Der Heilige Geist als
Brunnen des Lebens
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Pfingsten:
Der Heilige Geist kommt über die Jünger (Ausschnitt aus einem Deckengemälde
in der rumänisch-orthodoxen Kirche in Nürnberg). Foto: güs
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Komm, Gott Schöpfer,
Heiliger Geist,
besuch das Herz
der Menschen dein,
mit Gnaden sie füll,
denn du weißt,
dass sie dein
Geschöpfe sein.
Denn du bist
der
Tröster genannt,
des Allerhöchsten
Gabe teu'r,
ein geistlich Salb
an uns gewandt,
ein lebend Brunn,
Lieb und Feu'r.
Text: Martin
Luther 1524
Gesangbuch Nr.126
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Berlin: Neue Maßstäbe gesetzt
Ökumenischer Kirchentag
übertraf Erwartungen
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Beim zentralen
Eröffnungsgottesdienst am Brandenburger Tor gab es kein Durchkommen
mehr. Allein dort erschienen etwa 140.000 Gläubige. Jugendliche
setzten sich sogar auf die aufgestellten Toiletten, um etwas sehen
zu können. Aber auch die zwölf weiteren ökumenischen Gottesdienste
zu Beginn des des Ökumenischen Kirchentages waren gut besucht. Insgesamt
tummelten sich anschließend über 400.000 Menschen beim Abend der
Begegnung.
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Doch, man kann es sehen, dass dies
ein Ökumenischer Kirchentag (ÖKT) ist und kein evangelischer: Auffallend
viele Nonnen, Mönche und mancher Priester in Amtskleidung sind in Berlin
unterwegs. Abgesehen davon fällt es auch beim Blick in das 720-seitige
Programm auf: Viele der rund 3.200 Veranstaltungen haben Ökumene in irgendeiner
Form zum Thema.
Immer wieder wird betont, dass
es mehr Gemeinsamkeiten im Glauben gebe als Trennendes. Das macht auch
der Papst in seinem Grußwort deutlich, das er eigens zum ersten ÖKT schickte
- in das "Land, in dem die westliche Kirchenspaltung ihren Anfang nahm".
Ohne auf den Streit um das gemeinsame Abendmahl einzugehen, fordert er
die Gläubigen auf, auf dem Weg der Versöhnung mit Geduld, Mut und Liebe
voranzuschreiten.
Wiederkehrendes Thema
Das ,Mahl des Herrn' ist ein zentrales
Thema auf dem ersten ÖKT in Berlin. Viele prominente Katholiken und Protestanten
fordern, die Ökumene durch gemeinsames Abendmahl voranzutreiben. "Ich
habe schon oft bei Eucharistiefeiern teilgenommen", erzählt Bremens Bürgermeister
Henning Scherf, der zu einer ökumenischen Gemeinde gehört. "Wir haben
den Papst gar nicht gefragt."
In der gleichen Veranstaltung,
stellten sich der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich und Hamburgs
katholischer Weihbischof Hans-Jochen Jaschke der Frage, was sich in ihrer
jeweiligen Kirche ändern muss. "Vorurteile müssen abgebaut werden", kam
es wie aus der Pistole geschossen von Johannes Friedrich. "Ich kann das
Gerede von ökumenischer Eiszeit nicht nachvollziehen. Da muss umgedacht
werden", forderte er evangelische Christen auf. Außerdem sollten sich
seine Glaubensgeschwister nicht darüber definieren, dass sie die "ohne
Papst" sind.
Friedrichs katholischer Kollege
räumte ein, dass Katholiken ihren Blick für "die anderen Christen" öffnen
müssten. "Schließlich sind alle Christen zusammen die eine christliche
Familie." Max, ein Teilnehmer, bringt es auf den Punkt: "Bei uns werden
halt nicht direkt alle Christen zur Eucharistie eingeladen, aber davon
geschickt wird auch niemand." Er überlegt kurz und fügt hinzu: "Glaub'
ich zumindest." Ein bisschen wirkt es so, als schäme er sich für seine
Kirche. Die genaue Ursache für den Streit um das Abendmahl kennt er nicht.
