"Amateure" auf der Kanzel
Ausbildung zum Lektor
und Prädikant sehr gefragt
Um
das gleich mal vorweg zu nehmen: Prädikanten sind nicht zu verwechseln
mit Praktikanten und es gibt noch andere Lektoren, als die, die Buchmanuskripte
Korrektur lesen. Lektoren und Prädikanten sind Menschen, die nach durchlaufener
spezieller Ausbildung in ihrer Gemeinde Gottesdienste halten. Sie unterscheiden
sich voneinander vor allem darin, dass Prädikanten ihre Predigten selbst
schreiben und Lektoren - von anderen Theologen vorgefertigte - Lesepredigten
halten.
Die landläufige Meinung, Lektoren
oder Prädikanten gibt es nicht allzu viele und wenn, dann seien es meist
Männer im fortgeschrittenen Alter ist falsch. Schlicht falsch. Ein Blick
in den diesjährigen Prädikantenkurs zeigt: Junge Leute um die 30 Jahre
streben dieses Ehrenamt ebenso an, wie "mittelalte" Männer und Frauen.
Und klar - einige sind schon älter: "Das wollte ich schon immer machen",
sagt eine pensionierte Lehrerin. "Jetzt habe ich endlich die Zeit dazu."
Viele Berufsgruppen
Dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer
des jährlichen Prädikantenkurses und der drei Lektorenkurse im Jahr bunt
gemischt sind, bestätigt auch Pfarrerin Ursula Schamberger. Sie ist seit
elf Jahren am Gottesdienstinstitut in Nürnberg und dort für die Ausblidung
der Laienprediger zuständig. "Schön finde ich, dass sämtliche Berufsgruppen
vertreten sind", sagt Schamberger. "Vom Computerfachmann über die Bürokauffrau
bis hin zum Matrosen hab ich alles schon im Kurs gehabt."
Nicht wenige Menschen interessieren
sich für die Tätigkeit als Lektor oder Prädikant. Jedes Jahr werden rund
25 Prädikanten ausgebildet. Acht Wochenendseminare und eine mündliche
Prüfung umfasst die Ausbildung. Bei den Lektoren sind es drei Wochenenden.
Von ihnen treten jährlich zwischen 60 und 70 ihren Dienst an.
"In meiner ganzen Zeit gab es noch
nicht einen Kurs, der nicht voll gewesen wäre", berichtet Ursula Schamberger.
Oft stehen Leute auf der Warteliste und es kann gut sein, dass sie sich
ein Jahr gedulden müssen. "Der Anmeldeschluss für die Prädikantenausbildung
im nächsten Jahr ist im Oktober", sagt die Pfarrerin. Doch der Kurs ist
schon fast voll. Bei den Lektoren ist es nicht ganz so eng, da diese Kurse
öfter angeboten werden.
Grundsätzlich muss die Ausbildung
vom Pfarrer und Kirchenvorstand beschlossen und über den Dekan beim Amt
für Gemeindedienst beantragt werden. Nach der Ausbildung werden Lektoren
zum Dienst beauftragt und eingeführt. Das Verfahren bei Prädikanten ist
etwas komplizierter. Sie müssen zum Beispiel eine Stellungnahme zu Schrift
und Bekenntnis einreichen und werden zum Dienst berufen - in der Regel
durch den Regionalbischof. "Gemeindepfarrer sind schon interessiert daran,
Lektoren oder Prädikanten in der Gemeinde zu haben", meint Schamberger.
"Denn das entlastet und erleichtert die Suche nach einer Vertretung."
Entstanden ist die Idee der Laienprediger
im Zweiten Weltkrieg, als es zu wenig Pfarrer gab. Damit dennoch Gottesdienste
stattfinden konnten, wurde der Lektorendienst eingeführt. "Da sich die
'Amateurpfarrer' bewährten, hat man diesen Dienst auch nach dem Krieg
beibehalten", weiß Pfarrerin Ursula Schamberger. Die Prädikanten sind
daraus entwachsen und Anfang der 60er Jahre entstand die erste Prädikantenordnung.
