Mütter und Töchter
Was für eine gesunde
Beziehung wichtig ist
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Besonders,
wenn die Tochter im Pubertätsalter ist, kann das Verhältnis zur
Mutter gespannt sein. Spontane, offene Gespräche - wie hier in der
Küche - sind da wichtig.
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"Früher sind manchmal die Fetzen
geflogen", erzählt Annika. "Als Jugendliche habe ich einige Male so mit
meiner Mutter gestritten, dass ihr schon mal die Hand ausgerutscht ist
und Türen knallten."
Mit diesen Erfahrungen steht Annika
nicht allein da. "Die Pubertät ist fast immer eine schwierige Zeit, in
der sich das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter verändert", sagt Helga
Krahn-Heubeck. Die Diplom-Psychologin hat durch ihre Praxis als psychologische
Psychotherapeutin einige Erfahrung damit. Sie ist oft eingeladen zu Vorträgen
in Kirchengemeinden oder kirchlichen Einrichtungen. Auch daher weiß sie:
"Die meisten Mütter haben Probleme mit pubertären Töchtern."
Bemuttert werden
Heute ist Annika 32 Jahre alt und
geht längst ihre eigenen Wege. Das Verhältnis zu ihrer Mutter hat sich
seit ihrer Jugendzeit sehr verändert. "Zum Glück", lacht sie. "Meine Mutter
ist für mich immer wieder ein Zufluchtsort." Wenn ihr gelegentlich alles
über den Kopf wächst, sucht sie schon mal lieber die Mutter als eine Freundin
auf. "Dieses Gefühl von Geborgenheit, bemuttert zu werden, das bekomme
ich nur bei ihr." Ein Schokoladenpudding - liebevoll zubereitet von der
Mama - kann wahre Wunder bewirken.
Helga Krahn-Heubeck dazu: "Das
klingt nach einer gesunden Mutter-Tochter-Beziehung." Bei ihr schrillen
die Alarmglocken, wenn sich Mutter und Tochter als Freundinnen bezeichnen.
"Das geht nicht. Eine Mutter bleibt immer Mutter und kann für die Tochter
nicht zur Freundin werden. Umgekehrt gilt das genauso." Deswegen könne
das Verhältnis durchaus freundschaftlich sein, aber es sei immer anders,
sich mit einer Freundin zu unterhalten als mit der Mutter. "Zum Beispiel
tauschen sich Freundinnen durchaus über ihre sexuellen Erfahrungen aus.
Das ist ein Thema, das meiner Ansicht nach zwischen Mutter und Tochter
nichts zu suchen hat", so die Psychologin. "Denn, wenn die Mutter davon
erzählt, geht es schließlich für die Tochter um den eigenen Vater! Das
ist für sie in der Regel eher eine Belastung und das will sie auch nicht
hören."
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Im Erwachsenenalter
verstehen sich viele Mütter und Töchter so gut, dass sie gern gemeinsam
etwas unternehmen, wie zum Beispiel einen Einkaufsbummel.
(Fotos: Wodicka)
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Die Veränderung der Beziehung zwischen
Mutter und Tochter im Laufe des Lebens ist wichtig. "Als Mädchen orientieren
sich die Töchter an der Mutter", sagt Krahn-Heubeck. Doch bis zum Erwachsenenalter
müssen sie sich wieder distanzieren, um ihren eigenen Weg zu gehen. "Es
ist schon so, dass die Mutter eine große Rolle im Leben der Tochter spielt",
sagt Krahn-Heubeck. Das ist gut nachvollziehbar - ist doch die Mutter
die Person, mit der ein Kind das Leben beginnt und die früheste Beziehung
überhaupt entwickelt. Und die Töchter haben ganz automatisch die Mutter
zum Vorbild - ob das nun ein gutes oder schlechtes ist, sei dahin gestellt.
In ihrer Praxis erlebt die Psychologin,
dass gerade bei Frauen zwischen dreißig und vierzig Jahren eine starke
Sehnsucht nach der Mutter aufbricht. "Das ist das Alter, in dem viele
Töchter selbst Kinder bekommen oder sich zumindest mit dem Gedanken an
Kinder beschäftigen." Nicht selten kommt sie mit Frauen, die ihre Praxis
wegen Depressionen aufsuchen, auf das Thema Mutter.
