Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 23 )

Der Heilige Geist als Brunnen des Lebens

Pfingsten: Der Heilige Geist kommt über die Jünger (Ausschnitt aus einem Deckengemälde in der rumänisch-orthodoxen Kirche in Nürnberg). Foto: güs

Komm, Gott Schöpfer,
Heiliger Geist,
besuch das Herz
der Menschen dein,
mit Gnaden sie füll,
denn du weißt,
dass sie dein
Geschöpfe sein.

Denn du bist der
Tröster genannt,
des Allerhöchsten
Gabe teu'r,
ein geistlich Salb
an uns gewandt,
ein lebend Brunn,
Lieb und Feu'r.

Text: Martin Luther 1524
Gesangbuch Nr.126

 


 

Berlin: Neue Maßstäbe gesetzt

Ökumenischer Kirchentag übertraf Erwartungen

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Beim zentralen Eröffnungsgottesdienst am Brandenburger Tor gab es kein Durchkommen mehr. Allein dort erschienen etwa 140.000 Gläubige. Jugendliche setzten sich sogar auf die aufgestellten Toiletten, um etwas sehen zu können. Aber auch die zwölf weiteren ökumenischen Gottesdienste zu Beginn des des Ökumenischen Kirchentages waren gut besucht. Insgesamt tummelten sich anschließend über 400.000 Menschen beim Abend der Begegnung.
   

Doch, man kann es sehen, dass dies ein Ökumenischer Kirchentag (ÖKT) ist und kein evangelischer: Auffallend viele Nonnen, Mönche und mancher Priester in Amtskleidung sind in Berlin unterwegs. Abgesehen davon fällt es auch beim Blick in das 720-seitige Programm auf: Viele der rund 3.200 Veranstaltungen haben Ökumene in irgendeiner Form zum Thema.

Immer wieder wird betont, dass es mehr Gemeinsamkeiten im Glauben gebe als Trennendes. Das macht auch der Papst in seinem Grußwort deutlich, das er eigens zum ersten ÖKT schickte - in das "Land, in dem die westliche Kirchenspaltung ihren Anfang nahm". Ohne auf den Streit um das gemeinsame Abendmahl einzugehen, fordert er die Gläubigen auf, auf dem Weg der Versöhnung mit Geduld, Mut und Liebe voranzuschreiten.

Wiederkehrendes Thema

Das ,Mahl des Herrn' ist ein zentrales Thema auf dem ersten ÖKT in Berlin. Viele prominente Katholiken und Protestanten fordern, die Ökumene durch gemeinsames Abendmahl voranzutreiben. "Ich habe schon oft bei Eucharistiefeiern teilgenommen", erzählt Bremens Bürgermeister Henning Scherf, der zu einer ökumenischen Gemeinde gehört. "Wir haben den Papst gar nicht gefragt."

In der gleichen Veranstaltung, stellten sich der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich und Hamburgs katholischer Weihbischof Hans-Jochen Jaschke der Frage, was sich in ihrer jeweiligen Kirche ändern muss. "Vorurteile müssen abgebaut werden", kam es wie aus der Pistole geschossen von Johannes Friedrich. "Ich kann das Gerede von ökumenischer Eiszeit nicht nachvollziehen. Da muss umgedacht werden", forderte er evangelische Christen auf. Außerdem sollten sich seine Glaubensgeschwister nicht darüber definieren, dass sie die "ohne Papst" sind.

Friedrichs katholischer Kollege räumte ein, dass Katholiken ihren Blick für "die anderen Christen" öffnen müssten. "Schließlich sind alle Christen zusammen die eine christliche Familie." Max, ein Teilnehmer, bringt es auf den Punkt: "Bei uns werden halt nicht direkt alle Christen zur Eucharistie eingeladen, aber davon geschickt wird auch niemand." Er überlegt kurz und fügt hinzu: "Glaub' ich zumindest." Ein bisschen wirkt es so, als schäme er sich für seine Kirche. Die genaue Ursache für den Streit um das Abendmahl kennt er nicht. Und da ist er bei weitem nicht der einzige. Für ihn ist klar: "Alle, die an Gott und Jesus glauben, sollen zusammen Abendmahl feiern können."

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Der bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich und der katholische Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke helfen der "Ökumene" auf die Beine. (Fotos: kil)
   

Die Hoffnung, dass dies eines Tages geschieht, ist begründet. Es wird zwar noch dauern, darin sind sich Vertreter der Kirchen einig. Aber es geht voran. Das zeigt die Veranstaltung am Freitag Abend in Halle 10.2 im Messezentrum. Schon lange vor Beginn ist die Halle überfüllt. Über 1.000 Gläubige erleben dort mit, wie Vertreter von 16 Kirchen in Deutschland die "Charta Oecumenica" unterschreiben. In dem Dokument verpflichten sich die Kirchen unter anderem zu enger Zusammenarbeit - nicht zuletzt mit dem Ziel der Abendmahlsgemeinschaft. Orthodoxe, anglikanische, viele evangelische und die katholische Kirche versprechen in der Charta weiter, sich für die Wahrung der Menschenrechte einzusetzen und ihren Beitrag zur Einheit Europas zu leisten.

Zeuge eines Meilensteins

"Das ist toll, dass wir einen solchen Meilenstein miterleben können", freut sich Max. Der 17-Jährige hat zwar keinen Platz mehr in der Halle bekommen, aber wie Hunderte andere das Ereignis auf einer Großbildleinwand im Freien mitverfolgt. Max ist unter den jungen Leuten wohl eine Ausnahmeerscheinung. Den meisten seiner Altersgenossen ist "das Theater um evangelisch oder katholisch" egal. Lisa, die bei einer anderen Veranstaltung ansteht, interessiert sich mehr für die Jugendveranstaltungen wie Konzerte oder den Diskussionsabend mit Gerhard Schröder. "Das ist das tolle am Kirchentag: Wo sonst kann man Politiker so hautnah erleben?"

Max dagegen meint: "Es ist schon was besonderes, dass sich Katholische und Evangelische zu so einem Treffen zusammen tun." Damit nimmt er vorweg, was Präses Manfred Kock, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschlands zum Abschluss des ÖKT sagt: "Der ÖKT ist ein Meilenstein in der Geschichte unserer Kirchen." Katholikentag (der nächste ist 2004 in Ulm) wie Evangelischer Kirchentag (der nächste ist 2005 in Hannover) würden nach Berlin anders sein. "Berlin hat neue Maßstäbe gesetzt."

Karin Ilgenfritz

 

Kirchentag in Zahlen

Der erste Ökumenische Kirchentag (ÖKT) übertraf Katholikentage und Evangelische Kirchentage: Laut Statistik waren über 192.000 Dauerteilnehmer gekommen, davon waren rund 41.000 Mitwirkende und etwa 5.400 Gäste kamen aus 90 Ländern. Knapp zwei Drittel der Besucher waren evangelisch, ein Drittel katholisch. Das weibliche Geschlecht war mit fast 60 Prozent vertreten. Der ÖKT zog Jung wie Alt an, überwiegend allerdings jüngere Menschen: Über 60 Jahre alt waren 17 Prozent der Besucher, unter 40 Jahre rund 52 Prozent. Ein Wort zur Finanzierung: Der ÖKT hat einen Etat von 18,2 Millionen Euro. Davon werden 6,7 Millionen Euro vom Land Berlin und der Staatlichen Klassenlotterie sowie 1,53 Millionen Euro vom Bundesinnenministerium finanziert. Knapp zehn Millionen stammen aus Eigenmitteln wie Teilnehmergebühren und Spenden.    kil

 

 

 

 

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