Noch ziemlich neu ist, dass Prädikanten auch die Beauftragung zum Abendmahl
erhalten können. Doch Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen sind weiter
alleinige Sache der Pfarrer. "Und das ist auch gut so", sagt Schamberger,
"denn das wäre zu viel verlangt von Ehrenamtlichen". Der Dienst ist in
der Tat ein reines Ehrenamt - es gibt kein Honorar für Gottesdienste.
Lediglich die Fahrtkosten kann man sich erstatten lassen. Die Ausbildung
wird von der bayerischen Landeskirche finanziert. - Noch. Es ist nämlich
geplant, dass die Gemeinden ab 2004 die Hälfte der Kosten übernehmen sollen,
wenn sie ein Gemeindeglied in die Ausbildung schicken.
Viel Spaß am Dienst
Geld ist für die Lektoren und Prädikanten
bei ihrem Dienst nicht wichtig. Vielmehr ist ihnen daran gelegen "am Reich
Gottes mitzubauen", wie Christian Schwarz aus München sagt. Der 32-jährige
Diplom-Wirtschaftsinformatiker hat sich zu der Ausbildung aber auch vor
allem deshalb entschlossen: "Es macht mir einfach Spaß." Dabei hat er
seine ganz besondere Geschichte mit Gottesdiensten: Nach Jahren, in denen
er wenig mit der Kirche zu tun hatte, begann er Sonntags in den Gottesdienst
zu gehen. "Ein halbes Jahr lang war ich immer da und es hat mir so gut
getan - die Liturgie wie die Predigt." Dadurch sei er wieder zur Kirche
gekommen. Schließlich sprach er seinen Pfarrer vorsichtig darauf an, ob
nicht Prädikant etwas für ihn wäre. "Der Pfarrer sagte, er habe auch schon
daran gedacht und damit war es beschlossene Sache." Inzwischen ist er
schon fleißig bei der Sache und liebt vor allem das Predigen. "Ich könnte
mir kein schöneres 'Hobby' vorstellen", sagt Christian Schwarz.
Etwas anders war es bei Angelika
Stegherr. "Unser Pfarrer sprach mich darauf an, ob ich nicht die Prädikantenausbildung
machen möchte. Aber ich lehnte ab", erzählt die 45-Jährige aus Neubiberg,
die übrigens als Evangelische im Diözesanbüro der katholischen Arbeiterbewegung
angestellt ist. Ein Jahr später fragte der Pfarrer erneut an. "Nein",
lautet ihre Antwort. "Und beim dritten Mal habe ich dann ja gesagt." Für
sie ist klar, dass Gott ihr diesen Dienst aufs Herz gelegt hat. "Anders
könnte ich auch gar keinen Gottesdienst halten, ich stehe nämlich nicht
gern vor Menschen." Sie profitiert - wie auch Christian Schwarz - von
der Vorbereitung auf die Predigt. "Es bringt mir viel, mich so intensiv
mit einem Bibeltext auseinander zu setzen." Und doch ist sie vor jedem
Gottesdienst sehr aufgeregt. Warum sie sich das dann antut? "Glaube ist
so etwas Tolles. Ich möchte, dass andere Menschen auch diese Geborgenheit
bei Gott erleben können."
Karin Ilgenfritz
Gottes Einladung steht
Einer,
der mit zu Tisch saß, sprach zu Jesus: "Selig ist, der das Brot isst im
Reich Gottes!" Jesus aber sprach zu ihm: "Es war ein Mensch, der machte
ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. Und er sandte seinen Knecht
aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es
ist alles bereit! Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen."
Lukas 14,
15-18
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Foto: privat
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Ein festliches Essen
wird vorbereitet. Es wird mit viel Liebe und Mühe gekocht und aufgetischt.