"Auch erwachsene Töchter möchten
von ihrer Mutter anerkannt und akzeptiert werden", so Helga-Krahn-Heubeck.
Für Töchter ist es schlimm, wenn die Mutter nicht richtig zuhört und sie
sich nicht verstanden fühlen. Doch oft genung bleibt das Verständnis und
die Bestätigung aus, weil das Verhältnis zur Mutter nicht gut ist. "Manche
Töchter haben nie eine gute Beziehung zu ihrer Mutter, das ganze Leben
lang nicht." Das müssen sie akzeptieren "und sehen, wo sonst sie sich
die Anerkennung und Bestätigung holen können, die sie brauchen". Das kann
der Freundeskreis, der Partner, die Arbeit oder ein Hobby sein.
Manchmal sitzen Verletzungen sehr
tief. Vor allem Misshandlungen, Missbrauch, Herabsetzung und Benachteiligung
graben sich tief in die Seele ein. In einer Therapie kann manches verarbeitet
und gelöst werden. "Gelegentlich können Dinge im Gespräch mit der Mutter
aufgearbeitet werden", so die Psychologin. "Das ist aber oft nicht möglich."
In jedem Fall sei es für das eigene
Fortkommen notwendig, Verständnis für die Mutter zu entwickeln. Zum Beispiel
darüber nachzudenken, wie sie ihr eigenes Tochter-sein erlebt hat. Schließlich
ist jede Mutter auch Tochter. Oder zu überlegen, in welcher Zeit die eigene
Mutter aufgewachsen ist. Was waren ihre Vorbilder? Wie hat sie gelebt?
Und wie Beziehungen gestaltet? "Ich beleuchte mit den Frauen die Rolle
der Frau in ihrer Familie. Im Rückblick auf die Familiengeschichte ergeben
sich meist interessante Erkenntnisse."
Nicht hilflos ausgeliefert
Keinesfalls dürfe sich auf Dauer
ein "Schuld-Denken" festsetzen. "Man kann nicht sagen, die Mutter ist
an der Depression schuld oder die Tochter ist schuld, dass die Ehe der
Mutter zerbrach", meint die Psychologin. Jeder Mensch ist für sich selbst
verantwortlich, kann sein Leben in die Hand nehmen und ist der Vergangenheit
oder den Umständen nicht hilflos ausgeliefert. "Es ist gut, wenn es Mutter
und Tochter gelingt neben dem einander verstehen, sich verzeihen zu können
und nicht ein Leben lang zu hadern."
Abgebrochene Kontakte sind immer
ungut und setzen sich fort, meint die Psychologin. "Meiner Meinung nach
ist es die Aufgabe von Müttern, immer wieder auf ihre Töchter zuzugehen.
Gerade auf ältere Töchter", sagt Helga Krahn-Heubeck. Das könne ein Brief
zum Geburtstag sein, eine Karte zu Ostern oder ein Anruf. "Auch, wenn
es zum Bruch gekommen ist, signalisieren sie damit ihrer Tochter: Ich
bin noch da." Häufig sind solche Lebenszeichen der erste Schritt zu einer
besseren Beziehung. "Mütter und Töchter können es durchaus sehr schön
miteinander haben." So wie Annika und ihre Mutter.
Karin Ilgenfritz
Den Dank für Gottes gute Gaben in Worte fassen
"Jauchzet
Gott, alle Lande! Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich!
Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem
Tun an den Menschenkindern."
Psalm
66, 1-2.5
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Foto: Kusch
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Neulich reichte mir
meine zweijährige Tochter das von mir erbetene Buch mit der prompten Aufforderung:
"Sag danke!" Recht hatte sie. Zugleich war sie mir einmal mehr zum Spiegel
meines Verhaltens geworden. Wie viele Eltern bin ich eben bemüht, dass
die Kinder danken, wenn sie etwas bekommen. Das sollen sie nicht nur,
weil es sich eben so gehört, sondern vor allem, weil sie Dankbarkeit lernen
und nicht alles als selbstverständlich hinnehmen sollen.
