Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 21 )

Heilung durch Glaube und Gebet

Alles von Gott erwarten: Menschen erleben erstaunliche Wunder

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Mutter und Sohn sind glücklich: Der vormals taubstumme Junge kann hören und gibt erste Laute von sich.
   

Ein Knoten in der Brust - der Schock sitzt tief. Zwar weiß die junge Frau noch nichts konkretes, aber die Angst ist da. Weitere Untersuchungen stehen an. "Was mir am meisten hilft ist das Wissen, dass einige Leute für mich beten", sagt die 36-Jährige. Sie betet, dass die Untersuchungen für Entwarnung sorgen "oder noch besser: Dass der Knoten verschwindet".

Für Pastor Gert Hoinle vom Christlichen Glaubenszentrum in Schweinfurt sind die Gedanken der jungen Frau nachvollziehbar. "Klar kann ein Knoten durch Gebet verschwinden", sagt er. Er hat schon viele Heilungen erlebt. Aber auch Christen, die an solchen Wundern zweifeln. Für sie hat er Verständnis. Einerseits. Andererseits wieder nicht. "Bei Jesaja zum Beispiel heißt es (Kapitel 53, 4 f.), dass Jesus unsere Krankheit getragen hat und wir geheilt sind durch seine Wunden", zitiert Hoinle. "Kaum jemand bezweifelt, dass Sünden vergeben werden, doch leider tun sich viele schwer daran zu glauben, dass Gott ebenso Krankheiten heilt wie er Schuld vergibt."

Mehr Glaube

Der Pastor der freien evangelischen Gemeinde predigte schon öfter auf Evangelisationsveranstaltungen in Indien und Afrika. Dort hat er erstaunlichste Wunder erlebt: Taubstumme konnten wieder hören und lernten sprechen, Blinde konnten wieder sehen oder Lähmungen verschwanden - "einfach durch Gebet und den Glauben der Menschen".

Ihm falle es in manchen Bereichen durchaus auch schwer an Heilung zu glauben, räumt der 40-Jährige ein. "Im magischen Weltverständnis eines Inders oder Afrikaners haben Wunder und Heilungen viel mehr Platz als in unserer westlichen Wissenschaftsgläubigkeit." Und doch gibt es Heilungen auch in unseren Breitengraden. "Das A und O ist es, tatsächlich von Gott zu erwarten, dass er heilt. Ihm das zuzutrauen", meint Gert Hoinle.

Evangelisches Sonntagsblatt In Indien kommen mehrere hundert Menschen zu den Evangelisationsveranstaltungen - viele erleben erstaunliche Heilungen.

Fotos: privat

Seiner Ansicht nach gibt es mehrere Möglichkeiten der Heilung. Wunder sind eine davon. "Damit wird Gott verherrlicht und Menschen kommen zum Glauben. Wie zum Beispiel bei dem Kranken von Bethesda (Johannes 5, 1 ff.): Der Mann hat nichts dazu beigetragen, er hat nicht einmal mit seiner Heilung gerechnet." Auf solche Wunder haben Menschen keinerlei Einfluss. "Da fließt Gottes Kraft. Das erlebe ich bei großen Veranstaltungen wie Heilungsgottesdiensten ganz besonders."

Eine weitere Art, gesund zu werden ist laut Hoinle der eigene Glaube an die Heilungskraft Gottes. "Viele Geschichten in der Bibel erzählen davon, dass Jesus jemanden geheilt hat mit den Worten: Dein Glaube hat dich geheilt (Markus 5, 34)." Letztlich ist es Hoinles Überzeugung: "Wie jede Sünde vergeben wird, so kann Gott auch jede Krankheit heilen." Doch er warnt: "Gleichzeitig würde ich zu keinem Kranken sagen, der vergebens um Heilung betet, dass er zu wenig Glauben hat oder ihm den Glauben gar absprechen. Das wäre fatal. Schließlich ist eine Heilung längst nicht das einzige Indiz für Erlösung."

Sorgen machen krank

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Im Christlichen Glaubenszentrum in Schweinfurt finden regelmäßig Heilungsgottesdienste statt. Pastor Gert Hoinle (links) lädt dazu gelegentlich Gäste ein, wie hier Billy Smith aus Amerika.
   

Das Gebet anderer für den Kranken, Salbung und Sündenvergebung sind weitere Möglichkeiten, wie jemand gesund werden kann. Zum Beispiel heißt es bei Jakobus 5, dass Kranke die Ältesten rufen "sie mögen über ihn beten und ihn salben im Namen des Herrn". Hoinle dazu: "Manchmal wird jemand nicht durch den eigenen Glauben, sondern durch den des Predigers geheilt."

Oft seien auch Beziehungsprobleme und unvergebene Schuld Ursache für gesundheitliche Probleme. Psychosomatische Krankheiten seien keine Erfindungen der Ärzte. "Jeder sollte seinen Teil dazu beitragen, Schwierigkeiten aus der Welt zu schaffen und sich von Gott die Sünden vergeben lassen." Auch in Ärzten und der Medizin sieht Gert Hoinle "biblische Heilmittel". Schließlich sei in der Bibel häufig von Öl und Salbungen die Rede.

