen Prädikantenkurses und der drei Lektorenkurse im Jahr bunt gemischt sind, bestätigt auch Pfarrerin Ursula Schamberger. Sie ist seit elf Jahren am Gottesdienstinstitut in Nürnberg und dort für die Ausblidung der Laienprediger zuständig. "Schön finde ich, dass sämtliche Berufsgruppen vertreten sind", sagt Schamberger. "Vom Computerfachmann über die Bürokauffrau bis hin zum Matrosen hab ich alles schon im Kurs gehabt."

Nicht wenige Menschen interessieren sich für die Tätigkeit als Lektor oder Prädikant. Jedes Jahr werden rund 25 Prädikanten ausgebildet. Acht Wochenendseminare und eine mündliche Prüfung umfasst die Ausbildung. Bei den Lektoren sind es drei Wochenenden. Von ihnen treten jährlich zwischen 60 und 70 ihren Dienst an.

"In meiner ganzen Zeit gab es noch nicht einen Kurs, der nicht voll gewesen wäre", berichtet Ursula Schamberger. Oft stehen Leute auf der Warteliste und es kann gut sein, dass sie sich ein Jahr gedulden müssen. "Der Anmeldeschluss für die Prädikantenausbildung im nächsten Jahr ist im Oktober", sagt die Pfarrerin. Doch der Kurs ist schon fast voll. Bei den Lektoren ist es nicht ganz so eng, da diese Kurse öfter angeboten werden.

Grundsätzlich muss die Ausbildung vom Pfarrer und Kirchenvorstand beschlossen und über den Dekan beim Amt für Gemeindedienst beantragt werden. Nach der Ausbildung werden Lektoren zum Dienst beauftragt und eingeführt. Das Verfahren bei Prädikanten ist etwas komplizierter. Sie müssen zum Beispiel eine Stellungnahme zu Schrift und Bekenntnis einreichen und werden zum Dienst berufen - in der Regel durch den Regionalbischof. "Gemeindepfarrer sind schon interessiert daran, Lektoren oder Prädikanten in der Gemeinde zu haben", meint Schamberger. "Denn das entlastet und erleichtert die Suche nach einer Vertretung."

Entstanden ist die Idee der Laienprediger im Zweiten Weltkrieg, als es zu wenig Pfarrer gab. Damit dennoch Gottesdienste stattfinden konnten, wurde der Lektorendienst eingeführt. "Da sich die 'Amateurpfarrer' bewährten, hat man diesen Dienst auch nach dem Krieg beibehalten", weiß Pfarrerin Ursula Schamberger. Die Prädikanten sind daraus entwachsen und Anfang der 60er Jahre entstand die erste Prädikantenordnung. Noch ziemlich neu ist, dass Prädikanten auch die Beauftragung zum Abendmahl erhalten können. Doch Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen sind weiter alleinige Sache der Pfarrer. "Und das ist auch gut so", sagt Schamberger, "denn das wäre zu viel verlangt von Ehrenamtlichen". Der Dienst ist in der Tat ein reines Ehrenamt - es gibt kein Honorar für Gottesdienste. Lediglich die Fahrtkosten kann man sich erstatten lassen. Die Ausbildung wird von der bayerischen Landeskirche finanziert. - Noch. Es ist nämlich geplant, dass die Gemeinden ab 2004 die Hälfte der Kosten übernehmen sollen, wenn sie ein Gemeindeglied in die Ausbildung schicken.

Viel Spaß am Dienst

Geld ist für die Lektoren und Prädikanten bei ihrem Dienst nicht wichtig. Vielmehr ist ihnen daran gelegen "am Reich Gottes mitzubauen", wie Christian Schwarz aus München sagt. Der 32-jährige Diplom-Wirtschaftsinformatiker hat sich zu der Ausbildung aber auch vor allem deshalb entschlossen: "Es macht mir einfach Spaß." Dabei hat er seine ganz besondere Geschichte mit Gottesdiensten: Nach Jahren, in denen er wenig mit der Kirche zu tun hatte, begann er Sonntags in den Gottesdienst zu gehen. "Ein halbes Jahr lang war ich immer da und es hat mir so gut getan - die Liturgie wie die Predigt." Dadurch sei er wieder zur Kirche gekommen. Schließlich sprach er seinen Pfarrer vorsichtig darauf an, ob nicht Prädikant etwas für ihn wäre. "Der Pfarrer sagte, er habe auch schon daran gedacht und damit war es beschlossene Sache." Inzwischen ist er schon fleißig bei der Sache und liebt vor allem das Predigen. "Ich könnte mir kein schöneres 'Hobby' vorstellen", sagt Christian Schwarz.

