Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 19)

Mütter und Töchter

Was für eine gesunde Beziehung wichtig ist

 
Besonders, wenn die Tochter im Pubertätsalter ist, kann das Verhältnis zur Mutter gespannt sein. Spontane, offene Gespräche - wie hier in der Küche - sind da wichtig.
   

"Früher sind manchmal die Fetzen geflogen", erzählt Annika. "Als Jugendliche habe ich einige Male so mit meiner Mutter gestritten, dass ihr schon mal die Hand ausgerutscht ist und Türen knallten."

Mit diesen Erfahrungen steht Annika nicht allein da. "Die Pubertät ist fast immer eine schwierige Zeit, in der sich das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter verändert", sagt Helga Krahn-Heubeck. Die Diplom-Psychologin hat durch ihre Praxis als psychologische Psychotherapeutin einige Erfahrung damit. Sie ist oft eingeladen zu Vorträgen in Kirchengemeinden oder kirchlichen Einrichtungen. Auch daher weiß sie: "Die meisten Mütter haben Probleme mit pubertären Töchtern."

Bemuttert werden

Heute ist Annika 32 Jahre alt und geht längst ihre eigenen Wege. Das Verhältnis zu ihrer Mutter hat sich seit ihrer Jugendzeit sehr verändert. "Zum Glück", lacht sie. "Meine Mutter ist für mich immer wieder ein Zufluchtsort." Wenn ihr gelegentlich alles über den Kopf wächst, sucht sie schon mal lieber die Mutter als eine Freundin auf. "Dieses Gefühl von Geborgenheit, bemuttert zu werden, das bekomme ich nur bei ihr." Ein Schokoladenpudding - liebevoll zubereitet von der Mama - kann wahre Wunder bewirken.

Helga Krahn-Heubeck dazu: "Das klingt nach einer gesunden Mutter-Tochter-Beziehung." Bei ihr schrillen die Alarmglocken, wenn sich Mutter und Tochter als Freundinnen bezeichnen. "Das geht nicht. Eine Mutter bleibt immer Mutter und kann für die Tochter nicht zur Freundin werden. Umgekehrt gilt das genauso." Deswegen könne das Verhältnis durchaus freundschaftlich sein, aber es sei immer anders, sich mit einer Freundin zu unterhalten als mit der Mutter. "Zum Beispiel tauschen sich Freundinnen durchaus über ihre sexuellen Erfahrungen aus. Das ist ein Thema, das meiner Ansicht nach zwischen Mutter und Tochter nichts zu suchen hat", so die Psychologin. "Denn, wenn die Mutter davon erzählt, geht es schließlich für die Tochter um den eigenen Vater! Das ist für sie in der Regel eher eine Belastung und das will sie auch nicht hören."

 
Im Erwachsenenalter verstehen sich viele Mütter und Töchter so gut, dass sie gern gemeinsam etwas unternehmen, wie zum Beispiel einen Einkaufsbummel.
(Fotos: Wodicka)
   

Die Veränderung der Beziehung zwischen Mutter und Tochter im Laufe des Lebens ist wichtig. "Als Mädchen orientieren sich die Töchter an der Mutter", sagt Krahn-Heubeck. Doch bis zum Erwachsenenalter müssen sie sich wieder distanzieren, um ihren eigenen Weg zu gehen. "Es ist schon so, dass die Mutter eine große Rolle im Leben der Tochter spielt", sagt Krahn-Heubeck. Das ist gut nachvollziehbar - ist doch die Mutter die Person, mit der ein Kind das Leben beginnt und die früheste Beziehung überhaupt entwickelt. Und die Töchter haben ganz automatisch die Mutter zum Vorbild - ob das nun ein gutes oder schlechtes ist, sei dahin gestellt.