Und da ist er bei weitem nicht der einzige. Für ihn ist klar: "Alle, die
an Gott und Jesus glauben, sollen zusammen Abendmahl feiern können."
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Der bayerische
evangelische Landesbischof Johannes Friedrich und der katholische
Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke helfen der "Ökumene" auf
die Beine. (Fotos: kil)
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Die Hoffnung, dass dies eines Tages
geschieht, ist begründet. Es wird zwar noch dauern, darin sind sich Vertreter
der Kirchen einig. Aber es geht voran. Das zeigt die Veranstaltung am
Freitag Abend in Halle 10.2 im Messezentrum. Schon lange vor Beginn ist
die Halle überfüllt. Über 1.000 Gläubige erleben dort mit, wie Vertreter
von 16 Kirchen in Deutschland die "Charta Oecumenica" unterschreiben.
In dem Dokument verpflichten sich die Kirchen unter anderem zu enger Zusammenarbeit
- nicht zuletzt mit dem Ziel der Abendmahlsgemeinschaft. Orthodoxe, anglikanische,
viele evangelische und die katholische Kirche versprechen in der Charta
weiter, sich für die Wahrung der Menschenrechte einzusetzen und ihren
Beitrag zur Einheit Europas zu leisten.
Zeuge eines Meilensteins
"Das ist toll, dass wir einen solchen
Meilenstein miterleben können", freut sich Max. Der 17-Jährige hat zwar
keinen Platz mehr in der Halle bekommen, aber wie Hunderte andere das
Ereignis auf einer Großbildleinwand im Freien mitverfolgt. Max ist unter
den jungen Leuten wohl eine Ausnahmeerscheinung. Den meisten seiner Altersgenossen
ist "das Theater um evangelisch oder katholisch" egal. Lisa, die bei einer
anderen Veranstaltung ansteht, interessiert sich mehr für die Jugendveranstaltungen
wie Konzerte oder den Diskussionsabend mit Gerhard Schröder. "Das ist
das tolle am Kirchentag: Wo sonst kann man Politiker so hautnah erleben?"
Max dagegen meint: "Es ist schon
was besonderes, dass sich Katholische und Evangelische zu so einem Treffen
zusammen tun." Damit nimmt er vorweg, was Präses Manfred Kock, Ratsvorsitzender
der Evangelischen Kirche Deutschlands zum Abschluss des ÖKT sagt: "Der
ÖKT ist ein Meilenstein in der Geschichte unserer Kirchen." Katholikentag
(der nächste ist 2004 in Ulm) wie Evangelischer Kirchentag (der nächste
ist 2005 in Hannover) würden nach Berlin anders sein. "Berlin hat neue
Maßstäbe gesetzt."
Karin Ilgenfritz
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Kirchentag in Zahlen
Der erste Ökumenische Kirchentag
(ÖKT) übertraf Katholikentage und Evangelische Kirchentage: Laut
Statistik waren über 192.000 Dauerteilnehmer gekommen, davon waren
rund 41.000 Mitwirkende und etwa 5.400 Gäste kamen aus 90 Ländern.
Knapp zwei Drittel der Besucher waren evangelisch, ein Drittel katholisch.
Das weibliche Geschlecht war mit fast 60 Prozent vertreten. Der
ÖKT zog Jung wie Alt an, überwiegend allerdings jüngere Menschen:
Über 60 Jahre alt waren 17 Prozent der Besucher, unter 40 Jahre
rund 52 Prozent. Ein Wort zur Finanzierung: Der ÖKT hat einen Etat
von 18,2 Millionen Euro. Davon werden 6,7 Millionen Euro vom Land
Berlin und der Staatlichen Klassenlotterie sowie 1,53 Millionen
Euro vom Bundesinnenministerium finanziert. Knapp zehn Millionen
stammen aus Eigenmitteln wie Teilnehmergebühren und Spenden. kil
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