Aber wie steht es
mit uns Erwachsenen? Wie oft gelingt es uns, für das, was Gott uns schenkt,
wirklich dankbar zu sein? Wie oft stimmen wir in die Worte des Psalmisten
ein und singen: "Jauchzet Gott, alle Lande! Lobsinget zur Ehre seines
Namens; rühmet ihn herrlich!"? Natürlich, es gibt immer wieder Situationen
in unserem Leben, in denen es erst einmal angesagt ist, Gott alles Leid
zu klagen. Auch dem Schreiber unseres Psalms war es sicher nicht immer
nur nach Loben und Danken zumute. Wenn man den Psalm ganz liest, erfährt
man, dass er manch Schweres hinter sich hat. Von Prüfungen, Läutern und
Lasten ist da die Rede. Doch durch all dieses hindurch hat er wieder den
Weg zum Lob Gottes gefunden.
Vielerlei in unserem
Leben können wir nicht direkt beeinflussen, manches nicht einmal indirekt
oder langfristig. Aber welche Haltung wir zu diesen Ereignissen und Umständen
einnehmen, steht sehr wohl in unserer Macht. Oder mit dem bekannten Bild
gesagt: Ob das Glas halb voll oder halb leer ist, ist Anschauungssache.
Bei einer Bibelarbeit
wurden wir Teilnehmer dazu angeregt, einen persönlichen Dankpsalm zu schreiben.
Etwas hilflos saß ich zunächst da. Zunächst kam mir all das in den Sinn,
was mir in meinem Leben gerade schwer war. Da kam schon was zusammen.
Aber ich sollte ja keinen Klage- sondern einen Dankpsalm schreiben. So
überlegte ich weiter - und wirklich, bald hatte ich eine stattliche Dankesliste
beieinander und spürte plötzlich, wie sich Dankbarkeit meinem Gott gegenüber
in mir ausbreitete, der mir direkt oder durch andere soviel Gutes getan
hatte. Versuchen sie es doch einmal, vielleicht gerade am Sonntag Jubilate,
der uns zum Loben auffordert.
Manchen Menschen
hilft es auch, sich ein "Dankbüchlein" zuzulegen, in das sie am Abend
mindestens eine Begebenheit des jeweiligen Tages vermerken, für die sie
danken wollen. Was könnte ich in meines heute schreiben? Vielleicht: "Der
Osterkaktus blüht herrlich", oder "alle fünf Kinder waren heute bei netten
Menschen eingeladen, so dass ich freie Zeit hatte", oder "Gott liebt mich
- trotz allem".
Wenn wir unseren
Blick auch für die kleinen Freuden schulen, die Gott uns täglich schenkt,
werden wir dankbarer, froher und auch unabhängiger von den Dingen, die
wir mitunter gar nicht beeinflussen können. Eine kleine Geschichte verdeutlicht
das: Ich traf einen jungen Mann, kerngesund, modisch gekleidet, Sportwagen,
und fragte beiläufig, wie er sich fühle. "Was für 'ne Frage", sagte er,
"beschissen." Ich fragte, ein wenig verlegen, eine schwer behinderte ältere
Frau in ihrem Rollstuhl, wie es ihr gehe. "Gut", sagte sie, "es geht mir
gut". Da sieht man wieder, dachte ich bei mir, immer hat man mit den falschen
Leuten Mitleid (I. Hofmann).
Pfarrerin Ulrike
Fischer
Wettelsheim/Bubenheim
Wir beten:
Barmherziger Gott, wie viel Gutes hast du mir in meinem Leben schon geschenkt,
das ich allzu oft als selbstverständlich hinnehme. Hilf mir immer mehr,
voller Dankbarkeit die Spuren deiner Liebe in meinem Leben zu entdecken.
Lied 602:
Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn. Eine gute Übung: Man kann sich
an jedem Abend etwas Zeit nehmen und in einem Tagebuch festhalten, wofür
man Gott an diesem Tag danken will.
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