In ihrer Praxis erlebt die Psychologin, dass gerade bei Frauen zwischen dreißig und vierzig Jahren eine starke Sehnsucht nach der Mutter aufbricht. "Das ist das Alter, in dem viele Töchter selbst Kinder bekommen oder sich zumindest mit dem Gedanken an Kinder beschäftigen." Nicht selten kommt sie mit Frauen, die ihre Praxis wegen Depressionen aufsuchen, auf das Thema Mutter.

"Auch erwachsene Töchter möchten von ihrer Mutter anerkannt und akzeptiert werden", so Helga-Krahn-Heubeck. Für Töchter ist es schlimm, wenn die Mutter nicht richtig zuhört und sie sich nicht verstanden fühlen. Doch oft genung bleibt das Verständnis und die Bestätigung aus, weil das Verhältnis zur Mutter nicht gut ist. "Manche Töchter haben nie eine gute Beziehung zu ihrer Mutter, das ganze Leben lang nicht." Das müssen sie akzeptieren "und sehen, wo sonst sie sich die Anerkennung und Bestätigung holen können, die sie brauchen". Das kann der Freundeskreis, der Partner, die Arbeit oder ein Hobby sein.

Manchmal sitzen Verletzungen sehr tief. Vor allem Misshandlungen, Missbrauch, Herabsetzung und Benachteiligung graben sich tief in die Seele ein. In einer Therapie kann manches verarbeitet und gelöst werden. "Gelegentlich können Dinge im Gespräch mit der Mutter aufgearbeitet werden", so die Psychologin. "Das ist aber oft nicht möglich."

In jedem Fall sei es für das eigene Fortkommen notwendig, Verständnis für die Mutter zu entwickeln. Zum Beispiel darüber nachzudenken, wie sie ihr eigenes Tochter-sein erlebt hat. Schließlich ist jede Mutter auch Tochter. Oder zu überlegen, in welcher Zeit die eigene Mutter aufgewachsen ist. Was waren ihre Vorbilder? Wie hat sie gelebt? Und wie Beziehungen gestaltet? "Ich beleuchte mit den Frauen die Rolle der Frau in ihrer Familie. Im Rückblick auf die Familiengeschichte ergeben sich meist interessante Erkenntnisse."

Nicht hilflos ausgeliefert

Keinesfalls dürfe sich auf Dauer ein "Schuld-Denken" festsetzen. "Man kann nicht sagen, die Mutter ist an der Depression schuld oder die Tochter ist schuld, dass die Ehe der Mutter zerbrach", meint die Psychologin. Jeder Mensch ist für sich selbst verantwortlich, kann sein Leben in die Hand nehmen und ist der Vergangenheit oder den Umständen nicht hilflos ausgeliefert. "Es ist gut, wenn es Mutter und Tochter gelingt neben dem einander verstehen, sich verzeihen zu können und nicht ein Leben lang zu hadern."

Abgebrochene Kontakte sind immer ungut und setzen sich fort, meint die Psychologin. "Meiner Meinung nach ist es die Aufgabe von Müttern, immer wieder auf ihre Töchter zuzugehen. Gerade auf ältere Töchter", sagt Helga Krahn-Heubeck. Das könne ein Brief zum Geburtstag sein, eine Karte zu Ostern oder ein Anruf. "Auch, wenn es zum Bruch gekommen ist, signalisieren sie damit ihrer Tochter: Ich bin noch da." Häufig sind solche Lebenszeichen der erste Schritt zu einer besseren Beziehung. "Mütter und Töchter können es durchaus sehr schön miteinander haben." So wie Annika und ihre Mutter.

Karin Ilgenfritz

 

 

 


 

Den Dank für Gottes gute Gaben in Worte fassen

"Jauchzet Gott, alle Lande! Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich! Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern."

Psalm 66, 1-2.5



 
Foto: Kusch
 

Neulich reichte mir meine zweijährige Tochter das von mir erbetene Buch mit der prompten Aufforderung: "Sag danke!" Recht hatte sie. Zugleich war sie mir einmal mehr zum Spiegel meines Verhaltens geworden. Wie viele Eltern bin ich eben bemüht, dass die Kinder danken, wenn sie etwas bekommen. Das sollen sie nicht nur, weil es sich eben so gehört, sondern vor allem, weil sie Dankbarkeit lernen und nicht alles als selbstverständlich hinnehmen sollen.

