Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 22 )

Menschen aus anderen Volksgruppen als Hoffnungsträger

Nach Massenauswanderung: Die Zukunft der deutschstämmigen evangelischen Gemeinden in Rumänien

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Ein Symbol für Kirchenburgen in Siebenbürgen ist die Anlage in Tartlau. (Fotos: güs)
   

50 Angriffen waren die 14 Meter hohen und 4,5 Meter dicken Mauern ausgesetzt. Bis zu 2.000 Menschen boten sie Schutz. Die Kirchenburg im siebenbürgischen Tartlau ist eine der besterhaltenen Anlagen ihrer Art. Doch heute ziehen sich nur noch wenige Menschen hinter die dicken Mauern mit der Kirche als Mittelpunkt zurück. Zum sonntäglichen Gottesdienst in deutscher Sprache kommen zwischen 13 und 15 Personen, knapp ein Zehntel der kleinen evangelischen Gemeinde. Sie musste Anfang der 90er Jahre einen kräftigen personellen Aderlass hinnehmen.

Geistliche Heimat

Wie in Tartlau erging es auch den anderen protestantischen Gemeinden, die über Jahrhunderte eine geistliche Heimat für die Deutschstämmigen in Rumänien darstellten. Die Ausreisewelle begann 1978, nachdem der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt und der rumänische Staatspräsident Nicolai Ceausescu ein Abkommen über "Familienzusammenführung" geschlossen hatten. Gegen die Zahlung eines"Kopfgeldes" konnten jährlich 15.000 Deutschstämmige das Land verlassen, unter ihnen 7.000 bis 8.000 Evangelische.

Ende 1989 zählte die Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Rumänien noch 100.000 Mitglieder. Durch die Wende in dem osteuropäischen Land kam es zu einem Exodus ungeahnten Ausmaßes. Mitte 1990 war noch die Hälfte der Gemeindeglieder im Land, sechs Monate später lediglich ein Viertel. In den letzten 12 Jahren sank die Zahl weiter von 25.000 auf heute 15.000. Das ist ein Zehntel derjenigen, die sich in den 70er Jahren zu den evangelischen Gemeinden der Deutschstämmigen in Rumänien rechneten.

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Bischof Christoph Klein (Hermannstadt): "Die städtischen Gemeinden sind unsere Zukunft."
   

"Es war eine Wende zur Freiheit", blickt Bischof Christoph Klein zurück, der auf der Höhe der Ausreisewelle Mitte 1990 sein Amt antrat. Und er fügt hinzu: "Die ersehnte Freiheit schloss auch die Reisefreiheit mit ein." Der frühere Theologieprofessor erzählt ohne Bitternis vom massenhaften Auszug. Für ihn bedeutete es einen schweren Start. "Es herrschte eine traurige Stimmung vor", sagt er. Bei Besuchen in Gemeinden sei er von Verantwortlichen mit Tränen in den Augen empfangen worden.

Das Schlimme an der Situation waren Klein zufolge nicht die zurückgehenden Zahlen, sondern "der Zusammenbruch der Strukturen in der Gemeinschaft". Die Kirche hatte in der Zeit des Kommunismus die Aufgabe, die Gruppe der Deutschstämmigen zu vertreten: "Unter dem Dach der Kirche liefen deutsche Schulen, Traditionen und Kultur weiter." Von der Geburt bis zum Tod seien die Menschen in diese Gemeinschaft hineingestellt worden.

Mit einer neuen Kirchenordnung wollte die evangelische Kirche in Rumänien den geistlichen Dienst sicherstellen. Ein Pfarrer betreut nun zwischen drei und zehn Gemeinden. Über 50 Personen sind für die 250 Gemeinden zuständig, von denen die Hälfte unter 20 Mitglieder hat. Die Zukunft der Kirche sieht Bischof Klein in den Städten. Dort ereigne sich das Entscheidende: "Es gibt volle Kirchen, Kinder- und Jugendarbeit sowie Bibelstunden." Auf dem Land dagegen gingen die Gemeinden zurück. Und noch eine Veränderung sieht der Bischof: "Es wird immer mehr zweisprachige Gemeinden geben." Neben Deutsch, das in vielen Schulen noch gelehrt wird, werde Rumänisch treten.

In manchen Gemeinden ist das schon der Fall. Beispiel Schässburg: Besondere Gottesdienste oder Amtshandlungen gestaltet Pfarrer Hans Bruno Fröhlich zweisprachig. Am Heiligen Abend fasste er seine Predigt noch einmal in rumänisch und ungarisch zusammen. Rund die Hälfte der Besucher sind keine Deutschstämmigen. Zur Gemeinde gehören neben älteren Frauen und Männer, auch jüngere, die mit Rumänien oder Ungarn verheiratet sind. "Die Menschen aus den ,Mischehen' sind unsere Hoffnungsträger", erzählt der Pfarrer und ergänzt: "Ohne sie könnten wir nicht überleben."

Lebendige Gemeinde

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Der Kirchenchor in Schässburg probt für ein Sängertreffen.
   

Taufen und Konfirmationen gehören in Schässburg - wegen des mittelalterlichen Kerns wird es als Rothenburg Rumäniens bezeichnet - zur Tagesordnung. Mit 550 Mitgliedern zählt der Ort inzwischen zu den großen evangelischen Gemeinden in Siebenbürgen. Auch eine intensive diakonische Arbeit hat in Schässburg begonnen. Neben einem "Pflegenest", einer kleinen Pflegestation mit acht Personen gibt es eine ambulante Betreuung. Zudem werden Bedürftige mit Lebensmitteln, Essen auf Rädern oder mit Beihilfen für Gas im Winter unterstützt. "Die soziale Not ist groß", beschreibt Diakonie-Beauftragte Erika Duma die Lage. In den letzten Jahren seien die Armen noch ärmer geworden. Mit ihren Mitarbeiterinnen versucht Erika Duma in Schässburg zu helfen, wo es möglich ist. Ganz im Sinne des sozialen Auftrages, den Bischof Klein so beschreibt: "Die evangelische Kirche hat eine Aufgabe über ihre Volksgruppe hinaus."