Etwas anders war es bei Angelika Stegherr. "Unser Pfarrer sprach mich darauf an, ob ich nicht die Prädikantenausbildung machen möchte. Aber ich lehnte ab", erzählt die 45-Jährige aus Neubiberg, die übrigens als Evangelische im Diözesanbüro der katholischen Arbeiterbewegung angestellt ist. Ein Jahr später fragte der Pfarrer erneut an. "Nein", lautet ihre Antwort. "Und beim dritten Mal habe ich dann ja gesagt." Für sie ist klar, dass Gott ihr diesen Dienst aufs Herz gelegt hat. "Anders könnte ich auch gar keinen Gottesdienst halten, ich stehe nämlich nicht gern vor Menschen." Sie profitiert - wie auch Christian Schwarz - von der Vorbereitung auf die Predigt. "Es bringt mir viel, mich so intensiv mit einem Bibeltext auseinander zu setzen." Und doch ist sie vor jedem Gottesdienst sehr aufgeregt. Warum sie sich das dann antut? "Glaube ist so etwas Tolles. Ich möchte, dass andere Menschen auch diese Geborgenheit bei Gott erleben können."

Karin Ilgenfritz

 

 

 


 

Gottes Einladung steht

Einer, der mit zu Tisch saß, sprach zu Jesus: "Selig ist, der das Brot isst im Reich Gottes!" Jesus aber sprach zu ihm: "Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist alles bereit! Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen."

Lukas 14, 15-18



Evangelisches Sonntagsblatt
 
Foto: privat
 

Ein festliches Essen wird vorbereitet. Es wird mit viel Liebe und Mühe gekocht und aufgetischt. Bei einem solchen Mahl wurde in der Antike auf jedes Detail Wert gelegt. Nicht anders ist das heute bei einer Hochzeitsfeier oder einem anderen Festessen. Und dann folgen die Absagen. Viele wissen sich mit den alltäglichen Aufgaben, Herausforderungen und Geschäften voll ausgelastet und entschuldigen sich.

Nun geht es hier im Evangelium natürlich um mehr als um eine Einladung zu einem festlichen Essen. Es geht darum, dass Jesus Christus zeigt, auf welche Weise viele Menschen auf seine Einladung reagieren. Denken wir an unsere volkskirchliche Landschaft, dann kommen uns viele solcher "Entschuldigungen" in den Sinn, mit der sich getaufte Christen heute von Gottesdienst und Abendmahl fernhalten. Dabei steht Gottes Einladung. Jeden Sonntag sind wir als getaufte Christen und als Gemeinde Christi neu gerufen, uns im Gottesdienst zu versammeln und in Wort und Sakrament Gemeinschaft mit dem Gekreuzigten und Auferstandenen und untereinander zu haben.

In unserer Zeit scheint den meisten jedoch der Sinn des Sonntags abhanden gekommen zu sein. In Feld und Flur fahren selbst an Sonntagen und christlichen Hochfesten Traktoren. Die Industrie hätte am liebsten eine Sieben-Tage-Woche, um die gewinnbringende Produktion nicht zu unterbrechen. Und vielen Menschen gilt der Sonntag nur noch als Familientag, nicht mehr als der Tag, an dem wir der Auferstehung Jesu Christi gedenken. Arbeit, Geschäfte und Familienangelegenheiten - das sind auch die Entschuldigungen, mit denen die Eingeladenen im Gleichnis ihr Kommen absagen.

Wenn unser Glaube wirklich lebendig ist, dann lebt er von der Gemeinschaft mit Gott und den anderen Christen. Dann lebt er auch davon, daß wir die Einladung Jesu nicht zurückweisen. Und dass es für Christen, denen ihr Glaube etwas bedeutet, eine Selbstverständlichkeit ist, Christi Einladung anzunehmen und zu den Gottesdiensten zu kommen.

Sind aber dann die, die dieser Einladung folgen, alles Arme, Verkrüppelte, Blinde und Lahme, mit denen keiner sonst etwas zu tun haben will? Das legt dieses Evangelium ja nahe, wenn der Gastgeber genervt von den Absagen der Geladenen gerade die Ausgestoßenen der Gesellschaft einlädt.

Belächelt werden wir sicher auch von manchen, wenn wir als Christen heute regelmäßig in die Kirche gehen und zu Tisch beten. Doch wir dürfen dann auch an die Aussage Martin Luthers denken: "Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott". An unserer Reaktion auf die Einladung Christi wird immer wieder neu deutlich, wer oder was unser Gott ist. Es tut deshalb in unserer Kirche, Theologie und Frömmigkeit gut, immer wieder neu den Gottesdienst als Quelle unseres geistlichen Lebens zu entdecken und zu feiern.

Vikar Dr. Jürgen Henkel
Brand bei Marktredwitz

Wir beten: Herr, allmächtiger Gott, es hat Dir gefallen, Deine Herrlichkeit hinter Dir zu lassen, in Jesus Christus unter uns Menschen zu wohnen und uns zur Gemeinschaft mit Dir einzuladen. Komme immer wieder neu im Heiligen Geist zu uns und erneuere uns an Leib, Seele und Geist, damit wir deinen Ruf immer neu hören und in unserem Leben und Glauben darauf antworten. Amen.

Lied 213: Kommt her, ihr seid geladen.

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