Aber wie steht es mit uns Erwachsenen? Wie oft gelingt es uns, für das, was Gott uns schenkt, wirklich dankbar zu sein? Wie oft stimmen wir in die Worte des Psalmisten ein und singen: "Jauchzet Gott, alle Lande! Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich!"? Natürlich, es gibt immer wieder Situationen in unserem Leben, in denen es erst einmal angesagt ist, Gott alles Leid zu klagen. Auch dem Schreiber unseres Psalms war es sicher nicht immer nur nach Loben und Danken zumute. Wenn man den Psalm ganz liest, erfährt man, dass er manch Schweres hinter sich hat. Von Prüfungen, Läutern und Lasten ist da die Rede. Doch durch all dieses hindurch hat er wieder den Weg zum Lob Gottes gefunden.

Vielerlei in unserem Leben können wir nicht direkt beeinflussen, manches nicht einmal indirekt oder langfristig. Aber welche Haltung wir zu diesen Ereignissen und Umständen einnehmen, steht sehr wohl in unserer Macht. Oder mit dem bekannten Bild gesagt: Ob das Glas halb voll oder halb leer ist, ist Anschauungssache.

Bei einer Bibelarbeit wurden wir Teilnehmer dazu angeregt, einen persönlichen Dankpsalm zu schreiben. Etwas hilflos saß ich zunächst da. Zunächst kam mir all das in den Sinn, was mir in meinem Leben gerade schwer war. Da kam schon was zusammen. Aber ich sollte ja keinen Klage- sondern einen Dankpsalm schreiben. So überlegte ich weiter - und wirklich, bald hatte ich eine stattliche Dankesliste beieinander und spürte plötzlich, wie sich Dankbarkeit meinem Gott gegenüber in mir ausbreitete, der mir direkt oder durch andere soviel Gutes getan hatte. Versuchen sie es doch einmal, vielleicht gerade am Sonntag Jubilate, der uns zum Loben auffordert.

Manchen Menschen hilft es auch, sich ein "Dankbüchlein" zuzulegen, in das sie am Abend mindestens eine Begebenheit des jeweiligen Tages vermerken, für die sie danken wollen. Was könnte ich in meines heute schreiben? Vielleicht: "Der Osterkaktus blüht herrlich", oder "alle fünf Kinder waren heute bei netten Menschen eingeladen, so dass ich freie Zeit hatte", oder "Gott liebt mich - trotz allem".

Wenn wir unseren Blick auch für die kleinen Freuden schulen, die Gott uns täglich schenkt, werden wir dankbarer, froher und auch unabhängiger von den Dingen, die wir mitunter gar nicht beeinflussen können. Eine kleine Geschichte verdeutlicht das: Ich traf einen jungen Mann, kerngesund, modisch gekleidet, Sportwagen, und fragte beiläufig, wie er sich fühle. "Was für 'ne Frage", sagte er, "beschissen." Ich fragte, ein wenig verlegen, eine schwer behinderte ältere Frau in ihrem Rollstuhl, wie es ihr gehe. "Gut", sagte sie, "es geht mir gut". Da sieht man wieder, dachte ich bei mir, immer hat man mit den falschen Leuten Mitleid (I. Hofmann).

Pfarrerin Ulrike Fischer
Wettelsheim/Bubenheim

Wir beten: Barmherziger Gott, wie viel Gutes hast du mir in meinem Leben schon geschenkt, das ich allzu oft als selbstverständlich hinnehme. Hilf mir immer mehr, voller Dankbarkeit die Spuren deiner Liebe in meinem Leben zu entdecken.

Lied 602: Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn. Eine gute Übung: Man kann sich an jedem Abend etwas Zeit nehmen und in einem Tagebuch festhalten, wofür man Gott an diesem Tag danken will.

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