Doch egal ob Medizin, Seelsorge oder Heilungswunder: "Die Erwartung, dass Gott handelt und das Gebet erhört, gehören für mich dazu. Keine Krankheit kommt von Gott - aber er kann Gutes daraus machen." Die Heilungsgottesdienste in seiner Gemeinde sind gut besucht. Nicht nur in freien Gemeinden ist die Nachfrage nach Salbung, Segnung und Gebet mit Handauflegung groß. "Das ist gut. Ich glaube, Gott wartet nur darauf, dass wir zu ihm kommen", so Hoinle. Übrigens rief die junge Frau kurz vor Redaktionschluss an: Der Knoten in ihrer Brust ist - wie durch ein Wunder - verschwunden.

Karin Ilgenfritz

 

 


 

Beim Gebet rückt Gottes Wille ins Blickfeld

Amen, ich versichere euch: Der Vater wird euch dann alles geben, worum ihr ihn bittet, weil ihr es in meinem Namen tut und euch auf mich beruft. Bisher habt ihr nichts in meinem Namen erbeten. Bittet, und ihr werdet es bekomen, damit eure Freude vollkommen und ungetrübt wird.

Johannes 16, 23 b-24



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Foto: idea-Bild
 

"Jetzt hat ihr ganzes Beten doch nichts geholfen." So sprach mich am Tag der ersten Bombardierung von Bagdad ein Mann an. Und lachte mir dreist ins Gesicht. "Sie meinen also wir hätten uns die regelmäßigen Friedensgebete in unserer Stadt und in der ganzen Welt sparen können?" So fragte ich zurück, und er antwortete: "Nein, sie waren schon ganz gut, aber sie haben eben doch nichts bewirkt - der Krieg war nicht aufzuhalten."

Recht rasch war ich mit diesem Herrn in ein Gespräch über Sinn und Unsinn des Betens verwickelt. Dabei musste ich wieder einmal feststellen, dass das Gebet wie eine Maschine gesehen wird: Vorne das Kommando rein und hinten soll rauskommen was man will.

Wenn man so denkt, verstehe ich, dass man mit der Zeit aufhört zu beten. Warum dann beten an den Betten von Todkranken, und Sterbende, warum beten mit Trauernden? Warum beten für Menschen in Kriegen oder bei Katastrophen? Nur beten in der Hoffnung, dass Gott, weil ich so schön bete, ein Wunder tut? Das Schreckliche ungeschehen macht?

Für mich ist das eine schaurige Vorstellung. Der Evangelist Johannes hilft hier, wenn er davon schreibt, dass Jesus seine Jünger darauf hinweist, dass sie in seinem Namen beten sollen. Wenn ich in Jesu Namen bitte, dann beachte ich, wie er selbst gebetet hat. Zwei seiner für mich prägendsten Gebete fallen mir dazu ein: Das Vater Unser und Jesu Gebet im Garten Gethsemane, das da schließt: "Herr dein Wille geschehe und nicht meiner."

Die Gebete Jesu geben mir Antwort darauf, was beten im Namen Jesu heißt. Es geht nicht darum, dass mein Wille durch das Gebet erfüllt wird, sondern Gottes Wille ins Blickfeld rückt in mir. Jesus tritt in seinen Gebeten in einen Dialog mit Gott ein. Er nimmt Gott als Gegenüber wahr, ein Gegenüber zu dem er mit seinen Sorgen und Nöten kommt, seiner ganzen Angst, weil er weiß, dass in diesem Zwiegespräch die ganze Macht liegt. Es ist ihm bewusst, dass es nicht der menschliche Wille ist, der in Erfüllung gehen soll, sondern es ist eher die Klarheit des Herrn, die leuchtet, wenn wir beten. Wir bringen vor Gott nichts Neues. Er weiß längst, wo uns der Schuh drückt, was uns bewegt. Nicht er braucht unser Gebet, sondern wir brauchen den Dialog mit Gott. Im Namen Jesu zu beten, heißt ihn sich zum Vorbild zu machen und zu erkennen, dass Gott mein bestes Gegenüber ist. Dadurch können wir den Mut haben den Wahrheiten unseres Lebens ins Gesicht zu schauen und Kraft schöpfen die Spreu vom Weizen zu trennen, auf dass wir erkennen, was gut und richtig ist.

Beten im Namen Jesu heißt, wahrzunehmen, was Gottes Wille ist und Mut zu fassen, um den Weg seines Willens zu gehen. Das löst selbst in der Not Freude aus, weil wir Gott als den Liebenden erkennen und nicht als den, der uns durch Not und Leid strafen will.

So habe ich es an manchem Krankenbett empfunden, an manchem Sterbebett und auch bei ökumenischen Friedensgebeten in unserer Stadt und weltweit. Ich konnte bei all den Gebeten erkennen, dass er mitgeht in meinen und den weltweiten Höhen und Tiefen. Ich spürte: Im Dialog mit Gott werden wir befähigt, Leid auszuhalten und gleichzeitig gegen das Leid anzugehen, weil es erkannt wird als das was es ist: Weltliche Schuld und nicht göttliches Wirken. So bewirkt das Gebet Großes, denn mit unserem Gott können wir über Mauern springen.

Anne Salzbrenner, Pfarrerin in Lichtenfels

Wir beten: Liebender Gott, wir danken dir, dass du uns einlädst zum Gespräch mit dir. Lass es uns nutzen, immer wieder neu, um deinen Willen zu erkennen. Lass uns so gestärkt durch dich als unser Gegenüber neu ins Leben gehen. Amen

Lied 642: Wir strecken uns nach dir.

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