Bei den Kirchenburgen waren früher verschlossene Türen wichtig, um den Menschen hinter den dicken Mauern Schutz zu geben. Heute dagegen wollen die deutschstämmigen Protestanten in Rumänien mit offenen Türen Profil zeigen. "Es sind Gemeinden deutscher Herkunft, die aber offen sind für andere Volksgruppen", betont der Bischof.

Günter Saalfrank

 

 


 

Heiliger Geist - Tröster und Dolmetscher der Liebe Gottes

Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir."

Johannes 15, 26



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Unser Bild zeigt die Kassettendecke in der Klosterkirche Himmelspforten bei Würzburg. Darauf dargestellt ist die "Verheißung des Trösters". (Foto: Eigenverlag)
 

In der Zwischenzeit zwischen Ostern und Pfingsten feiern viele von uns ihre Jubelkonfirmation. Vor 25, 50, 60 oder gar 70 Jahren haben sie vor der Gemeinde zum christlichen Glauben ihr "Ja" gesagt. Sie wurden eingesegnet mit dem Spruch "Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist gebe dir seine Gnade..." Bei einer Jubelkonfirmation blicken wir zurück und gleichzeitig nach vorn. Vielleicht können uns die oben stehenden Verse aus dem Johannesevangelium dabei eine Hilfe sein.

Ich stelle mir vor, wie Johannes, der hochbetagte Jünger zurückblickt auf sein Leben. Er kann es gar nicht fassen: Die Zeit ist verronnen wie im Flug. Er versucht, sich ins Gedächtnis zu rufen, wie alles begann. Begonnen hatte es, dass Jesus sich beim letzten Passahfest in die zweite Reihe stellte und die Jünger in den Mittelpunkt rückte. Äußerlich wurde das erfahrbar, dass er ihnen die Füße wusch. Und er betonte immer wieder: "Ihr werdet meine Zeugen sein." Doch, gesteht sich Johannes, zuerst einmal versagten wir gnadenlos. Selbst nach Jesu Auferstehung hielten wir uns lieber hinter verriegelten Türen auf.

Erstaunlich, wie wir dann zu Zeugen wurden: Eigentlich erst, als der irdische Jesus uns ganz verließ und uns den "Tröster" schickte, wie er es nannte. An Pfingsten merkten wir, dass Jesus uns nicht "vertrösten" wollte, sondern sein Versprechen wahr gemacht hat: Der Geist Gottes belebte uns neu und gab uns den Mut, die gute Nachricht von Gottes Liebe weiterzusagen.

Ja,es gab für uns tatsächlich gute und schlechte Zeiten, seufzt Johannes. Aber das erstaunlichste ist, dass wir trotzdem Zeugen geblieben sind, trotz aller Anfeindung, allem Unverständnis und all der Unversöhnlichkeit untereinander! Das ist für mich wirklich das Werk des Heiligen Geistes!

Um das Zeugnis von Jesus geht es. Jesus sagt, es gehört zu unserem Glauben nicht nur dazu, sondern es macht unseren Glauben aus. Das Wort "Zeuge" hängt einerseits zusammen mit zeigen, zum anderen mit "zeugen", d.h. fortpflanzen. Beides ist im Wort Jesu gemeint. Ich versuche das an einem simplen Bild zu verdeutlichen: Wir alle haben schon einmal einen Dom mit bunten Glasfenstern besichtigt. Oft sind darauf biblische Geschichten dargestellt: Adam und Eva, die Propheten, Johannes und Maria unter dem Kreuz, und so weiter. Solange wir nur von außen um die Kirche herumgehen, sehen wir von alledem nichts. Die Fenster wirken schwarz und eintönig. Sobald wir aber den Innenraum betreten, leuchtet ihre Farbenpracht auf. Sie ,predigen' sozusagen die alten Geschichten. So ist es mit dem, was der Heilige Geist in uns wirken will: Er führt Menschen hinein in den Innenraum des Geschehens, wo die Fenster leuchten. Da hören Menschen auf, bloße Zaungäste und ,Außen-Seiter´ zu sein. Sie können dem Blick nun nicht mehr ausweichen. Sie sind gefragt, ob sie der biblischen Botschaft Vertrauen schenken oder in ihrem alten Trott weitermachen wollen.

Ohne den Heiligen Geist, den Tröster und den Dolmetscher der Liebe Gottes bleiben wir in der Tat Außenseiter, Zuschauer und Zaungäste. Doch wo wir Menschen und Lebenssituationen begegnen, die uns zum Zeugnis der Liebe Gottes werden, da werden wir gefragt, ob wir nicht eintreten wollen in das Leben mit Gott. Gott sei Dank, dass es in unserem Leben immer wieder solche Zeuginnen und Zeugen gibt und gegeben hat.

Pfarrer Johannes Tröbs, Petersaurach

Wir beten: Wir bitten, Herr, um deinen Geist, dass du uns deine Kraft verleihst! Dass wir das Alte neu verstehen und uns in deiner Nähe sehen. Wir bitten, Herr, um deinen Geist. Amen.

Lied 642: Wir strecken uns nach dir.

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