Bei einem solchen Mahl wurde in der Antike auf jedes Detail Wert gelegt.
Nicht anders ist das heute bei einer Hochzeitsfeier oder einem anderen
Festessen. Und dann folgen die Absagen. Viele wissen sich mit den alltäglichen
Aufgaben, Herausforderungen und Geschäften voll ausgelastet und entschuldigen
sich.
Nun geht es hier
im Evangelium natürlich um mehr als um eine Einladung zu einem festlichen
Essen. Es geht darum, dass Jesus Christus zeigt, auf welche Weise viele
Menschen auf seine Einladung reagieren. Denken wir an unsere volkskirchliche
Landschaft, dann kommen uns viele solcher "Entschuldigungen" in den Sinn,
mit der sich getaufte Christen heute von Gottesdienst und Abendmahl fernhalten.
Dabei steht Gottes Einladung. Jeden Sonntag sind wir als getaufte Christen
und als Gemeinde Christi neu gerufen, uns im Gottesdienst zu versammeln
und in Wort und Sakrament Gemeinschaft mit dem Gekreuzigten und Auferstandenen
und untereinander zu haben.
In unserer Zeit scheint
den meisten jedoch der Sinn des Sonntags abhanden gekommen zu sein. In
Feld und Flur fahren selbst an Sonntagen und christlichen Hochfesten Traktoren.
Die Industrie hätte am liebsten eine Sieben-Tage-Woche, um die gewinnbringende
Produktion nicht zu unterbrechen. Und vielen Menschen gilt der Sonntag
nur noch als Familientag, nicht mehr als der Tag, an dem wir der Auferstehung
Jesu Christi gedenken. Arbeit, Geschäfte und Familienangelegenheiten -
das sind auch die Entschuldigungen, mit denen die Eingeladenen im Gleichnis
ihr Kommen absagen.
Wenn unser Glaube
wirklich lebendig ist, dann lebt er von der Gemeinschaft mit Gott und
den anderen Christen. Dann lebt er auch davon, daß wir die Einladung Jesu
nicht zurückweisen. Und dass es für Christen, denen ihr Glaube etwas bedeutet,
eine Selbstverständlichkeit ist, Christi Einladung anzunehmen und zu den
Gottesdiensten zu kommen.
Sind aber dann die,
die dieser Einladung folgen, alles Arme, Verkrüppelte, Blinde und Lahme,
mit denen keiner sonst etwas zu tun haben will? Das legt dieses Evangelium
ja nahe, wenn der Gastgeber genervt von den Absagen der Geladenen gerade
die Ausgestoßenen der Gesellschaft einlädt.
Belächelt werden
wir sicher auch von manchen, wenn wir als Christen heute regelmäßig in
die Kirche gehen und zu Tisch beten. Doch wir dürfen dann auch an die
Aussage Martin Luthers denken: "Woran du dein Herz hängst, das ist dein
Gott". An unserer Reaktion auf die Einladung Christi wird immer wieder
neu deutlich, wer oder was unser Gott ist. Es tut deshalb in unserer Kirche,
Theologie und Frömmigkeit gut, immer wieder neu den Gottesdienst als Quelle
unseres geistlichen Lebens zu entdecken und zu feiern.
Vikar Dr. Jürgen
Henkel
Brand bei Marktredwitz
Wir beten:
Herr, allmächtiger Gott, es hat Dir gefallen, Deine Herrlichkeit hinter
Dir zu lassen, in Jesus Christus unter uns Menschen zu wohnen und uns
zur Gemeinschaft mit Dir einzuladen. Komme immer wieder neu im Heiligen
Geist zu uns und erneuere uns an Leib, Seele und Geist, damit wir deinen
Ruf immer neu hören und in unserem Leben und Glauben darauf antworten.
Amen.
Lied 213:
Kommt her, ihr seid geladen.
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